Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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£ 65. Mittwoch, den 14. August 1901. 52. Jahrgang.
Vp^IIn^a«»^ ^ bie "Schlüchterner Zeitung" merben noch fortwährend von allen
-- ——. Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 2470 K.=A. Auf Wunsch des „Frankfurter landwirthschaflichen Vereins" mache ich alle Interessenten darauf aufmerksam, daß gelegentlich des Herbst-Pferde- marktes am 28. September d I. in Frankfurt a. M. eine Prämiirung von inländischen Pferden stattfinden wird. An Prämien sind insgesammt 1000 Mark für Gebrauchspferde, Zuchtstuten und Fohlen ausgesetzt. Die Anmeldung der Pferde hat spätestens bis zum 4. September d. I. mittelst besonderen Anmelde-Formulars beim Secretariat des genannten Vereins in Frankfurt a. M. Ostendstraße Nr. 30, bei dem auch alles Nähere zu er fahren ist, zu erfolgen.
Schlüchtern, den 9. August 1901.
Der Königliche Landrath: Roth.
Deutsches Reich.
Cronberg, 10. Aug. Die Ueberführung des Sarges du verewigten Kaiserin nach der St. Johanniskirche fand heute mit einbrechender Nacht unter Fackelbeleuchtung statt; der ganze Zug war von Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr umgeben. Der schwere Sarg ward von 12 Unteroffizieren des 80. Regiments, dessen Chef die Kaiserin war, getragen; das Regiment hatte ausdrücklich sich diese hohe Ehre ausgebeten; eine Kompagnie des Regiments stand als Ehrenwache vor der alten Kirche, in welcher die Kaiserin so gern geweilt. Dem Sarge folgte der Kaiser allein, sodann das übrige Trauergefolge; schweigend bewegte sich der düstere Zug so unter Glocken- geläut dahin. In der Kirche sprach Hofprediger Dr. Dryander ein kurzes Gebet. Dann kniete die ganze Trauerversammlung, zuerst der Kaiser, zu stiller Andacht' nieder. Offiziere des 80. Regiments hielten am Sarge die Ehrenwache.
Berlin. Am Samstag Morgen hat sich der aus China Mückgekehrte Feldmarschall Graf Waldersee bei seinem obersten Kriegsherrn gemeldet. Wenn er bereits in Hamburg die hohen offiziellen Auszeichnungen empfangen hatte, so erntete er hier den persönlichen Kaiserlichen Dank für seine Dienste. Die Begrüßung, die der Kaiser dem heimkehrenden Feldherrn zu Theil werden ließ, war sichtlich getragen von dem menschlich herzlichsten Gefühl, und sie wurde geäußert in einer Form, wie sie sonst nur Ebenbürtigen oder mit dem Kaiserlichen Hause eng persönlich verbundenen Personen zu Theil wird. Größere persönliche Ehrungen als den Kuß auf die Wangen und den Vortritt beim Abschreiten der Front hat der Kaiser Nicht zu vergeben. Graf Waldersee ist empfangen worden »ie ein „Fürst" und wenn hier der Name sehr bald der Sache nachfolgen sollte, so würde davon niemand über« lascht werden.
— Nachdem England mit seinen Pferdeankäufen in Ungarn so böse hineingefallen ist, hat es sich jetzt behufs Beschaffung des nöthigen Pferdematerials für den füb« asrikanischen Krieg an Deutschland gewandt und durch Renten etwa 1000 geeignete Pferde zu annehmbaren Reisen in Hamburg und den Provinzen Schleswig- toein, Hannover und Westfalen angekauft. Die Pferde Men, der „Tägl. Rundsch." zufolge, in Hamburg zur Verschiffung nach dem südafrikanischen Kriegsschauplatz Waben. Wie sich dieser Pferdeverkauf an England mit
Neutralität Deutschlands in dem südafrikanischen ^iege vereinigen läßt, ist uns ein Rätsel.
— Die Tollwuth scheint in diesem Jahre infolge großen Hitze im ganzen Reiche epidemisch zu Herren. Aus allen Theilen des Landes laufen Nachrichten tot, daß wegen vorgekommener Tollwuth oder wegen Mwuthverdachts über zahlreiche Gemeinden die Hunde- iperre verhängt werden mußte.
Kiel. Ein schwerer Konflikt mit der Pflicht hat den Matrosen Löw von der 5. Kompagnie der 2. Matrosen- Msion auf die Anklagebank gebracht. Er stand in Kiel M als Kajütsordonnanz des Artillerieschulschiffes Ears" auf Posten. Der wachhabende Offizier, Ober- kutnant Cölle, befahl ihm in Gegenwart der Wachmann- ™ften, im Topp zu entern und den Wimpel zu klariren.
wies auf die vor ihm hängende Instruktion hin, der die Kajütsordonnanz Nachts von 11—5 Uhr " Posten nur auf ausdrücklichen Befehl des Komman
danten oder des ersten Offiziers verlassen darf. Oberleutnant Cölle wiederholte seinen Befehl dreimal, vergebens. Das Gericht verurtheilte Löw zu 9 Monaten Gefängniß; es betonte, daß Löw wissen mußte, daß der wachhabende Offizier Vorgesetzter aller an Bord Befindlichen, selbst der Offiziere, sei. Daran änderten besondere Instruktionen nichts.
Essen, 1. August. Heute wurde die Eingemeindung Altendorfs nach Essen vollzogen. Jetzt steht Essen mit 182 000 Einwohnern und 1838 Hektar Grundfläche an siebenter Stelle unter den Städten Preußens.
Dortmund, 7. August. Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: „In der heutigen Gläubiger-Versammlung im Konkurse des Aufstchtsraths-Mitglieds Otto ergab es sich, daß es mit den Vermögensverhältnissen des Schuldners schon seit Jahren böse ausgesehen hat; sein Vermögen hat nur auf dem Papier gestanden. Als die Treber- Aktien Herabgingen, verflüchtete sich auch das Vermögen Otto's. Die Gläubiger werden nur einen ganz geringen Satz erhalten; soweit sich übersehen läßt, sind nur für etwa 500 000 bis 600 000 Mark greifbare Werthe vorhanden, denen über 20 Millionen Mark Schulden gegenüberstehen.
In Göttingen bildet das Stadtgespräch der Tod des Rentners Schilling und das Geschick seiner irrsinnig gewordenen Schwester. Das Haus Schillings wird von Neugierigen umlagert; im Garten haben allerlei Dunkelmänner nächtliche Nachgrabungen nach versteckten Schätzen angestellt, sodaß die Polizei energisch hat einschreiten müssen. Es hat sich herausgestellt, daß die beiden wunderlichen Leute ein mobiles Vermögen von weit über 100000 Mk. besessen, dieses aber auf die sonderbarste Weise untergebracht haben. Bei den Aufräumungsarbeiten im Hause fanden Arbeiter die Summe von 43000 Mk., die theils in einem alten, rostigen Blechkasten lagen, theils in alte Strümpfe und andere Lumpen eingewickelt waren. In einer alten am Boden liegenden Zeitung fanden sich sieben Hundertmarkscheine; ebenso in Büchern, die auf einem Regale standen, Kassenscheine über verschiedene Beträge. Tags darauf wurden in einem Gefäße noch 40 000 Mk. gefunden. Die Hauptmasse des Vermögens besteht in Werthpapieren. Dte Reinigung und Desinfi- zirung der Schillingschen Villa, die auch einen stattlichen Werth darstellt, ist noch nicht beendet. Es stehen vielleicht noch allerlei interessante Funde in Aussicht.
Weißenfels, 9. August. Schon seit dem Frühjahre macht sich in der Schuhfabrikation am Orte eine Ge- schästsfiauheit geltend, wie sie seit Jahren nicht beobachtet worden ist. Zur Zeit giebt es Fabriken, welche ihre Arbeiter in der Woche nur drei bezw. vier Tage beschäftigen. Böi den Lohnerhebungen, welche die Zahl, stelle vom Verein Deutscher Schuhmacher im Laufenden wöchentlich anstellt, hat sich ergeben, daß nur 18 Fabriken mit 673 Arbeitern die volle zehnstündige Arbeitszeit inne- halten konnten. 36 Fabriken mit 2178 Arbeitern hatten verkürzte Arbeitszeit. Es ist selbstverständlich, daß bei dem großen Umfange der Schuhfabrikation am Platze die Rückwirkungen auf die wirthschaftlichen Verhältnisse der Stadt ungünstig sein müssen, wenn man bedenkt, daß der Lohnausfall in den letzten Wochen 10—12 000 Mk. beträgt.
Aus Sachsen. Baukatastrophen und Bankkrisis über- schreibt die „Tägl. Rnndsch." eine Notiz, in der sie mittheilt, daß die Bankzusammenbrüche in Dresden und Leipzig auch für den Grundstücksmarkt die allerschlimmsten Folgen gehabt haben. 65 Zwangsversteigerungen im Schätzungswerthe von 5 Millionen Mark sind allein in Dresden in einem Zeitraum von noch nicht 2 Monaten zu zählen. Dabei werden noch viele Grundstücke unter der Hand losgeschlagen. Unter diesen Umständen gehen die Grundstücke im Werthe natürlich sehr bedeutend zurück. So wurde eine Villa, die vor zwei Jahren 300 000 Mk. kostete, für 180 000 Mark verkauft. Auch der Bau großer Wohnungen unter Vernachlässigung der mittleren und kleineren beginnt sich bitter zu rächen. Zahlreiche theure Logis sind gekündigt worden und noch mehr werden voraussichtlich noch lange leer stehen. — (Selbst ist der 1 Mann.) Die Turnerschaft zu Reichenbach im Voigtland hatte beschlossen eine Turnhalle zu errichten. Lange hat ' sie gespart, aber es wollte immer noch nicht reichen i Endlich ist sie soweit, daß der Bau fertiggestellt und be- i zahlt werden kann — bis auf die Ausschachtungsarbeiten i Da greifen denn die Herren Turner selber zu. Die I Ausschachtungen werden von ihnen hergestellt. Ein j
- Terrain von 18 Meter Breite und 24 Meter Tiefe muß aus der Berglehne ausgehoben werden. Das Erdreich i wird zur Herstellung eines 700 Quadrat-Meter großen ' Turnplatzes verwandt. An je zwei Tagen der Woche : tritt je ein Drittel der gesammten Mannschaft zur Arbeit ■ an. Diese dauert allabendlich von 8 bis 10 Uhr. Am 15. Juli hat das Werk begonnen, am 30. Juli sollte I es fertig sein. Die Reichenbacher Turner ersparen sich t dadurch 3600 Mark.
i Die vor kurzem in Mainz erfolgte Bestrafung zahlreicher Landwehrleute mit einem Tage Mittelarrest wegen । Nichteinklebens der Kriegsbeorderung in den Paß hat i jetzt einen Massenaustritt der Bestraften aus den Krieger- ! vereinen zur Folge gehabt.
> Kaiserslautern, 8. August. Wie „Pfälzische Presse" i meldet, ist der Vorstand des Vorschußvereins zu Landstuhl, : der Fabrikant Herle, Mitinhaber der Spritfabrik von i Bum u. Herle in Landstuhl, seit drei Wochen flüchtig, i Derselbe wird jetzt steckbrieflich verfolgt. Mark 200 000 : Wechselaccepte sind ohne Deckung. Der Konkurs des : Vorschußvereins ist unausbleiblich. Die Staatsanwalt- i schaff beschlagnahmte die Bücher. Die Firma Bum u.
Herle hat die Zahlungen eingestellt.
Ausland.
Nordamerika. Der zwischen dem amerikanischen Stahltrust und der Stahltarbeiter-Vereinigung entbrannte Kampf soll ausgekochten werden. Alle Vergleichs-Ver- suche sind gescheitert. Der Arbeiter-Verband rüstet sich zur Durchführung eines allgemeinen Ausstandes in sämmtlichen Werken des Trusts, indeß dieser sich an- schickt, die Mitglieder des Verbandes auch aus denjenigen Fa briken zu entfernen, in denen eine Arbeits-Einstellung bisher noch nicht erfolgt ist.
Nach einer Meldung aus Sau Franzisco wurden aus den Sckimelzwerken zu Vallejo (Kalifornien) Goldbarren im Werthe von fast 17» Millionen Mark gestohlen. Die Diebesbande grub einen 400 Fuß langen Tunnel vom Strand bis unter den stahlbedeckten Raum, wo das Gold aufbewahrt wurde und schaffte dieses per Boot fort
Südafrika. Sollte Lord Kitchener, der fähigste englische General und der einzige, von dem man die Unter« werfung der Buren hätte erwarten können, wirklich den Oberbefehl niederlegen müssen, dann werden sich die Engländer in Südafrika sicherlich nicht mehr lange halten können. Die Lage in der Kavkolonie ist nämlich, wie jetzt aus dem Briefe eines Deutschen ersichtlich wird, für die Engländer geradezu hoffnungslos. In dem erwähnten Briefe heißt es u. a: „Die Sache der Buren steht besser als in den besten Zeiten. Die ganze Kapkolonie ist im Ausstande. Zur Stunde rechnet man mehr als 20000 „Rebellen", das find Kapkolonisten, unter den Waffen. Bei den Rebellen wird seitens der Buren kurzer Prozeß gemacht. Neutrale Buren in der Kapkolonie giebt es nicht mehr. „Wer nicht mit uns ficht, ist gegen uns * Und täglich wächst die Zahl der Aufständischen, nachdem sie fast zwei Jahre diesem furchtbaren Kriege thatenlos zugesehen haben Heute stehen auf feiten der Buren mehr Mann unter den Waffen, als im Anfänge des Krieges. Ausgerüstet sind sie alle mit erbeuteten englischen Gewehren. Munition reichlich, Pferde vorzüglich, Proviant genügend, nur die Kleider mangelhaft. Nie hätte ich geglaubt, daß solch ein Umschwung möglich sei, ruff der Briefschreiber aus. Nicht nur die Unabhängigkeit werden Transvaal und der Freistaat zurückerhalten, sondern auch die Kapkolonie geht ganz oder theilweise verloren. Es kommt ein „Vereinigtes Südafrika!" So bewahrheitet sich Bismarcks Ausspruch, daß Südafrika das Grab Englands wird. Denn wenn England auch heute nochmals neue Tausende heraus senden würde - es wäre doch vergeblich! — Kitchener hat folgende Proclamation erlassen: Alle Kommandanten und Feldkornets oder Anführer bewaffneter Banden, welche Bürger der ehemaligen Republiken sind, und noch immer den Truppen Seiner Majestät Widerstand leisten, sei es in der Oranjekolonie, Transvaal oder in einem andern Theile des Herrschaftsgebietes Seiner Majestät in Südafrika und alle Mitglieder der Regierungen des ehemaligen Oranjefreistaats und Transvaals werden, wenn sie nicht bis zum 15. September sich ergeben, für immer aus Südafrika verbannt. Die Kosten der Unterhaltung der Familien der Bürger im Felde, die sich bis zum 15. August ergeben haben, fallen dem betreffenden