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ZchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

X 76.

Samstag, den 2L September 1901

52. Jahrgang

Ititfprswpfhitnrt in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe CHIC WluiLULCUjunß so. bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser traf am 19. d. M. in Cadinen ein und wird von dort mit der Kaiserin am 23. d. M. nach Rominten reisen, wo der Kaiser bis zum 3. Oktober zu verweilen gedenkt.

An alle Chinakrieger, welchen für die Theilnahme an Gefechten Medaillen verliehen wurden, sind jetzt die vom Kaiser gestifteten Spangen vertheilt worden. Als Muster für die Spange diente diejenige zu der Kriegs- denkmünze von 187071. Insgesammt sind 8 Spangen gestiftet worden, die den Namen des Gefechts tragen und in folgender Reihenfolgerangiren: Taku, Tongku, Schiku, Langfang, Nanghuman, Peitzang, Tientsin und Liangsiangschien. Als Beginn der kriegerischen Ereig­nisse in China ist der 30. Mai 1900, als Ende der 29. Juni 1901 anzusehen.

Die Lage der deutschen Industrie ist eine sehr schwierige. Selbst die Kohlengruben sehen sich zu um­fangreichen Arbeiterentlassungen und zur Einlegung von Feierschichten genöthigt, da der Absatz fehlt. Die ge- sammte Eisenindustrie liegt darnieder. Einzelne Zweige derselben haben allerdings leidlich zu thun, aber die Beschäftigung hält einen Vergleich mit früher nicht aus. Namentlich sieht es in der Kleinindustrie übel aus; sie leidet besonders auch unter dem Rückgang der Ausfuhr. Die Maschinenfabriken leiden ähnlich Eisenindustrie. Auch die Textilgewerbe' machen keine Ausnahme. Wo man beschäftigt ist, da geschieht es meistens auf Kosten des Waarenpreises. Dieser aber wird, sagt dasBert. Tagbl.", mit Hil'e des Druckes auf die Arbeitslöhne herabgesetzt. Nur die Kammgarn­webereien und die rheinische Sammctindustrie haben erträgliche Arbeit. Die Spitzen- und Posamentenindustrie im Voigtland und im Rheinland ist beschäftigt, aber un­befriedigend-. Auch die elektrische Industrie hat zahl­reiche Arbeiter entlassen müssen. Ferner fehlt es der Erzeugung von Glaswaaren vielfach an befriedigenden Absätzen, die Möbelfabrikation kann gleichfalls ihre Waaren nicht verkaufen und muß Betriebseinschränkungen entführen. Die ganze Holzindustrie liegt so darnieder/ daß der Verkauf von Nutzholz in den Staatswaldungen ein schwieriger wird. Die Holzindustrie wird bedrückt durch die noch immer ungesunden Verhältnisse im Bau­gewerbe. Unter diesen leidet auch die Steinbruchs­industrie und der Betrieb der Ziegeleien, der vielfach gänzlich eingestellt wurde. Natürlich wird auch das Speditionsgeschäft stark durch die Krise gelähmt. In der Landwirthschaft ist man von der Getreideernte wenig befriedigt. Die Landstraßen zeigen, wie die Krise wirkt. Seit einer Reihe von Jahren waren sie von Wanderburschen nie so belebt, wie gegenwärtig. Allein es sind keine fröhlichen Gestalten, die an uns vor- überziehen. Einige Monate Wanderburschenleben macht Heuteden festesten Charakter mürbe.

Leipzig, 18. September. Die Konkursbilanz, der LeipzigerBank ergiebt einen Fehlbetrag von 43 301006 Mk.

Heilbronn, 16. Sept. Im Hause des verhafteten Direktors der Heilbronner Gewerbebank, Fuchs, wurde heute Vormittag ein Betrag von fünfzigtausend Mk. in einem Versteck auf dem Dachraume aufgefunden. Diesen Betrag hat Fuchs augenscheinlich bei Seite geschafft, um damit zu entfliehen. Vorläufig wurde eine Unter­bilanz von 1 */, Millionen Mk. festgestellt. Ein großer Theil der bei der Bank niedergelegten Depots ist nach Frankfurt weiter verpfändet worden. Der Gesammtschaden der Bank wird 3 Millionen Mark oder noch mehr be­tragen. Sämmtliche 3 Direktoren der Bank, Fuchs, Keefer und Krug, sitzen in Haft. Entgegen der Ver­sicherung, daß alle Gläubiger befriedigt werden sollen, gilt der Konkurs als unvermeidlich

Aus Starkenburg. 16. Sept. Die Verpflegungs Nationen weisen neuerdings eine ganz erhebliche, sich stetig steigernde Frequenz auf. Einzelne Stationen sind täglich nahezu überfüllt von Handwerksburschen, unter denen sich neben den obligatenWalzbrüdern" auch Mreiche junge und arbeitswillige Leute befinden. An­

gesichts der gegenwärtig in den industriellen Betrieben herrschenden Geschäftsstockungen kann indesfen diese Er­scheinung weniger affallen. Für die bevorstehende Winterszeit eröffnet sie freilich eine trostlose Perspektive. Unter der großen Schaar der arbeitslosenfremden Reisenden" zeigen sich ungewöhnlich viele Buchdrucker- gehilken. Ein Buchdrucker eines kleineren Landstädtchens versichert uns, daß dieser Tage nicht weniger als 19 Druckergehilfen bei ihm um Beschäftigung anhielten. Diese Thatsache dürfte sich aus dem Umstände erklären, daß infolge der im Buchdruckergewerbe neuerdings ein­getretenen Betriebsflauheit das Setzerpersonal beträchtlich reduzirt werden mußte.

Aus Rheinhessen, 17. September. Infolge des Regenwetters der letzten Wochen haben sich die Aussichten für die diesjährige Weinlese bedeutend verschlechtert. Ueberall hört man Klagen, da namentlich auch bei den frühreifen Weinanlagen ^die Traubenfäule ausgetreten ist und rapid um sich greift. ___________________

Ausland.

Frankreich. Es kommt vielerlei zusammen, um die Wirkung des diesmaligen Zarenbesuches in Frankreich abzuschwächen. Die Schreckensthat von Buffalo lastet wie ein Alb auf den Gemüthern. Der Verzicht eines Besuches von Paris verstimmt die Nationalisten, die an d- -Seine das Heft in der Hand haben, auf8 aller- empsindlichtiei^Der^ UmständT^aff die Kalsertoan-^tm Danzig angeblich auf Wunsch des Zaren nicht veröffent­licht worden sind, erweckt die Befürchtung, daß diese Toaste ganz besonders herzlich gewesen sind und den letzten Hoffnungsfunken auf baldige Vergeltung aus- löschen. Die gewaltigen russischen Anleihen haben auf die Russenbegeisterung in Frankreich auch einigermaßen cntnüchtcrnd gewirkt. Die dem Zaren nachgesagte Ab­sicht, mit seinem Besuche die innerpolitischen Verhältnisse Frankreichs zu konsolidieren und namentlich der gegen­wärtigen Regierung eine Stütze darzureichen, empört die nationalistischen Gegner Waldeck Rousseau's geradezu. Ganz besonders peinlich wirkt in Frankreich auch noch der Umstand, daß die Leistungen und die Haltung der Armee keineswegs uneingeschränktes Lob beanspruchen können. Wie nämlich aus St. Etienne gemeldet wird, hat sich dort ein ganzes Regiment ein schweres Ver­gehens gegen die Disziplin zu Schulden kommen lassen. Dort hat das 38. Linien-Regiment, das am Tage zuvor zu den Herbstmanövern abmarschirt war, nach einem beschwerlichen Marsche, während dessen es vollständig durchnäßt wurde, ungünstige Quartiere erhalten. Das war nicht schön, aber was nun folgte, war erst recht nicht schön. Die Liniensoldaten und die Reservisten pfiffen ihren Regimentskommandeur aus und stimmten dann revolutionäre Lieder an. Im Hinblick aus die bevorstehende Ankunft des Zaren ist der Militärbehörde dieses an Meuterei streifende Verhalten eines ganzen Regiments natürlich besonders unangenehm.

Transvaal. Mit dem 15. September ist Lord Kit- cheners Erlaß, welcher die Burenführer im Wesentlichen für vogelfrei erklärt hat, in Kraft getreten, aber der edle Lord hat schon längst erkennen müssen, daß^ von einer Unterwerfung keine Rede sein kann. Die Buren kämpfen weiter, mag auch die englische Heeresverwaltung noch viel schlimmere Drohungen bekannt machen. Auch die letzte Gesandtschaft, zwei Geistliche, welche der eng­lische General zu den Burenführer geschickt hatte, um sie über das zn belehren, was sie von nun ab erwarte, hat nicht den mindesten Erfolg gehabt, den sich Lord Robert doch so sehnsüchtig gewünscht hat. Im Gegentheil wird der Krieg nun von den Hauptkorps der Buren, die sich und ihre Pferde an gesicherten Plätzen ausgeruht haben, von Neuem wieder ausgenommen werden. Daß es in der Kapkolonie für die Engländer sehr unerfreulich steht, wird selbst in den Londoner Zeitungen ungeschminkt zu gegeben, und nun wird es auch in Transvaal anders herumgehen.

Newyork, 16. Sept. Die Anklagebehörde faßte den formellen Beschluß, Czolgosz unter Anklage des Mordes

ersten Grades zu stellen. Czolgosz hat sich vor dem Untersuchungsrichter geweigert, seine Vertheidigung vor- zubringen. Als man ihn zum Gefängniß zurückführte, gelang es der Menge, ihn den Händen der Beamten zu entreißen, ehe man aber über den Mörder herfallen konnte, hatten die Beamten sich seiner wieder bemächtigt. Auf das Haupt des neuen^Präsidenten Roosevelt ist von den anarchistischen Vereinigungen Nordamerikas ein Preis ausgesetzt worden. Ein gewisser Things, Mit­glied einer dieser Vereinigungen, wurde verhaftet, da er mit der Aussetzung des Preises renommirt hatte.

Washington, 17. Sept. Bei der Trauerfeier in Washington wurden in Folge mangelhafter Vorkehrungen eine Anzahl Frauen und Kinder niedergetreten. Viele waren ohnmächtig. Alle Hospitäler sind, wie derFrf. Ztg." gemeldet wird, voll.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 20. Sept.

* Versetzt wurde der Postassistent Piscantor von Steinau nach Elm.

* Das andauernde Regenwetter erfüllt die .Landwirthe mit banger Sorge. Das auf den Wiesen ausgebreitete oder bereits aufgeschichtete Grummet geht allmählich in Fäulniß über und wird unbrauchbar oder erheblich minderwerthig. Die Kartoffeln beginnen eben­falls zu faulen, wodurch die rosigen Hoffnungen auf 'eTTre^ch-grlegncie Mmr^seirttich ^.»mb^i .untu» D-- Wachsthum der Futterkräuter ist ins Stocken gerathen, wodurch ein starker Ernteausfall erwächst. Durch den anhaltenden Regen hat die Zwetschenernte einen großen Schaden erlitten. Die Zwetschen hängen nicht nur oberflächlich gerissen, sondern auch förmlich gespalten an den Bäumen, sodaß man den Kern sehen kann, oder liegen gänzlich ausgebrochen am Boden und faulen daselbst sehr schnell.

* Dem Jahresbericht der hessischen Brandkasse für das Jahr 1900 entnehmen wir, daß im Kreise Schlüchtern in 1900 bei 10 Schadensfällen insgesammt 32,393 Mk. 37 Pf. Brandentschädigung gezahlt worden find. Au Brandsteuer hatte der Kreis 52,809 Mk. 18 Pf. auf» zubringen. Die Brände fanden statt: in Schlüchtern am 7. März bei Kaufmann I. I. Krein und am 12. Dezember bei Fr. Trabant; in Soden am 8. Februar bei Fabrikant Adolf KrafftsSchadensvergütung 29069Mk. 86 Pf.) und am 28. Juli bei v. Wald Erbach; in Steinau am 27. September bei Metzger C. Hach und am 22. Dezember bei Philipp Amend, Fabrikarbeiter; in Jossa am 8. Mai bei Schmied Adam Baier, in Elm am 17. Juli im Gemeindehaus ; in Herolz am 18. Dez. bei Bernhard Kolb und in Gomfritz am 26. Juli bei Johannes Ullrich (2770 Mk. Brandentschädigung) Sämmtliche Brandfälle, mit Ausnahme des ersten in Soden und des in Gomfritz, hatten nicht über 150 Mk. Schaden verursacht. Die Brandkasse hatte insgesammt für den ganzen Regierungsbezirk Kassel im Jahre 1900 bei 499 Brandfällen 1,730,937 Mk. 68 Pf. Brandent­schädigung zu zahlen.

* Zeitungs Bestellungen. Die bestellenden Boten sind jetzt wieder mit dem Einziehen der Zeitungsgelder beauftragt. Auch von den Abonnenten, welche ihre Zeitungen von der Post abholen, wird das Zeitungsgeld erhoben. Im Interesse der Zeitungsbezieher wie der ver­mittelnden Postaustalt ist es erwünscht, den Briefträgern und Landbriefträgern dadurch entgegen zu kommen, daß ihnen die Zeitungsgelder baldigst übergeben werden. Dies ist besonders in Rücksicht auf den regelmäßigen Bezug der Zeitungen nothwendig, da die bestellenden Boten nur bis zum 25. September die Zeitungsgelder zu erheben brauchen.

* Bolksschullehrer als Kriegskrankenpfleger. Der preußische Kultusminister hatte kürzlich den Provinzial- regierungen empfohlen, der Ausbildung von Bolks- schullehrern zu Kriegskrankenpflegern ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und sich zum Zwecke der Einrichtung von Unterrichskursen mit den Verbänden der Genossenschaft frei­williger Krankenpfleger im Kriege in.Verbindung zu setzen.