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rückgetrieben wurden. Auf allen Seiten wurde mit großer Tapferkeit gefochten. Die Engländer erbeuteten 71 Wagen. Nach einer Mittheilung derCape Times" wurde das Parlamentsmitglied für Aliwalnorth, Botha, von den Buren gefangen genommen und wegen seiner Haltung im Kap-Parlamente bei der Abstimmung über das Hochverraths-Gesetz ausgepeitscht. (?) Seine Farm wurde verbrannt.

Lokale- und Provinzielles.

* Schlüchtern. 28. Juni.

* Dem Oberregierungsrath Dr. Lahmeyer ist die Stelle als Direktor des Provinzial-Schul-Collegiums in Cassel übertragen worden.

* Zum Oberfischmeister für den Regierungsbezirk Cassel ist der Königliche Regierungs- und Baurath Hennings zu Cassel ernannt worden.

* Das Hauptereigniß der Woche, die Automobil Tourenfahrt von Paris nach Berlin, passirte am Mitt woch Vormittag unsere Stadt. Die Abfahrt von Frankfurt geschah von der Mayfarthschen Maschinenhalle aus um 7 Uhr, um 7,26 Uhr erreichte der erste Wagen Nr. 210 mit dem Fahrer Robert Katzenstein aus Frankfurt (Wagensystem Panhard und Levassor) Hanau, passirte Schlüchtern um 8,35 Uhr, Fulda um 9,8 Uhr und erreichte Eisenach um 11 Uhr 19 Minuten, machte also

die 180 Kilometer in 4 Stunden 19 Minuten. Ihm

folgten in verschiedenen Abständen bis gegen 11 Uhr hierdurch

Fahrer:

226 Roussy . . . .

222 Dr. Keser . . .

234 Raymond Wooj .

246 Debacker . . .

212 Prinz d'Arenberg.

232 Roux . . . .

231 Bousquet . . .

217 Schmidt . . .

227 Boisaye . . . .

213 Amedee Vernes .

253 Madame Gobron .

216 Plattier . . . .

208 De Klopstein . .

218 Fritz Muth. . .

249 Eugen Benz . .

252 Didier ....

235 Mauduit . . .

206 van der Beck . .

250 Bilain ....

225 Lucotte ....

203 Dr. Fabre . . .

236 Ruef.....

251 Comcot . . . .

241 BrocandH . . .

322 Bell .....

205 Graf de Toy . .

211 Desfosses . . .

201 Escargot . . .

202 Gobron . . . .

217 Baron E. Dietrich Im Laufe des Mittags

Wagensystem:

. . Panhard und Levassor.

W W 0

* M N H

. . Renault fröres.

. . Panhard und Levassor. . . Peugeot.

. . Benz.

. . Mors.

. . Adler.

. . Gobron-BrilliS.

. . Gardner-Serpollet.

. . Gardner-Serpollet.

. . Dietrich.

. . Benz.

. . de Diou-Bouton.

. . Delahaye. . . Benz. . . Prunel.

. . Panhard und Levassor.

. . Georges Richard.

. . Bardon.

. . de Diou-Bouton.

. . Gillet-Forest.

. . de Diou-Bouton.

. . Georges Richard.

. . Panhard und Levassor.

. . Gobron- BrilM.

. . Dietrich. und Nachmittags kamen dann

noch als Nachzügler weitere 14 Automobile darch die Stadt. Mehrere sind schon aus der Fahrt zwischen Paris und Luxemburg, sowie Luxemburg und Frankfurt in Folge Beschädigungen an der Maschine von der Wettfahrt aus geschieden und liegen geblieben. Die Straße war auf beiden Seiten mit einer dichten Menschenmenge besetzt, welche die Fahrer mit Zurufen und Blumenwerfen be­grüßte. Ein ernster Unfall ist, soviel wir erfahren, nicht passirt. Nur bei Langenselbold wurde ein Wagen beschädigt, als er an einem vorherfahrenden vorbeipassiren wollte. Man darf doch nicht vergessen, daß wir es hier nicht mit einer Spielerei zu thun haben. Eine neue Art Fahrzeug, das unseren heute so gesteigerten Verkehrs bedürfnissen entspricht, sollte einer großen bisher nicht da­gewesenen Kraftprobe unterworfen werden. Wie kann das anders geschehen, als durch eine sehr lange und schnelle Fahrt über Berg und Thal! Solche Wettstreite tragen stets einen sportlichen Charakter. Aber der Sport ist hier ebenso wenig Selbstzweck, wie bei Pferderennen und Segelregatten, sondern er dient hier wie dort der Vergleichsweisen Ausprobierung und Vervollkommnung einer Einrichtung, die der Allgemeinheit zu Gute kommt. Ein Automobil ist keine Höllenmaschine. In der Hand eines geübten Fahrers ist es ein viel sichereres, lenk­bareres Gefährt, wie der mit Pferden bespannte Wagen, weil jede Bewegung vom Willen des Fahrers abhängt, was, wie man weiß, bei jenem durchaus nicht immer der Fall ist. Die Automobillenker dieser Fernfahrt sind aber alle ausgesuchte und wohlbewährte Fahrer. Wer wollte auch seinen kostbaren Motorwagen für eine so imposante Wettfahrt einem Stümper anvertrauen. Diese vorzüglichen Führer aber, von denen so mancher seinen Wagen schon bei früheren Konkurrenzen zum Siege ge­führt und dadurch eine Berühmtheit erlangt hat, sind alle auf das Eingehendste instruiert. Sie wissen ja, daß sie von der Konkurrenz ausgeschlossen werden können, wenn sie sich über die strengen Vorschriften Hinwegsetzen, welche mit Rücksicht auf den Verkehr des Publikums ge­geben sind. Aber das Automobil ist doch eben ein Ge­fährt, welches gerade durch seine bisher auf Landstraßen unerreichte Schnelligkeit uns Allen, unserem persönlichen,

wie dem Lasten-Verkehr ganz neue Vortheile bieten soll. Und wenn diese Schnelligkeit auch Rücksichten von uns fordert, so dürfen wir dieselben um so weniger versagen, als sie gewiß nicht groß sind. Wir werden uns ebenso daran gewöhnen müssen, wie wir es bei der Eisenbahn und dem Fahrrad gern gethan haben. Früher machte jeder Radfahrer alle Pferde scheu. Heute giebt es kaum noch ein ganz junges unerfahrenes Thier, welches dem Rade auch nur die geringste Aufmerksamkeit schenkt. Aus Eisenach wird gemeldet: Herr Katzenstein, der bis­her den besten Rekord aufzuweisen hatte, hat nicht als erster das hiesige Ziel erreicht, da er zwischen Vacha und Eisenach einen Pneumatikdefekt erlitt; vielmehr gelangte 11 Uhr 19 Min. 10 Sek. der Fahrer Nr. 226 Herr Roussy (Wagensystem Panhard und Levassor) zuerst hier an. Leider ist auch ein Unfall zu verzeichnen. Von Frankfurt a. M. waren außer Konkurrenz zwei junge Leute mit gefahren. An der scharfen Kurve am Klaus­berg (6 Kilometer von Eisenach) schlug der Wagen in schnellster Fahrt um. Der eine Fahrer, ein Herr Namens Bennecke aus Hamburg, wurde so unglücklich aus dem Wagen geschleudert, daß er sich in der Luft überschlug und auf die die Chaussee einfassende Barriere auffiel. Er trug eine Wunde am Auge davon und erlitt an­scheinend auch innere Verletzungen. Die Sanitätskolonne leistete die erste Hil'e und überführte den Verletzten in das Schwesternhaus. Das beschädigte Automobil wurde von einem anderen Gefährt ins Schlepptau genommen. Die Rennwagen verließen, wie aus Paris gemeldet wird, am Mittwoch früh 3 Uhr den Start. Die Renn­wagen sind meist französischen Ursprungs, nur einige deutscher, englischer und belgischer Herkunft. Es befinden fich darunter Fahrzeuge mit Maschinen von 40 bis 50 Pferdekräften.

* Doppelbesteuerung der gemischten Betriebe. Die Doppelbesteuerung von gemischten Betrieben für die Handelskammer und die Handwerkskammer hat der neue Minister Möller in einer Antwort auf eine Eingabe der Handelskammer Halberstadt als eine Unzuträglichkeit an­erkannt und ersucht, einzelne Fälle, in denen mit der Doppelbesteuerung eines gemischten Betriebes eine unbillige Belastung des Unternehmers verbunden ist, ihm mitzu- theilen. Minister Möller vertritt die Ansicht, daß solche sogenannte gemischte Betriebe, bei denen Handwerk und Handel in derselben Betriebswerkstätte vereinig sind, wie Schuhmacherei und Schuhhandel, Schneiderei nnd Gar- derobengeschäft, die für die Eintragung ins Handels­register eine Einheit darstellen, für den ganzen Betrieb zu den Handelskammerkosten beizutragen haben und zu den Kosten der Handwerkskammer in Beschränkung auf den handwerksmäßigen Theil ihres Betriebes.

* (Aus der Strafkammer-Sitzung vom 26. Juni.) Der Bauer Schöppner aus Urzell ist der fahrlässigen - Körperverletzung angeklagt. Derselbe benutzte am 29. No-1 vember v. I. die Dreschmaschine, und dabei waren ihm seine beiden Schwestern behülflich. Als er sich zur Frühstückspause anschickte, spannte er das Pferd aus, stellte eine ausgehängte Thüre wider das Göpelwerk, um einem Unglück vorzubeugen, und ging ins Haus. Er hörte auf einmal ein Geschrei, und als er hinauslief, sah er, daß seine jüngste Schwester, ein 14jähnges Mädchen, im Göpelwerk hing; beide Mädchen hatten in seiner Abwesenheit das Pferd eingespannt, und als das­selbe anzog, kam auch die Maschine in Thätigkeit. Die Kleider der jüngsten Schwester geriethen in das Werk und zogen auch den Arm mit hinein, welcher gequetscht wurde. Dafür wurde er verantwortlich gemacht und vor Gericht gestellt; dasselbe spricht ihn jedoch frei, da ihm keine Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann. Zu drei Jahren Gefängniß wird der 70jährige Schuhmacher Jakob Fürth aus Soden bei Salmünster verurtheilt. Er hat sich in 6 Fällen des Verbrechens gegen die Sittlichkeit § 176,3 schuldig gemacht.

* In Wallroth hat am Abend des 22. Juni der Bauer Möller den Gastwirth Rosenberger bei einem Streit, der in Thätlichkeiten ausging, durch mehrere Messerstiche erheblich verwundet. M. ist schon einmal wegen Ausschreitungen gegen R. gerichtlich bestraft worden.

Schotten, 19. Juni. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am vorigen Samstag auf der zwischen Höckersdorf und Bobenhausen gelegenen Zöllerschen Holz­schneiderei. Dort war der 18 jährige Sohn des Besitzers Zöller an der Zirkelsäge beschäftigt, als plötzlich ein Stück Holz absprang und den jungen Mann mit einer solchen Wucht ins Genick traf, daß er todt vom Platze getragen wurde. Der Unglücksfall ist um so erschütternder, als der Vater seinen ältesten Sohn auf ganz ähnliche Weise vor einigen Jahren verloren hat.

Diez a. d. L. Nach derFranks. Zeitung" drängt die Militärbehörde die Stadt, Neubauten im Werthe von über einer halben Million Mark aufzuführen, obwohl zwei Kasernen vorhanden find; diese würden Raum ge­nug bieten, wenn sie nicht anderweitig für Mannschafts­kantinen, Unteroffizier- und O^fiziers.Kasinos, sowie für Offizier- und Unteroffizier-Wohnungen benutzt würden, während in der Stadt genug Wohnungen billig zu haben wären. Die Militärbehörde aber stellt die Stadt vor die Alternative, entweder die verlangten Gebäude aufzu­führen oder die Garnison zu verlieren, was vielen Ge­werbetreibenden einen empfindlichen Schaden zufügen würde. Die Stadt muß also wohl oder übel in den

sauren Apfel beißen. Das von ihr leihweise aus nehmende Baukapital ist auf eine halbe Million U fixirt; diese Summe wird vom Fiskus unter dem Ti Miethe mit 5 pCt. verzinst. Die Behörde will dj Verpflichtung auf 30 Jahre eingehen. Alles wäre al soweit in Ordnung, wenn die Stadt das Kapi, nicht zu hoch verzinsen und noch mit 1 pCt. amortisir müßte; sie hat in Folge dessen jährlich eine nicht uns deutende Summe draufzuzahlen. Dazu kommt, daß | Militärbehörde sich wohl zur Zahlung der 5 pCt. « 30 Jahre, nicht aber auch dazu verpflichten will, j Garnison wirklich 30 Jahre in Diez zu lassen. Nich hindert sie, die Garnison schon nach wenigen Jahv aufzuheben und die 5 pCt. ruhig weiter zu zähl, (Diez ist schon einmal mehrere Jahre hindurch oh Garnison gewesen.)

Obervellmar bei Cassel, 19. Juni. Heute Nachmich ereignete sich hier ein betrübender Unglücksfall. Da elfjährige Söhnchen des Landwirths Neumann befa« sich auf der Wiese seines Vaters, woselbst Heu aufo laden wurde. Ein Bündel Heu fiel vorn von dem hoch beladenen Wagen, wodurch die Pferde scheu wurden un durchgingen. Das in der Nähe des Wagens sich b, findende Kind wurde derartig überfahren, daß die 3täbo über den Hals hinweggingen. Der schleunigst herbeig» holte Arzt konnte nur noch den Tod des Kindes fonfti tieren. Der Unglücksfall trifft die tiesbetrübten Eltern um so schwerer, da der verunglückte Knabe der letzi, seiner elf Geschwister war.

Auf verwegener Kaff«.

Kriminalnovklle von Gustav Höcker. (Fortsetzung.)

Namentlich diese Rücksicht war es, durch die Sff linde sich bestimmen ließ, auf Volkmar's Verlangen ein= zugehen, gegen welches sie sich anfangs gesträubt hatt!. Eine solche Verhandlung, wie die bevorstehende, lutto strebte ihrem Zartgefühl, und so lange das Schicksal ihres Vaters noch ungewiß war, hätte sie sich diesen peinlichen Akt erspart.

Aber auch ihr Herz fühlte sich von dem Ansinnen Volkmars verwundet. Nur mit heimlichen Grauen dachh sie daran, daß die Befreiung ihres Vaters sie an eine Mann kettete, den sie nicht liebte und an dessen Seit sie nie glücklich werden konnte. Dem gegenüber that e! ihr weh, daß Volkmar, der Gegenstand ihres schmerzlichen Verzichtes, es so eilig hatte, diesen traurigen Fesseln eint gesetzmäßige Form zu geben und daß er ihr die Noch wendigkeit in so kaltblütiger geschäftsmäßiger Weise vor­gestellt, als hätte sie ihm niemals mit einem Work verrathen, was er ihrem Herzen war. Indessen fit fügte sich seinem Rathe, auf den ste ein unerschütterliches Vertrauen setzte; vielleicht auch leiteten ihn noch tiefere Beweggründe, die er ihr verschwieg, denn es war ihre« weiblichen Scharfblick nicht entgangen, daß in seinem Wesen plötzlich etwas Gehemnißvolles, Rätselhaftes lag.

Auch Herrn von Harnisch war die Einladung bei Advokaten überraschend gekommen, aber seine Ueber- raschung war eine angenehme, denn diese Vorsorge deutete auf einen seinen Hoffnungen günstigen Ausgang bei Prozesses hin, über den sich Volkmar sonst nur mit großer Reserve äußerte.

So hatte er sich in» dem angenehmen Vorgefühle, welcher der in der Ferne winkende Besitz der schönen Erbin von einer Million hervorruft, mit Siglinde zu der Verhandlung zusammengefunden, und die letztere verlief zu seiner vollen Zufriedenheit, sogar auf seinen Vorschlag, den künftigen Wohnort in Amerika zu wählen, war Siglinde, auf Volkmar's Zureden, eingegangen. Sie glaubte dem Letzteren einen Gefallen zu erweisen, wenn sie sich in eine weite Ferne zurückzog und damit seinem Gesichtskreise auf Nimmerwiedersehen entrückt wurde, denn sonst würde er dem Wunsche Harnisch's eher Widerstand geleistet haben, anstatt ihn zu befürworten.

Vielleicht ahnte Volkmar, was in Siglinde vorging, als sie sich mit einem Blicke, in welchem etwas wie eine leise vorwurfsvolle Anklage lag, von ihm verabschiedete, ohne den Druck seiner Hand zu erwiedern. Sicher ahnte dagegen aber Herr von Harnisch nicht, daß der RechtS- gelehrte, dem er beim Gehen so warm die Hände schüt­telt, ihn schon seit mehreren Tagen durch zwei ebenso wachsame als schlaue Privatdetektivs beobachten ließ, die ihm, wenn er die Stadt verlassen hätte, bis ans Ende der Welt gefolgt wären.

Frauen haben ein aufmerksames Auge für die Außen­seite der Dinge. Siglinde kannte jeden Winkel, jede- Stück Möbel in Volkmars Sprechzimmer. Umsomehr war ihr heute eine Veränderung aufgefallen. Das Zimmer besaß zwei Thüren: die eine bildete den AuS- gang nach dem großen Bureau, in welchem die Schreiber saßen, die andere führte in entgegengesetzter Richtung nach Volkmars Wohnräumen. Es war Siglinde nicht entgangen, daß diese letzte Thür heute entfernt und durch eine bis zum Fußboden herabreichende geschlossene Por­tiere ersetzt war. Da der Advokat seine beiden Klienten während der Verhandlung so plazirt hatte, daß Beide der verhangenen Thüre den Rücken zuwenden mußten, so blieb es von diesem unbemerkt, daß in der Mitte, wo sie sich theilte, dann und wann ein paar Augen zum Vorschein kamen und wieder verschwanden.