GWernerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 14. September 1901.
52. Jahrgang.
G Erkenntniß von der Nothwendigkeit einer wirth- Ausbildung der Frauen hat vor fünf Jahren L wirthschaftliche Frauenschule für Töchter höherer verbunden mit einer Haushaltungsschule für Lb^en, ins Leben gerufen. Es ist dies die wirth- M Frauenschule in Nieder Ofleiden bei Hom- i d. Ohm im Großherzogthum Hessen, die unter Aiiung der Freifrau Dorette Schenck zu Schweins Wchi und die vorbildlich für alle später entstandenen Ittn dieser Art geworden ist. Hier finden Töchter Lr Stände in allen Gebieten wirthschaftlicher «eil, welche an eine zukünftige Hausfrau oder deren Beterin, einer Hausbeamtin, Wirthschafterin oder Irin an ländlichen Haushaltungsschulen Herantritt, Wlische Ausbildung. Die praktische Ausbildung in i und Haus, in Handarbeiten praktischer Art, in Wer Verwaltung und Buchführung. Gartenbau I dienenjud)t, Geflügelzucht und Molkerei wird Mmtsprechend unterstützt durch den theotorischen Unter- | der Nahrungsmittellehre, Feuerungskunde, Bak Wie, Physik, Buchführung, Methodik sowie einen »miterkursus umfaßt.
Mülerinnen, welche die Schule mindestens während L Jahres besucht haben und sich einer Schlußprüfung IrjicIjen, die ihre Befähigung für alle Art wirth- »licher und sozialer Arbeit, soweit diese letztere in Iwirthschastliche Gebiet einschlägt, nachweist, finden litt stets wachsenden Nachfrage nach wirthschaftlichen ■trinnen. Leiterinnen von Haushaltungsschulen und Men wiithschaftlichen Betrieben, jederzeit Gelegenheit.
I Kenntnisse nutzbringend zu verwerthen. Sie werden I Lehrerinnen besonders vorgebildet, indem sie an I Haushaltungsschule für Landmädchen praktisch unter- ■tu. Der Preis für Pension und Unterricht beizt 300 Mark vierteljährlich und ist im Voraus zu Wen. Die Kurse sind einjährig und beginnen im iril, doch kann der Eintritt auch im Oktober, aus Msweise auch zwischendurch erfolgen.
I Der wirthschaftlichen Frauenschule ist eine Haus hngSfdjule angegliedert, in der Töchter einfacher «»dwirthe für Haus und Wirthschaft vorgebilde- Itrben, aber auch Mädchen, die Stellungen in städtischen »Haltungen aussüllen wollen. die nöthigen Kennt- M erwerben können. Der Preis für einen sechsmonat Mit Kursus beträgt für Schülerinnen, welche _ in der Wie wohnen und darin Unterricht und vollltäudige Migung erhalten, monatlich 34 Mark, die im Voraus Erzählen sind. Für Schülerinnen, welche nur den Mer in der Schule sind und Unterricht, Mittag n Abendessen nebst Nachmittagskaffee erhalten, wird knallig 20 Mark, im Voraus zahlbar, berechnet.
Nähere Auskunft über beide Anstalten ertheilt die -titerin derselben.
Nieder-Ofleiden bei Homberg a. d. Ohm. Dorette Freifrau Schenck zu Schweinsberg geb. Freiin Schenck zu Schweinsberg.
Der Besuch der vorerwähnten Schule kann auf's ^ie empfohlen werden.
Schlüchtern, den 11. September 1901.
Der Königliche Landrath: Roth.
Deutsches Retch.
Berlin. Kaiser Wilhelm verlieh dem russischen paiier die Uniform des 2. Garde-Dragoner-Regiments Kaiserin Alexandra von Rußland. — Kaiser Nikolaus verlieh dem deutschen Kaiser das russische Dragoner- ^giment „Narva Nr. 39“. Das Regiment ist eines ^t berühmtesten und hervorragendsten der russischer! Armee. — Der Kaiser hat der Standarte des Regiments bei Gardes du Korps in Potsdam Stern und Band des Schwarzen Adlerordens verliehen.
— Kostbare Geschenke Kaiser Kwangsüs ron China Wrb P-inz Tschun während seiner Anwesenheit in Dan- i'9 Unserem Kaiserpaare überreichen. Dieselben trafen am Sonntag in dem Palais am Thiergarten ein, wurden daselbst im großen Speisesaale aufgestellt und im Laufe des Vormittags vom Prinzen und der Berliner Gesand- schast besichtigt, um alsdann wieder verpackt zu werden, wber zehn Ballen feinster chinesischer Seide sind unter dku Geschenken, die so ausgewählt sind, daß sie ein Bild Wer kunstgewerblicher Industrie Chinas darbieten, zwei wundervolle, einen Mieter hohe Bronzevasen, die, in blauer Emaile, blühende Mandelzweige zieren, zwei im
posant aus Korallen geschnitzte große runde Behälter, welche Musterwerke ostasiatischen Kunstfleißcs in den auf den Deckeln wiedergegebenen Landschaften darstellen, ein Theebehälter aus Bronze, in einer Fülle von Rubinen und Smaragden, chinesische Jmvelierkunst vorführend, eine Alabasterschale mit feiner Bildhauerarbeit und eine große Anzahl Erzeugnisse der chinesischen Porzellan- Manufaktur in der verschiedensten Formen und Größen.
— Im zweiten Viertel des laufenden Jahres sind nicht weniger als 42 Generale pensionirt worden, so daß, da acht Generale, welche Pension bezogen haben, gestorben sind, die Zahl der pensionirten Generale in diesem Viertel sich um 34 erhöht.
— Die Ruhr ist in der letzten Zeit in verschiedenen Orten Deutschlands in mehr oder minder bedenklichem Grade ausgetreten. Düse Thatsache bedeutet für Jeden, dem seine Gesundheit lieb ist, die dringende Mahnung, sich vor Diätfehlern, namentlich aber von dem Genuß unreifen Obstes, sowie vor Erkältungen zu hüten, da solche erfahrungsmäßig den Ausbruch dieser schweren und leicht übertragbaren Darmkrankheit begünstigen.
— Dem Vernehmen nach geht die Reichspostver- vcrwaltung mit dem Plane um, die Automobilwagen zur Erleichterung und Beschleunigung der Landbestellung zu verwerthen Angeblich sollen zunächst in einzelnen Oberpostdirektionsbezirken bei mehreren Postämtern, die einen besonders ausgedehnten Landbestellbezirk haben, solche Wagen probeweise in Dienst gestellt werden.
* — Nach einem Ministerial Erlasse ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die öffentlichen Kassen sich zu Zahlungen häufig über das fachliche Bedürfniß hinaus und vielfach gegen den Wunsch der Empfänger der Goldmünzen bedienen. Die Staatskassen sind dahier angewiesen worden, in Zukunft thunlichst Reichsbanknoten und Reichskassenscheine zur Verausgabung zu bringen, owcit nicht die Empfänger die Zahlung in Gold ausdrücklich verlangen. ____
Thorn, 9. Sept. Der Prozeß gegen 60 polnische Gymnasiasten wegen Geheimbündelei begann heute unter großem Andrang? des Publikums. Alle 60 An geklagten sind erschienen und leugnen sämtlich die Schuld. — Es handelt sich um die Aufdeckung geheimer polnischer Schülerverbindungen in den Provinzen Posen und Westpreußen, die unter dem Deckmantel der Pflege polnischer Litteratur und Wissenschaft dem Zwecke dienten, den Gedanken der Wiedererweckung des polnischen Reiches zu pflegen und in agitatorischer Weise in den Kreisen der Gymnasiasten zu verbreiten.
— Zu Gunsten der Buren hat der Verein deutscher Pfarrervereine auf seiner Tagung in Weimar folgende Resolution angenommen: „Im Namen und Auftrag von mehr als 5000 evangelischen Pfarrern Deutschlands geben wir folgende Erklärung ab : Im Mitgefühl mit dem Heldenkampf der Buren um Freiheit und Vaterland erheben wir den Protest des christlichen Gewissens gegen die ungerechte Gewalthat Englands an einem evangelischen Brudervolk. Wir vei urtheilen die Art, wie man in Südafrika gefangene Frauen und Kinder hinsterben läßt, und wir verurtheilen den Bruch des Völkerrechts, daß die pflichtmäßig für ihr Vaterland kämpfenden Männer für Rebellen erklärt werden, da es doch unter allen Nationen höchste Pflicht und Ehre ist, für das Vaterland zu kämpfen und zu sterben. Wir trauern darüber, daß innerhalb der Christenheit seit nunmehr zwei Jahren nicht Mittel und Wege gefunden sind, um einem Aergerniß ein Ende zu machen, durch welches die Ehre des christlichen Namens vor aller Welt befleckt wird. Wir befehlen die Sache des Burenvolkes in die Hände des barmherzigen und gerechten Gottes und wir bitten unsere Gemeinden, die nothleidcnden Familien des Bureuvolkes auch ferner thatkrättig zu unterstützen".
Saalf.ld, 29. Aug. Ein Op'er der Unterbietungen bei Submissionen wurde, wie der „Laalf. Anz." schreibt, der Bauunternehmer Karl Weber hier, der beim Bau des Bahnhofs zu Hilbersdorf bei Chemnitz 70000 Mk. einbüßte. Weber richtete deshalb an die Generaldirektion der sächsischen Staatsbahnen ein Gesuch, in welchem er wegen einer Nachzahlung von 40000 MOrk vorstellig wurde. Er sei nur dem Raubsystem zum Opfer zum Opfer gefallen und werde die Angelegenheit dem sächsischen Landtage unterbreiten. Der den Bau leitende und überwachende Baurath Fritzsche habe gegen ihn par- theiisch und chikanös gehandelt. Das Dresdener Schöffen-
pericht bestrafte ihn wegen Beleidigung von Beamten der Generaldirektion der sächs. Staatsbahn mit 150 Mark ober 30 Tagen Haft.
Ausland.
Wien, 9. Sept. In Olmütz wurde in der verflossenen Nacht um 1V2 Uhr von einer großen Menge dem Erzbi-chof Kohn eine Katzenmusik unter den Rufen: „Pfui und Los von Rom", gebracht. Die Polizei kam zu spät.
Buffalo, 9. September. Frau Mc. Kinley sah Nachmittags ihren Gatten kurze Zeit. Der Präsident wechselte heute ohne Schwierigkeit und ohne Schmerzempsindungen aus eigener Krat die Lage im Bett. Der Arzt Mc. Burney äußerte Nachmittags, Niemand könne sagen, Mc. Kinley sei jetzt außer Gefahr. Eine Woche oder etwas länger bestehe noch die Möglichkeit vom Komplikationen. Wenn danach alles gut gehe, könne man sagen, daß der Präsident sicher wieder genese. Wahrscheinlich vergehen drei Wochen, bevor man den Kranken gefahrlos transportiren könne. Die Besserung des Befindens scheint rasch fortzuschreiten.
Transvaal, 11. Sept. Die „Rhein.-Wests. Ztg." veröffentlicht Mittheilungen aus Kapstadt, wonach man unmittelbar vor großen Ueberraschungen stehe. Mit dem 15. d. Mks. soll eine allgemeine Bewegung nach vorwärts gemacht werden. Die Buren befänden sich bereits 2 Meilen vom Kap und errichten dort Blockhäuser mit Schießöffnungen. Sie beherrschten die ganzen östlichen Provinzen und erhielten unaufhaltsam Verstärkungen von Kapholländern. Es sei Thatsache, daß der Au^staud der Kapholländer allgemein werde. Die Burenführer versicherten, die Kapkolonie werde den Buren den Sieg bringen und England zwingen, baldigst nachzugeben.
Lokales und Provinzielles.
’—1—- -—^ Schlücht rn. 13. Sept.
* — Lehrer Mai in Lützelhausen würbe—vorn 1. Oktober ab an die Stadtschule in Steinau versetzt.
* — Am 10. und 12. ds. Bits, fand am hiesigen Seminar die Aufnahme-Prüfung statt, zu der sich 30 hier in Schlüchtern und 8 auswärts vorgebildete Prä- paranden eingefunden hatten. In der schriftlichen Prüfung wurde als Aufsatz das Thema „Ein Kriegsjahr Friedrichs des Großen" bearbeitet; außerdem hatten die Aspiranten Fragen aus den verschiedenen Lehrfächern schriftlich zu beantworten. Die mündliche Prüfung erstreckte sich auf alle Lehrfächer des Seminars und wurde vor dem Lehrerkollegium des Seminars und der Prä- parandenschule abgelegt. 34 Prüflinge bestanden die Prüfung.
* — Die Jsraeliten feiern bekanntlich in diesem Monat und im Anfang des nächsten ihre höchsten Feste, und zwar am 14. September das Neujahrsfest (5662), am 15. zweites Fest, am 23. das Versöhn ungsfest, am 28. das Laubhüttenfest und am 29. zweites Fest, endlich ant 5 Oktober Laubhütten Ende und am 6. Oktober Gesetzes-Freude.
* — Als ein Zeichen des Niederganges der Gewerkt und Industrie ist es wohl zu betrachten, daß man jetzt ganz ausfallend viele Handwerksgesellen rc. die Landstraße entlang wandern sieht auf der Suche nach Arbeit und Unterkommen. Es ist eben in den Großstädten nicht mehr so wie bisher. Viele Fabriken rc. haben ihr Personal auf die Hälfte reducirt oder auch ganz die Pforte geschlossen. Die entlassenen Arbeiter mögen sehen, wie sie anderwärts Verdienst finden. Das wird durch die in 8 Tagen erfolgende Entlassung der Reservisten vom Militär natürlich nicht besser werden.
* — Bei der nun bald beginnenden Kartoffelernte werden nicht selten die so beliebten Kartoffelfeuer angezündet. In vielen Fäten wird aber das Ayzündcu i Kindern überlassen, die manchmal dabei recht unvorsichtig 1 zu Werke gehen. Häufig benutzen die Kinder die übrig» gebliebenen Streichhölzer, um auch an anderen Stellen des Feldes Feuer anzumachen, wodurch nicht selten Scheunen- und Schoberbrände entstehen. Aus tiefem Grunde sollte man nie den Kindern das Anzünden des Kartoffelkrautes ohne Aufsicht Erwachsener gestatten, den Kindern aber jedenfalls die nach dem Anzünden übrig gebliebenen Streichhölzer wieder abnehmen.
* — (Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 9. Sept.) Am Sonntag den 23. Juni, vergnügte sich