Erscheint Mittwoch und Samstag. — Prers mit „Krersblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.
K 63. Mittwoch, den 7. August 1901. 52. Jahrgang.
MolhittrtOtl °"^ die »Schlüchterner Zeitung« pnivUUliyrll werden noch fortwährend von allen ^--——— Postanstalten und Landbriefträgern, ^ie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
Am 8. August d. I. wird hier ein Viehmarkt unter toi seitherigen Bedingungen abgehalten.
Fulda, am 5. August 1901.
Der Königliche Landrath.
Deutsches Reich.
Cronberg, den 5. August. Die Kaiserin Friedrich ist 6'f4 Uhr Nachmittags verschieden.
Homburg v. d. H., 5. August. Der Kaiser traf mittelst Sonderzug heute Morgen 3 Uhr 15 Min. auf dem hiesigen Bahnhöfe ein und fuhr sofort nach Schloß Friedrichshof weiter. Gestern Abend 6 Uhr 50 Min. traf die Kaiserin, von Schloß Wilhelmshöhe kommend, mittelst Sonderzug hier ein. — Das heute früh 6'/2 Uhr heraus- gegebene Bulletin lautet: Der Schwächezustand Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich nimmt stündlich zu. Die Herzthätigkeit U1 nur noch gering. Schloß Friedrichshof, 5. Aug. 1901. gez. Professor Renvers.. Spielhagen. — Am Sonntag Nachmittag 1 Uhr wurde folgendes bekannt gemacht: Das seit Jahren langsam fortschreitende äußere Leiden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich hat im Verlaust. der letzten Woche sich auf die inneren Organe ausgedehnt. Bei nicht genügender Nahrungsaufnahme nehmen die Kräfte rasch ab. Ihre Majestät ist bei vollem Bewußtsein gegenwärtig ohne Schmerzen. Schloß Friedrichshof, 4. Aug. 1901.
Renvers. Spielhagen.
Berlin, 3. August. Der Kaiser hat seine Theilnahme au den Festlichkeiten in Emden ausgegeben und zwar wegen schlechter Nachrichten aus Friedrichshof.
— Die Nachricht von dem Ucbertritt der Landgräfin hon Hessen, Tochter des verstorbenen Prinzen Karl von Preußen, zum Katholizismus, wird offiziell dementirt.
- Civilkleidung für die heimkehrenden Chinakrieger. Eine dankenswerthe Einrichtung hat die Zweig Abtheilung deS Vereins vom Rothen Kreuz in Berlin getroffen. Jeder der Chinakrieger, welcher nach Berlin zurückkehrt. erhält einen neuen Anzug. Nach seiner Landung wird ihm ein Gutschein an eine hiesige Herrenkleiderfabrik überreicht, gegen dessen Vorzeigung er sich einen passenden ^nzug nach seiner Wahl in der vorgeschriebenen Preislage auswählen darf.
— 1. August. Mit dem großen Luftballon von 8000 Kubikmeter Inhalt, der ursprünglich zu der wissenschaftlichen Dauerfahrt hergestellt war, sind am Mittwoch die Herren Dr. Süring und A. Berson vom Königlichen Meteorologischen Institut bis zu der enormen Höhe von 10 300 Meter auigestiegen und dann bei Cottbus glatt gelandet. Das Maximum der erreichten Höhe konnte nicht genau festgestellt werden, da beide Herren schließlich ohnmächtig wurden. Die niedrigste beobachtete Luftemperatur war —40 Grad. Nach den bisherigen beobachteten Temperaturen in 8000 und 9000 Meter hätte man eine Temperatur von —53 Grad
erwartet. Der Ballon war mit Wasserstoffgas gefüllt, baö in Folge seiner im Vergleich zum Leuchtgas größeren Leichtigkeit das Erreichen der ungeheueren Höhe ermög bchte. Mit diesem Aufstieg hat Berson seinen eigenen Rekold geschlagen, denn die höchste Höhe, zu der man näher jemals vorgedrungen ist, war 9155 Meter, und öitfe Leistung vollbrachte Berson gleichfalls. Es ist vorläufig anzunehmen, daß die jüngste Ballonfahrt Bersons und Sürings die Grenze erreicht hat, die überhaupt dem Menschen in dieser Höhe zugänglich ist. Schon vor etwa Jahren, am 5. September 1862, wollten die Luft- lchiffer Glaisher und Coxwell 10 000 bis 1 l 000 Meter Höhe erstiegen haben, doch entbehren ihre Berechnungen durchaus der Wahr cheinlichkeit. Glaisher siel damals ln ttwa 8500 Meter Höhe in Ohnmacht. Bei der
Fahrt der Franzosen Sivel, Droce-Spinelli und Tissandier am 15. April 1875 erlagen die beiden ersten in etwa 8000 Meter Höhe dem Mangel an Sauerstoff, während der Ballon noch 309 Meter höher stieg. Am 4. Dezember 1894 erreichte, wie schon erwähnt, Berson die Höhe von 9155 Meter bei einem Luftdruck von 231 Millimeter und — 47,9 Grad C. Lufttemperatur. Unbemannte Ballons haben freilich noch viel größere Höhen erreicht, nämlich solche von 14 000 bis 18 000 Meter, bei denen dann eine Temperatur von noch weniger als —70 Grad C. registrirt wurde.
— Die Klagen über die Geschäftsstille sind in allen Theilen Deutschlands groß, und bei den erheblich gestiegenen Unkosten werden die mangelnden oder gesunkenen Einnahmen doppelt empfunden. Die Ernteaussichten haben keine wirkliche Besserung durch den Verlauf der Ernte erfahren können, der Futtermangel ist stellenweise recht groß und zwingt besonders kleinere Landwirthe zur Verringerung ihres Viehbestandes. Die kleinen Zuschüsse, aus welchen die ersparten Gelder auf den großen Geschäftsmarkt fließen, ebben stark, und bevor das sich nicht ändert, können wir auch nicht einen namhaften Umschwnng erwarten. Der deutsche Nationalwohlstand ist nicht davon abhängig, daß großen Finanzinstituten immer mehr Millionen zufließen, sondern davon, daß alle Volkskreise, besonders die selbständigen Bürgerkrcise sich rühren können. Wie es anders geworden, das werden auch die städtischen und staatlichen Steuerverwaltungen bei der neuen Einschätzung sehen. Mag hier die Rücksichtnahme walten, die den ganzen Zeitverhältnissen entspricht.
- Die ostpreußischen Landwirthe können sich in diesem Jahre als vom Glück außerordentlich begünstigt betrachten. Wie man der „Voss. Ztg." schreibt, ist die Ernte nicht nur durchweg als eine gute zu bezeichnen, sondern auch das Erntewetter gestaltete sich bisher so vorzüglich, daß der Roggen ganz ohne Regen eingebracht werden konnte und daher eine den höchsten Anforderungen genügende Qualität zu liefern verspricht. Dazu kommt, daß die Landwirthe schon jetzt mit Sicherheit auf einen hohen Preis für Weizen und Roggen rechnen können.
Vom Rhein, 29. Juli. Die allgemeine geschäftliche Krisis macht sich in ganz empfindlicher Weise auch bemerkbar im Verkehr der großen Personendampfer von Köln bis Mainz. Die prächtigen Schiffe sind nur mittelmäßig besetzt. Die Hoteliers klagen gleichfalls, daß in diesem Jahre das Geschäht so schlecht gehe; sie hegen die schlimmsten Befürchtungen für den nächsten Winter. So schlecht wie Heuer war die Lage der Hoteliers seit vielen Jahren nicht, zumal auch der internationale Verkehr sehr zu wünschen übrig läßt.
Mainz. Ein Landwirth aus der Umgebung von Mainz fand in der Nähe des Feldherrnhügels auf dem großen Sande zwei Granaten. Der Mann war vorsichtig genug, seinen Fund der Scheibenwache anzuzeigen. Telephonisch wurde die Behörde davon unterrichtet Von dieser entsandte Sachverständige begaben sich an Ort und Stelle und stellten fest, daß die beiden Granaten Blindgänger seien, d. h. noch nicht explodiert waren. Gestern Vormittag wurden die Fundstücke entladen. Es waren Exemplare eines alten, nicht mehr gebräuchlichen Granatsystems und stammten aus der Zeit der siebenziger Jahre, in der die Fußartillerie noch ihre Schießübungen auf dem großen Sande abhielt. Dem betreffenden Landwirthe, der die beiden gefährlichen Geschosse gefunden hat, wird seitens der Militärbehörde die auf das Auffinden solcher Blindgänger ausgesetzte Belohnung zutheil werden.
Würzburg. Die Stelle eines Domorgarnisten ist in Würzburg dem Fräulein Höller, der Tochter des unlängst verstorbenen Domorgarnisten, übertragen worden; gewiß ein seltenes Amt für eine Dame.
Eisenach, 1. Aug. Ein Kohlweißlingschwarm sucht zur Zeit die Thüringer Lande heim. Ein Herr, der aus dem Wege vom Heuberg nach Tabarz in den Schwärm hinein gerieth, theilt mit, daß er den Eindruck empfangen habe, als befinde er sich im heftigen Schneegestöber. Es mochte etwa 5 Minuten gedauert haben, ehe der Schmetterlingszug vorüber war. Derselbe scheint über den ganzen Thüringerwald geflogen zu sein. Auch in Gehren und anderen Orten ist die lebendige Schneewolke beobachtet worden.
Haun.-Münden, 1. Aug. Für Imker wichtig ist folgende Entscheidung. Kürzlich wurden, wie wir berichteten, in hiesiger Gegend 2 Pferde von mehreren Bienenvölkern eines Bienenstandes überfallen und der
maßen gestochen, daß sie verendeten. Nunmehr ist der Besitzer der Bienen verurtheilt worden, dem Eigenthümer der Pferde 1500 Mark Schadenersatz zu zahlen. Man kann daher nur allen Imkern empfehlen, sich gegen Haftpflicht zu versichern.
Der „Köln. Zeitung" wird aus Elberfeld gemeldet, daß der Barbier Ziethen, der wegen Ermordung seiner Frau im Jahre 1884 zum Tode verurtheilt und zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt wurde, Mittwoch Nachmittag im Zuchthaus zu Werden an einer Lungenentzündung gestorben ist. — Der Fall Ziethen hat seit vielen Jahren die Oeffentlichkeit beschäftigt. Eine sehr starke Bewegung hat sich geltend gemacht, um das Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen, da in sehr zahlreichen Kreisen, auch unter vielen Juristen, auf Grund des Verhandlungsergebnisses und der späteren Selbstbezichtigung eines Lehrlings von Ziethen, die Ueberzeugung von der Uuschnld Ziethens vorhanden war. Männer rote Egidy, Lindau u. a. haben an der Spitze dieser Bewegung gestanden. Aber alle Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurden stets von den Gerichten abgelehnt.
In Rheydt ist, wie aus Düsseldorf geschrieben wird, nach längeren Verhandlungen zwischen Staatsregierung und Stadtverwaltung ein bisher privates Institut in eine staatliche Vorbildungsanstalt für Lehrerinnen an Industrie- und Haushaltungsschulen umgewandelt worden. Dieses Lehrerinnen-Seminar ist das erste seiner Art in Preußen.
Jülich. Ein Gefecht mit Zigeunern hatten die Bewohner des Dorfes Titz im Kreise Jülich (Rheinprovinz) zu bestehen. Bei der Ortschaft lagerten Zigeuner mit etwa 30 Wagen. Vier Frauen der Bande hatten nun eine Schlächterfrau, die allein im Laden verkaufte, Überfalls : und beraubt, waren aber festgenommen worden. Begreiflicherweise waren den Dorfbewohnern die braunen Gä'te gründlich verhaßt geworden.und man forderte sie energisch auf, abzuziehen. Die Zigeuner weigerten sich, und als sie von ihrem Standplatz vertrieben werden sollten, schössen sie mit Revolvern aus ihren Wagen heraus und verwundeten ein elfjähriges Mädchen. Jetzt bewaffneten sich auch die Bauern und verfolgten die eiligst flüchtende Bande bis Eleve, wo die Gendarmerie zwölf Wagen beschlagnahmte und fast sämmtliche Zigeuner und Zigeunerinnen in sicheres Gewahrsam brächte.
Gmünd in der Eifel, 29. Juli. Heute ist die Grundsteinlegung für die Urftthalsperre erfolgt. Es handelt sich bei dieser um eine der größten Sperren, die bis jetzt gebaut worden sind. Dieselbe soll 45'/, Millionen Kubikmeter Wasser fassen, und damit viermal so groß werden wie die Thalsperre an der Gileppe in Belgien. Der Stauinhalt derselben wird den Inhalt der sämmtlichen im Rheinland und Westfalen geplanten und schon erbauten Thalsperren noch um etwa ’/4 übertreffen. Die durch das anzustauende Wasser gebildete Fläche wird 216 Hektar bedecken und damit nächst dem Laacher See die größte Wasserfläche der Rheinprovinz bilden. Erbaut wird die Sperre von der Urftthalsperrengenossen- schaft, die von den Kreisen Aachen-Stadt und -Land, Düren, Schleiden, Montjoie, Jülich und Heinsberg gebildet wird. Die Ausführung ist der Firma Ph. Holzmann in Frankfurt a. M. für 3 853 925 Mark übertragen worden.
Ausland.
London, 1. August. Lord Kitchener telegraphirt aus Pretoria: Am 28. Juli verfolgte eine Officierspatrouille von 20 Mann Deomanry und einige eingeborene Schützen zwei von wenige» Boeren geführte Karren bis zu einer Entfernung von etwa 15 Meilen von der Eisenbahn am Doorn River im Oranje-Staat. Dann wurden sie von etwa 200 Boeren abgeschnitten. Nachdem sie sich längere Zeit in einem kleinen Gebäude vertheidigt hatten, ergaben ie sich, als die Munition erschöpft und drei Atomen verwundet waren. Nach der Uebergabe ließen die Boeren die eingeborenen Schützen die Hände hochheben und schössen ie nieder. Ebenso wurde ein verwundeter Aeoman er» chossen. Die übrigen wurden freigelassen. Als Grund ür die Erschießung des Aeoman gaben die Boeren an, ie hätten ihn für einen Mann aus der Kapkolonie gehalten. Wenn die Engländer es für richtig halten, eingeborene Koffern zu bewaffnen und gegen die Boeren ,u verwenden, so handeln diese nur in durchaus berechtigter Nothwehr, wenn sie sich dieser gänzlich uncivilisirten,