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Als Siglinde und Harnisch sich entfernt hatten, ging Hilmar auf die Portiere zu, schob sie zurück und blieb U der Schwelle stehen. Das Zimmer war ein kleiner, jit zierlicher Eleganz ausgestatteter Salon. Auf einem kMeuil saß eine weibliche Gestalt, den Ellbogen auf in daneben stehendes Marmortischchen und die Stirn n die Hand gestützt. Ihre Lippen waren fest zusammen- |tpreßt; ihre schwarzen glühenden Augen starrten mit Dem Ausdruck vor sich hin; ihr Antlitz biannte in wer dunklen, von der holden Schamröthe weit verschie- rnen Gluth, unter welchem unter mühsam verhaltenem Jörne das Blut kocht und siedet; ihre verzerrten Züge rückten eine leidenschaftliche Erregung aus, die ein Kampf fischen wühlendem Schmerz und wahnsinniger Wuth zu ün schien; die eine herniederhängende Hand hatte sich Inter dem grauen Glacehandschuh krampfhaft zusam- «engeballt.

Dieses regungslose düstere Bild stand in grellem straft zu der heiterem Umgebung, denn ein grüner !«d blühender Hain kostbarer Blattpflanzen, die theils es Blumentischen standen, theils terrassenförmig auf- fkigende Gruppen bildeten, füllte fast den ganzen kleinen Mm aus. Obwohl die finster Brütende diesen Ort loch nie betreten hatte, so sah sie sich hier doch unter toter alten Bekannten; alle diese lieblichen Kinder Floras siammten aus Ritters Gewächshäusern, wo der Rechts- jklehrte sie bei seinen verschiedenen Besuchen selbst aus- zmählt hatte, und der fremde Gast, der sich hier in so Mischer Umgebung wiederfand, war Niemand anders B Anna.

Sie hatte sich tu Folge einer schriftlichen Ladung des ihr nur dem Namen nach bekannten Advokaten, der ihr in einer Erbschaftsangelegenheit eine wichtige Mit- iheibmg zu machen habe, pünktich um die festgesetzte ginnte eingefunden, und maßlos war ihr Erstaunen jewefen, als sie in dem berühmten Rechtsgelehrten jenen Artenbesucher wieder erkannte, dessen zudringliche Neugier

ihr einst eine so peinliche Stunde bereitet, und dem sie erst vor einigen Tagen durch die kühle Aufnahme seines Grußes zu erkennen gegeben hatte, wie wenig sie ihm das vergessen konnte. (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Sch -eefälle im Rosenmonat. Die Temperatur ist nicht bloß bei uns eine um diese Jahreszeit uuge- gewöhnlich niedrige geworden, sondern auch anderswo; aus Schottland kommen sogar Nachrichten über Schnee­fälle. In Petschire ist die Kälte eine empfindliche und es fiel dort ziemlich viel Schnee. Die Grampianberge sind bis auf den Fuß in eine Schneedecke gehüllt.

Schweres Begräbmß. Ein Leichenbegängniß, wie es wohl nicht allzu häufig vorkommt, hat dieser Tage in Gent stattgefunden. In der Rue du Pot d'Etain war nämlich eine 60jährige Frau M. verstorben, die, obwohl ziemlich klein von Gestalt, beinahe 225 Kilo wog. Der für die Leiche angefertigte Sarg hatte einen Um­fang von 2,56 Mtr., und um denselben aus dem ersten Stock, wo die Verstorbene gewohnt hatte, auf die Straße zu bringen, war man genöthigt, die Fensterrahmen zu entfernen und außerdem noch neben der Fensteröffnung ein Loch in die Mauer zu brechen. Diese Operation wurde in der Nacht von 13 Personen ausgeführt, und hierbei brach eine der Leitern unter dem Gewicht der aus ihr Stehenden sowie des Sarges zusammen und mehrere Leute wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Der von der Ankunft der ungewöhnlichen Leiche in Kenntniß gesetzte Todtengräber hatte ein Grab zurecht ge­macht, welches doppelt so breit war wie ein gewöhnliches, aber auch dieses erwies sich als noch zu klein. Bei der Ankunft des Leichenzuges auf dem Kirchhof mußte man das ohnehin schon so wohlbemessene Grab noch er­weitern, und dann erst konnte die Leiche der in Folge ihrer außerordentlichen Korpulenz höchst unglücklich ge­wesenen Frau der Erde übergeben werden.

Das schwächere Geschlecht! Die Frau Pastor besucht eine arme Frau ihrer Gemeinde, um ihr eine kleine Unterstützung zu bringen. Sie findet die Frau ganz wohlauf bei einer riesigen braunen Kaffeekanne sitzend, den Mann aber trotz der späten Vormittagstunde noch im Bett.Aber, Stöckeln, ist denn Ihr Mann krank, daß er im Bett liegt und nicht auf die Arbeit geht?" fragt sie erschrocken.Krank? Och nee! Er ruht sich nur ein bischen aus. Mir hon so ne unruhige Nacht geholt."Eine unruhige Nacht? Warum denn?"No, mir hon ä Kleenes getrieft."

Automobil in der Familie. Schachtelmeyer (klagt einem ihn besuchenden Freund über die Schwiegermutter und endigt seinen Redefluß mit den Worten):Wie ein rasendes Automobil fauchte meine dicke Schwiegermutter in der Wohnung umher!" Schwiegermutter (hat an der Thür gehorcht, tritt hastig ein und fuchtelt erregt und drohend mit den Händen in der Luft):Wart! Und jetzt explodiert das dicke Automobil!"

Der neueste Schwindel. Telegraphist:Ich habe Ihnen schon gesagt, das Telegramm kostet 1,50 Mk. und ohne Geld kann ich nicht telegraphieren." Stu­dent:Ja, was ist denn das für ein Schwindel, der in allen Zeitungen stand, daß man jetzt ohne Draht telegra- phiren kann."

Ländlich, sittlich. Gast:Haben Sie denn keine Zahnstocher hier?" Wirth:Nee! Die schneiden sich die Gäst' gewöhnlich vom Tisch ab!"

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Sonntag, den 30. Juni 1901.

Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Wochendienst: Herr Pfarrer Kahl.

Katholischer Gottesdienst.

Samstag, den 29. Juni. Vorm y210 Uhr.

Sonntag, den 30. Juni. Vorm. */210 Uhr.

Berdingung.

I Die Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung zweier Stellwerksge- -äu-e auf Bahnhof Schlüchtern sollen »ergeben werden. Zeichnungen, Angebots- sermulare nebst Bedingungen sind in dem Geschäftszimmer der unterzeichneten Jn- ipiction einzusehen, können auch gegen prio- und bestellgeldfreie Einsendung von 1 Mark 50 Pfg (nicht Briefmarken) be­zogen werden.

Angebote mit der Aufschrift:Herstellung Mier Stellwerksgebäude auf Bahnhof Wachtern" sind bis zum Eröffnungstermin r Donnerstag den IL Juli d. I., Vormittags 11 Uhr an uns einzureichen.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Fulda, den 27. Juni 1901.

N-Igifenbaljn-^

Jllgd-Ber-achtlluzj.

1 Die der Stadt Schlüchtern zustehende Iagdgerechtsame, welche ein Areal ton etwa 1,370 Hectar umfaßt, soll am Montag, den 8. Juli 1901,

(Nachmittags 4 Uhr

ui dem Rathhaus in Schlüchtern für die sät vom 1. September 1901 bis 31. August 913 öffentlich verpachtet werden.

Bedingungen werden im Termin bekannt Wen.

Schlüchtern, den 19. Juni 1901.

Der Magistrat:

Salomon.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch in Erinnerung ge­bracht, daß die durch das Gesetz über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ange­ordnete zweistündige Pause für den Hauptgottesdienst an Sonn- und Feier­tagen auf die Zeit von 9-11 Uhr Vor­mittags festgesetzt ist und werden für die Folge Uebertretungen unnachsichtlich zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden.

Schlüchtern, den 28. Juni 1901.

Die Ortspolizeibehörde:

__________ Salomon.__

Heugrasverkauf.

Donnerstag, den 4. Juli d. Js.,

von Nachmittags 5 Uhr ab

soll das Gras im Ratzeroth in der Ge­meindewiese, auf den Wegen, und die früher Zipf'sche Altegassenwiese an Ort und Stelle verkauft werden.

Montag, deu 8. Juli d. I., von Nachmittags 6 Uhr ab soll das Gras im Zipf'schen Gerhard an Ort und Stelle verkauft werden.

Hohenzell, den 27. Juni 1901.

Schreiber, Bürgermeister.

Annahmestelle der chem. Wäscherei, Färberei und Bügelanstalt von Gebr. Voltz in Hanau bei

M. Oppenheimer, Schlüchtern.

Auktion.

Montag, den 1. Juli er, von Nachm. 1 Uhr an verkaufe ich in dem Hofe des Bäckers Wilhelm Weitzel jr. zu Schlüchtern meistbietend gegen baare Zahlung:

2 Landauer, 1 Halbverdeck, 1 Jagdwagen, 2 Schlitten, 2 große Erntewagen, 2 große Kasten­wagen, 1 Mistwagen, 1 kleinen Leiterwagen, 2 Äckerpflüge, 2 Eggen, 1 Häckselmaschine,1 Köhl- mühle, 1 Strohbank mit Messer, 6 Festmeter eichene Rollen, diverses Bauholz, Pferdege­schirre, Schlittengeläute und dergleichen.

Siemon,

Konkursverwalter.

Kragen, Manschetten,

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^[alleinige Niederlage für Schlüchtern befindet si t> bei Ww. Pompner, Cond.

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