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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

\X 78. Samstag, den 28. September 1901. 52. Jahrgang.

PtltP UntPrsirffflHItfrn ^^ Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselb so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis Wstens 28. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer wer bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Wanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hätte am Mittwoch und am Donnerstag besonderes Jagdglück. Er erlegte je einen Zwölf-, Vierzehn-, Sechzehn- und Zwanzigender.

Der Kaiser hat eine kostbare Pvrzellanvase aus du königlichen Manufaktur in Berlin der deutschen Land- witthschaftsgesellschaft ebendaselbst überwiesen. Die Vase foll Siegespreis sein in einem Preisausschreiben für Epirituslokomobilen. Bekanntlich interessiert sich der Kaiser schon seit längerer Zeit lebhaft dafür, dem Heimi­schen Spiritus neue Absatzgebiete zu erschließen, und die Verwendung von Spiritus zum Betrieb von Lokomobilen würde in der That den Spiritusverbrauch mimilich erhöhen und noch den großen Vortheil bieten, öchder Landwirth sich die Betriebskraft für seine Ma­schen selbst herstellen könnte.

In dem Feldzuge gegen China sind von den deutschen Marinemannschasten gefallen oder ihren Wunden erlegen 49 Mann. Verwundet wurden 138 Mann. Verunglückt sind 21 Mann. An Krankheiten sind gestorben 89 Mann Danach stellt sich der Gesammt- odgang sür die Marine auf 297 Mann. Vom Expe­ditionskorps sind gefallen oder ihren Wunden erlegen 16 Mann. Verwundet sind 132 Mann. Verunglückt sind 49 Mann. An Krankheiten sind gestorben 184 Mann. Der Gesammtverlust des Expeditionskorps stellt ^J) danach auf 381 Mann und der Verlust für Marine Hub Expeditionskorps zusammen auf 678 Mann.

In Bremerhaven sind wieder 55 Offiziere und 2002 Manu aus China gelandet worden. Der Gesund­heitszustand dieser an Bord des DampfersNeckar" heimgekehrten Chinakrieger soll günstiger gewesen sein, als aus der vor einigen Tagen mit 2000 Mann ein­getroffenenBatavia" von denen etwa 400 Mann als lyphuskrank im Bremenhavener Barackenlazareth unter­gebracht wurden.

Bremen. Die deutsche Schnelldampfer flotte hat mit der Jnbetriebstellung des SchnelldampfersKronprinz Wilhelm" des Bremer Lloyd eine glänzende Vermehrung eifahren. Wir haben jetzt 13 Schnelldampfer, also Schiffe von 19 bis 24 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit, M Betrieb, denen kein Seestaat der Welt, selbst England nicht, ähnliches entgegenzustellen vermag.

Die Typhus-Epidemie in Gelsenkirchen ist, wie dem 3. L.-A." aus Bochum gemeldet wird, die schwerste dort seit Menschengedenken. Man schätzt bereits die Zahl der Erkrankungen aus 500.

Halle. Bei den Ausschachtungsarbeiten für das 3ustizgebäude in der Poststraße zu Halle a. S. fanden W etwa drei Monaten Arbeiter einen eingemauerten inncrnben Topf voll von Edelsteinen, werthvollen Perlen, kunstvoll gearbeitetem Goldschmuck usw. Von Mem Schatz nahm jeder der betheiligten Arbeiter, l°üiel er nur bekommen konnte, an sich; der Behörde ^röe von dem Funde keine Mittheilung gemacht. Die Reiter entdeckten ferner beim Ausschachlen silberne Achter und eine Anzahl Bronzestücke. Die ersteren ^ren matt vergoldet, und die Arbeiter hielten das td!e Material deshalb für Kupfer, das sie, in Stücke ^schlagen, zu Spottpreisen theilweise an Althändler '"d Goldschmiede verlausten. Auch die zuerst erwähnten ^ldschmucksachen u. s. w sind größtentheils zerschlagen ^°>den. Und doch handelt es sich dabei um Meister- ?"ke der Edelschmiedekunst, deren ursprüngliche Form ch aus den jetzt ausgefundenen Trümmern nur noch Mweise erkennen läßt. Besonders hervorragend ist ^e Krone in herrlichster Ausführung, die vermuthlich u einem Heiligenbilde gehört hat; der Arbeit nach ge- P der Fund dem 16. oder 17. Jahrhundert an. p der an jene Stätte gekommen ist, ist noch nicht auf-

Die Polizei, die leider von dem gehobenen erst Kenntniß erhalten, als dieser schon zum ^rgrößten Theile veräußert war, verfolgt die Ange- °i>rnheit mit Eiser.

Von der Saar. Die Folgen des schlechten Geschäfts­ganges machen sich auch bereits im Saarrevier in empfindlicher Weise bemerkbar. In der Halberger Hütte verkündet ein Anschlag, daß wegen der ungünstigen Lage der Eisenindustrie in diesem Jahre die verheiratheten Arbeiter das übliche Herbstgeschenk von 50 Mark nicht erhalten, sowie daß die sämmtlichen Löhne um 5 v. H. herabgesetzt werden. Die Brebacher Hütte will die üb­lichen Dienstalterszulagen bewilligen, aber in geringerer Höhe als in den Vorjahren.

Aus der Pfalz. Das Heidelberger Faß hat Kon­kurrenz erhalten. Das Riesenexemplar einer Cham­pagnerflasche wird eine Sehenswürdigkeit für die Be­sucher des diesjährigen Wurstmarktes in Dürkheim (Rheinpfalz) bilden. Diese Flasche hat einen Raumin­halt von über 100 000 Flaschen. Sie birgt in ihrem Untertheil einenRathskeller", der Platz für 50 Gäste bietet.

Mannheim, 17. Sept. Vor den Augen seiner Angehörigen gab gestern der 16 Jahre alte Schlosser­lehrling Friedrich Krafft, nachdem er sich geweigert hatte, seinem Vater den von ihm verdienten Lohn abzuliefern, mit einem Flobert einen Schuß auf sich ob, der in die rechte Schläfe eindrang. Er wurde darauf ins All­gemeine Krankenhaus geführt, wo er heute seinen Ver­letzungen erlag.

NuSland.

Wien. Eins der deutschen oststasiatischen Bataillone wird bekanntlich auf Wunsch Kaiser Franz Josephs vom Norddeutschen Lloyd nach Triest gebracht und kehrt über Wien zurück. Das Bataillon wird einen festlichen Ein­zug in Wien halten, ein kameradschaftliches Beisammen­sein mit österreichischem Militär findet in der Rossauer und Albrechtskaserne statt. Wie verlautet, beabsichtigt Kaiser Wilhelm die Entsendung einer preußischen Militär­kapelle nach Wien, welche das Bataillon am Bahnhof empfangen und nach der Kaserne geleiten werde. Bei der Fahrt nach der preußischen Grenze findet tn Peran Bewirthung, ebenso in Oderberg Imbiß und Abschieds- trunk statt. Vorgestern fand, wie man aus Wien meldet, in dem Bergstädtchen Zinnwald bei Teplitz ein Zusammenkunft evangelischer Familien aus Böhmen und Sachsen statt. Während der Ansprache des Pastors Ugnad wurden die Versammelten von Katholiken unter Führung eines Koplans überfallen. Mehrere Personen, auch Frauen, wurden durch Stühle und Gläser verletzt. Der Vorfall erregt große Erbitterung.

London, 23. Septbr. Ein Brief an denDaily Expreß aus Kapstadt schildert den Zustand in der Kap- kolonie wie folgt: Das ganze holländische Element in der Kapkolonie sei ein Aufruhr; Kapstadt leibst ist voller Rebellen und bereits seit Wochen in den Vertheidigungs­zustand gesetzt. Man erwartet jeden Augenblick, daß die Buren Kapstadt berühren werden. Miluer erwägt die Ausdehnung des Kriegsrechts über die ganze Kolonie. Der Feind ist an beiden Küstenlinien und drang bis40 englische Meilen vor Kapstadt. Der Hafen der Mossel- Bucht muß von britischen Kriegsschiffen beschützt werden; alle irgend entbehrlichen Truppen wurden von Kapstadt rcquirirl, um die Bahn südlich von Matjessonkein zu schützen. Die Deligirten, welche dem Herzog von Corn- wall in Kapstadt huldigten, wurden 25 englische Meilen von der Mossel-Bucht auf ihrem Heimwege noch Oudts- heern von Scheepcrs Kommando gefangen genommen. Daily News" erfahren vom Haag, Bolhas und Dewets neue Pläne schlössen die Annexion der Kap kolonie uud Natals ein, worauf ein allgemeiner Aufstand in beiden Kolonien erfolgen werde.

New-Aork. Zur Bekämpfung des Anarchismus. Die Amerikaner sind zu scharfen Maßnahmen gegen die Anar­chisten entschlossen. Infolge der Entdeckung, daß Anar­chisten und andere unliebsame Einwanderer auf gefälschte Pässe nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, sollen die Einwanderungsgesetze weit schärfer als bisher

durchgeführt werden. Wer sich nicht genügend legiti- miren kann, wird unerbittlich zurückbefördert. Das ist etwas. Da aber die Anhänger des Anarchismus in den Vereinigten Staaten nach Tausenden zählen, genügt dir Fernhaltung des einwandernden Gesindels nicht. Es ist daher anzuerkennen, daß ein angesehener Bürgerklub in Chigago einen Ausschuß eingesetzt hat, um eine Kongreß­vorlage gegen den Anarchismus auszuarbeitcn. Hoffent­lich bleiben diese Bestrebungen nicht erfolglos. Polizei- licherseits sind übrigens auch ohne gesetzliche Bestimmungen bereits Maßnahmen zur Bekämpfung des Anarchismus vorgenommen worden. So wurde den Gastwirthen, die anarchistische Kundgebungen duldeten, vielfach die Konzession entzogen. Das Publikum unterstützt die Polizei in dem nothwendigen Kampfe. Angestellte, die Sympathien mit dem Attentat in Buffalo äußerten, wurden ohne weiteres aus ihren Stellungen entlassen. Ein großes Newyorker Blatt, das den Mörder Czolgosz zu vertheidigen wagte, wird von der offiziellen Welt, von den Börsen, von den Handelskammern, Klubs rc.boykottirt. Auch Sena­toren und Abgeordnete nehmen an dem Kampfe thätigen Antheil. Die Ausrottung der Anarchistenführer Und Pro­pagandisten wird allgemein und entschieden verlangt.

Shanghai, 24. September. Aeußerst schlimme Nach­richten über die Noth der Bewohner des Aangtsethales find hier eingetroffen. Es herrscht dort seit mehreren Wochen große Ueberschwemmung. An 10 Millionen Menschen find obdachlos. Die chinesischen Behörden haben einen Unterstützungsdienst organisirt und auch be­reits bebrütende Summen gesammelt. Man befürchtet, daß die Noth unter der Bevölkerung zu schweren Un­ruhen führen wird.

Japan. Eine Schilderung des aufstrebenden Elementar­schulwesens in Japan, die William Burnet inGent- lemants Magazine" veröffentlicht, ist geeignet, die Auf­merksamkeit derjenigen zu erregen, dieJapans zunehmenden Wettbewerb im Handel beobachten. Es sind seit der Einführung einer Erziehungsbehörde im Jahre 1871 fast 3u,000 Elementarschulen erbaut, und in diesen werden 4 Millionen Schüler unterrichtet, von denen ein volles Viertel Mädchen sind. Seit dem Jahre 1880 besteht der Schulzwang für alle Kinder zwischen 6 und 14 Jahren; aber bis jetzt wird noch kein Schulgeld erhoben. Im Jahre 1888 gab es 46 Seminare mit 4416 männlichen und weiblichen Schülern. Wöchenlich werden 28 Unterrichtsstunden er­theilt; Sonntag ist der Ruhetag. Der Religionsunter­richt fehlt vollständig. Auch die große Mehrheit der Studenten in Tokio hat den nationalen Glauben auf­gegeben und glaubt an nichts.

Lokale- und Provinzielles. * Schlächtern, 27. Sept.

* In den letzten Tag,n fand (wie schon gemeldet) am hiesigen Lehrerseminar die diesjährige Abgangsprüfung statt. Es unterzogen sich derselben die 31 Zöglinge der ersten Klasse des Semin ars. Schriftliche Themen waren: Deutsch, Charakteristik einiger Helden aus dem Nibel­ungenlied, Religion: Jesu Wunderthätigkeit, Geschichte: das Jahr 1815, Geographie: das Weltmeer, Naturkunde: die Fernsprechapparate und ihre Wirkung. Den Vorsitz bei der mündlichen Prüfung führte Regierungs- und Schulrath Dr. Hinz-Kaffel. Sämmtliche Examinanden bestanden.

* Ein Bahnunfall, der leicht zu einer folgen­schweren Katastrophe hätte werden können, ereignete sich am Mittwoch Mittag 1206 Uhr auf dem hohen Bahn­damm oberhalb des Felsenkcllcrs. Der von Elm kommende Leipzig-Franksurter Schnellzug traf daselbst auf seinem Geleis einen im Rangieren begriffenen Güter­zug und hielt deshalb auf offener Strecke in ca. 15 Meter Entfernung von dem letzten Wagen des Güterzuges. Die ganz ungewöhnliche Länge des Güterzuges hatte es veranlaßt, daß die letzten Wagen au; das falsche Geleis gerathen waren. Mit einem Male schob der