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WWernerMung

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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 7. September 1901

52. Jahrgang.

1 Deutsches Reich.

Berlin. Prinz Tschuns Sühneaudienz hat sich am r Wiwoch Vormittag in Potsdam ohne alles äußere Ge- |ränge vollzogen. Begleitet von seinem Gefolge fuhr der k chinesische Prinz in einem kaiserlichen Hofwagen zum z Schloß. Während das Gefolge in einem Vorzimmer I zurückblieb trat Prinz Tschun, nur von einem DoL j, k Mischer begleitet, allein vor den Kaiser, um diesem das I Bedauern Chinas an dem Gesandtenmorde auszusprechen. j «Der Monarch war ernst, fast streng; er trug den weißen [ I Koller der Gardes du Corps mit den Abzeichen tiefer * I Trauer, auf dem Haupte den Stahlhelm. Um den «Thron waren die befohlenen Herren gruppiert. Als «Prinz Tschun den Saal betrat, winkte ihm Kaiser «Wilhelm, der sich nicht erhob, kurz mit der Hand. Der I Prinz näherte sich nunmehr unter tiefer dreimaliger Ver- -1 beugung dem Throne und las darauf in chinesischer | Sprache nicht ohne Anzeichen innerer Erregung einen

* | auf gelber Seide niedergeschriebenen Brief des Kaisers I von China vor. Nach den einleitenden Worten führte I der Prinz bezüglich der Ermordung des Freiherrn von | Ketleler aus:

Wenn es auch unverständlich sei, wie eine solche I That hätte vorkommen können, und wenn sie auch I ohne Wissen des Kaisers von China geschehen sei, so _ I sei dieser doch nach der tausendjährigen Tradition des Reiches dafür verantwortlich und bitte deshalb o. I Seine Majestät den deutschen Kaiser um Verzeihung. £ I Des weiteren sprach das Schreiben die Hoffnung aus, daß nunmehr die Beziehungen beider Reiche befriedigende werden würden."

Nachdem diese Ansprache verdeutscht worden war, las I mit energischer Stimme Kaiser Wilhelm seine Kundgebung ~ I vor, deren markanteste Stelle lautet:

IEin tieftrauriger und hochernster Vorfall führt Eure Kaiserliche Hoheit zu mir. Mein Gesandter ist der auf höheren Befehl erhobenen Mordwaffe eines kaiserlich chinesischen Soldaten in der Hauptstadt Chinas erlegen, ein unerhörtes Verbrechen, das durch Völkerrecht und Sitte aller Nationen gleich sehr gebrandmarkt wird. Ich will gern der Versicherung glauben, daß der Kaiser dem Verbrechen fern gestanden, um so schwerere Schuld trifft seine Rathgeber und seine Regierung. Diese mögen sich nicht darüber täuschen, daß ihnen Ent> sühnung nicht durch diese Sühnegesandtschaft, sondern nur durch ihr späteres Verhalten ausgewirkt werden kann, das den Vorschriften des Völkerrechts und der Sitte zivilisierter Nationen entsprechen muß. Wenn _ I der Kaiser von China seine Regierung streng im Geiste jener Vorschriften führt, wird sich auch die Hoffnung auf dauernde und friedliche Beziehungen zwischen PI Deutschland und China verwirklichen."

i I , Nach dieser strengen aber wohl verdienten Lection I überreichte der Prinz ein Schreiben seines kaiserlichen I Bruders, der gleichfalls dem Bedauern über das Ge- I fchehene und der Hoffnung auf gute Beziehungen, ganz r | Im Sinne der Ausführungen des Prinzen Tschun, Aus- druck verleiht. Kaiser Wilhelm war während des ganzen r I Aktes sitzen geblieben. Der Prinz verließ rückwärts- ^1 schreitend unter mehreren Verbeugungen den Saal. Von i11! nun ab wurde der Prinz als solcher behandelt. Im J Laufe des Nachmittags machte Kaiser Wilhelm dem I Prinzen einen Gegenbesuch. Auch hat der Kaiser mit ifi'l dem Prinzen, der am Donnerstag der Kaiserin vorge- A Mt und zu kaiserlichen Frühstückstafel zugezogen war, eine Dampferpartie unternommen. Bis Freitag ist der Prinz Gast des Kaisers und genießt fürstliche 251 Ehrungen. Von dann ab lebt er in Berlin als Privat- Person bis zu seiner Abreise.

Auf dem Kaiserlichen Gute Cadinen treffen am 5j| 6. September die beiden jüngsten Kinder des Kaiserpaares 5» I Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Luise, am 9. September die Kaiserin, am 19. September der Kaiser X Der Kaiser wird voraussichtlich einige Tage zur 051 Äagd daselbst verweilen.

I Kronprinz Wilhelm wird nach seiner Rückkehr von England bezw. Schottland in Potsdam eintreffen; als- J dann begiebt er sich nach Königsberg i. Pr., um an der am ?- September stattfindenden großen Kaiserparade beizu- u^l wohnen. An den westpreußlschen Kaisertagen wird der Kronprinz nicht Theil nehmen. Prinz Eitel Friedrich wird nur bei den Kaisermanövern in der Gegend von ^nzig anwesend sein.

A - Der Kaiser hat den Sühneprinzen, der Montag

Nacht von Basel abgereist und Dienstag Nachmittag in Potsdam eingetroffen war, am Mittwoch in Audienz empfangen, welcher der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherr von Richthofen, beiwohnte. Ein großer Apparat war bei dieser Gelegenheit nicht entfaltet worden. Die Ansprache des Prinzen hat nicht die Bitte um Ver­zeihung enthalten, die überhaupt nicht verlangt worden war. Das große Gefolge des Prinzen hat gar keine Gelegenheit gehabt, vor dem Kaiser tiefe oder weniger tiefe Knixe zu machen, da dieser alsbald zum Manöver abreiste. Der Reichskanzler war bereits abgereist, hat es also nicht einmal der Mühe für werth gehalten, den Sühneprinzen sich anzusehen.

Aus Hamburg wird gemeldet: DieHamb. N. N." bringen in Sperrdruck die sensationelle Mittheilung, daß drei englische Agenten seit geraumer Zeit die Arbeits Nachweis-Stelle der patriotischen Gesellschaft als Werbe- platz benutzen. Die Agenten hätten einem glaubwürdigen Gewährsmanne des Blattes, der als Arbeitsloser Stellung suchte, zunächst erzählt, eine Gesellschaft von Sportfreunden suchte gediente Soldaten als Begleiter für Löwenjagden nach Südafrika. Seine Aeußerung, es handele sich wohl um einen Werbeversuch, sei schließlich bejaht und ihm versichert worden, ihm oder seiner Familie würden 1000 M. ausbezahlt, falls er sich anwerben ließ; er habe aber ab gelehnt.

Metz. In dem in Metz garnisonierenden 174. In­fanterie-Regiment ist nach derFrk. Zeitung" die Ruhr ausgebrochen. DerLothringer Zeitung" zufolge fehlten bei einem einzigen Bataillon dieses Regiments an einem Tage nicht weniger als 140 an Dysenterie erkrankte Soldaten.

Mainz. Auf Anordnung des Korpskommandeurs v. Lindequist wurde bei der Paroleausgabe am letzten Sonntag sämmtlichen Mannschaften des 18. Armeekorps bei Arreststrafe verboten, auf der Straße, in Wirtschaften, in Kasernen und auf dem Marsche unsittliche oder sonst anstößige Lieder zu singen.

Bonn. In der Eifel und auf dem Hunsrück sank das Thermometer in der Nacht vom Montag zum Dienstag auf 3 Grad unter Null.

Aus Rheinland und Westfalen wird berichtet, daß der allgemeine Geschäftsrückgang noch immerfort zunimmt und fast in allen Betrieben zur Geltung kommt. Wie sehr Eisen- und Kohlenindustrie davon betroffen sind, zeigt sich in Maßnahmen der Eisenbahnverwaltung, welche wegen Verkehrsmangel sich genöthigt sah, auf Station Bochum (Süd) eine Anzahl Beamten zum 1. Oktober er. zu kündigen. Am letzten Samstag fand auf den Werken in Oberhausen eine Massen-Entlaffung von Arbeitern statt. Die Metallwerke und die Maschinen­fabrik werden stillgelegt werden. Ebenso wird die Stuhl- Fabrikation eingestellt. Die Herde-Fabrik wird ihren Betrieb wahrscheinlich sehr stark einschränken müssen. Allenthalben werden noch immer Arbeiter entlassen, die Güterzüge werden immer kleiner und ist es zur Zeit noch nicht abzusehen, wie lange diese Misere noch an­halten kann. Infolge der wirthschaftlichen Krisis greift der Nothstand stark um sich. Für 520 Wegewärterstellen meldeten sich 27,965 Personen, darunter einige Ingenieure.

Bochum, 3. Sept. Hier und in der Umgegend tritt die Ruhr in schwerer Form auf. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Seit Sonntag befindet sich in der Villa Hügel als Gast Krupps der Kronprinz von Siam. Derselbe besichtigte gestern Nachmittag einzelne Werke der Kruppschen Fabrik. Infolge der stetig zurück- gehenden Konjunktur auf vielen Zechen sowohl wie auf den industriellen Werken sind Arbeiterentlassungen in größerem Umfange erfolgt. Hauptsächlich wurden von den Kündigungen polnische und italienische Arbeiter be­troffen, die schaarenweise in die Heimath zurückkehren. Die Hauptbahnhöfe des Ruhrbezirks boten in den letzten Tagen ein buntbewegtes Bild. Der durch Einlegung von Feierschichten bedingte Lohnausfall wird auf wöchent­lich 400,000 Mark angegeben.

Ausland.

Dänemark. Nachdem von Kopenhagen aus in letzter Zeit wiederholt versichert worden war, daß die Verkaufs" Verhandlungen wegen Dänisch - West-Indien zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten von Nordamerika vollständig ruhten, wird demBerl. Tageblatt" jetzt aus New-Aork gemeldet, daß die dänische Regierung nun das amerikanische Angebot von 16 Millionen Kronen als Kaufpreis für Dänisch-West-Jndien acceptirt hat.

Frankreich. Nicht weniger als dreihundert Kommis­sare, Inspekteure und Polizeioffiziere sind mobil gemacht und in alle Ortschaften Frankreichs gesandt worden, die der Zar betreten wird, oder auch nur betreten könnte, Ihnen unterstehen über tausend Unteragenten und Spione, zu denen dann noch das Heer der uniformirten Schutz­leute, sowie starke Detachements Militär aus dem Westen und Centrum des Landes treten werden. Der Chef der Kriminal-Polizei, Cavard, und sein Adlatus Hennion sind gegenwärtig mit der Untersuchung der Bahnlinien von Dünkirchen nach Reims, von dort nach Compiegne und von da nach Paris beschäftigt. Die genannten Beamten, denen mehrere Bahningenieure beigegeben sind, bedienen sich eines besonders eingerichteten Wagens, den man hier dendynamometrischen" nennt und auf dem sich eine Anzahl äußerst feinfühliger Instrumente zur Feststellung aller Unebenheiten der Geleise befinden. Vermittelst dieser Werkzeuge gelingt es, alle etwa vorhandenen Fehler mit großer Schnelligkeit und Sicherheit ausfindig zu machen und so die nothwendigen Reparaturen auszuführen. Für die nächsten sechs Monate wird wenigstens das Netz der französischen Nordbahn wieder die Sicherheit bieten, die es innichtzarischen" Zeiten nur allzn sehr vermissen läßt.

London, 3. Sept. Einer Meldung derCentral News" aus New-Aork zufolge berichten zwei Touristen aus Illinois, welche aus dem Hudson-Bay-Territorium zurückgekehrt sind, Indianer hätten ihnen mitgetheilt, sie hätten die Leichen von zwei weißen Männern und den Korb eines Ballons im Frühling letzten Jahres 900 englische Meilen nördlich vom Moose Flaug gefunden. Eine der Leichen wird als die Leiche Andree's be­schrieben.

Die Engländer mochten geglaubt haben, als Lord Roberts seinen Siegeszug über B.loemfontein und Jo­hannesburg nach Pretoria hielt, daß der südafrikanische Krieg, wenn nicht sofort beendigt, so doch auf das Gebiet de^ nördlichen Transvaals beschränkt werden würde. In dieser Erwartung haben sich Lord Roberts und Lord Kitchener und das ganze Londoner Kriegsamt gar ge­waltig getäuscht. Der Kriegsschauplatz hat nie zuvor so gewaltige Dimensionen besessen, wie er jetzt angenommen und noch immer ist er in fortgesetzter Ausdehnung be­griffen. Das Kapland bis zum Meere nach Westen, Süden und Osten bildet heute den Kriegsschauplatz eben­sowohl, wie das Gebiet der beiden südafrikanischen Re- pupliken, Natal, Basusoland rc. Ja, bis an die Grenzen Deutsch-Südwestafrikas sind bewaffnete Burenkommandos vorgedrungen. Sollten diese die Grenzen überschreiten, so würden sie von der deutschen Schutztruppe natürlich entwaffnet werden. Gleichzeitig dehnt sich der Aufstand der Kapholländer stark aus und nähert sich den Küsten erheblich. Deutsch-Südwestafrika wird, einer Mittheilung derTägl. Nundsch.^ zufolge, davon ersichtlich stärker berührt, als man annnehmen konnte; das Schutzgebiet bekommt einen werthvollen Bevölkerungszuwachs, das beste Mittel, die allmähliche Verengländerung unserer Kolonie aufzuhalten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 6. Sept.

* Nachdem der Kommunal-Landtag in seiner Sitzung vom 4. März ds. Js. die Erhebung einer Be­zirkssteuer in Höhe von 438 000 M. für das Etats­jahr 1901 beschlossen hat, ist nach Beschluß des Landes- Ausschusses vom 18. ds. Js. die Vertheilung dieser Bezirksabgabe auf die einzelnen Stadt- und Landkreise nach dem aus dem Verhältniß des Gesammt-Steuersolls des Bezirks zu der Bezirkssteuersumme sich ergebenden Prozentsätze nach oben erfolgt. Es entfallen zum Satze von 6,17o auf den Kreis Schlüchtern 8 951 Mark 63 Pfg. Die Steuer ist am 1. Oktober ds. Js. fällig. Die Gesammt-Summe der im Regierungs-Bezirk Cassel aufzubringenden Bezirkssteuer beträgt 438 000 Mk.

* Nach einer Bekanntmachung der Königlichen Regierung ist infolge der bei der Automobil-Wettfahrt Paris-Berlin gemachten Wahrnehmungen durch einen Ministerialerlaß bestimmt worden, daß Wettfahrten mit Kraftfahrzeugen aus öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen seitens der Lokal- und Provinzialbehörden ' Zukunft nicht mehr zu gestatten sind.

* Für nachstehend verzeichnete bei der % abfertigung aufgelieferte Güter wird bei Versendu-t.- Eilgutbrief nur die Fracht für Frachtgut bund 1. Bienen, 2. Brot, 3. Butter, 4. lebende, f