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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
X 54.
Samstag, den 6. Juli 1901.
52. Jahrgang.
MMIlttlrtttt °uf die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen g -— Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
I -Nr. 19Ü7 K.-A. Die in den Tagen vom 3. bis kinschließlich 8. • Juni stattgefundene Nachprüfung der Gcmeindezuchtbullen durch die Körungs Commission hat folgendes Ergebniß gehabt:
2. Gemeinde Herolz: 1. Bulle wegen zu hohen Alters abzuschaffen (51/* I.), schlechte Haltung beim zweiten Bullen.
2. Genossenschaftsbulle zu Ahlersbach überbaut und
bugleer-
3. Gemeinde Hohenzell: nichts zu erinnern.
4. „ Niederzell: desgl.
5. „ Bellings: Haltung bei den Bullen mäßig.
6. „ Marjoß: desgl.
1. „ Jossa: Haltung des Bullen mäßig.
8. „ Vollmerz: nichts zu erinnern, sehr gute
Haltung.
9. Gemeinde Sannerz: Bulle der Tuberkulose verdächtig.
10. „ Weiperz: Bulle zu alt (4 I.)
11. * Sterbfritz: 1. Bulle zu schwer, abgekört.
Sehr gute Haltung der Bullen.
12. Gemeinde Breunings: Bulle wegen Impotenz ab gekört.
13. Gemeinde Neuengronau: 1. Bulle wegen Defor
mation des Körperbaues und Inzucht abgekört.
14. Gemeinde Altengronau: 2. Bulle wegen Inzucht abzuschaffen.
15. Gemeinde Seidenroth: nichts zu erinnern.
16. Stadt Steinau: 1. Bulle wegen zu großer Schwere
und Inzucht abgekört, 2. Bulle desgl, weil zu alt (6 I.)
11. Stadt Schlächtern: sehr gute Haltung.
18. Gemeinde Wallrolh: nichts zu erinnern.
19. .. Hintersteinau: die beiden ersten Bullen
als vollständig unbrauchbar abgekört.
20. Gemeinde Reinhards: nichts zu erinnern.
21. „ Klesberg: desgl.
22. „ Uerzell: desgl.
23. Neustall: schlechte Haltung des Bullen
monirt.
24. Gemeinde Kressenbach: schlechte Haltung.
25. „ Breitenbach: nichts zu erinnern.
26. „ Elm: 1. Bulle wegen Inzucht and stark
verbrauchten Hinterbeinen abgekört, auch zu schwer, 3. Bulle tuberkuloseoerdächtig.
27. Gemeinde Gundhelm: 1. Bulle zu alt.
28. „ Hütten: 2. Bulle wegen Inzucht abgckört.
29. „ Oberkalbach: nichts zu erinnern.
30. „ Uttrichshausen: 1. Bulle wegen stark
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verbrauchter Hinterhand abgekört, 2. Bulle tuber- kuloseverdächtig.
Gemeinde Heubach: 2. Bulle tuberkuloseoerdächtig, 3. Bulle wegen Deformation des Körpers und Inzucht abgekört.
Gemeinde Oberzell: 1. Bulle abgekört, weil zu alt (6 ‘/4 I.), desgl. der 2., weil untreu im Dienst.
Gemeinde Schwarzenfels: 1. Bulle wegen zu großer Schwere abgekört.
Gemeinde Züntersbach: nichts zu erinnern.
Weichersbach: desgl.
Atottgers: 1. Bulle zu
alt (47» I.)
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Ulmbach: 1. Bulle wegen Deformation des Körperbaues abgekört.
Gemeinde Sarrod: nichts zu erinnern.
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„ Nomsthal: 1. Bulle, weil zu alt (5 '/< I.) abgekört.
Stadt Soden: Mäßige Haltung der Bullen.
„ Salmünster: 1. Bulle weil zu alt abgekört (6 ’/4 I.), desgl. der 2. Bulle wegen Inzucht, 3. Bulle tuberkuloseoerdächtig. Schlechte Haltung der Bullen monirt.
Gemeinde Ahl: schlechte Haltung des Bullen mo-
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mrt, der tuberkuloseoerdächtig ist. Gemeinde Marborn: sehr gute Haltung.
Schlächtern, den 3. Juli 1901.
Der Königliche Landrath: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Die Nordlandsreise des Kaisers wird am 8. Juli angetreten, und für den 8. oder 9. August ist ein Besuch des Kaisers in Bremerhafen in Aussicht genommen. Zu diesem Zeitpunkt wird der Lloyddampser „Gera", von Ostasien kommend, auf der dortigen Rhede Eintreffen und aller Wahrscheinlichkeit nach den Generalfeldmarschall Grafen Waldersee landen. Ferner soll am 8. August auch der Dampfer „Palatia" mit dem 3. oft asiatischen Infanterieregiment und 300 Leichtkranken sowie der Leiche des in Peking ermordeten Gesandten Frhrn von Ketteler an Bord in Bremerhafen ankommen. Der Monarch hat nun die bestimmte Absicht ausgesprochen, beim Eintreffen dieser beiden Dampfer persönlich anwesend zu sein.
— Die aus China zurückkehrende Panzer division wird planmäßig am 12. August in Wilhelmshafen eintreffen.
* — Die von den deutschen Kriegervereinen mit Vorliebe gehaltene Zeitung „Feldpost" stellt mit diesem Quartal ihr Erscheinen ein. Die hohen Papierpreise und das hierzu in keinem Verhältniß stehende billige Abonnement sind die Schuld daran.
Leipzig. Die Stadt Leipzig ist in ganz hervorragender Weise an dem Bankerott nach der Richtung hin be- theiligt, daß fast sämmtliche Aktien sich in Leipziger Händen befinden, sie sind zum Theil Familienbesitz. Der Krach der Leipziger Bank zieht deshalb zahlreiche Opfer nach sich. Zu denselben zählt, wie der „Allgemeinen Fleischerzeitung" aus Leipzig berichtet wird, auch der dortige Fleischermeister Lorenz, der in der letzten Ziehung der sächsischen Landeslotterie den Haupttreffer gemacht und das gewonnene Geld bei der Leipziger Bank angelegt hatte. Der fernste soll von dem Verlust des Geldes um so schwerer getroffen sein, als er im Hinblick auf den gemachten großen Gewinn sein Geschäft aufgegeben hatte. — Der Privatier Greiner in Koburg, der seit einem Jahre dort lebt, kam Donnerstag Mittag von der Reise zurück, feuerte tu der Erregung über die Verluste bei der Leipziger Bank zwei Schüsse auf seine in der Küche beschäftigte Frau, wodurch diese schwer verletzt wurde, schoß hierauf auf seine erkrankte Tochter und tödtete sich dann selbst. — Geschädigt ist der Alten- burger Staat, da einige seiner Kassen mit der Bank in Verbindung standen. Unter der Bevölkerung des Herzog- thums waren die Aktien sehr stark verbreitet, sie sind natürlich verloren. Die Leipziger Thonwaaren-Jndustrie- Aktien Gcsellschatt Brandes hat in Folge ihrer Verluste beim Bankkrach den Konkurs angemeldet. Das Aktienkapital beträgt 1 200 000 Mark. Die Aktiengesellschaft F. G. Lehmann Tuchfabrik in Böhringen, Kapital 750 000 M., ist ebenfalls bankerott. Zwei wohlthätige Stiftungen, deren Verwaltung die Stadt Leipzig hatte, verlieren 500 000 Mk. und 60 000 Mk. Es befremdet allgemein, daß die Beschlagnahme des Vermögens der Anssichtsrathsmitglieder der Bank noch immer nicht aus gesprochen ist. Ein Kuriosum, das für die Interessenten freilich einen sehr bitteren Nachgeschmack hat, ist das folgende: Die Aktien-Gesellschaft für elektrische Anlagen und Bahnen in Dresden notierte an der Dresdener Börse mit 0,50 Prozent. Das heißt also, für 100 — einhundert Mark — Nennwerth ganze fünfzig Reichs Pfennige. Ein feines Tapezierermaterial. — Die Zahl der durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank ruinierten industriellen Unternehmungen wächst noch immer in erschreckender Weise an, und es läßt sich bis zur Stunde auch noch gar nicht absehen, wie weit sich die unheilvollen Wirkungen des Leipziger Bankbruchs erstrecken werden, da es an einer zuverlässigen Aufstellung des Status der Bank noch immer gebricht.
Friedrichroda, 2. Juli. Der Leipziger Krach hat auch auf den Besuch der Thüringer Kurorte lähmend eingewirkt. Unmittelbar nach dem Eintreffen der Hiobspost sind aus Friedrichroda ca. 40 Leipziger Familien nach Hause gereist; ähnliches wird aus anderen Thüringer Sommerfrischen berichtet.
Greiz. Außergewöhnliches Aufsehen erregt die Ver- urtheilung des Rechtsanwalts und Notars Dr. jur. Lothar Henning in Greiz wegen Urkundenfälschung in 52 Fällen zu sieben Monaten Gefängniß.
Aus Schlesien, 25. Juni. In der Gegend von Tost O.-S. blüht seit etwa 20 Jahren die Wilddieberei in hohem Maße. Bis vor einigen Jahren war es fast unmöglich, einen Wilddieb zu überführen, da es dem An
geklagten fast immer gelang, einen tadellosen Alibibeweis zu erbringen. Es fanden sich immer Zeugen, die beschworen, den Angeklagten zur Zeit der That an einem anderen als dem Thatorte gesehen zu haben. Den Gerichtsund Polizeibehörden glückte es schließlich, hinter das Geheimniß dieser Beweisführung zu kommen. Sie er« mirtelten einen geheimen Verein „Minerva", der die Wilddieberei und die Leistung von Meineiden im Großen betrieb. Wenn ein Angehöriger dieses Vereins wegen Wilddieberei angeklagt war, beschworen einige andere, die eventuell vom Vorsitzenden oder .Hauptmann", wie er auch genannt wurde, bestimmt wurden, seine Aussagen, und er mußte freigesprochen werden. Die Gerichte räumten nun bald mit der „Minerva" auf; die Mitglieder wurden zu sehr hohen Zuchthausstrafen verurtheilt. Vor dem Gleiswitzer Schwurgericht wurden diese Verhältnisse dieser Tage wieder aus Licht gezogen. Der Bauer Friedrich war wegen Verleitung zum Meineide angeklagt. Er ist vor 12 Jahren wegen eines Jagdvergehens bestraft worden, und zwar namentlich nur auf die belastende Aussage seines Mitschuldigen hin. Ein Zeuge trat auf, der ihn vollkommen entlastete Dieser Zeuge war einer der Hauptakteure der „Minerva". Ihm wurde nicht geglaubt, sondern er wurde des Meineids angeklagt und erhielt sechs Jahre Zuchthaus. Nachdem er diese Strafe verbüßt hatte, stellte er Strafantrag gegen Friedrich wegen Verleitung zum Meineide. Friedrich soll ihm 900 Mk. und freie Wohnung auf Lebenszeit versprochen haben. Friedrich hat auch, während der Zeuge im Zuchthause saß, aus Furcht vor der „Minerva, der er nicht angehörte, der Frau des Zeugen Unterkunft und Lebensunterhalt gewährt. Das Gericht sprach Friedrich frei. Die Verhandlung warf ein interessantes Streiflicht auf diele oderschlesische Camora, vor der die Bevölkerung der Dörfer solche Angst hatte, daß Niemand durch eine Anzeige dem Treiben ein Ende zu machen wagte.
St. Goar. Zur Automobilfahrt befindet sich folgender Scherz im Hotel-Fremdenbuch eines Hauses in St. Goar: Bekanntmachung: Ich sitz' auf meinem Felsen — Verräuchert und verdreckt — und halte unterm Staubtuch — Mein goldnes Haar versteckt. — Schon nimmt am Strom kein Ende — Das Stöhnen und Gefauch — Der Dampfer und Eisenbahnen — Ihr Lärm, ihr Stank und Rauch. — Da nun die Autofaxe — Auch noch verstänkern den Rhein, — So stell ich bis auf Weiteres — Mein Kämmen und Singen ein. Frau Lorelcy. St. Goar, 25. Juni, am Tage der Automobil-Fernfahrt.
Konstanz. Das Luftschiff des Grafen Zeppelin wird, da der Graf die erforderlichen finanziellen Mittel nicht gefunden hat, dieses Jahr Aufstiegversuche nicht machen. Zeppelin läßt sein Fahrzeug zerlegen, hofft aber, es nächstes Jahr mit Verbesserungen wieder ausbauen zu können.
Ausland.
Frankreich. Der Pariser Stadtrath sandte folgendes Telegramm an die Präger Stadtverwaltung: „Der Pariser Stadtrath ist tief bewegt von der Aufnahme, welche bei den Sokolfesten die Bevölkerung von Prag den französischen Abgesandten bereitet hat, und erneut den Ausdruck seiner glühenden Sympathieen für die tschechische Hauptstadt und Nation." Dem enragiert tschechemanaUschen Bürgermeister von Pilsen sagte der französische Abgesandte Dousset sehr deutlich: „Die Tschechen lieben ihr Vaterland und verabscheuen den Bedrücker; unsere Herzen schlagen einträchtig. Sie zählen bei uns nur Freunde. Wir haben die nämlichen Freunde und Feinde!" Das ist doch wenigstens deutlich.
Transvaal. Botha theilte Krüger brieflich mit, die Sache der Buren stehe außerordentlich günstig, besonders seien in der Kapkolonie die Eriolgc 'sehr bedeutend. Die Engländer wären schon längst vernichtet, wenn die Buren nicht gezwungen wären, mit Rücksicht aus die Verpro- viantirung die Gefangenen wieder frei zu lassen. Die kleinen Gefechte dauern an, und regelmäßig sind es Loro Kitcheners Truppen, die keine Seide dabei spinnen. Die Buren ziehen sich, wie es ihre Art ist, zurück, wenn sie ihren Zweck erreichten, und die Briten haben das Nachsehen. Großes hat aber der englische General Rachlinson bei einem Zuge durch das rauhe Gebiet der Magalies- berge geleistet. Er traf auf ruhig ackernde, unbewaffnete Buren und nahm diese harmlosen Leute gefangen, ohne Widerstand, wie er schreibt! Und die Buren lassen die