' Oberland und weit über seine Grenzen hin zusammengekommen war! Geopfert wurden für die Ausschmückung unsrer Kirche 34 Mk., für die Berliner Stadtmisston 110 Mk. Der Herr segne Geber und Gaben. — Für den Abend war nach Schlüchtern in den „Deutschen Kaiser" eine Versammlung für Männer und Frauen berufen, die sehr gut besucht war, auf welcher Hofprediger jL-^r-otfcrfcr na dp- -einer herzlichen Begrüßung durch ' Superintendent Orth einen vnrch seine großartige Einfachheit überzeugenden Vortrag über die Bedeutung und die Arbeit der freien kirchlich-sozialen Konferenz hielt. Es schrieben sich daraufhin 35 Männer und Frauen als Mitglieder der Konferenz ein und bestellten die „kirchlich-sozialen Blätter". Dieser schöne Erfolg berechtigt zu der frohen Hoffnung, daß sich bald eine Gruppe der freien kirchlich-sozialen Konferenz auch im Hanauer Land bilden wird. Zu der konstituirenden Versammlung wird demnächst in den Kreisblättern eingeladen werden.
Hanau, 20. Juni. Erschossen hat sich gestern in der Nachmittagsstunde in seiner Wohnung der hier seit einigen Jahren ansässige Rechtsanwalt Ebert, ein junger Mann von 34 Jahren und aus Cassel gebürtig. Der Grund für die That soll, so vermuthet der „Han. Anz.", in ungünstiger Vermögenslage und in Krankheit zu suchen sein. — Die „Han. Ztg." will mehr über den Fall wissen und schreibt: Erschossen hat sich gestern Abend 6 Uhr in seiner Wohnung, Augustastraße, ein hiesiger Rechtsanwalt. Der That soll eine telephonische Unterhaltung mit einem Frankfurter Professor der Medizin, in welcher der nervös angeregte Rechtsanwalt seinen hiesigen Hausarzt markierte, vorausgegangen sein, wobei ihm sein wahrer Zustand bekannt wurde. Der Bedauernswerthe sollte heute einer Heilanstalt überwiesen werden.
Frankfurt, 19. Juni. Gegenüber den Erfolgen, die andere Städte, wie Berlin, Wiesbaden, Karlsruhe u. A. mit der Einführung des Zugesels erzielt haben, und die sich auch hier in Frankfurt erreichen lassen müssen, richtet der hiesige Thierschutzverein heute an die Besitzer von Hundefuhrwerken, die seinem früheren Aufruf nur in sehr geringem Maße entsprochen haben, erneut einen Aufruf, worin er sie auffordert, die Zughunde durch Zugesel zu ersetzen, und sich zu deren Beschaffung unter größtmöglichster Zahlungserleichterung erbietet. — Der Wirth Sator im hiesigen Komposiellhof wurde zu einer Geldstrafe von 400 Mark verurtheilt, weil er den Gästen in Gläsern, in welchen Bierreste gewesen, sowie aus un« gespülten Gläsern verzapfte. Vom Gericht wird dies Vergehen des Sators als ganz gemeingefährlich bezeichnet, da vielleicht Schwindsüchtige aus den Gläsern getrunken. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Monat Gefängniß und 150 Mk. Geldstrafe beantragt. — Gestern Mittag betrat ein Unbekannter eine stark frequentirte Wirthschaft in der Sandgasse und bestellie eine Tasse Kaffee. Während sich die Wirthin auf einen Moment in die Küche begab, trat der Gast hinter das Büffet und öffnete mit einem Dietrich vor den Augen der Gäste die Geldschublade und entnahm derselben HO Mark. Er war schon zur Thür hinaus, als die Gäste erst merkten, was vorgegangen war und dem Gauner nachsetzten, der festgenommen wurde. Mit einer größeren Frechheit wurde noch selten gestohlen.
Frankfurt a. M., 22. Juni. Heute Nacht kurz nach Mitternacht ertappte der Rentier Klein-Hoff in seiner Wohnung, Westendstr. Nr. 21, einen Einbrecher und versuchte denselben festzuhalten. Der Einbrecher zog sein Messer und verletzte Herrn Klein sehr schwer durch viele Messerstiche. Es gelang demselben dann zu entkommen. Die Polizei, welcher dieser Vorfall sofort gemeldet wurde, war die ganze Nacht mit sämmtlichen Mannschaften thätig und es gelang ihr heute früh kurz vor 7 Uhr, den Burschen dingfest zu machen.
Bilbel, 20. Juni. Dem „Gieß. Anz." wird von hier geschrieben: „Der hiesige sozialdemokrattsche Gesang- Verein „Bruderkette" hielt am Sonntag sein Fahnenweihefest ab. An dem Festzug nahmen viele Vereine, im Ganzen etwa 2000 Personen, theil. Laut Umschrift eines voraufgetragenen Schildes befand sich im Zuge auch der Gemeindeausschuß mit dem Bürgermeister an der Spitze. Dr. David aus Mainz hielt die Festrede.
Arheilgeu, 20. Juni. Beim Einladen eines Faselochsen auf dem Bahnhof wurde heute Mittag einer der beiden Metzgcrburschen des Frankfurter Metzgers Quirin von dem wüthend gewordenen Thier auf die Hörner genommen und buchstäblich an die Decke des Wagens gespießt, wobei dem Bedauernswerthen die Eingeweide heraustraten. Aerztliche Hilfe war rasch bei der Hand; der Schwerverletzte wurde in das Darmstädtcr Krankenhaus verbracht.
Ems, 14. Juni. Die Emser Kurverwaltung hat vor einigen Tagen folgende Bekanntmachung erlassen: „Im Interesse des Publikums liegt es, besonders in der trockenen und heißen Jahreszeit, jeder Erzeugung von Staub vorzubeugen. Wenn nun auch durch Besprengen der Straßen und Anlagen nach Möglichkeit dem Entstehen von Staub entgegenzuwirken gesucht wird, so könnte doch der weibliche Theil des Publikums auch seinerseits wesentlich in dieser Hinsicht beitragen, wenn er sich dazu entschließen wollte, ein Schleppenlassen der Kleider im Kurort gänzlich zu vermeiden. Geradezu
genommen sein. Die Einführung einer solchen Ver-. sicherung soll zur Entschädigung der selbständigen Handwerksmeister für die ihnen durch die Jrbettcul>ei|id)er- ungsgesetzgebung auferlegten Lasten sein. Ueber die Einzelheiten des Projektes, namentlich über das Ausbringen der Beiträge ev. der nothwendigen Zuschüsse, verlautet noch nichts bestimmtes.
* _ Auf Antrag des Vorstandes des^an^. lischen ^ir^engefangüere^ in Kassel
1- die Kreisschulinspcktoren und ^Äadtschulinspicienten ermächtigt worden, denjenigen Lehrern, welche an der Versammlung theilzunehmen wünschen, den erforderlichen Urlaub zu ertheilen.
* — Fernsprechwesen. Aufenau, Bieder, Birstcin, Bischofsheim, Bruchköbel, Butterstatt. Kassel (Kreis Gelnhausen), Dörnigherm, Fechenheim, Fischborn, Fulda, Gelnhausen, Hanau, Hauswurz, Hellstein, Hefseldorf, Hintersteinau, Hochstadt, Kempsenbrunn, Langenselbold, Lichenroth, Lieblos, Lohrhaupten,Marköbel, Mittelkalbach, Mittelbuchen, Neuhof, Oberkalbach, Oderndorf, Orb, Ostheim, Roßbach, Roßdorf, Schlierbach, Steinau, Ulm bad), Wachenbuchcn, Wächtersbach, Windecken, Romsthal und Soden (Kreis Schlüchtern) führen nunmehr Sprech- verkehr mit Salmünster.
* — Petroleum- oder Benzinmotor? Für gewisse Interessentenkreise dürften die Erfahrungen von Belang sein, die im Bereich der preußischen Staatseisenbahnverwaltung in der angegebenen Richtung gemacht worden sind. Dieselbe hat gegenwärtig 71 Petroleummotore und 36 Benzinmotore im Gebrauch, die mit wenigen Ausnahmen zur Wasserförderung dienen. Ueber die Erprobung der Motoren äußert sich ein Erlaß des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten an die königlichen Eisenbahndirektionen wie folgt: „Ob eine der beiden Motorarten den Vorzug vor der anderen verdient, läßt sich auf Grund der vorliegenden Erfahrungen nicht völlig sicher entscheiden, weil jährliche Benutzungsdauer, Nutzleistung, Bauart, Herkunft und Alter bei den einzelnen Motoren verschieden und daher die auf die gleiche Arbeitseinheit bezogenen Aufwendungen für Brenn- und Schmier- material, Wartung und Unterhaltung vielfach nicht unmittelbar vergleichbar sind. Immerhin ist ersichtlich, daß Unterschiede von Belang nicht bestehen, vielmehr beide Motorarten ungefähr gleichwertig und bei kleinen und mittleren Wasserstationen im Allgemeinen vortheilhafter als Dampfbetrieb sind."
* — Etwa 500 Kriegervereinsmitglieder und andere Vereinsmitglieder marschierten am Sonntag nach dem festlich geschmückten Breitenbach, um gemeinschaftlich mit dem dortigen Kriegerverein das Fest der Fahnenweihe zu feiern. Wenn der Breitenbacher Verein auch keine 50 Mitglieder zählt, so wurde ihm doch in Anbetracht seiner guten Führung und der geringen Einwohnerzahl die Genehmigung zur Führung der Fahne von hoher Behörde gütigst gestattet. Herr Amtsgerichtssekretär Kohlhepp hielt nach dem schönarrangierten Festzuge die Weiherede in beredter und ansprechender Weise auf Wunsch des Verbands- und Vereins-Vorstandes. 22 Fest Jungfrauen Übergaben dem Redner die Fahne zur Weihe und dieser die letztere den Fahnenerägern mit dem Wunsche, daß die Fahne dem Verein stets ein Mahnzeichcn der Liebe zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland sein möge. Herr Pfarrer Volkenand, ein edler Gönner der Kriegervereine, verherrlichte das Fest durch eine herrliche Rede, durch die er den Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen den Dank des Vereines aus- sprach. Wittwe Müller und Georg Möller verzapften einen guten Schoppen aus der Brauerei Thaler in Schlüchtern und Koch in Hanau. Der Besuch des Festplatzes war Tagsüber ein recht starker.
Hoheuzell, 21. Juni. Die Glocken läuteten und die Straßen hallten wieder von dem jubelnden Hoch der Alten und Jungen, als die Festprediger Hosprediger a. D. Stöcker und Generalsuperintendent Pfeiffer vom Ortspfarrer geleitet in das hell erleuchtete und mit Lampions geschmückte Dorf am Vorabend unseres Kirch- weih- und Missionsfestes einfuhren. Am andern Morgen leuchtete die liebe Sonne über unserem Dorf, das in stillem Frieden dalag, und im Schmucke frischen Waldesgrüns recht festlich dreinschaute. Um 10 Uhr riefen die Glocken zum ersten Gottesdienst, in dem Generalmperin- tendent Pfeiffer an der Hand des Textes Lukas 19,1—10 der Gemeinde drei Mahnungen zum Kirchweihtag zurief: Kommt allzeit heilverlangend hierher ins Gotteshaus um Jesus kennen zu lernen; nehmet den Herrn mit Freuden in Eure Häuser auf und dient dem Herrn nicht mit Worten allein, sondern mit der That und Wahrheit. Der treue Gott erwecke unserm Heiland viele Zachäus- seelen in unsern Gemeinden, die sich recht eifrig an diesem schönen Gottesdienst betheiligt hatten! Am Nachmittag um 3 Uhr predigte Hofprediger a. D. Stöcker vor dem überfüllten Gotteshaus über das Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes, Offenbarung 3, 1—6 und schrieb uns unauslöschlich die ernsten Fragen in Herz und Gewissen : Bist Du lebendig? Wenn nicht, willst Du es werden? Wenn das, wie werden wir es bleiben? Der HErr gebe, daß die Worte dieses großen Zeugen Seines lebenschaffenden Geistes ihre Segensspuren hinterlassen, die sich in Ewigkeit nicht verwischen, bei allen Gliedern -er großen Festgemeinde, die aus dem ganzen Hanauer
geboten erscheint dies aber des Morgens früh be Morgenpromenade auf dem Kurhof. Ein solches Q wie man es im Hinblick auf die derzeit herrschende 3 wohl nennen muß, wird der Frauenwelt vielleich leichtert durch die Bemerkung, daß sich das mäm Publikum zu dieser Tageszeit doch auch die Entsa des Rauchens auferlegen muß. Es bedarf wohl dieses Hinweises, um eine solche Rücksichtnahme allge herbeizuführen. Ein Versagen in der Beziehung tu sonst wahrscheinlich zum Erlaß einer polizeilichen ordnung führen, durch die das Schleppenlassen der Kl unter Strafe verboten wird."
Bad Nauheim, im Juni. Auswärtige Blätter schrei Nauheim ist seit einem Jahre in Aller Munde; in 9 land, Oesterreich, England uud der Schweiz sprach , nicht weniger darüber als in New Dork, St. Louis Chicago. Die Heilkraft seiner Quellen war feit Jahren weltbekannt geworden; zahllose Kranke erw« von den Quellen ihre Genesung mit Recht. Kein Wur deshalb, wenn die frohe Kunde von einem neuen Spr« sich überall hin verbreitete, wenn im April die Nach von einem angeblichen Versiechen einer alten Quelle gi Aufregung hervorrief. Die letzte Nachricht war übertrit und gab dem Eingeweihten weit weniger Grund Beuirruhigung als dem mit den Verhältnissen Unbelannt Die Sachverständigen wußten vorher, daß die Verrohn der neuen Quelle und die schwierigen Arbeiten « Bauten an derselben zeitweilige Störungen oerurfat könnten und haben dieser Gefahr eutgegengesehen; sind ihr durch sofortiges Eingreifen begegnet. Jetzt si die Arbeiten abgeschlossen und die alten wie die m Quelle springen ruhig weiter und werden wieder Tauf« den zur Heilung in diesem Sommer dienen; heute sch, werden 2000 Bäder täglich abgegeben, deren Zahl t 5000 steigen könnte. Der stärkste Verbrauch früh« Jahre war 3000 Bäder am Tag. Ein neues schij» Badehaus ist gebaut, in dem die neue Quelle so günd ' einfließt, daß von jetzt an die Abgabe von Sprudelbäd« bedeutend erleichtert wird; denn nun hat dieser Spriil nur wenige Meter Leitung bis zu den Badewannen; durchfließen; seine Kraft, bisher durch lange und tot 1 plicierte Leitungen zu einem älteren Badehaus nicht jt Ausnutzung gekommen, kann sich jetzt voll entfalte Auch die Kurgäste freuen sich, denn nun sausen in perlenden, schäumenden Wasser ganz anders, weit kräfch als bisher in die Badewannen. Heute wurden z. $ 2691 Bäder gegeben, darunter 830 Sprudel- und Spruhi strombäder. Allgemein ist man der Ansicht, daß fid)ii drei Sprudel noch mehr erholen werden. Die Ursache der Störungen sind wohl darin zu suchen, daß im Fch jähr Aufräumungsarbeiten einer alten Quelle am G°1 Häuschen vorgenommen, und daß beim Bau des Bad» Hauses VII zuviel Grundwaffer dem Erdreich entzog« wurde. Der enorme Stand des Grundwassers ist m wieder erreicht und die Kohlensäure hat sich wieder g» sammelt.
Hersfeld. Die hiesigen „Leidtragenden" der „Proni» theus"-Gesellschaft wird folgende Mittheilung interessiert», die der Vorstand der Vereinigung „Prometheus"-Vm sicherter in Leipzig versendet. Dieselbe lautet: „Da Gesellschaft Prometheus wurde bekanntlich durch Urtljtil des Oberverwaltungsgerichts in Berlin am 3. Novembn v. I. die Konzession entzogen. Jetzt sollen die Unfall' versicherten eine dreißigfache Jahresprämie, die mit Leben- oder Kapitalversicherten fünffache Jahresprämie als Nach- schuß zahlen, trotzdem der Rechenschaftsbericht für 1900 nachweist, daß zum Beispiel im Unfall bei 8000 M Prämieneinnahme nur 4000 Mk. Schäden bezahlt wurden.
Und dabei 597 000 Mk. Nachschuß! (Lebensversicherung 243 000 Mk.!) Jeder, der zum Beispiel mit 50 M Jahresprämie versichert ist, hat 1500 Mk. Nachschub zu leisten. Wer den Nachschuß bis 25. Juni d. J. nicht bezahlt, ist mit sofortiger Klage bedroht. Um solche Klagen unmöglich zu machen, kann jedem Versicherten nur gerathen werden, an die jetzigen Liquidatoren keinen Pfennig mehr zu zahlen, und es auf Klage ankommen zu lassen." Die Leipziger Vereinigung „Prometheus "-Versicherter agitirt seit 2 Jahren gegen diese Wirthschaft und versendet gedruckte, ausführliche Berichte gratis. Adresse: Assistent Pflugbeil, Leipzig-Connewitz, Bornaische Straße 4.
Die Nothlage der Burenfrauen und Kinder.
Das Generalkonsulat des Orange-Freistaates im Haag sendet unter dem 11. Juni 1901 mit der Bitte um Weiterverbreitung einen Brief aus Kapstadt vom 12. Mai l. I. Die Schreiberin, eine angesehene, würdige Dame, ist Kapländerin und Unterthanin des Königs von England. Wir entnehmen ihrem Briefe Folgendes: „Die Lage der Frauen und Kinder in den Gefangenenlagern ist nicht zu beschreiben. Wir sind jetzt in der Regenzeit; es giebt viele Krankheiten, und die armen Pflegerinnen bekommen schlechte Nahrung, sind schlecht gekleidet und haben ungenügendes Unterkommen. Herzlich dankbar sind sie für die Gaben aus Europa. Drei Monate lang habe ich mittelst meiner Freundin Frau . . . und unseres Komitees dringend bitten müssen, ehe wir einen offenen Eisenbahnwagen nach Johannesburg bekommen konnten, und zwar nur für Kleider, nicht für Lebensmittel. Jetzt habe ich 18 Kisten mit verschiedenen Sachen und kann nichts weiterschicken, und von allen Kisten mit KleidungS-