SchlüchtemerMtung
L ...... ; —-----—■-------—-———---
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 52.
Am 3. Juli
nirb mancher Leser unseres Blattes auf seine gewohnte Wre verzichten müssen und zwar lediglich aus dem ilbstverschuldcten Grunde, weil er die Zeitung erst im rtzten Augenblicke oder aus Vergeßlichkeit überhaupt noch nicht bestellt hat. Deshalb seien alle unsere auswärtigen Freunde an die rechtzeitige Neubestellung unserer Zeitung hierdurch wiederholt erinnert. Der Post und ^tr Expedition ist es viel lieber, wenn die Bestellungen schon jetzt gemacht werden, weil in den letzten Tagen des Quartals sich die Arbeit besonders auf der Post zu sehr nnhäuft und bei so verspätet eingehenden Abonnements- Erneuerungen auch nicht die gewünschte Gewähr für eine fernere ununterbrochene Zustellung der Zeitung gegeben roerben kann. Die Expedition.
Bekanntmachung.
i a) Das Gesetz, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen vom 31. Mai 1901 bezieht sich nur auf diejenigen Invaliden, bei welchen Kriegsinvalidität anerkannt ist;
| b) Empfänger von Unterstützungen auf Grund des Allerhöchsten Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 und Empfänger von Veteranenbeihülfen auf Grund des Gesetzes vom 22. Mai 1895 werden von diesem Gesetze nicht betroffen;
■ c) die auf Grund dieses Gesetzes zu gewährenden Pensionszuschüsse werden zur Anweisung kommen, ohne daß es eines Antrags der Betreffenden bedarf;
d) diejenigen Ganzinvaliden, deren jährliches Ge- sammteinkommen
aus den Jnvalidengebührnissen und sonstigen amtlichen sowie privaten Einnahmen an baarem Gelde und aus anderweiten Einkünften, wie Naturalbezüge, Wohnung und anderes nach dem durchschnittlichen Geldwerthe berechnet
nicht den Betrag von 600 Mark erreicht, können bei dem Bezirksfeldwebel unter Angabe ihrer Ein- kommensverhältiiisse die Bewilligung einer Alterszulage beantragen, sobald sie das 55. Lebensjahr vollendet haben, oder wenn sie vor diesem Zeit Punkte dauernd völlig erwerbsunfähig geworden sind. Die Kriegsinvaliden haben baldigst den Militärpaß an das Bezirks-Kommando einzu- reichen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, Vorstehendes wiederholt in ortsüblicher Weise bekanntgeben zu vollen.
Hanau, im Juni 1901.
Königliches Bezirks Kommando: Reimert.
Oberstleutnant z. D. und Bezirks-Kommandeur
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der Tags vorher die Wettfahrt Kiel-Eckernförde mitsegelte, hörte Abends an Bord der -Hohenzollern" den Vortrag des Reichskanzlers Grafen Bülow. Am Mittwoch Vormittag kehrte der Monarch »ach Kiel zurück und zwar an Bord der Pacht „Jduna".
— Deutschland entwickelt sich zum Industriestaat. W oft aufgetauchte Behauptung findet eine gewisse Stütze in der Thatsache, daß die Landbevölkerung gegenüber der städtischen Bevölkerung fortgesetzt weiter zurück- Während z. B. im Königreich Sachsen bisher die ländliche Bevölkerung die städtische noch immer überwog, nunmehr nach dem Ergebniß der letzten Volkszählung Umgekehrte eingetreten. Nach den amtlichen Fest- Mungen hatte Sachsen nämlich am 1. Dezember 1900 eine Bevölkerung von 4 199478 Seelen, wovon 2111791
die städtische und 2087976 auf die ländliche Be- »blkerung entfielen. Die erstere überwog die letztere also um 22824 Seelen, ein Prozeß, besten Entwickelung einen immer rascheren Fortgang nimmt.
~ Die große Beschäftigungslosigkeit insbesondere der Storniert Arbeiter spiegelt sich auch in dem starken 91n flebot von Arbeitskräften zum Kirschenpflücken in der Egegend von Berlin wieder. Während sich zu dieser ^bcit in den früheren Jahren meist nur ziemlich herunter- sskommene Personen bereit fanden, melden sich diesmal lese ordentlich aussehende Handwerker, wie Schlosser, Sichler, Dreher rc. Sie nehmen die ihnen ungewohnte ysiNstigung, hei der sie die ganze Woche hindurch drei
Samstag, den 29. Juni 1901.
bis fünf Mk. nebst freier Kost verdienen — als Nachtlager dient ihnen häufig der Heuboden — gern an. Der Andrang war an vielen Stellen so groß, daß zahlreiche Arbeitsuchende nicht beschäftigt werden konnten.
— Die durch viele Zeitungen gegangene Nachricht, der Deutsche Flottenverein sei nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Berlin als politischer Verein anzusehen, trifft nicht zu Das Oberverwaltungsgericht zieht nicht den von politischen Vereinen handelnden § 8 des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850, sondern den § 2 dieses Gesetzes an und erachtet den Flottenverein als einen solchen, der eine „Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten" bezweckt. Demgemäß ist der Verein verpflichtet, die Satzungen und das Mitgliederver- zeichniß, sowie jede Aenderung der Satzungen binnen drei Tagen der Ortspolizeibehörde zur Kenntniß einzu- reichen und dieser auch auf Erfordern jede darauf bezügliche Auskunft zu ertheilen. Wäre der Verein ein politischer, so müßten diejenigen Mitglieder, die Offiziere oder Beamte sind, austreten.
Leipzig, 25. Juni. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts hat gestern in nicht öffentlicher Sitzung die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Arbeiter Weiland aus Bremen abgelehnt und Weiland außer Verfolgung gesetzt. Er wurde bereits in ein Irrenhaus abgeliefert.
Leipzig. Eine neue Bankkatastrophe. Noch sind die Folgen des Zusammenbruches der Dresdner Kreditanstalt nicht zu übersehen, und schon wieder ist über die Zahl ungseinstellung eines großen Kreditinstitutes, der Leipziger Bank in Leipzig zu berichten. Der Aufsichtsrath des Institutes, veröffentlichtdie folgende Erklärung: „Nachdem durch den jüngst erfolgten Zusammenbruch der Kreditanstalt für Industrie und Handel in Dresden sichdieVerhält« nisse des Diskontmarktes überaus schwierig gestaltet und die Großdiskonteure die Hereinnahme unserer Wechsel in seitherigem Umfange verweigert haben, wir aber zur Erhaltung unseres ausgedehnten Geschäftsbetriebes auf weitere Diskontierung unserer Wechsel angewiesen sind, so sehen wir uns zu unserem größten Bedauern in die Nothwendigkei versetzt, im Interesse unserer Gläubiger zeitweilig unsere Zahlungen einzustellen." Die Leipziger Bank ist ein altes Institut. Ihre Konzession datiert vom März 1839. Ursprünglich eine Notenbank, verzichtete sie aber bereits Ende 1875 auf das Notenprivileg. Das Aktienkapitä wurde nach und nach auf 48 Millionen Mark erhöh und dürfte völlig verloren sein. Außer dem Aktienkapital hat die Bank einen Reservefonds von 14,073,200 Mk. einen Spezialreservefonds mit 1 Million Alk. und einen Baureservefonds mit 1,200,000 Mk., ferner das Accept- konto mit 26,834,868 Mk. Die Bank hat in Dresden, Chemnitz und Plauen Filialen und steht mit der Leipziger Hypothekenbank und der Löbtauer Bank in enger Verbindung. Auch mit der Casseler Treber-Trocknungs- Gesellschaft steht die Leipziger Bank bekanntlich in naher Beziehung. Sie ist bei diesem Unternehmen mit 87 Millionen betheiligt. Welche Konsequenzen die Börse aus dem Konkurs der Leipziger Bank für die Casseler Treber-Trocknung zieht, geht daraus hervor, daß die Aktien der Trebertrocknung, die gestern auf 171 standen, zu 160 angeboten worden, daß sie nach dem Bekennt- werden des Konkurses der Leipziger Bank sogar auf 75 stürzten. Wahrscheinlich muß die Casseler Treber- trocknungsgesellschaft nun ebenfalls liquidiren. Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt jetzt Mk. 20,400,000, wovon 8,4 Millionen auf die letzte im Februar d. I. erfolgte Erhöhung entfallen. An der Berliner Börse sind nur Mk. 6 Millionen zum Börsenhandel zugelassen. Die Zulassung der weiter ausgegebenen jungen Aktien ist von der Zulassungsstelle wiederholt abgelehnt worden. Die Bedenken dieser Körperschaft erweisen sich jetzt leider als nur zu sehr begründet. Den Schaden erleiden dabei meistens Privatleute, welche diese Papiere der bisher gezahlten«hohen Dividende halber gern kauften.
Köln. In der „Kölner Sternberg-Affäre" verur- theilte die Strafkammer in Köln nach dreitägiger Verhandlung den Großkaufmann Salomon zu acht Monaten Gefängniß. Salomon ward beschuldigt, eine Anzahl bereits in früheren Prozessen genannter Kinder zu unzüchtigen Handlungen verleitet zu haben. In fünf Fällen wurde ihm dies nachgewiesen. Ein Antrag auf vorläufige Haftentlassung wurde abgelehnt. In den nächsten Tagen wird sich wegen desselben Verbrechens der Millionär CommanS zu verantworten haben. In die Kölner Stern»
52. Jahrgang.
berg-Prozesse sind insgesammt 60 Personen verwickelt, die von Fall zu Fall abgeurtheilt werden.
— Einen chinesischen Offizier als deutscher Gerichtsvollzieher wird wahrscheinlich die Stadt Recklinghauseu erhalten. Der dortige Magistrat hatte die Stelle eines Gerichtsvollziehers ausgeschrieben, und befindet sich unter den Bewerbern ein chinesischer Hauptmann. Der Betreffende war früher Gefreiter der deutschen Armee und noch früher Metzgergeselle. Er ließ sich nach seiner Dienstzeit für China anwerben, um an der Ausbildung der chinesischen Armee mitzuhelfen. In China brächte er es bis zu der erwähnten Charge und nebenher noch zu verschiedenen Auszeichnungen. Vor einiger Zeit ist er in seine deutsche Heimath zurückgekehrt, um da seine Tage als — Vollziehungsbeamler zu beschließen, wenn es glückt.
München, 19. Juni. Die beiden Mitglieder des bayerischen Königshauses, welche die ärztliche Approbation erworben haben und den ärztlichen Beruf ausüben, Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und Herzog Karl Theodor in Bayern sind der „Münchener medizinischen Wochenschrift" zufolge dem Leipziger Verbände der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirthschaftlichen Interessen beigetreten. Der Leipziger Verband setzt sich die Aufgabe, Mittel zu sammeln, die Aerzten zur Verfügung gestellt werden sollen, welche insbesondere mit Krankenkassen um die Erlangung standesgemäßer Verträge zu kämpfen haben. Weiterhin will der Leipziger Verband für den ärztlichen Stand im Allgemeinen eintreten.
Au-land.
Petersburg, 24. Juni. Die Lage in der Mandschurei wird neuerdings als kritisch bezeichnet. Frauen und Kinder haben Charbin sofort zu verlassen. Die Bahnlinie ist an mehreren Stellen zerstört. Die militärischen Befehlshaber erhielten Mittheilung von An- samu^uligen starker Heerhaufen von Mongolen und Mandschus. Zwischen russischen Truppen und Chungusen finden häufig blutige Zusammenstöße statt.
Transvaal. Mit dem Zustand der britischen Truppen in Südafrika muß es recht schlecht bestellt sein, denn die Buren erringen einen Erfolg nach dem anderen. Die reitenden Schützen verloren in ihrer Schlappe bei Water- kloof 10 Todte, 4 Verwundete, 66 Gefangene, während die Buren einen Todten und einen Verwundeten hatten. Das giebt doch zu denken, und noch mehr thun dies die Vorwärtsbewegungen aller bekannten Burenführer gegen die enlischen Hauptstellungen in Pretoria, Bloemfontein und Johannesburg. Die Buren greifen diese Orte noch nicht direkt an. aber die Beunruhigung der Proviant- und Munitionszüge wächst von Tag zu Tag. Die eng- lischen Truppen müssen recht marode sein, daß sie deS unermüdlichen Gegners ganz und gar nicht Herr' werden können und nicht einmal imstande sind, ihn aus der Umgebung von Orten fernzuhalten, in welchen es von Soldaten König Eduard's wimmelt. Sie schwärmen über alle östlichen und westlichen Provinzen und zählen schon 7000 —10,000 Mann. Ein großer Theil der Kolonie ist praktisch in den Händen der Buren. Von Dordrecht südlich bis Willowmore über Kenhardt und selbst bis Na- maqualand ist der Buc im thatsächlichen Besitz der Kolonie.
Kapstadt, 24. Juni. Ueber den Kampf bei Reitz, der in der Wegnahme von De Wets Konvoi gipfelte, liegen nunmehr nähere Mittheilungen vor, aus denen hervorgeht, daß die Engländer den Wagenzug überrumpelten. Die Buren flohen; als sie aber sahen, daß die Zahl der Engländer nur gering war, kehrten sie zurück und griffen mit großer Verve an. Da sie an Zahl überlegen waren, gelang es ihnen, nach verzweifeltem Kampfe die Wagen wieder» zu nehmen. Inzwischen war aber Oberst Delisle mit Verstärkungen eingetroffen. DaS Gefecht begann mit großer Heftigkeit von Neuem. Die Buren lagen unter den Wagen und schaffen unablässig zwischen den Rädern hindurch, während ein Theil ihrer Kameraden schleunigst die von den Engländern weiter entfernt stehenden Wagen bespannte und fortschaffte. Die Engländer sprangen nunmehr zwischen die Stränge und vor die Deichseln der Wagen und machten nach Möglichkeit von dem Bajonette Gebrauch. Geschossen wurde nur auf kürzeste Entfernung. Der Burenkommandant Delarey nahm selbst an dem Gefechte Theil. Neben hm wurde ein Bur getödtet und sein Nachbar auf der anderen Seite verwundet. Schließlich löste sich der Kampf in eine Reihe von Gefechten Mann gegen Mann auf, in deren Verlaufe die Engländer schließlich die Buren zu«