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WWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

U 67, Mittwoch, den 21. August 1901. 52. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar ist am Donnerstag Vor- wg von Potsdam nach Wilhelmshöhe gereift. König Ward wird dem Kaiser in den nächsten Tagen auf chloß Wilhelmshöhe einen mehrtägigen Besuch abstatten.

Königin von England ist am Freitag früh über unburg nach Kopenhagen gefahren.

Aus unseren Schutzgebieten in Afrika geht die !chricht zu, daß es in der neuester Zeit gelungen ist, edanesen für die deutschen Truppen anzuwerben, nach- m dies lange Zeit durch England unmöglich gemacht irden war. Diese Thatsache ist mit Freude und Ge- igihuung zu begrüßen, da der Sudanese den bei weitem ßm Soldaten in b n dortigen Zonen abgiebt.

Spandau. Eine Aufsehen erregende Entdeckung ist i Verlauf der Nachforschungen wegen der Massendieb- Hle in der Königlichen Pulverfabrik zu Spandau am Mittwoch spät Abends gemacht worden. Man fand imlich am Havelufer außerhalb der Stadt ein unter- lisches Lager von Diebesbeute, die aus der Fabrik irriifjrte. Das Versteck, welches 2'/2 Meter unter der rdoberfläche hergestellt war, barg große Mengen voll- >Men neues Handwerkszeug, u. a. auch zwei große jig Spiritus. Die Ausräumung des Diebslagers seitens ir Polizei dauerte bis in die Nacht hinein. Die Be- irbe war durch annonyme Zuschriften auf dieses Versteck r Spitzbuben aufmerksam gemacht worden; sie ist ferner ch davon in Kenntniß gesetzt, daß, als die Entdeckung ir Dieb stähle bekannt wurde, aus der Behausung ver­miedener Personen, auf welchen ein gewisser Verdacht ir Mitthäterschaft ruhte, bedeutende Massen von Gegen- inden Nachts fortgeschafft wurden; man weiß noch nicht »hin dieselben gebracht worden sind. Bei der später folgten Durchsuchung der betreffenden Wohnungen ist ch nichts mehr an Diebesbeute vorgefunden worden, lit Zahl der an den Diebstählen unmittelbar betheiligten Wonen steigert sich von Tag zu Tag.

Oberhausen. Der in Milwaukee verhaftete Schwindler hrhardt Terlinden aus Oderhausen ist geständig, deutsche taten um anderthalb Millionen Mark betrogen zu laben, macht aber mildernde Umstände geltend (! ! !). §r hat in Newyorker Banken 100 000 Mark hinterlegt, mf welche die deutsche Regierung Anspruch erhebt. Ter- inta wird nach Deutschland geschafft werden, um sich legen die Anklage der Ausgabe werthloser Aktien, der iirlundenfälschung und der Fälschung von Aktienstempeln I« verantworten.

Dessau. Ein altes Pastorengeschlecht. Am Sonntag Viren 130 Jahre versioffen, selbem die Pastorenfamilie bioldenhauer in Peißen (Anhalt) ihren Einzug hielt, b 11. August 1771 wurde der aus Sommersdorf bei Magdeburg gebürtige Urgroßvater des jetzigen Pfarrers M Inspektor Lange in Lanblingen in das Pfarramt »»geführt; er war wie sein Vater und Großvater ein Äorensohn, sodaß die Familie Moldenhauer acht Generationen hindurch seit 1686 je einen Vertreter für 18 geistliche Amt gestellt hat. Das Peißener Pastoren- Mecht dürfte mithin das älteste Deutschlands sein.

Lichteufels, 16. August. Der gestern Abend 10 Uhr *0 Minuten hier aus Groß-Probstzella fällige Personen- ^ traf in Küps mit einem brennenden Postwagen ein. Kiefer war kurz vorher infolge Explosion einer Petro- Nlampe in Brand gerathen. Das Feuer fand reiche Ehrung, sodaß der ganze Wagen bis auf das eiserne Grippe ausbrannte. Der in dem Wagen befindliche Nfdiaffner versuchte Anfangs, das Feuer zu löschen, flitt aber schwere Brandwunden. ES sind mehrere ändert Stück Postpackete verbrannt. Bei dem letzten straffer wurden der Gerberei von Schlesinger in Nolftabt 1800 Felle weggeschwemmt, von denen jedes ""ei, Werth von zehn Mark hat.

Busland.

England. Der deutschen Gemeinde in London ist ^ einer Meldung desBerl. Tagebl." die Kapelle 1011 St. James Palast, die seit vielen Jahren mitbenutzt die sogar als Botschaftskapelle betrachtet wurde, Wich entzogen worden. Der Hinweis, daß die Ka

zugleich deutsche Botschaftskirche sei, wurde zurück- Wiesen, da der deutsche Botschafter katholisch sei. Die stelle ist zwar Eigenthum des Königs von England; Melde ist also formell zu jener Maßregel wohl berech- W- Nichtsdestoweniger muß dieselbe als eine wenig

Lokale- und Provinzielles.

* SÄlüchtern, 20. August.

* Dem Kreisphysiker Herrn Geh. Sanatätsrath Dr. Bartholmai zu Steinau wurde der Rothe Adlerorden IV. Classe verliehen.

* Gestern, Montag, Vormittags gegen 7'/i Uhr verunglückte ein fremder junger Radfahrer beim Bahn­übergang über die Fuldaer Chaussee. Im Begriff, beim Herannahen eines Elsenbahnzuges vor der Schranke sein Rad anzuhalten, fuhr er damit gegen einen Prellstein, sodaß das Rad zerbrach und der Fahrer kopfüber herunter flog Durch den Sturz brach er das Rückgrat. Der Verunglückte lebte noch eine halbe Stunde, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Seine Leiche wurde ins hiesige Spital übergeführt. Er und sein Kamerad wollten nach Straßburg. (Diese Bahnschranke hat schon vor einigen Jahren einem Radfahrer zu schweren Unfall verholfen, denn der von Flieden den Distelrasen herabkommende Fahrer sieht wegen Biegung der Straße die Schranke erst, wenn er nicht mehr weit davon entfernt ist, was dann für einen in schneller Fahrt befindlichen und im Abspringen nicht sehr geübten Radfahrer recht gefährlich ist. Da wäre eine beim Ausgang aus dem Walde anzubringende Warnungstafel wohl am Platz!)

* In der Nacht von Freitag auf Sonnabend wurde in das hiesige Pfarrhaus bei der Kirche einge­brochen und dem Herrn Superintendenten Orth circa 100 Mark gestohlen. Der Dieb nahm seinen Weg durch ein Küchenfenster an der Hinteren Seite des Hauses und ließ auf dem Rückweg seine vorher ausgezogen ge­habten Strümpfe als Andenken zurück.

* (Ein strenger Winter in Sicht.) Beim Durch­streifen der Wälder kann man vielfach beobachten, wie so gar emsig in diesem Jahre die Ameisen beschäftigt sind, ihreStätte sehr hoch zu bauen"; es ist dies in der Regel ein untrügliches Zeichen von einem frühen und auch strengen Winter.

* Für anonyme Briefschreiber eine ernste Warnung ist ein Urtheil der Strafkammer zu Ostrowo. Ein Fräulein Johanna Krokus aus Jarotschin wurde wegen Versendung von anonymen Schmähbriefen in vielen Fällen zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Das Fräulein dürfte nach Verbüßung ihrer Strafe für alle Zeiten von ihrer gemeingefährlichen Krankheit geheilt sein.

* Papierfabrikanten-Elend. Der Aufsichtsrath der Cröllwitzer Aktien-Papierfabrik in Halle Cröllwitz schlägt für 1900/01 nach 135 581 Mk. (124 576 Mk.) Abschreibungen die Vertheilung einer Dividende von 18 Proz. (im Vorjahre 10 Proz.) sowie Zuweisung von 50 000 M. (20 000 M.) an den Erneuerungsfonds vor.

* Was ist eine Schankwirthschaft? Der Händler B. war angeschuldigt worden, sich gegen die Paragraphen 33, 147 der Gewerbeordnung und 52, 60 und 70 des Gewerbesteuergesetzes vergangen zu haben, weil er ohne Anmeldung und Konzession die Schankwirthschaft be­trieben habe. Das Schöffengericht verurtheilte ihn zu 30 Mark Geldstrafe. Die Berufung wurde vom Land­gericht verworfen. Zu B., der einen Flaschenbierhandel betreibt, waren zwei Personen gekommen, um mit ihm ein Geschäft abzuwickeln. B. setzte ihnen Bier, Selters­wasser und Cigarren vor. Er erhielt schließlich von einem von ihnen 1 Mk. verabfolgt. B. behauptete, er habe das Geld für Selterswasser und Cigarren, nicht aber für das Bier erhalten; dieses habe er unentgeltlich verabfolgt. Indessen, selbst wenn dies richtig wäre, so führte die Strafkammer aus, so hätte sich der An­geklagte dennoch strafbar gemacht, indem er zum Zwecke einer dauernden Gewinn-Erzielung Selterswasser zum Genuß auf der Stelle verabfolgt habe; denn unter Schankwirthschaft falle das Verabreichen jeder Art von Getränken, Kaffee, Milch und Selterswasser gegen Be­zahlung. Das Kammergericht wies die Revision des Angeklagten zurück. Diese Entscheidung ist besonders bemerkenswerth für Diejenigen, die nur Milch gegen Bezahlung in Gläsern zum augenblicklichen Genuß ab­geben. Sie betreiben, wie sie aus dem Kammergerichts- Erkenntniß ersehen, eine Schankwirthschaft und haben danach zu handeln und zu steuern.

Von Grebenham wird geschrieben, daß gegenwärtig im Auftrage des Großh. Ministeriums eine Commission, bestehend aus den Herren Landtagsabgeordneten und Mühlenbesitzern Erk und Braun, Meliorations Baurath Wißmann, Oberingenieur Lahr und Kreiskulturtechniker Kunz verschiedene Thäler des nordöstlichen VogelbergeH

freundliche angesehen werden. Da England mit den Buren nicht allein fertig wird, so beginnt es, die Ein­geborenen zu bewaffnen, um mit deren Hilfe den unüber­windlichen Gegner zu erwürgen. England treibt damit ein außerordentlich gewagtes Spiel. Die Zahl der in Südafrika lebenden Europäer beträgt etwa 50000, denen rund 500 000 Kaffern gegenüberstehen, alles Leute, die wie für den Krieg geschaffen sind. Wenn diese schließ­lich den Spieß umkehren und sich gegen die Engländer wenden, die sie in ihrer innersten Seele Haffen, dann ist es um Englands Herrschaft in Südafrika ein für alle Mal geschehen. Die Buren haben sich daS Verdienst erworben, in jahrelangen, schweren Kriegen mit den Kaffern europäischer Kultur im Herzen Südafrikas eine Stätte zu bereiten. Und Albions Dank für diese Thaten, die Niemanden mehr genützt haben, als den Engländern, ist der Vernichtungskrieg gegen die Buren.

Transvaal. DemMatin" zufolge ist dem Präsi­denten Krüger von Burenfreunden verschiedener Natio­nalitäten der Vorschlag gemacht worden, ihnen die Er­laubniß zur Ausrüstung von Kaperschiffen zu ertheilen. Die vorgeschlagene Belohnung beträgt 80 Pfund Ster­ling für jede Tonne der gekaperten oder gesunkenen eng­lischen Kriegsschiffe und 40 Pfund Sterling per Tonne der gekaperten oder zum Sinken gebrachten englischen Kauffahrtei-Schiffe. Diese Belohnung würde nach Be­endigung des Krieges von der Transvaal-Regierung aus- zuzahlen sein. Man glaubt, daß Präsident Krüger an­gesichts der letzten Proklamation Kitcheners zu bewegen sein wird, diese Erlaubniß zu ertheilen. In diesem Falle würde der Krieg in ein neues, unerwartetes Stadium treten. Lord Kitchener berichtet nur die Scheinerfolge der Engländer, während er deren Niederlagen verschweigt. Großes Aufhebens hat er von der angeblichen Säuber­ung der Kapkolonie von Buren durch General French und Oberst Gorringe gemacht, und trotzdem steht fest, daß die Buren auch heute noch glänzende Positronen in dieser Kolonie innehaben. Ein in Amsterdam wohnender Afrikander hat auf geheimem aber zuverlässigem Wege die Nachricht aus dem Burenlager erhalten, daß Lydenburg von den Buren genommen worden sei. Aus dem Lager der Flüchtlinge in Middelburg hat Botha 1000 Mann geholt und die Drückeberger wieder gegen die Engländer gestellt. Roodeport ist durch die Buren vernichtet worden. In der Kapkolonie schließen sich unausgesetzt Kolonial- truppen den Buren an. Das ist etwas ganz Neues, daß selbst englische Freiwillige aus den Kolonien jetzt in größerer Zahl zu den Buren übergehen. Von alledem erfährt man durch die amtlichen Londoner Telegramme natürlich nichts.

China. Zwei Mitglieder der Schansin-Mission sind in Begleitung eines englischen Offiziers der Nachrichten- Abtheilung von Tai-Iuen-Fu nach Singanfu abgegangen, um Unterstützungen hinzubringen. Die Hungersnoth soll dort furchtbar sein; Menschenfleisch soll zu drei Cent pro Pfund verkauft werden. Auch im südlichen Schaust ist die Hungersnoth groß, doch kommen dort nur ver einzelte Fälle von Verhungern vor. Die Hungersnoth herrscht meist in den schwer zugänglichen Gebirgsdörfern.

Vom Philippinenkrieg. England steht mit seiner Nichtachtung der völkerrechtlichen Kriegsgebräuche nicht allein; auch die Amerikaner sind in ihrem Kampfe gegen die Filipinos, den sie mit rein militärischen Mitteln ebenfalls nicht bewältigen können, zu Blutdecreten ge­schritten, die den weiter kämpfenden Gegner einfach für vogelfrei erklären. Nach telegraphischer Meldung gab General Mac Arthur in einer Proklamation bekannt, daß, da es eine Regierung de facto nicht mehr gebe, jeder Filipino, der nach einem bestimmten Zeitpunkte einen amerikanischen Soldaten tödten sollte, als Mörder angesehen werden würde. Die amerikanische Herrschaft auf den Philippinen umfaßt bekanntlich einen noch viel kleineren Theil des beanspruchten Gebietes als die eng­lische in den Burenrepubliken; der Erlaß eines Acchtungs- dekrets entbehrt also vollends jeder Rechtsgrundlage in den thatsächlichen Verhältnissen. So geben die beiden angelsächsischen Weltmächte, in denen viele Leute noch vor wenigen Jahren den Hort der Freiheit und Humanität erblickten, der Welt das traurige Beispiel eines vollstän­digen Rückfalls in die barbarischen Kriegsgewohnheiten früherer Jahrhunderte; wahrlich ein bitterer Hohn auf die mit so vielen Hoffnungen begrüßte HaagerConferen,, deren Beschlüsse auch von jenen Mächten vor kurzem feierlich ratificiert worden sind.