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Kolonialtruppen nur noch mit Mühe vor den Feind zu bringen sind. Neuerdings ist den Engländern nun noch eine furchtbare Gefahr durch die Basutos erwachsen, deren Häuptlinge zum Theil zwar dem englischen Kron­prinzen in Capstadt gehuldigt haben, die aber in ihrer großen Mehrzahl die Engländer mit glühendem Haß verfolgen. Unlängst drang eine mächtige Horde dieser Eingeborenen bis in die Nähe von Bloemfontain, der Hauptstadt des Oranjefreistaats, vor und tödtete alle Engländer, die sie auf ihrem Wege antraf.

Ein deutscher Bericht über die Lage. DerBresl. Gen. Anz." veröffentlicht eine Anzahl Postkarten eines Deutschen, der als Lademeister bei der Transvaalbahn angestellt war und jetzt unter der englischen Verwaltung natürlich hungern muß. Diese Karten, vie vom 4. bis 8. Juli datirt sind, enthalten einen zusammenhängenden Bericht, dem wir folgende bemerkenswerthe Stellen ent­nehmen: Ihr hört mehr die Wahrheit, denn wir. Hier ist eine schöne Wirthschaft mit dem Befreien vom Buren­joch! Die früheren Feinde der Buren wünschen die Burenregierung zurück. Es wird aber wohl noch lange dauern bis dahin. Doch die Engländer bekommen das Land nicht, davon ist so ziemlich alles überzeugt. Die englischen Offiziere, die hier gute Stellungen haben, sorgen schon dafür, daß es noch lange dauert. Die Gelegenheit kommt nicht wieder, sich zu bereichern. Der frühere Re­dakteur desStar", des größten Schreiblattes über Korruption der Burenregierung, hatte nach der Einnahme Johannesburgs den Posten als Direktor des Komitees für Versorgung des Volkes mit Lebensmittel. Er wurde vor einigen Wochen weggejagt. In vier Stunden mußte er Jo- hannisburg verlassen. Dieser Hallunke soll 80000 Pfd. Sterling (über anderthalb Millionen Mk.) unterschlagen haben. Und solche Kerls haben wir noch mehr in der Verwaltung. Das sind Offiziere der regulären und irregulärenhochcivilisirten" englischen Armee, die in Deutschland so viel gelten. Man fühlt einen wahren Trost, wenn man die deutschen Zeitungen liest, die kein Hehl aus ihren Sympathien für die Buren machen. Wie ich schon früher schrieb, giebt es viel (?) Schufte zwischen den Buren. Doch diejenigen, die noch fechten, sind Helden, wie sie selten in der Geschichte vorgekommen find. Sie fechten gut nnd halten gegen Uebermacht stand. Vor einigen Wochen wollte von Krügersdop eine Pro- viantkoloune, 150 Wagen, zu einem General, der von den Buren von der Bahn abgeschnitten war. Jeden Tag, über acht Tage, wollten sie durch, unterstützt von 10000 Soldaten, doch wurden sie immer zurückgeschlagen, bis sie zuletzt von den Buren genommen wurden. Vorige Woche haben die Buren nicht weit von Johannisburg einen Eisenbahnzug genommen und fünf Millionen Mk. erobert. Woher sie das wußten, daß so viel Geld im Train war, bleibt ein Räthsel. Schade, daß ich nicht dabei bin! Wie ich gehört habe, sind sehr viel Aus­länder zwischen den Buren. Es sieht auch ganz so aus. Denn der richtige Bur stürmt nicht, das machen nur Europäer. Und sie haben gestürmt, Kanonen erobert, und den Engländern schwere Verluste beigebracht. Die Zeitungen melden nur nicht alles. Ueberhaupt werden in England die wahren Meldungen unterschlagen und geringe Erfolge zu großen Siegen aufgebauscht. Die Meldungen von großen Eroberungen an Vieh und an Wagen sind falsch. .Wagen und Vieh werden einfach von den Farmen gestohlen und dann angegeben als von den Buren erobert. Die Buren sind keine solchen Esel, daß sie Tausende von Schafen rc. bei sich hätten. Nur Pferde haben sie und meistens zwei bis drei. Es ist daher auch nicht zu wundern, daß nach einem Gefecht viele leere Pferde herumlaufen. Die Engländer bilden sich dann ein, daß zu jedem Pferd ein Reiter gehörte, der nunmehr todt ist." Nun weiß man doch, wie die gewaltigen Verlustlisten der Buren zu Stande kommen, die Kitchener allwöchentlich in die Welt hinausrelegraphirt.

Lokale- und Provinzielles.

* Schlächtern, 3. Sept.

* Porto-Ersparniß. Seit der Einführung der Zehnpfennig-Postanweisung für Beträge bis zu 5 Mark einschließlich passiert es häufig, daß das Publikum ge­wissermaßen in Verlegenheit kommt. Hat jemand eine Zahlung von netto 0 Mark zu leisten, so würde er gern die Geschichte mit einer Zehnpfennig-Postanweisung er­ledigen. Nun will er aber auch die 5 Pfennig Bestell­geld mit einzahlen, um sie dem Empfänger nicht anfzu- bürden. Hierdurch lautet aber der Betrag auf 5,05 M., die Postanweisung kostet also 20 Pfennige. Diese 10 Pfennige kann man aber sparen, wenn man die An­weisung auf 5 Mark ausschreibt, nicht mit 10, .sondern mit 15 Pfennig frankirt und den Vermerk darauf setzt: Frei mit Bestellgeld."

* Auch in diesem obstreichen Herbste fei die Mahnung erneuert: Eßt nie ungewaschenes Obst ! Durch vorherige Reinigung des Obstes spült man Feldstaub, fein vertheilten Landstraßenstaub oder Gartendünger, Eier von Eingeweidewürmern, große und kleine Bazillen und sonstige wenig sichtbare, aber unserem Organismus nicht gut gesinnte Viecher mit ab, nicht zu vergessen den Handschweiß derer, die die Früchte abpflücken oder ver­laufen und die vielleicht außerdem den Gebrauch eines Taschentuches nicht kennen!!

* Ein ausgezeichnetes Honigjahr werden die

Imker diesmal zu verzeichnen haben. Die Witterung war den ganzen Sommer hindurch den Bienen günstig; schon die Erträge aus der Baum- und Rapsblüthe waren vielversprechend. Was die Frühschwärme verhießen, das hat sich bei den Hauptschwärmen erfüllt in einer Weise, die man kaum erwarten konnte. Wie aus der Lüneburger Haide geschrieben wird, ist die Haideblüthe sehr reich, und da die fleißigen Arbeiterinnen bei der ausgezeichneten Witterung Tag für Tag ihrem Gewerbe nachgehen und die süße Ernte in ihre Körbe tragen können, ist es kaum zu verwundern, daß manche Stöcke schon jetzt, obschon die Bienen noch mehrere Wochen lang sammeln können, einen Honigbestand aufweisen, wie er nur in den aller­besten Jahren vorkommt und als große Seltenheit be­zeichnet werden muß.

* Der Mangel an Schweinen ist gegenwärtig sehr groß und die Preise sind infolgedessen enorm ge­stiegen. Während im vorigen Jahre um diese Zeit die Preise für Schweine auf 51 bis 53 Mark standen, sind sie jetzt bereits auf 62 Mark hinaufgegangen. Auch im Detailverkauf hat der Schweinemangel seinen äußerst unangenehmen Einfluß auf die Preise ausgeübt und Preissteigerungen von 20 Prozent und darüber hcrbei- geführt. Und dabei ist das Schweinefleisch gerade das Fleisch des armen Mannes, der sich das kostspielige Kalbfleisch oder gar Wild nicht leisten kann.

* Ueber den Einkauf der Proviantämter wird derDtsch. Tagesztg" aus unserer Gegend geschrieben: Ich habe 200 bis 300 Centner Roggen in der vorigen Woche verkaufen wollen. Da ich wußte, daß der Müller in Fulda, frei Fulda 145 bis 146 Mk. pro To. zahlte, aber erst in acht bis vierzehn Tagen abnehmen wollte, offerierte ich den Roggen dem Proviantamt. Inzwischen kam ein Händler aus Cassel zu mir, sah den Roggen und bot 147,50 Mk. ab meiner Station in Käufers Säcken ohne Gegengeschäft. Heute bietet das Königl Proviantamt Hanau mir für denselben Roggen 134.50 M. pro To. frei Hanau in Käufers Säcken. Ich habe nach Hanau etwa 68 Mk. Fracht, dazu die Fracht der leeren Säcke etwa 2 Mk., in Summa 70 Mk. Unkosten auf 200 Centner Roggen. Das Proviantamt bietet also 13 Mk. pro Tonne weniger wie der Händler.

* Aus der Strafkammer-Sitzung vom 2. September. Der Bauer K. von Hausen hat vor dem Amtsgericht in Salmünster am 19. Juli v. I. ein leichtfertiges Zeugniß mit einem Eide bekräftigt. Eine in der betreffenden Sache angeklagte Frau hat damals in erster Instanz durch die Schuld des Angeklagten eine Gefängnißstrafe von 4 Monaten erhalten. Später, als sich herausstellte, daß K. ein leichtsinniges Zeugniß abgelegt, wurde das Urtheil abgeändert. K. erhält heute wegen fahrlässigen Falscheids 3 Monate Gefängniß.

G rebenhain, 26. Aug. Den lang gehegten Wunsch der hiesigen Einwohnerschaft, und der uns umgebenden Orte, daß die Neubaustrecke LauterbachGrebenhain am 1. Oktober l. I. eröffnet werde scheint sich nicht zu erfüllen und ist angeblich auf den 1. November l. I. hmausgeschoben worden, auch ist dieser Termin noch davon abhängig, wenn die Bahnbeamten ent­sprechende Quartiere im hiesigen Ort erhalten. Die Eisenbahnbauabtheilung hat demzufolge bei hiesiger Bürger­meisterei angefragt, derselben diejenigen Einwohner an- zugeben, die solche Wohnungen besitzen und vermiethen wollen, indem das Beamtengebäude am hiesigen Bahnhof im Laufe dieses Jahres nicht fertiggestellt werden kann.

Aus Oberhessen. Nach einer Aufzeichnung waren im Jahre 1723 fast alle Wiesen, Gärten und Felder voller Hornisse- und Wespennester. Am Obst und an den Trauben thaten sie großen Schaden; in großen Schwärmen zogen sie sich in die Häuser hinein und fraßen das grüne und gedörrte Obst hinweg. Auf seiner Studierstube konnte sich ein Geistlicher des Tags über wegen dieses Ungeziefers nicht wohl aufhalten. Bei den Keltern mußte man brennende Lunten und Werg haben, damit man sich der Plage erwehren konnte.

Michelbach bei Schotten, 28. August. Der hiesige Gemeinderath hat jüngst den Beschluß gefaßt, jeden Be­wohner mit einer Geldstrafe von 5 Mark zu belegen, der einem Zigeuner oder einer Zigeunerin noch eine Gabe verabfolgt.

Langendiebach, 28. August. Gegenwärtig kursiren hier und in den benachbarten Ortschaften viele falsche Einmarkstücke. An den öffentlichen Kassen wurden solche mehrfach angehalten. Die Falschstücke, welche eine gute Prägung haben, können im Geldverkehr leicht als echte Stücke angesehen werden. Etwas bläuliches Aussehen, geringes Gewicht, sind die Merkmale dieser Falschstücke.

Seligenstadt, 30. August. Einen edelmüthigen Her­zenszug bekundete eine kürzlich ohne Hinterlassung von Lerbeserben hier verstorbene Wittwe vor ihrem Ableben. Testamentarisch vermachte sie nämlich ihre ganze, aus Hofraithe, Grundstücken und Baarkapital bestehende, nicht unbedeutende Nachlassenschaft zwei Wittwen, von welchen sie während ihrer Leidenszeit in liebevoller Weise gepflegt wurde. In irgend welchen Verwandtschaftsver- Hältmssen stand die Verstorbene zu den beiden Pflegerinnen nicht. Mit ihrer generösen letzten Willensbestimmung entsprach die Erblasserin auch den ausdrücklichen Inten­tionen ihres im Vorjahre verstorbenen Ehemannes. Den beiden überraschten Wittwen kam das unverhoffte Erbe recht zu statten,

Frankfurt a. M., 29. August. Zweigewichtige' Kunden des Bankhauses Rothschild, Großherzog Adolf von Luxemburg und die Landgräfin von Hessen, sind der Nachfolgerin des genannten Bankhauses, der hier errichteten Filiale der Berliner Diskontogesellschaft, untreu geworden. Großherzog Adolf hat sein 7075 Millionen betragen­des Vermögen in eigene Verwaltung übernommen, die Landgräfin hat die Verwaltung des ihrigen einem Alt- frankfurter Bankhause übergeben.

Frankfurt a. M., 28. Aug. Eine Anzahl hiesiger Schuhmachermeister hat eine Betriebsgenossenschaft ge­gründet, die sich mit der Herstellung von Schuhmacher­erzeugnissen mittels Hand- und Maschinenbetrieb, die Uebernahme von Lieferungen solcher Erzeugnisse um der Errichtung von Verkaufsstellen der Waaren im Kleinen und Großen befassen soll. Das Unternehmen wird die erste genossenschaftliche Betriebswerkstätte im Schuh­macherhandwerk in Deutschland sein.

Langen.Alles schon einmal dagewesen" sagte Ben Akiba, der Weise, würde er aber noch leben, so würde er am Sonntag sich überzengt haben, daß dies doch nicht immer zutrifft, denn das war wirklich noch nicht da. In den letzten Wochen kündigten große Plakate mit gar wunderlichem Programm für Sonntag den 25. Aug. ein großes Bezirksfest der Friseure und Heilgehülfen in der Anthes'schen Liegenschaft zum Besten des Rothen Kreuzes an. Das ganze Arrangement war die Mache eines Einzelnen, eines hier und später in Neu-Jsenburg beschädigten Barbiergehülfen aus Böhmen. Bänder, Schleifen, Feuerwerk rc., alles wußte sich der Betreffende in großen Massen zu beschaffen. Abholen der Aerzte und Krankenschwestern, der Vereine und Ehrendamen, so ähnlich lautete das Programm. Nun der. Tag des Festes kam, er verlief aber so ruhig wie kaum je ein Sonntag, der famose Herr Festordner erschien nicht. Nur einige Herren, mit einem rothen Kreuz versehen, waren gekommen, um zu erfahren, daß sie schmählich ge­täuscht wurden. Auch der Feuerwerker, der am Abend das bestellte Feuerwerk abzubrennen kam, mußte wieder unverrichteter Sache abrücken. Die engagierte 81er Militärkapelle hat in letzter Stunde Herr Anthes für sich angenommen, um die event, einkehrenden Festgästl wenigstens durch ein hübsches Militär-Konzert zu ent­schädigen.

Caffel, 31. August. Prinzessin Marie von Hohen- lohe-Oehringen, eine Enkelin des letzten Kurfürsten von Hessen, ist heute hier zum evangelischen Glauben übergetreten.

Caffel, 2. September. Ein Großfeuer im Dorfe Weimar vernichtete 24 Wohnhäuser nebst Nebengebäude, sowie einen Theil der eingebrachten Ernte. Eine Frau erlitt erhebliche Brandwunden. Ein sechsjähriger Junge soll durch Spielen mit Streichhölzern den Brand verur­sacht haben. (Derartige durch Kinder angelegte Brände sind in letzter Zeit sehr oft aus allen Gegenden gemeldet; man verwahre also die Streichhölzer vor den Kinder» sehr sorgfältig, um Unglück zu vermeiden.)

Kirchhain, 29. August. Von den städtischen Polizei­mannschaften wurde heute in aller Frühe wieder ein Streifzug nach den Wegelagerern unternommen, welche in letzter Zeit die hiesige Gegend unsicher machten. Auch diese Streife hatte nur den Erfolg, daß wieder ein von den Bewohnern verlassenes Lager in den Wiesen in der Nähe der Fortmühle in einem Weidendickicht aufgefunden wurde. Aehnlich wie das Lager im Brücker Walde waren auch hier die einzelnen Zweige kunstvoll zusammen- gebunben, an der Windseite mit Stroh und Streu ge- deckt und das ganze Lager gegen Wind und Wetter ge­schützt. Der Streifzug wurde bis in den benachbarten Brückerwald ausgedehnt und wurden hier vier Amöne- burger Einwohner beim Schlingenstellen zum Fangen von Wild ertappt. Anzeige gegen die unbefugten ^äget ist erstattet worden.

Niederkleiu, 27. August. Die Wespen treten in diesem Jahre in so ungeheurer Menge auf, daß sie für Menschen und Thiere oft gefährlich werden. In dem benachbarten Lährbach wurde ein Kind so arg von Wespen zerstochen, daß die Eltern ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußten und das Kind mehrere Tage in Lebens­gefahr schwebte. In einem Falle, der sich ebenfalls dort ereignete, wurde ein Pferd, das in ein Wespennest getreten war, von Wespen verfolgt und derart zugenchtet, das es an den Folgen der vielen Stiche verendet ist.

Vermischtes.

Zur Bekämpfung der Kohlraupe schreibt ein praktischer Landwirth demLandboten" Folgendes: Nach­dem die bekannten Bekämpfungsmittel, wie Ausstreuen von Asche, Viehsalz, Kainit usw, ohne Erfolg geblieben waren, versuchte ich es mit Thomasschlacke und verwandt« von dieser 1 Centner pro */4 Hektor. Der Erfolg wa> überraschend, denn schon nach wenigen Stunden sah mal einen großen Theil der Raupen den Kohl verlassen un! viele gingen zu Grunde. Am nächsten Tage hingen du Raupen, zu Hunderten todt an den Kohlblättern. Nach drei Tagen wurde nochmals 1 Centner Thomasmehl pl« 7« Hektvr gegeben, und auch die letzten Raupen giM» zu Grunde. Der Kohl, der bereits stark zerfressen wat erholte sich bald, und es wurde noch ein Ertrag von ca 200 Centnern erzielt. Sollte in der That die Wirkung des Thomasmehles überall eine so gleiche Gute stG dann hätten wir nicht nur in demselben ein leicht-