KchluchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 77. Mittwoch, den 25. September 1901. 52. Jahrgang.
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Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1 Oktober 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Deutsches Reich.
Berlin. Nach Erkundigung der „Berl. N. Nachr." ist an unterrichteten Stellen von einer Reise Kaiser Wllhclm's nach England, etwa im November, wovon
in London gesprochen wird, nichts bekannt. — In dieser Woche jagt der Kaiser in Rominten in Ostpreußen. — Die deutschen Kriegsinvaliden erfahren jetzt eine recht angenehme Ueberraschung. Die Militärkassen sind dieser Tage angewiesen worden, die nach dem Reichsgesetze Dom 31. Mai d. Js. erhöhten Pensionen, sowie Kriegs-, Alters- und sonstige Zulagen auszuzahlen. Es werden die seit dem ersten April fälligen Beträge nachgezahlt.
— Aus einem Briese eines französischen Seeoffiziers M China werden die folgenden interessanten Urtheile ihr die verschiedenen Truppen mitgetheilt: Die Amen inner waren disziplinlos und machten den Eindruck daß sie völlig desorganisirt seien. Man sah amerikanische Soldaten, welche sogar mit ihren Uniformstücken Handel trieben. — Die Italiener waren gänzlich verwahrlost, schlecht genährt, schlecht equipirt. — Die Haltung der Oesterreicher war gut, aber es waren ihrer so wenige, daß man sie kaum bemerkte. — Die Russen waren gut geführt und hielten immer unter sich zusammen, ohne mit anderen Nationen zu verkehren. — Die Engländer waren gut equrpirt, steif wie immer; die indischen Truppen waren mäßig und in schlechtem Zustande. — Die Deutschen waren sehr gut organisirt bei vorzüglicher Disziplin und kontrastirten gegen alle anderen Nationen : außerordentlich korrekt und steis hilfsbereit, wo es etwas zu thun gab, wurden sie von unseren Soldaten be wundert, und man sah häufig Deutsche und Franzosen Arm in Arm während ihres Urlaubes umhergehen — Die Franzosen, gut organisirt, jedoch nicht so dis- ziplinirt wie die Deutschen, machten einen vorzüglichen Eindruck. —- Was die Japaner anbelangt, so gaben sie sich alle Mühe, ließen aber doch noch viel zu wünichen übrig.
— Die Einführung der Prügelstrafe für Rohheits- delikte wird angesichts der anarchistischen Schandthaten jetzt auch von der „Köln. Ztg." empfohlen. Gründe der Humanität wurden bisher stets gegen die Prügel- sirafe geltend gemacht; dem gegenüber betont das nationaUiberale Kölnische Blatt, daß gerade die Humänität den Schutz des Lebens erfordere, und daß dieser Schutz schließlich auch durch das Abschreckungsmittel der Prügelstrafe gewährleistet werden müsse. Wir müssen gestehen, daß wir uns nicht hätten aufregen können, wenn man anarchistischen Mordvuben wie Caserio, Luccheni, Bresci Mb wie jetzt wieder Czolgosz einige Bekanntschaft mit der Knute hätte angedeihen lassen, ehe man sie einem chnellen und leichten Tode überantwortet. Anatchisten >er That gegenüber ist uns jedes Abschreckungsmittel
— Wie wenig friedfertig die neudeutschen Brüder sn Afrika sind und welche militärischen Anstrengungen stt'tgesctzt nöthig werden zur Aufrechterhaltung auch Mr der Ruhe, zeigt das Register der Feldzüge, welches längst veröffentlicht worden ist mit der Maßgabe, daß üc darin aufgesührtenFeldzüge bei der Pensionsberechnung üs Kriegsjahr in Anrechnung kommen. Danach haben 11 den beiden Jahren 1899 und 1900 folgende Abzüge stattfinden müssen: In Ostasrika: 1) Straf- ffpeduion in Groß Arufcha vom 4. bis 28. Februar y00, 2) Ueberfall durch die Wagaya am 17. Februar 900, 3) Straf expedition Mbulu-Jraku vom 12. April
17. Juni 19o0, 4) Strasexpedition gegen die Ladende im September 1900; in Kamerun: 1) Buli Spedition vom 22. Oktober 1^99 bis 17. März 1900, p Strafzug gegen dre Mangissa vom 4. Januar bis Februar 1900. 3) Expedition gegen die Bangwas }”b Keakas vom 25. Februar bis 14. April 1900, s Gefecht im Jemiffengebiet vom 28. Mai bis 8. Juli WOG.
. * — Kontraltbruch ländlicher Arbeiter. Zur Be- ^psung des Kontraktbruches richtet der Vorsitzende
Ausland.
Rumänien. Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich bei der Station Palota in der Nähe von Turn- Severin zugetragen. Die Bremsen eines Petroleumzuges hatten den Dienst versagt und der mit rasender Eile fahrende Zug — eine Strecke, die er in 62 Minuten zurücklegen sollte, durchraste er in 7 Minuten — stieß
der Landwirthschafskammer für Brandenburg an die Landwirthe folgenden Aufruf: „Die Kontraktbruchsfälle landwirthschaftlicher Arbeiter und Dienstboten haben sich seit einiger Zeit so gehäuft, daß Mittel und Wege gefunden werden müssen, um diesem Unwesen zu steuern. Vor allen Dingen müssen die Arbeitgeber jeden vorkommenden Fall von Kontraktbruch zwecks Bestrafung innerhalb der vierzehntägigen Antragsfrist zur Anzeige bringen. Wie wir schon früher bekannt gemacht haben, ist unser Arbeitsamt in Berlin, Schlesischer Bahnhof, von uns beauftragt, Formulare zu Kontraktbruchsanzeigen unentgeltlich zu verabfolgen und die strafrechtliche Verfolgung der Kontraktbrüche zu kontroliren. Neuerdings haben wir das Arbeitsamt angewiesen, eine Liste der kontraktbrüchigen Personen durch den „Landboten' und dir Kreisblätter zu veröffentlichen. Diese Liste wird aber nur dann ihren Zweck erfüllten, wenn die vorkommenden Kontraktbrüche ohne Ausnahme zur Kenntniß unseres Arbeitsamtes gelangen."
— Ueber günstige Erfahrungen mit Getreide-Ver- kaufs Genossenschaften wird in dem Jahresbericht des Verbandes landwirthschaftlicher Genossenschaften im Königreich Sachsen, dem 165 Genossenschaften mit einem Jahresumsatz von 66 Millionen Mark, d. i. 10 Millionen mehr als im Vorjahre, angehören, Mittheilung gemacht. Durch die GetreidenerkaufL- Getioffenschaften sind dem Landwirth regelmäßige und zuverlässige Abnehmer entstanden. Die Preisdrückereien haben allenthalben aufgehört. Es wird selbst in Händlerkreisen zugegeben, daß die Landwirthe wesentlich niedrigere Preise für ihre Produkte erzielen würden, wenn die Genossenschaften nicht vorhanden wären. Durch die Reinigung und Mischung des Getreides wird eine einheitliche Waare geschaffen, die vortheilhaft zu verwerthen ist.
Freiberg. Einen traurigen Anblick bieten tm sächsischen Erzgebirge die verlassenen Silbergruben bei Freiberg, z. B. „Kurprinz", und „Gesegneter Bergmann". Man hat den Betrieb einstellen müssen, weil die bergmännische Gewinnung des Silbers bei dessen jetzigem Preise die Kosten nicht mehr deckt. Der große Gebäudekomplex der Grube „Gesegneter Bergmann", der auf 160 000 Mk. abgeschätzt war, wurde kürzlich an einen Dresdener Industriellen um den Spottpreis von 18 000 Mk. verkauft. Dieser Industrielle will darin mit einem andern Jndustnezweige beginnen.
Köslin. Vergessene Wechsel. Bei der Kreissparkasse für den Kreis Kolberg-Köslin fand, wie die „Post" aus Kolberg meldet, dieser Tage der Verbandsrevisor des Verbandes pommerscher Sparkassen bei einer wegen beabsichtigten Umbaues vom Kuratorium veranlaßten Revision ein ganzes Portefeuille von Wechseln, die seit Jahren liegen und auf denen sich kein Fälligkeitstermin befand, die also auch nicht präsentirt sind und nun werthlose Papiere geworden sind. Seiner Zeit hat auf sie hin der längjähnge Rendant der Kreis sparkasse vielen Leuten von Kolberg und Umgebung gegen Stellung von je zwei Bürgen Geld geborgt, aber — und das ist für einen Beamten unverzeihlich — diese Wechsel sämmtlich mit dem Fälligkeitstermine zu versehen und zu präsentiern vergessen. Jetzt versuchte die Kasse vielfach vergeblich, diese ausgeliehnen Gelder noch einzuziehen; die meisten Schuldner wollen es auf die Klagen ankommen lassen. Schon am ersten Tage nach dem Bekanntwerden dieser Nachlässigkeit haben Aengstliche 60,000 Mark abgeholt. Die Kreissparkasse, die bei 800,000 Mark Reservefonds absolut sicher ist, erleidet immerhin eine erhebliche Einbuße.
auf einen Eilzug. Die Wirkung war eine entsetzliche. Aus 14 Reservoirs ergoß sich das Petroleum wie ein Sturzbach den abschüssigen Einschnitt hinunter auf den Schnellzug und die Fluth wurde von der Lokomotive des Lastzuges in Brand gesteckt. Im Nu waren beide Züge und die ganze Strecke weit hinunter von einem Flammenmeere umgeben, aus dem die markerschütternden Hilferufe und das Stöhnen der in den Waggons ein- geschlossenen Opfer grauenhaft ertönten. Von den 38 Reisenden des Zuges sind 32 umgekommen, außerdem 8 Bedienstete. 6 Personen sind schwer verletzt.
Grymsby, 19. Sept. Der Torpedobootzerstörer „Cobra" ist mit der gesammten Besatzung in die Luft geflogen, während er einer Kesselprobe in der Nordsee bei Aarmouth unterzogen wurde. Ein Fischerdampfer brächte 6 Leichen, die er auf der See treibend gefunden hatte, hierher. Die Besatzung des Feuerschiffes bei Dowsing Sands hatte gestern morgen 7 Uhr die „Cobra" ganz in Rauch gehüllt gesehen. Von 80 Mann der Besatzung sollen, den wetteren Nachrichten zufolge, 58 bei diesem SchiffsunUrgange ums Leben gekommen sein. Die „Cobra" war das Schwesterschiff der vor wenigen Wochen bei den englischen Marinemanövern untergegangenen „Viper." Beide waren von einer ganz neuartigen Konstruktion, bei welcher die Schiffsschrauben d: -ch Turbinen ersetzt worden waren.
London, r9. SepTT"—Lord Kitchcner meldet aus Pretoria: General Botha lockte südlich von Utrecht drei Kompanien berittener Infanterie in einen Hinterhalt. 16 Mann sind getödtet, 30 verwundet, 155 gefangen; drei englische Geschütze wurden erbeutet. — Der Buren- Führer Smuts überfiel westlich von Tarcastad eine Ulanen-Schwadron; 23 Mann wurden getödtet, 31 verwundet. — Das ist eine erfreuliche Antwort auf die Kitchenersche Proklamation und hoffentlich sind die folgenden nicht schlechter.
Transvaal. Als der für das Inkrafttreten der Kitchenerschen Proklamation angesetzte Termin herankam, ohne daß seitens der Buren die mit Sicherheiterwartete Einstellung der Feindseligkeiten erfolgte, da herrschte in ganz England allgemeine Bestürzung, denn soviel Muth und Widerstandskraft hatte man den Buren nicht mehr zugetraut. Aus dieser Bestürzung ist aber der leibhaftige Schrecken geworden, seitdem mit dem Beginn des Frühjahrs die Buren den Krieg wieder schärfer ausgenommen und den Engländern eine Niederlage nach der anderen beibringen, von denen die folgende immer schwerer ist, als die voraufgegangene war. Seit dem 15. September haben schon eine ganze Reihe von Zusammenstößen stattgefunden, bei deren jedem sich die Buren als der überlegene Theil erwiesen, die Buren- siege bei Jagersdrift und bei Ftshriver stellen jene kleinen Erfolge in den Schatten. Die Verluste an Todten und Verwundeten, welche die Engländer in diesen beiden Schlachten hatten, werden selbst in den Berichten des Lord Kitchener auf mehrere Hundert angegeben, sie belaufen sich in Wirklichkeit auf tausend Mann und darüber, wobei die hohe Zahl der gelödteten oder verwundeten Offiziere besonders auffallend ist. Es wird daraus ersichtlich, daß sich die Mannschaften stark drückten und die englischen Offiziere sich in die vorderen Reihen stellen muffen, wenn den Buren überhaupt Widerstand entgegengesetzt werden soll. Jedenfalls hat die Kitchenersche Proklamation eine Antwort erhalten, wie sie prompter und günstiger gar nicht zu denken ist.
Newyork, 19. Sept. Mit dem Glockenschlag drei, der Stunde des Begräbnisses, stockte der Pulsschlag Amerikas vom Atlantic bis zum Pacific. Fünf Minuten lang ruhte jeder Telegraph. Alle Dampfer, jeder Eisenbahnzug, ledes Gefährte machte Halt. Alle Arbeit stockte. Das Bild am Broadway war imposant. Kein Laut war in der Millionenstadt vernehmlich. Barhäuptig blieb jeder auf der Straße stehen, die Augen bodenwärts gerichtet. — Ueber die Todesursache beim Ableben des Präsidenten Mc. Kinley sind neuerdings