WülhternerMmg
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M 68. Samstag, den 24. August 1901. 52. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar wird Anfang der nächsten Kche mit den kaiserlichen Kindern von Schloß Wil- Mshöhe nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurück- jjrtn. — Der Kronprinz befindet sich gegenwärtig auf Air serienreife in den schottischen Hochlanden.
— Der Kaiser hat befohlen, daß die Hofhaltung Itr verstorbenen Kaiserin Friedrich zum 1. Oktober auf-
M werde.
— Der König und die Königin von Italien wollen N Herbst, nach Beendigung der Landestrauer, dem kaiserpaare in Potsdam einen Besuch machen.
— Fürst Wilhelm zu Wied hat die Stellung als Präsident des Deutschen Flottenvereins niedergelegt und gleichzeitig aus dem Gesammtvorstande ausgeschieden.
— Ein sonderbares militärisches Rangverhältniß ist durch die Ernennung der Prinzessin Friedrich Carl von Reffen zum Chef des Füsilier-Regiments Nr. 80 zwischen litftr und ihrem Gatten geschaffen worden. Wie alle »riblichen Regimentschefs hat die Prinzessin den Rang tint$ Obersten. Ihr Gemahl, Prinz Friedrich Carl, ist jedoch noch lange nicht in einer gleichhohen militärischen Stillung; er ist z. Z. Hauptmann und Kompagniechef m 1. hessischen Jnf.-Regt. Nr. 81.
- Ein neues Pionierbataillon wird zum 1. Oktober Met und nachHannöverisch-Münden in Garnison gelegt.
— Maulthiere für militärische Zwecke. Ein Trans- jort von 400 Maulthieren und Pferden ist gegenwärtig im China nach Deutschland unterwegs. Die Thiere offen behufs Erprobung ihrer Brauchbarkeit für mili- irische Zwecke weiteren Versuchen dienen. Bekanntlich »irb den Maulthieren eine große Ausdauer nachgerühmt, ndj sollen sich die Unterhaltungskosten bedeutend billiger essen, als die eines Pferdes. Dieselben stammen aus -üdamerika, sind halb verwildert und sehr schwer für btn Felddienst zu erziehen. Wie heimkehrende Offizier? unserer ostasiatischen Regimenter erzählen, sollen die Truppentheile aller Nationen in China, welche Maul- Ibitre benutzten, sehr oft böse Erfahrungen mit den Thieren gemacht haben. Auch die Maulthiere, die Graf Weldersee von dem chinesischen General Mau zum Ge- dient erhielt, und die sich jetzt im Stalle des Bult- Tattersalles zu Hannover befinden, sind leicht zum Durch- Schn geneigt, was sie in China wiederholt bewiesen haben. Der Feldmarschall kann die Thiere in der Stadt nicht verwenden und wirb- sie deshalb auf sein Gut
Wn, wo sie vor Ackerfuhrwerk bei schwerer Arbeit ^Wendung finden sollen. Als Zugthiere leisten die Maulthiere kolossale Arbeit, und es giebt kaum ein Fuhrwerk, das sie stehen lassen. — Daß auch Ochsen auf Kriegstüchtigkeit geprüft werden, dürfte wenig be- annt sein. Auf dem Döberitzer Uebungsplatz, auf dem dik verschiedensten Versuche für einen Kriegsfall angestellt »erben, find in neuerer Zeit auch Ochsen eingestellt »orben, um ihre Kriegsbrauchbarkeit zu erforschen. Sie Derben als Last- und Zugthiere verwendet, wobei Hinterer genau festgestellt wird, was sie nach den einzelnen Ölungen und Gangarten an Gewicht eingebüßt oder sie sonstwie Schaden gelitten haben. Dann werden it den Thieren Versuche gemacht, um zu erfahren, wie M Zeit erforderlich ist, um bei denselben die ursprüng- heForm wiederherzustellen, die sie zur Fleischverwerthung Signet erscheinen läßt. Jeder Ochse hat einen eigenen hn zur Abwartung; eine bestimmte Zahl untersteht “on Unteroffizier, sodaß es also auch bei ihnen ganz Etärisch zugeht.
— Der Berliner Milchkrieg. Der Kampf droht 1» 1. Oktober mit größter Heftigkeit zu entbrennen,
1 beide Parteien dazu rüsten. Was sich in Berlin 'spielt, kann sich anderswo wiederholen. Vor Berlin M München schon einen ähnlichen Milchkrieg gehabt, “it Landwirthe der Mark, die der Reichshauptstadt den Atzten Theil des Milchbedarfs liefern, haben eine sog. strafe für Milchverwerthung gebildet. Während sie
dahin für das Liter Milch 11 oder 11'/, Pfg. von Händlern bekamen, verlangen sie jetzt 13'/, Pfg. M haben allen Händlern, welche diesen Preis nicht Willigen, zum 1. Oktober die Verträge gekündigt. Die viindler aber erklären, daß sie bei einem Einkaufspreis
13'/, Pfg, die Milch im Einzelverkauf nicht mehr, ^bisher, zu 18 oder 20 Pfg. liefern könnten. Ein ^tiSaufschlag dem Publikum gegenüber sei auch nicht Wiljrbar. Die Centrale der Landwirthe hat, wie es
Verträge auf Lieferung von täglich 400 000 Liter
Milch abgeschlossen und will in Berlin eine große Molkerei eröffnen zur Verwerthung aller überflüssigen Milch, die sie nicht mit Hilfe eigener Verkaufsstellen an das Publikum abzusetzen vermag. Dagegen haben die Händler Einkaufsgenossenschaften gegründet, deren Mitglieder sich verpflichten, bei der Centrale keinen Tropfen zu kaufen. Sie wollen angeblich ihren Bedarf aus entlegenen Gegenden decken und sollen schon feste Verträge von großem Umfange abgeschlossen haben. Daß bei diesem Milchkrieg, mag er ausgehen, wie er wolle, der eigentliche Geschädigte das Publikum ist, bedarf kaum des Nachweises. Was eine Störung in der Milchversorgung für die Stadt Berlin bedeutet, erkennt man, wenn man sich den Umfang des Bedarfs vergegenwärtigt. Nach der „Sozialen Praxis" wird dieser Bedarf auf täglich 600 000 Liter berechnet. Davon liefern städtische Molkereien und die Meierei Bolle je etwa 60 000, also zusammen nicht einmal ein Viertel des ganzen Bedarfs. Stark drei Viertel des Letzteren müssen von Landwirthen der näheren oder weiteren Umgebung gedeckt werden.
Hamburg. Die Hamburg-Amerikalinie hat ihre Dampfer „Palatia" und „Phönicia" mit bedeutendem Gewinn nach England verkauft. Beide Schiffe werden durch zwei neue große Personendampfer ersetzt. Da sieht man wieder, wie die Zeiten sich ändern. Früher kauften wir englische Schiffe, heute bezieht England Schiffe von uns.
Essen. Privatmeldungen aus dem Bergischen Industriegebiet zu Folge herrscht in der dortigen Stahlwaaren- Jndustrie ein derart schlechter Geschäftsgang, daß die meisten Fabriken nur drei Tage wöchentlich arbeiten, und andere Werke gänzlich stillgelegt wurden. Auch in der Massenfabrikation herrscht flauer Geschäftsgang, so daß nach Ansicht der industriellen Kreise bei dem Fortbestand der jetzigen Konjunktur der weltbekannten Solinger Industrie sehr schlimme Zeiten bevorstehen. In den Schweißeisenbetrieben Westfalens sieht es ebenfalls trostlos aus. Mehrere Werke stellten den Betrieb ein. Bei der Gesellschaft für Stahlindustrie in Bochum mußte am Sonnabend auf beiden Walzwerken gefeiert werden.
Gumbinnen, 21. Juni. Im Berufungs-Prozeß wegen der Ermordung des Rittmeisters von Krosigk in Gumbinnen wurde der Angeklagte Marien wegen Mordes im Zusammenhang mit Meuterei zum Tode verurtheilt. Bezüglich des Angeklagten Hickel ist auf Verwerfung der Berufung gegen das freisprechende Urtheil der Vor- instanz erkannt worden. Derselbe wurde sofort freigelassen.
- läge seiner Leute bei Middelburg einen Sieg der eng- , lischen Waffen herauszudrechseln und der das Resultat 3 dieser Bemühungen auch nach London meldete, ist darob r gründlich ausgelacht worden; das hat er auch in vollem ) Maße verdient. Die Thatsache, daß sich der Lord auch . an einen scheinbaren Erfolg, wie der Ertrinkende an - einen Strohhalm, klammert, beweist zur Genüge, wie i schlimm die Engländer im Burenkriege daran sind. Auch , der Umstand, daß soeben von Southampton 2000 Mann e Infanterie und Kavallerie, mehr konnte das Londoner 8 Kriegsamt nicht auf die Beine bringen, nach Südafrika t eingeschifft wurden, spricht nicht gerade für eine Berech- - ligung der englischen Siegeszuversicht. — Dagegen scheint t die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich Rußland r schließlich doch noch zu Gunsten der Buren einlegt und e den Engländern ein: Bis hierher und nicht weiter! zuruft. - Dafür spricht einmal die Thatsache, daß der Privat- l sekretär des Präsidenten Krüger vom Zaren in längerer r Audienz empfangen wurde und nachher eine 'eingehende Unterredung mit dem leitenden russischen Minister Grafen e Lamsdorff hatte. Ums andre fällt folgendes Vorkommniß i ins Gewicht. Zur Hochzeitsfeier der Großfürstin Olga t Alexandrowna war der Vertreter der Transvaalrepublik, i Jonkheer van der Howen, vom Zaren eingeladen worden, r Kaum hatte der britische Botschafter davon erfahren, so , ließ er dem Zaren melden, daß er zu der Feier nicht erscheinen könnte, wenn derselben auch der Transvaal- Vertreter beiwohnen würde. Der Zar befahl darauf, - daß der Burenvertreter nicht mehr als private Persön- : lichkeit, sondern als diplomatischer Agent der südafrikanischen > Republik eingeladen werde. Die englische Botschaft blieb ‘ der Feier fern und entschuldigte ihre Abwesenheit durch 5 den Tod der Königin Viktoria. Der Burenvertreter aber wurde von dem diplomatischen Korps freundlich empfangen und vom Zaren durch ein langes, auffallend
i herzliche Gespräch ausgezeichnet.
i Lokale- und Provinzielles.
* Schlüchtern, 23. August.
* — In der Fuchs'schen Todtschlagsaffaire wurde I einer der in Haft befindlichen Söhne des ebenfalls inhaf- i tirten Bauers Gläser aus Herolz nach dem Orte der i That (in der Heeg bei Herolz) geführt, woselbst ein . gerichtsseitiger Augenscheinstermin stattfand.
I * — Arbeitslosenfürsorge. Infolge der gegenwärtigen Fläue in der Industrie ist auf ministerielle Anordnung
. von verschiedenen Regierungspräsidenten an die Landräthe und die Stadtverwaltungen das Ersuchen gerichtet worden, neue Pflegestationen zu errichten, resp, bereits aufgehobene
; wieder in Kraft treten zu lassen, da wegen der erwähnten Erscheinung eine große Arbeitslosigkeit herrsche und auf
; eine anwachsende Wanderung der Arbeitslosen zu rechnen sei.
* — Ueber die vom Kaiser festgesetzten Abzeichen für die als Hülfsorgane der Polizei anerkannten frei- willigen und Pflicht-Feuerwehren in Preußen sind jetzt nähere Bestimmungen ergangen. Die Abzeichen, die in einer Zusammenstellung von Feuerwehrkappe, Beil und Axt bestehen, sind von den Manschaften her uniformirten Feuerwehren am linken Oberarm, von den Chargierten auf den Achselstücken zu tragen. Die Mitglieder der Feuerwehren sind zur Anlegung der Abzeichen bei Ausübung des Feuerlöschdienstes verpflichtet. Jedes unbefugte Tragen der Abzeichen und Achselstücke ist strafbar.
* — Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß, wer sich um eine Stelle bewirbt, verpflichtet ist, dem anderen Theile, der den Posten zu vergeben hat, auch unbefragt Mittheilung von etwaigen Vorstrafen, die er erlitten hat, zu machen, wenn er bei vernünftigem Ermessen annehmen muß, daß hiervon die Entschließung abhängig gemacht werden kann. Unterläßt er dies, so kann der Prinzipal nachträglich, sobald er über den Sachverhalt unterrichtet ist, den Dienstvertrag wegen Irrthums anfechten, wenn die Sache so liegt, daß er bei Kenntniß der Wahrheit Jenen von Anfang an nicht angestellt haben würde.
* — Die Zahntechniker zählen zum Handwerk! So hat der Ausschuß des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages entschieden. Diese Entscheidung gilt allerdings nur für solche Zahntechniker, „die nicht gleichzeitig alle vorkommenden zahnärztlichen Verrichtungen mit übernehmen". Wie der Vertreter der Berliner Handwerkskammer mittheilte, wurden in Berlin schon seit einiger Zeit der Zahntechniker dem Handwerk zugerechnet, was die Regierung durchaus billigt.
Ausland.
Wien, 20. August. Die montenegrinische Regierung hat neuerdings Folgendes zur Kenntniß der Pforte gebracht: Sie erfahre, daß die Albanesen, die in Stärke von 20000 Mann in Rogova, Jakovo und Jpek ver- sammelt find, die Absicht haben, nicht nur Moka, sondern auch den auf montenegrinischen Territorium belegenen Ort Skulani anzugreifen. Die Munition, welche sie haben, gehöre den türkischen Truppen. Die montenegrinische Regierung habe die Truppen angewiesen, die Angriffe der Albanesen zurückzuschlagen. Die Albanesen beabsichtigen jedoch, gleichzeitig die Kreise Gusinje, Rogova und andere zu brandschatzen, was diePforte verhindern möge.
Paris, 19. August. Der Kaiser von Rußland will auf eine Einladung des Präsidenten Loubet dem Schlüsse der Manöver bei Reims beiwohnen. Bei Dünkirchen wird der Kaiser, ehe er an Land geht, mit Lonbet einer Parade über das Nordgeschwader beiwohnen, das beauftragt ist, den Kaiser beim Eintreffen in den französischen Gewässern zu bewillkommen.
Belgien. Wie der „Soir" zu berichten weiß, sind die Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Syndikat und den belgischen Glashüttenbesitzern dem Abschluß nahe. Eine Anzahl belgischer Glasbläser ist bereits von Amerikanern angeworben worden und wird sich im nächsten Monat nach den Vereinigten Staaten einschiffen; ungewöhnlich hohe Löhne sollen ihnen zugesichert sein. Andererseits haben auch die Japaner beschlossen, Glashütten zu bauen und werben, ebenfalls gegen sehr hohe Löhne, bessere belgische Glasarbeiter an.
Koustantinopel, 21. August. Der Sultau zog seine Frankreich gemachten Versprechungen zurück, infolgedessen brach der französische Gesandte Constans die Beziehungen zur Türkei ab.
Transvaal. Lord Kitchener, der den fruchtlosen Versuch unternommen hat, aus einer eklatanten Nieder-