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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 10. Juli 1901.
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52. Jahrgmg.
O^llltttauf die „Schlüchterner Zeitung" Ktp^^UKH-zU^N werden noch fortwährend von allen ^— ....... Postanstalten und Landbriestrügern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
~ Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat Montag früh von Swine- münde aus die Nordlandsreise angetreten. — Der Kaiser wird sich bei der Beerdigung des Fürsten Hohenlohe durch dm Kronprinzen vertreten lassen. — Die Kaiserin wird am 21. Juli mit ihren Kindern auf Schloß Wilhelmhöhe bn Cassel eintreffen. Die kaiserlichen Prinzen werden schon eine Woche vor dem auf den 21. d. M. festgesetzten Eintreffen I. M. der Kaiserin, nämlich am 14. ds. Mts. in Cassel erwartet.
Ragaz, 6 Juli. Der ehemalige Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute Nacht im Alter von 82 Jahren gestorben. Chlodwig Karl Viktor Fürst zu Hohenlohe- Lchillingsfürst. Prinz von Ratibor und Corvey, ist am 31. März 1819 zu Rotenburg a. d. Fulda geboren. Im Jahre 1842 trat er als Auskultator zu Ehrenbreit- [tein in den preußischen Staatsdienst, war dann Referendar in Potsdam und Assessor in Breslau, erhielt 1848 die Herrschaft Schillingsfürst und trat dann als Standes Herr in den bayerischen Reichstag ein. 1849 ging er als Reichsgesandter nach London. In der Krisis 1866 war er für den Anschluß Bayerns an Preußen thätig. Am 31. Dezember 1866 wurde er zum bayerischen Ministerpräsidenten und zum Minister des Auswärtigen miannt, aber schon 1869 war er genöthigt, um seine Einlassung einzukommen. Dem ersten Reichstag gehörte Fürst Hohenlohe als Vertreter von Forbach an und schloß sich der freikonservativen Partei an. Nach der Entlassung des Grafen Arnim wurde er Botschafter i" Paris und nahm als dritter deutscher Bevollmächtigter 1878 am Berliner Kongreß theil. Im Jahre 1885 wurde er als Nachfolger Manteuffels zum Statthalter der Reichslunde ernannt. Als Capriois Nachfolger war der Fürst seit dem 29. Oktober 1894 Reichskanzler und Ministerpräsident, bis er am 18. Oktober v. I. seinen Abschied nahm und dem Grafen Bülow den Reichs- lonzlerstuhl einräumte.
— Die Insel Helgoland wird im Herbst gründlich ausgebessert. Die Verwaltung des Eilandes hat nämlich einem Steinbruchwerk bei Striegau in Schlesien die Lieferung von insgesammt 300 000 Centner Steinen in Auf- irag gegeben mit der Bedingung, daß jeder Stein ein Gewicht von 80—120 Centner haben muß. Nach dem Eintreffen aus Helgoland werden diese Blöcke an der Brandungsstelle der Insel in das Meer gesenkt, um ihr so einen Schutz gegen den Anprall der Wogen zu geben.
— Durch einen Gestellungsbefehl für die ostasiatische Besatzungsbrigade ist dieser Tage eine große Anzahl Reservisten überrascht worden. Die Leute hatten sich im vorigen Jahre zum freiwilligen Eintritt in die ost- asiatischen Truppentheile gemeldet, wurden ober zurückge- stcllt, weil eine große Ueberzahl vorhanden war. Jetzt, nachdem sich viele von ihnen verheirathet haben und Niemand mehr an die vorjährige Meldung dachte, ist ihnen der Gestellungsbefehl zugegangen, weil auf Grund der neueren Anfragen sich zu wenig Leute gemeldet hatten. Der eingelegte Einspruch dagegen wird zwar nach Möglichkeit berücksichtigt werden, doch hat kein Mann Anspruch darauf, da sich die Leute seinerzeit verpflichten mußten, auch für spätere Zeit „kriegsbereit" zu sein.
* — In den Werkstätten der Berlin-Potsdamer Bahn sind anläßlich des Offenbacher Unglücks nunmehr D-Wagen hergestellt, deren Fenster von außen und innen bequem sich öffnen lassen, so daß man durch sie leicht durchsteigen kann.
— Ein offenes und ehrliches Wort über die Krieg- Ehrung in China hat der bekannte französische General Metzinger bei der Landu, g der zurückkchienden China lruppen gesprochen, indem er sagte: Gegen einen wegen niner Gewohnheiten der Verrätherei und raffinierten Grausamkeit bekannten Femd ist ein Krieg mit spitzen und Manschetten nicht am Platze. Diejenigen, die ihn unter der Maske der Menschenliebe befürworten, sollten einmal selbst hingehen und sich die Sache ansehen. Der ^'eg ist so geführt worden, wie es in einem solchen ^""de sein mußte.
Köln, 1. Juli. Ein Gutspächter aus Groß-Vernich, der, von hein wärtsgehend, Abends einen einsamen Weg über Paulheim nach seinem Hause enschlug, ist auf
letzterer Strecke überfallen und ermordet worden. Die Leiche wurde erst nach mehrtägigem Suchen in einem Kleefelde, an eine Strohmiethe gelehnt, halbverwest, mit zwei Schußwunden am Kopfe und einer Verletzung am Auge aufgefunden. Der Gutspächter führte eine große Summe Geldes bei sich, wovon noch 100 Mk. bei der Leiche vorgefunden wurden. Allem Anscheine liegt ein Raubmord vor.
Göttingen, 27. Juni. Die älteste Sparkasse in Preußen. Die hiesige Sparkasse sah am 22. ds. Mts. auf ein 100jähriges Bestehen zurück. Nach dem „von Königlicher hoher Landesregierurg gnädig approbierten Plan" haben „Bürgermeister und Rath der Stadt Göttingen am 22. Juni 1801 die Spar- und Leihkasse zu Göttingen eingerichtet, um nicht allein denjenigen Personen, welche vou ihrem Erwerbe und Lohne etwas zurücklegen wollen, sondern auch allen hiesigen Einwohnern, die kleineren Kapital-Summen „nicht zinsbar belegen können, Gelegenheit zu geben, diese Gelder sowie jene Sparsummen mit Vortheil und Sicherheit zu benutzen." Am 27. Juni 1801 wurde die erste Einlage gemacht, sie betrug 75 Thaler. Der heutige Einlagebestand der Kasse beziffert sich auf 7 Millionen Mark. Als eine besonderer, die Kasse auszeichnender Vorzug mag hier erwähnt werden, daß die Kasse in der langen Zeit ihres Bestehens keine Verluste gehabt hat.
Eisenach, 4 Juli. Der Weimarische Staat ist, wie die „Eisenacher Tagespost" aus gutee Quelle vernimmt, am Leipziger Bankkrach mit 600 000 Mark betheiligt Diese Summe dürfte, nachdem jetzt auch die Treber- trocknungsgesellschaft in Cassel in Concurs gerathen ist. ernstlich gefährdet sein.
Von der Strafkammer in Beutheu (Oberschl.) wurde der Mädchenhändler Israel John Meyerowitsch wegen versuchter schwerer Kuppelei zu drei Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. Aus den Zeugenaussagen ging hervor, daß alljährlich viele Hunderte von Mädchen in verrufene Häuser Argentiniens verschleppt werden. Der Verdienst beträgt für den Schlepper je nach der Güte der „Waare" 600 bis 10,000 Mark.
Oberleitung des Admirals Cervera. Als der letzte Torpedo, 20 Klgr. Sprengpulver enthaltend, versagte, wurde er ins Laboratorium geschafft. Dort platzte er in Augenblick, als ihn Leutnant Padillo untersuchen wollte. Die Explosion war von furchtbarer Wirkung. 2 Personen blieben auf der Stelle todt, 17 wurden verwundet, viele sind furchtbar verstümmelt. Auch Padillo liegt hoffnungslos daruieder. Die Hände find ihm wie abgehackt.
— Nach einer Meldung aus Konstantinopel wird die Untersuchung im Wdizpalast wegen des neben dem Schlafgemach des Sultans ausgebrochenen Feuers eifrig fortgeführt. Es soll thatsächlich ein Attentat auf den Sultan geplant gewesen sein. Eine Sklavin aus dem Harem des Sultan hat gestanden, daß sie einen Brand vorbereitet und das Feuer angezündet habe. Sie habe im Austrage Anderer gehandelt. Bisher scheint die Sklavin ihre Auftraggeber, die zweifellos im Palais zu suchen sind, noch nicht genannt zu haben. Das Feuer war derart vorbereitet, daß eine furchtbare Katastrophe unvermeidlich gewesen wäre, wenn das Feuer nicht rechtzeitig entdeckt wurde.
Konstautinopel, 2. Juli. Jüngst eingelaufenen Nachrichten zufolge hat im Vilajet Musch die Spannung zwischen Kurden und Armeniern eine drohende Ausdehnung angenommen. In Musch selbst verursachten die Kurden eine allgemeine Panik. Bewaffnete Türken und Kurden zogen durch die Stadt, so daß die Armenier ihre Häuser nicht zu verlassen wagten und der Bazar leer blieb. Vierzehn Armenier wurden von den Kurden getödtet. Der Verkehr zwischen Musch und mehreren umliegenden Dörfern ist unterbrochen. Die Hauptangriff der Kurden richtete sich gegen das Dorf Mogounk. Die Kurden beschuldigten die Armenier, den Cherif-Ager von Musch, durch den mehr als 150 Armenier eingekerkert worden find, gelobtet zu haben. Eine Anzahl Dörfer wurde von den Kurden geplündert.
Wie aus Newyork depeschirt wird, beträgt die Ge- sammtzahl der Todesfälle, infolge der phänomenalen Hitze bereits 1260. Vorgestern starben 229 und 356 erkrankten. In den Hospitälern sind selbst die Flure mit Patienten überfüllt, von denen die Meisten bei der anhaltenden hohen Temperatur sterben. Schwimmende Leichenhallen wurden auf dem Fluß angelegt. — Die Abnahme der Hitze in New-Dork ist nun endlich erfolgt. Wie gemeldet, brachten Gewitter Kühlung, und die Hitzwelle, welche eine Woche hindurch so viel Schrecken und Unheil über die Stadt hatte, ist abgezogen. Der gestrige Donnerstag war aber trotz des Fallens der Temperatur noch ein Unglückstag. Starben doch gestern in Newyork allein 180 Personen, welche infolge der Hitze erkrankt gewesen waren.— Der „Morning Post wird aus New-Aork gemeldet : Zwanzigtausend Arbeiter der Amerikanischen Stahlblech-Gesellschaft in Pittsburg werden morgen in den Ausstand treten. Wenn ihre Forderungen nicht bis Ende der Woche bewilligt sind, werden alle 200 000 in den Stahlblechfabriken des Stahlverbandes der Vereinigten Staatenbeschäftigteu Arbeiter sich dem Ausstande anschließen.
China. Nach einigen aus China in Köln eingelaufenen Briefen sind die Stayler Missionare, wie die «K. V. Z." erführt, nach ihrer Rückkehr von Tsingtau ins Innere in Schantung überall gut ausgenommen worden. Die Entschädigungsfrage der Mission sowie der Christen sei überall geregelt; sonst aber schreiben die Missionare allgemein, daß sie dem jetzigen Frieden nicht trauen, derselbe liege wie eine Gewitterschwüle über ihnen. Ein Missionar aus Schanst schreibt, daß in Sinagaillu, wo die Kaiserin gegenwärtig noch weilt, große Krigesvor- bereitungen getroffen werden.
Australien. Die „Köln. Ztg." erhält über ein Blutbad im britischen Theile Neu-Guineas einen Bericht, wonach zwei englische Missionäre mit dem Schooner „Nine" bei der Insel Quarilari vor Anker gegangen waren und alsbald gebeten wurden, an Land zu kommen. Beide erfüllten ahnungslos die Bitte, hatten indessen kaum das Land betreten, als sie fortg.führt und das Schiff geplündert wurde. Später bei der Insel ein« treffende Regierun,sschiffe landeten starke Polizeitruppen; die Dörfer der Schwarzen wurden verbrannt und zahlreiche Bewohner erschossen. In einem der Klicgshäuscr wurden 1100 Schädel erschlagener Feinde vorgefunden. Die Nachforschungen ergaben, daß beide Missionare mit 11 Begleitern ermordet und in Stücke zerschnitten, die einzelnen Fleischtheile unter die verschiedenen Dörfer vertheilt und unter großen Feierlichkeiten verzehrt wurden,
Ausland.
Fiume, 3. Juli. Von den im Januar bis April 1900 von Fiume n ach Natal und Kapstadt versandten 8000 Pferden kamen nur wenige über 5000 lebend in Südafrika an, welche sich dem Klima und den Strapazen eines südafrikanischen Feldzuges nicht gewachsen zeigten, sondern innerhalb kurzer Zeit in Menge eingingen. Ebenso verhielt es sich mit den Nachschüben, obwohl diese etwas besseres Material aufwiesen. Die vom Kriegsamt auf Grund geheimer Denunziationen eingeleitete Untersuchung hat nun einen Betrug in der Höhe von ca. 6 Millionen Kronen zum Schaden der englischen Kriegs- kaffe festgestellt. Die Anklage bizichtigt die einkaufenden, kontrolirenden und die gelieferten Pferde im Hafen von Fiume abnehmenden Offiziere der Bestechung, die Pferdehändler und Lieferanten aber des Betrugs, weil sie erstens weit weniger Exemplare lieferten, als sie gut gebracht erhalten, und weil sie anstatt des Musterpferdes im Werthe von 400 Gulden alle mit Währungsfehlern versehenen Rosse, Blinde, Lahme, Altersschwache, Fohlen, Kranke im ganzen Ungarlande zusammenbrachten; auch die tauglichsten der gelieferten Waare waren im Durchschnitt noch nicht 160 Gulden pro Kopf werth. Da der Untersuchungsbehörde in Fiume die doppelte Buch führung eines Hauptlieferanten in die Hände fiel, nämlich die Liste der angeblich gelieferten Pferde und diejenige seiner Einkäufe, sammt dem Verzeichnis seiner „Douceurs" an die englischen Offiziere, so dürfte wenigstens ein Theil der großartigen Unterschleife und Betrügereien bewiesen und die Bestrafung der Schuldigen erzielt werden.
Glarus, 1. Juli. Wie die „N. Glarner Ztg" berichtet, ist gegenwärtig im Kanton Glarus kein einziger Zivilprozeß anhängig. Der Kanton hat eine Wohnbevölkerung von 33,825 Köpfen. Heil ihm!
Madrid, 4. Juli. Ueber eine Explosionskatastrophe im Hafen von Cadix wird gemeldet: Die spanische Marine machte Versuche mit Torpedos, die alle erfolgreich verliefen. Verschiedene Torpedos enthielten 250 Klgr. Schießbaumwolle. Bei den Schießversuchen im Hafen spürte man zwar eine große Erschütterung in der Stadt Schaden wurde jedoch nicht angerichtet. Gestern waren nun verschiedene Torpedos losgelassen worden unter