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Samstag, den 27. Juli 1901.

52. Jahrgang.

Coburg, 23. Juli. Ein seltsamer Landstreicher wurde kürzlich in der Nähe von Rodach aufgegriffen. Bei demselben wurden nämlich 9000 Mk. vorgefunden. Der Verhaftete ist ein heruntergekommener Kaufmann aus Sachsen namens Einecke, welcher wiederholt Bekanntschaft mit der Polizei und dem Arbeitshause gemacht hat. Sein Gesammtvermögen belauft sich auf ca. 60 000 Mk.

Mainz, 22. Juli. Eine größere Anzahl von älteren Landwehrleuten aus Kostheim, Kastel und Mombach, die demnächst zum Landsturm übergchen, haben sämmtlich vom hiesigen Bezirkskommando eine eintägige Mittelarreststrafe zudiktirt erhalten, weil sie die ihnen zugegangenen Vor- schri'ten über die Kriegsbcorderungcn nicht in ihren Paß eingeklebt hatten. Die Landwehrleute müssen sich am nächsten Sonnabend Vormittag zum Antritt ihrer Strafe melden, und herrscht hierüber große Erbitterung. Die älteren Leute, die meistens während ihrer Militärdienst­zeit nie eine Strafe erlitten und darunter sind sogar einige, die Feldwebelrang besitzen, müssen jetzt wegen eines kleinen formellen Verstoßes ins Gefängniß wandern.

Ludwigshafen, 24 Juli. Einer Falschmünzerei großen Stils ist man durch die Verhaftung des Schlossers Huber aus Kaiserslautern auf die Spur gekommen. Derselbe hat verschiedene Zweimarkstücke verausgabt. Bei einer Haussuchung in seiner Wohnung in Mannheim wurde eine vollständige Münzwerkstätte mit Formen, Schmelztiegel, Blei und Legierungen, sowie viele fertige Zwei- und Dreimarkstücke vorgefunden. Die Zweimark­stücke tragen das Bildnis des Großherzogs von Baden mit dem Zeichen G, die Dreimarkstücke das Bildnis Kaiser Wilhelm I, und das Münzzeichen B.

Ausland.

Paris. Die französische Nordbahn-Gesellschaft wird demnächst ihre Postzüge durch Automobilwagen ersetzen, welche mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern auf Schienen laufen werden.

Toulon. In der französischen Marine scheinen recht heitere Zustände zu herrschen, wie folgender Vorfall zeigt: Bet der Probefahrt des neuen KreuzersJeanne d'Arc" im Hafen von Toulon wurden ungefähr alle Kessel wegen Wassermangels in den Röhren verbrannt. Das Schiff hatte die größte Mühe, an seinen Anker­grund zurück zu gelangen. Die Schuld trifft die gänz­lich unfähigen Heizer.

Im Hafen zu Stockholm flog am Dienstag der mit 5000 Tonnen Petroleum beladene amerikanische Drei­masterLuise Adelaide" in die Luft, gerade als sich schwedische Beamte an Bord befanden, um die Zollrevision vorzunehmen. Das im Dock liegende, ebenfalls mit Petroleum beladene norwegische SchiffMorgenlicht" und einige andere Dampfer wurden in letzter Stunde von der Unglücksstelle fortbugsiert. Das auf dem Wasser weiter brennende Petroleum bedrohte die Schiffswerft und ein großes Petroleumlager am Land. Bei der Explosion wurden 15 Personen, zehn Matrosen, vier Zollbeamte und ein Schiffsmakler gelödtet.

Petersburg, 24. Juli. Im Gouvernement Tambow, Bezirk Schatz!, vernichtete gestern ein starkes Hagelwetter die Saaten im Umkreis von 20 Werft. Die Schlossen wogen bis 3 Pfund. Drei Menschen sind umgekommen, ebenso viel Vieh. Eine ganze Schafherde mit sammt den beiden Hirten wurde von dem Wasser weggetragen.

Serbien. Die Serben Verfolgungen in Mitrovitza, wo über 20 Serben schwer verwundet wurden, fallen um so schwerer ins Gewicht, als Mitrovitza der Sitz der Behörde ist und die Ausschreitungen der Albanesen dies­mal vom Muttessarif Djemal Bey, der mit dem Bataillons Kommandanten Nari Pascha eigens nach Mitrovitza kam, förmlich befehligt worden sein sollen. Nur dem ener­gischen Einschreiten des an demselben Tage nach Mitro vitza gekommenen russischen Consuls aus Uesbueb, Maschkow, war es zu verdanken, daß es zu keinem Ge­metzel kam, da die Serben bereit waren, auch ohne Be­waffnung den Verzweiflungskampf aufzunehmen.

England. Die Engländer ziehen sehr vorschnell Folgerungen aus bem südafrikanischen Kriege. Weil die Buren die Offiziere abichoffen, ist schon früher alles auffallende an der Khakiuniform beseitigt worden. Jetzt ist für die gesamte englische Armee eine Verordnung er­lassen worden, welche die Ausbildung im Säbelfechten für alle unberittenen Jnfanterieoffiziere abschafft, dagegen diese Herren sämmtlich mit dem Gewehr bewaffnet. Der Säbel wird im großen Dienst überhaupt nicht mehr

»-.== Postanstalten und Landbriefträgern,

Wie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin Der Generalfeldmarschall Graf Waldersee besin­gt sich nunmehr mit derGera", die ihn nach der Heimath ührt, auf dem Mittelländischen Meer. Die Fahrt durchs Kothe Meer, die wegen der dort herrschenden ungeheueren Hitze besonders um die jetzige Jahreszeit gefürchtet ist, mlief sehr angenehm, da ein kühlender Nordwind wehte. In Suez fand feierlicher Empfang statt.

Die schweren Katastrophen in Leipzig und Cassel fordern fast täglich neue Opfer. Eine Anzahl von Privat- fimen und Aktiengesellschaften haben Konkurs angemeldet, anbere große Verluste an Ansehen und Vermögen erlitten Innd auch mehrere Menschenleben sind zu beklagen. »Die Berliner Börse war Dienstag matt auf die un- Mstigen Nachrichten über den Status der Leipziger |$onf und über die Betrügereien des Direktors der k Mengesellschaft Terlinden in Oberhausen. Man sprach bchmein von Zahlungsschwierigkeiten einer alten rheinischen »Finna, die zu der verkrachten Gesellschaft Terlinden in kknMn Beziehungen stand. Im Zusammenhang damit »erfuhren auch die Aktien der Duisburg Ruhrorter Bank Itintn Rückgang von 5'/, pCt. Auch die Aktien der »übrigen kleineren Banken zeigten wieder eine auffallend k schwache Haltung.

Eine Alters- und Rcliktenversorgung für selbst I Milbige Handwerker ist nicht in Aussicht genommen. |8or einigen Tagen war gemeldet worden, daß die Reichs I rtgierung eine derartige Versorgung ins Leben rufen s volle, um die selbständigen Handwerksmeister für die ihnen durch die Arbeiterversicherungsgesetzgebung aufer legten Lasten zu entschädigen. Nach Erkundigunsen aber, welche eine westfälische Handwerkskammer an maßgebender f Stelle eingezogen hat, ist bei den in Betracht kommenden s Behörden von einem derartigen Plane nichts bekannt, j Das ist bedauerlich.

Nach Mittheilung der Geschäftsstelle der in Berlin : erscheinenden Kriegervereins-ZeitungFeldpost" ist die j in Nr. 54 gebrachte Notiz, betreffend das Eingehen dieser Zeitung, unbegründet.

Bremerhaven. Unter Führung des Rittmeisters von Rutenberg trafen gestern Nachmittag um 5 Uhr 10 Offi-1 I ziere und 599 Mann vom ostasiatischen Expeditionskorps mit dem ReichspostdampferHamburg" ein. Die hier anwesenden Generalstabs Offiziere waren bis zur Weser- wündung entgegengefahren. Bei der Landung brachten die Truppen dem Transportführer ein dreifaches Hoch aus.

Oberhausen. Die Flucht des Großindustriellen Gerhard Terlinden, Direktors der gleichnamigen Aktien­gesellschaft in Oberhausen, Rheinland, unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 8 Millionen Mark, setzt allen übrigen Unregelmäßigkeiten, die im Laufe der jüngsten Wochen zu beklagen waren, die Krone auf. Während ursprünglich angenommen wurde, daß der Flüchtige ohne sein Verschulden in Schwierigkeiten gerathen war, besteht W kein Zweifel mehr daran, daß wir es in ihm mit rinem gefährlichen Schwindler zu thun haben. Der Nächtige hat für sich und seine Aktiengesellschaft um- songreiche Bankkredite in Anspruch genommen, welche »durch Vorlegung gefälschter Bücher und Bilanzen sich fu verschaffen wußte, auch scheint eine unrechtmäßige Ausgabe von Aktien stattgefunden zu haben. Der an- !cheinend mitschuldige Prokurist der Gesellschaft, Kospatt, verhaftet worden. Die angesehendsten Banken Berlins und der Provinz sind durch den Zusammenbruch in Mitleidenschaft gezogen worden.

Dortmund. Privatmeldungen aus dem Ruhr- iuhlengebiet zufolge eröffnen sich den Bergleuten traurige Aussichten. Außer zahlreichen Feierschichten folgen nun- 'uehr Lohnherabsetzungen sowie Arbeiterentlassungen. Auf der ZechePräsident in Bochum wird durch Anschlag eine Lohnkürzung von 20 Pfg. auf den Schichtlohn ab

August bekannt gemacht. Ferner wurde 97 Arbeitern ^kündigt, während 180 freiwillig gingen.

Hauu «Münden, 22. Juli. Bezüglich des gemeldeten Zufalles, bei welchem vier Pferde des Posthalters Dörnte durch Bienen überfallen, bezw. getödtct wurden, erfährt wan noch, daß der Besitzer der Bienen, Förster Heine- u>unn, 1000 Mark Entschädigung bezahlt hat. Zwei »v» den übersallenen Pferden wurden gelödtet.

getragen. Die Offiziere sollen in der Front liegen und mitschießen! In Deutschland schießen nicht einmal die als Gruppenführer eingetheilten Unteroffiziere. Ihre auf Erhaltung der Feuerdisziplin gerichtete Thätigkeit gilt mit Recht als die Hauptsache. In England ist die Feuerdisziplin ein überhaupt kaum bekanntes Ding und wenn jetzt in der Schützenlinie die Aufsicht noch mehr aurbört, wird es damit so schlimm wie möglich. Vom militärischen Standpunkte aus ist die neue Verordnung geradezu unbegreiflich. Es ist, als wenn Diletanten in der englischen Armeeleitung säßen.

Transvaal.Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!" lautet ein altes Sprüchwort, das sich an England wieder einmal zu bewahrheiten scheint, wie so oft schon in dem unglückselige Burenkriege. Die frevel­hafte Aufhetzung der Swasis gegen Transvaal hat blutige Früchte gezeitigt, denn die Buren antworten, wie der Frkf. Zeitung" geschrieben wird, mit der gleichen Münze, indem sie die Kaffern der Kapkolonie gegen die Eng­länder zum Kriege aufhetzen. Panischen Schrecken rief überall diese Nachricht hervor; Niemand war daraus gefaßt, am allerwenigsten die Engländer selbst, die die Grenzwache längs der Eingeborenendistrikte zurückgezogen und ins Feld gestellt hatten. Die Kaffern waren sich selbst und dem Wohlwollen der Buren überlassen. Den Engländern wird diese Aufreizung enorme Unkosten und Gefahren bringen; denn das ist Allen klar, sind die Kaffern erst einmal auf dem Kriegspfade, und haben sie erst Lust am Plündern und Morden gefunden, dann bringen sie, unbeirrt, ob sie Buren oder Englänger vor sich haben, auch in andere Gebiete und zerstören Alles. Die Engländer haben durch Abberufung der Grenzwache den Kaffern zum Eindringen in andere Kapkoloniegebiete Thür und Thor geöffnet, und die Kaffern werden selbst- v eständlich nicht dort plündern und rauben, wo sie nichts nehmen können, nämlich bei den Buren, sondern sie gehen England zu Leibe und greifen gerade diejenigen Territorien an, die die Engländer zu schützen haben. Es ist wohl anzunchmen, daß, wenn das Kaffernvolk erst entfesselt ist, es lange dauern wird, ehe es den beschrittenen Kriegs» pfad verläßt. Zum Schluß werden die jetzt schon ent- kräftigten Engländer einen Kriegszug gegen die Kaffern noch zu unternehmen haben, bei dem wohl die Buren nur profitiren werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern. 29. Juli.

* Vielfach hört man jetzt wieder von Blutver­giftungen, die durch Insektenstiche entstanden sind. Es ist das kein Wunder, denn häufig sieht man an Wegen und auf Chausseen verendete kleine Thiere, wie Maul­würfe, Ratten und Mäuse rc. liegen; das Leichengift übertragen dann die Insekten. Im Allgemeininteresse wäre sofortige Beseitigung zu empfehlen.

* Kohlen-Theuerung auch im nächsten Winter. Das Kohlensyndikat will noch immer nicht an Preisermäßig» ungen heran, obgleich eine ganze Anzahl von Industrien, so für die Eisen- und Cement-Industrie, der Ver­schlechterung der Konjunktur durch Preisnachlässe Rechnung tragen. Alan will zunächst, so schreibt man derBoss. Ztg." aus dem westfälischen Kohlenrevier, die Entwickelung des Herbstgeschäfts abwarten und allenfalls eine Preis­ermäßigung von 50 Pf. für Jndustriekohlen und 25 Pf. für Hausbrand auf die Tonne zugestehen. Diese, oben­drein ungewisse Ermäßigung wird im Detailhandel für den Hausverbrauch kaum zur Geltung gelangen. Es wird also, da die Preise des Kohlensyndikats für die anderen deutschen Kohlenbezirke auch in Betracht kommen, im nächsten Winter aller Wahrscheinlichkeit nach ungefähr dieselbe Kohlentheuerung herrschen, wie im vorigen Winter. Das sind trübe Aussichten.

* Weit verbreitet ist die irrige Ansicht, daß man sich erst dann eines Hausfriedensbruchs schuldig mache, wenn man nach dreimaliger Aufforderung sich nicht aus der Wohnung, den Geschäftsräumen rc. eines Anderen entfernt. Das ist gänzlich falsch. Vielmehr macht sich schon Derjenige des Hausfriedensbruchs der Vor­sitzende des Schöffengerichts in Erfurt hob dies kürzlich gelegentlich eines bezüglichen Falles ausdrücklich hervor schuldig, der sich auf die einmalige Aufforderung nicht sofort entfernt. Und auf Hausfriedensbruch steht Ge- sangnißstrale bis zu 3 Monaten oder Geldstrafe bis zu 300 Mark.