Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 3. Juli 1901.
52. Jahrgang.
MMhtttlltti °"f die „Schlüchterner Zeitung" «erben noch fortwährend von allen =- ■ ——- Postanstalten undLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
J.-Nr. 2013 X -A. Dem bei dem Gastwirth August Halbreiter zu Steinau in Dienst stehenden Dienstknecht Peter Amend zu Steinau ist für langjährige treue Dienst - zeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 24. Juni 1901.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Die diesjährige Nordlandsreise des Kaisers wird erheblich länger dauern und sich weiter nordwärts ausdehnen, als es in den beiden letzten Jahren der Fall war. Von Theilnehmern an der Reise wird uns versichert, daß der Monarch beabsichtigt, 40 Tage der Heimath fernzubleiben und die Häfen von Tromsö und Hammerfeft und das Nordkap zu besuchen. Vom hohen Norden dampft der Kaiser direkt nach Emden, wo er am 14. August eintrifft.
— Eine stattliche Flottille hat die Aufgabe, unsere Chinakrieger wieder den heimathlichen Gestaden zuzu- sühren. Zur Rückbeförderung der zur Auflösung gelangenden Formationen und Truppentheile des ostasiatischen Expeditionskorps sind im ganzen 21 Transportdampfer gemiethet worden, die rund 17,900 Mann zu befördern haben. Als Ausschiffungshafen ist Bremerhafen bestimmt worden, woselbst noch ein Schiff im Monat Juli, sechs im August, sechs im September und sieben im Oktober erwartet werden. Diese Schisse gehören sämmtlich dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg Amerika Linie; nur ein Schiff ist österreichischer Nationalität und wird im September in Triest landen. Die geringste Anzahl bringt das zuletzt abgehende Schiff mit 240 Personen, die größte ein Schiff im September mit 2286 Personen; ein Schiff hat zwar nur 87 Personen an Bord, es nimmt dafür aber 420 Thiere auf. Für die Rückbe- - fahrt sollen die Einheiten ihre Verbände so weit als Wirf) beibehallen. — Telegramme aus Shanghai melden, daß zahlreiche Flüchtlinge aus der Mandschurei i in Tschifu ankommen und berichten, daß die ganze Pro vinz Shingking im Zustande der Rebellion sich befinde und daß die Rebellen das Land sengend und brennend durchziehen. In der Gegend von Mukden seien alle Dörfer geplündert und niedergebrannt, Hunderte von Einwohnern getödtet. Die russischen Truppen seien der Aufgabe, die Ordnung aufrecht zu erhalten, nicht ge wachsen. Nach Heranziehung von Verstärkungen werde General Zerpizki den Feldzug gegen die Aufrührer in der Umgegend von Mukden beginnen.
— Aus Berlin wird dem „B. T." berichtet, nach der Meldung eines dortigen Berichterstatters habe der Präsident der Reichsbank, Herr Dr. Koch, sich dahin geäußert, daß für die Reichsbank beim Zusammenbruch der Leipziger Bank viele Millionen auf dem Spiele ständen.
— Die Leipziger Bankkatastrophe zieht den Waaren- Handel in starke Mitleidenschaft. Sächsische, mehr noch "der mitteldeutsche Woarenfirmen unterhielten jahrelange Verbindungen mit der Leipziger Bank. Um über die Momentanen Verlegenheiten hinweg zu kommen, haben sich, wie der „Konfektionär" meldet, viele Firmen, darunter euch allererste, an ihre Berliner Geschäftsfreunde gewandt Mit dem Ersuchen, ihnen dadurch Unterstützung ange- delhen zu lassen, daß sie selbst noch nicht fällige Posten regulieren, wobei auf Ueberweisungen von Baar oder gleichwerthtgen Anweisungen besonderer Werth gelegt mird. Diesen Wünschen wird von Seiten der Großhändler nach Möglichkeit Rechnung getragen.
— Endgültiger Sieger der Automobil-Wettfahrt Paris-Berlin ist der Franzose Fournier, der nicht nur M Aachen und Hannover, sondern am Sonnabend auch M Berlin als erster eintraf und damit den von Kaiser Wilhelm geftiftr,^ Preis gewonnen hat. Acht Personen Md Opfer der A..tomobilfahrt geworden, die verunglückten Fahrer nicht gerechnet. Drei Personen sind todt, vier swd schwer, eine leicht verletzt. Das ist genug für den «»aß, und es wird — trotz aller Reklame — heißen, ein- und nicht wieder. Der Sieger im Streit, der Franzose Fournier, hat 16 Stunden 55 Minuten 42 Sekunden die Strecke gebraucht. Der schnellste Zug Berlin-
vom Landgericht Düsseldorf ein Professor zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurtheilt. Er jagte am 31. August v. Js. in dem von ihm gepachteten Gebiete. Ein Gymnasiast gr „ mit seinem schwarzen Seidenpudel in der Nähe vorüber. Der Pudel schloß sich dem Jagdhunde des Prosiffors an und verschwand, ehe der Gymnasiast ihn zurückrufen konnte. Plötzlich fiel ein Schuß und der Pudel hatte aufgehört zu leben. Der Jhger hatte ihn erschossen und warf ihn in ein dichtes Gebüsch. Als der Gymnasiast sich ihm näherte, und nach seinem Pudel fragte, sagte der Jäger, er wisse nicht, wo der Hund sei. Das Gericht nahm an, daß der Jäger den Hund rechtswidrig getödtet habe. Er hätte den Hund, selbst wenn er mit gejagt hätte, durch Rufen, durch einen Steinwurf oder durch einen Streifschuß verscheuchen können. Dies habe er aber gar nicht versucht. Der Schaden, der dem Angeklagten durch Versprengen eines Stückes Wild hätte entstehen können, stehe in keinem Verhältnisse zu dem Schaden, den der Angeklagte angerichtet habe. In seiner Revision sagte der Angeklagte, er sei als Jagdpächter berechtigt gewesen, den Hund zu tödten. Die Mittel, die das Gericht angebe, seien untauglich, wie jeder Jäger wisse. Er habe auch nur ein Recht zum Tödten, nicht zum Verletzen des Hundes. Das Reichsgericht verwarf die Rivision des Angeklagten, da er nach § 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches kein Tödtungsrecht habe.
* — Die Uebermittelung von Unfallmeldungen bei den als Unfallmeldestellen eingetragenen Telegraphenanstalten erfolgte bisher nur durch Uebermittelung der Meldungen in Form von Telegrammen. Infolge der Entwickelung des Fernsprechwesens auf dem flachen Lande ist das Bedürfniß hervorgetreten, die Unfallmelde-Telegramme in gewissen Fällen durch Gespräche zu ersetzen. Die Telegraphenverwaltung hat deshalb zuächst versuchsweise unter folgenden Bedingungen auch Unfallmeldegespräche zugelassen. Derartige Gespräche können zwischen öffentlichen Sprechstellen, zwischen Fernsprechanschlüssen, sowie zwischen Fernsprechanschlüssen und öffentlichen Sprechstellen gewechselt werden, sofern die Betriebs- und örtlichen Verhältnisse die Herstellung der erforderlichen Sprechverbindungen ermöglichen. Die Abwickelung der Gespräche unter Benutzung der Apparate der öffentlichen Sprechstellen ist während der Nacht nur Personen zu gestatten, die dem Verwalter der Stelle bekannt sind; sie kann ausgeschlossen werden, wenn der Apparat im Schlafzimmer untergebracht oder die Verwaltung der öffentlichen Sprechstelle weiblichen Personen übertragen ist. Haben die Empfänger der Unfallmeldungen keinen Fernsprechanschluß, so find sie, sofern es die örtlichen Verhältnisse gestatten, an den Apparat heranzurufen. Die Gebühr für ein in der Nacht abzuhaltendes Unfallmeldegespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt: a) im Ortsverkehr 20 Pf., b) im übrigen Verkehr das Doppelte der im § 7 der Fernsprechgebühren-Ordnung festgelegten Sätze, mindestens jedoch 50 Ps. Für Unfallmeldegespräche in den Diemtpausen während des Tages sind außer den gewöhnlichen Gesprächsgebühren besondere Zuschläge nicht zu erheben. Für das Herbei- ru'en an den Apparat, soweit es sich nach den örtlichen Verhältnissen überhaupt ermöglichen läßt, ist eine Gebühr von 25 Pf. zu erheben.
* — Provisionen auf Lotteriegewinne. Ein Arbeiter in Berlin hatte kürzlich das Glück, in der Lotterie mit einem für seine Verhältnisse sehr bedeutenden Gewinn herauszukommen, der jedoch nach den Lottericbestimmungen erst nach einiger Zeit ausgezahlt werden konnte. Die Sache sprach sich natürlich herum, worauf zwei andere Angestellte der Fabrik den glücklichen Gewinner so lange breit schlugen, bis er sich von den beiden Vermittlern den Gewinn abzüglich einer Provision von nicht weniger als 1200 Mk. sofort in baar auszahlen ließ. Bald darauf erfuhr aber auch der Chef von dem Provisions- geschäft und ging nun gegen feine beiden Angestellten sofort energisch vor, daß diese wohl oder übel die ge- sammte Provision wieder herausgeben mußten. Man begreift nicht, wie sich überhaupt die Gewinner größerer Summen auch nur einen Pfennig Provision abjagen lassen können. Gegen Vorzeigung von LooS und Liste erhalten sie doch überall bis zur Auszahlung des Gesammtbetragcs ein paar 100 Mark geborgt.
Fulda. Einen glücklichen Fang hat gelegentlich der Automobilfahrt Paris-Berlin Herr Fabrikbesitzer Spatz gemacht. Unter den vom deutschen Automobilklub ver-
Paris fährt — einschließlich der Aufenthalte auf den Stationen — rund 20 Stunden.
— In Berlin soll binnen Kurzem eine amerikanische Schule errichtet werden, deren Zweck ist, amerikanischen Kindern, deren Eltern sich in Europa aushalten. Schulunterricht nach amerikanischem Lehrplan zu ermöglichen, damit sie dann in Amerika studiren können.
Mainz, 24. Juni. In eine große Verlegenheit wurde dieser Tage ein Feldwebel versetzt. Derselbe hatte die Löhnungsgelder der Mannschaften (240 Mark) zur Auszahlung in Empfang genommen, den Geldbeutel auf einen Tisch seines Zimmers gelegt und war dann auf einen Augenblick in die Kantine gegangen, ohne sein Zimmer zu verschließen. Als der Feldwebel zurückkehrte, war das Geld verschwunden. Sofort angestellte Untersuchungen aller Betten, Spinde rc. in der Kaserne führten zu keinem Resultate, und erst am Samstag Abend wurde ein Soldat in dem Augenblicke erwischt, als er den am Harlenberg vergrabenen Schatz heben wollte. Nach Verabreichung einer Tracht Prügel durch die erboste Mannschaft wurde der Mann verhaftet. — (Unterschied in den Fleischpreisen.) Während der offizielle Preis von einem Kilo Ochsenfleisch Mk. 1.44 beträgt, wurde die Lieferung von Ochsenfleisch für die hiesige Garnison von den M.Nzgermeistern Eismayer und Marxs zum Preise von Mk. 1.16 p>o Kilo übernommen. Mageres Schweinefleisch, das offiziell Mk. 1.40 pro Kilo kostet, wird von Metzger Schramm für die Garnison zu Mk. 1.22 geliebelt. — (Umgekehrte Welt.) Die „bessere Hälfte" des in der Zanggasse 24 wohnenden Schneider St. trinkt gerne einen über den Durst. Auch in der vergangenen Nacht kam sie in Begleitung eines gehörigen Affen nach Hause, während ihr Mann ehr-, sitt- und tugendsam zu Bette lag. Daß ihm das „Ewig Weibliche" in Gestalt seiner argbeschwipsten Ehefrau nicht „hinanzog", kann man ihm wahrlich nicht verargen. Er begann ihr deswegen die übliche Gardinenpredigt zu halten. Im umgekehrten Falle pflegt der Mann meist stumm unter der Decke zu verschwinden. Aber was that die Frau Schneidermeister? Sie goß flugs eine Kanne voll Petroleum über das Bett ihres Mannes und suchte dasselbe mit einem Zündholz in Brand zu setzen. Auf das Hil'egeschrei ihres Eheherrn brannte die Trunkenboldin durch und wird bis jetzt von der Polizei gesucht.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 2. Juli.
* — Der Herr Regierungspräsident hat unterm 24 d. Mts gemäß § 8 des Krankmoerstcherungsgesetzes den ortsüblichen Tagclohn gewöhnlicher Tagearbeiter im Regierungsbezirk Kassel anderweit festgesetzt und zwar für den Kreis Schlüchtern: erwachsene Arbeiter 1,80 M., weibliche 1,30 M.; jugendliche Arbeiter 1,10 M., weibliche 1 Mk.; Kinder 75 Pfg. — Diese Sätze gelten u. Ä. auch für die Kreise Fritzlar, Gelnhausen, Hersfeld, Kirchhain, Melsungen, Rotenburg, Fulda, und Wolf- Hagen. Die niedrigsten Sätze sind für die Kreise Frankenberg, Hünfeld uno Gersfeld angeordnet, nämlich für erwachsene Arbeiter 1,60 Mk. für weibliche 1,20 Mk; für jugendliche Arbeiter 1,00 M., weibliche 0,90 Mk; für Kinder 0,75 Mk. Die neuen Sätze treten vom 1. Januar 1902 an die Stelle der bisherigen.
* — Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat beschlossen, die Gültigkeitsdauer der gewöhnlichen Rück ahikarten zwischen Stationen der Preußisch-Hessischen Staatsbahnen, die lediglich auf diesen bedient werden, ohne Aenderung des Fahrpreises und ohne Unterschied der Entfernung auf 45 Tage zu verlängern. Damit der Ferien-Verkehr diese Erleichterung bereits genießen kann, sollen schon vom 4. Juli ab die Rückfahrkarten die verlängerte Gültigkeitsdauer erhalten.
* — Die Bahnhofswirthe können sich beim preußischen Eisenbahnminister bedanken. Er hat entschieden, daß Ansichtskarten nicht Gegenstand des Bahnhofsbuchhandels sind, weshalb den Bahnhofswirthen der Kartenverkauf unter Zurückziehung des früheren Verbotes wieder freigegeben ist.
♦ — Das Proviantamt in Hanau giebt bekannt, daß dasselbe für gutes und trockenes Pferdcheu bis einschl den 13. d. M. 3,25 bis 3 50 Mk. pro Ztr. frei Scheune Hanau zahlt und rege Zufuhr gewünscht wird.
* — Die Entlassung der Reservisten im 11. Armeekorps jfindct in diesem Jahre bereits am 16. September statt.
* — Weg.n Sachbeschädigung, nämlich Tödtung eines fremden Hundes auf der Jagd, wurde am 9. April I