MchtmwMlng
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 48.
Deutsches Reich.
Berlin. Kaiser Wilhelm gedenkt am 17. Juni in Ham- durg einzutreffen, von wo er mit Depeschenboot „Sleipner" nach Kuxhaven fährt, um alsdann auf seiner Jacht ^.Hohenzollern" Wohnung zu nehmen. An der geplanten Elbregatta wird der Monarch auf der Kreuzeryacht »Jdnna" mit der Kaiserin theilnehmen. Am 19. beabsichtigt Se. Majestät durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal die Weiterfahrt nach Kiel zur Theilnahme an der Kieler Woche anzutreten. — Am 27. Juni will der Kaiser die westpreußische Festung Thorn besuchen.
— Der Bremer Vorfall ist jüngst von dem General v. Spitz bekanntlich gewaltig aufgebauscht worden. Wl? jetzt der „Berl. Mont.-Ztg." aus der Umgebung des Kaisers mitzetheilt wird, hat der Kaiser in den letzten Tagen über die Art, in der Herr v. Spitz das Vor- lommniß schilderte, sich recht unwillig geäußert.
— Die Rückkehr der Grafen Waldersee, der sich gegenwärtig beim Kaiser von Japan in Tokio befindet, widmet die „Voss. Ztg." einen Artikel, in dem sie vor Ueberschwänglichkeiten warnt, wie sie beim Auszuge des Grafen nach China vielfach zu beobachten gewesen seien Fast scheine es aber, als würden schon die Vorbereitungen getroffen, damit der Triumphzug bei der Rückkehr sich noch rauschender gestalte als bei der Ausfahrt. Sieht man doch schon letzt Schilderungen von der Thätigkeit des Grafen Waldersee, daß man meinen sollte, neben ihm seien Bismarck als Diplomat und Moltke als Feldherr nur Stümper gewesen. Daß „Graf" Waldersee als .Fürst" zurückkehren werde, ist längst vorausgesagt worden. Graf Waldersee hatte eine schwierige Aufgabe! zu lösen und er hat seine Schuldigkeit gethan; aber es wäre schlimm um das Urtheil der Nation bestellt, wenn sie die Thaten, die ihm zu verrichten vergönnt war, den Siegen von Königgrätz und Sedan gleichwerthig er- achtete. Für die Darbietung begeisterter Ovationen beim Rückzug fehlt es an allen Voraussetzungen; und Begeisterung ist eine Waare, die man für wichtigere Gelegenheiten aufsparen muß, als für die Heimkehr eines Feldherrn, dem es nicht gestattet war, Heldenthaten zu verrichten.
— Ueberspannte Köpfe. Die moderne Frauenbewegung hat vieles Berechtigte an fid). Leider thuen die sogenannten Führerinnen dieser Frauenrechtlerbewegung alles Mögliche, um die Sache, der sie angeblich dienen wollen, ins Lächerliche zu ziehen oder gar verhaßt zu machen. Dazu trägt sehr viel die alberne Sucht bei, sich in alle, aber auch alle Dinge einzumischen; und jetzt ist sogar der China-Feldzug zum Gegenstände einer Kundgebung von dreien dieser sogenannten Frauenrechtlerinnen gemacht worden. Was geht der Chinafeldzug die Frauenrechte an? In China sollen angeblich chinesische Frauen massenhaft der Rohheit deutscher Soldaten zum Opfer gefallen sein, und so haben sich drei dieser Damen berufen gefühlt, den preußischen Kriegsminister in einer besonderen Eingabe darum zu ersuchen, „auf Grund genauester Nachforschung entweder das tief er- schütterte Zutrauen weiter Bevölkerungskreise zu der Haltung unserer Truppen wieder herzustellen, oder die etwa begangenen Verbrechen durch strengste Ahndung zu sühnen". Die berühmten Hunnenbriefe spuken augenscheinlich in den Köpfen der drei geehrten Damen, deren Namen zu ihrer größeren Ehre nicht vergessen werden dürfen Es sind Fräulein Dr. Anita Augsburg, Frau Minna Cauer und Fräulein Lina Gustav-Heymann, die sich berechtigt halten, den deutschen Söhnen, die sich soeben zur Heimkehr aus China nach Deutschland anschicken, „Brutalität und Ehrlosigkeit" vorzuwerfen Sie warnen vor den deutschen Soldaten, die aus China zurückkehren, als vor Menschen, die wegen ihrer Schaud- thaten gegen das weibliche Geschlecht ins Zuchthaus gehören sollen, ohne auch nur einen Augenblick darüber nachzudenken. daß derartige Rohheiten, wenn sie in China begangen wurden, doch nicht gerade von den deutschen Soldaten begangen zu sein brauchen. Außerdem ist es tine wundersame Auffassung von den Einrichtungen bei bet deutschen Heeresverwaltung, daß diese erst von den brei genannten Damen auf irre Pflicht aufmerksam gemacht werden müßte. Die sogenannten Hunnenbriefe haben fid) fast durchweg als Schwindel erwiesen, und außerdem weiß man ganz genau aus bestimmten Einzelfällen, daß Unter den deutschen Soldaten in China stets allerstrengste Feldjustiz geübt worden ist. Wenn der preußische Kriegs- Muster den Damen ein recht kräftiges Licht aufsteckt in
Samstag, den 15. Juni 1901.
seinem Bescheide, wird er die überwältigende Mehrheit des Volkes auf seiner Seite haben.
— Wie die „Berl. N.' Nachr." erfahren, läßt der p-eußische Fiskus in den Bezirken Münster und Osnabrück durch private Gesellschaften nach Kohle bohren. — In Ebersdorf bei Chemnitz sind große Steinkohlenfelder erbohrt worden, welche einen Bezirk von 7 Dörfern umfassen.
* — Die zu erwartende schlechte Ernte macht sich bereits in einer erheblichen Steigerung der Getreide- und Futterpreise bemerkbar. Besonders auffällig ist diese in Bromberg, wo sich die Vorauswirkung der zu erwartenden schlechten Ernte am ersten und meisten bemerkbar macht. Der Weizen ist dort um 15 Mk. für 100 Kg., der Roggen um 7, die Gerste um 10, der Hafer um 12 Mk. gestiegen; das Stroh zeigt eine Preissteigerung um 36,7, das Heu eine solche um 40,3 Mk.
— Vom Petroleummonopol in Deutschland. Zu der in letzter Zeit öfter beleuchteten Praxis der Deutsch- Amerikanischen Petroleumgesellschaft liefert der diesmalige Wochenbericht der Hamburger Kommissionsfirma Scheffer & Drascher einen neuen interessanten Beitrag. In dem Berichte heißt es: „Letzthin hat die Deutsch- Amerikanische Petroleum-Gesellschaft sowie die übrigen Importeure von amerikanischem Petroleum ihre Forderungen für Petroleum um 50 Pfg. erhöht. Eigentlich hätten aber die Gesellschaften ihre Forderungen um 20 Pfg. ermäßigen müssen, da die Preise in Amerika zurückgegangen sind und daher drüben der Bedarf entsprechend billiger einzudecken war. Seit 14 Tagen haben die Importeure die Parität um 70 Pfg. zu ihren Gunsten verschoben, und, wie die Verhältnisse nun einmal liegen, ist mit ziemlicher Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß sie dieses Aufgeld nicht nur festhalten, sondern zu ihren Gunsten eventuell noch weiter erhöhen werden. Da Deutschland von amerikanischem Petroleum jährlich ca. 15 000 000 Ctr. importiert, so repräsentirt die unberechtigte Erhöhung des Preises um 70 Pfg. einen Jahresbetrag von 10 OUO 000 Mk. Vor zwei Jahren hat die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft circa 70 pCt. Dividende gegeben, aber im vorigen Jahre offiziell nur ca. 30 pCt. Dieses genügt den Herren natürlich nicht, und wenn keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, so wird die Gesellschaft in diesem Jahre sehr gut 100 pCt. vertheilen können." Mit Bezug auf die Einstellung der Petroleumnotirungen in Bremen heißt es dann weiter: Ander Bremer Petroleum börse werden seit einigen Tagen keine Petroleumnotir- ungen mehr festgestellt, weil die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft und die damit zusammenhängende Mannheim Bremer Petroleumaktiengesellschaft kein Oel an die Händler am Platze abgeben. Da die preußischen Eisenbahn- und sonstigen Verwaltungen stets in der Weise ihre Petroleumabschlüsse machen, daß der Preis für die bezogene Waare im Verhältniß zu der Bremer Wochendurchschnittsnotiz berechnet wird, eine Notirung in Bremen jedoch nicht mehr stattfindet, so ist Hoffnung vorhanden, daß die Regierung aus ihrer „Nachsicht , welche sie in Bezug auf die unhaltbaren Zustände im Petroleumhandel bisher an den Tag gelegt hat, aufgerüttelt wird. Da in der letzten Zeit in Texas und auch in anderen Gegenden große und außerordentlich ergiebige Oelfelder erschlossen sind, so bietet sich gerade jetzt Gelegenheit, die Fesseln der Standard Ost Company und deren wenigen deutschen Helfershelfer abzuschütteln. indem durch geeignete Gesetze die Entstehung von Raffi nerien in Deutschland ermöglicht wird. Rohöl giebt es zur Zeit genug, und die Verhältnisse in Frankreich, wo sämmtliches Leuchtöl ebenfalls durch Raffinerien im Lande bet gestellt wird, zeigen, daß die Sache praktisch möglich ist.
— Der deutsche Flottenverein ein politischer Verein. Der deutsche Flottenverein ist nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgericht in Berlin als ein politischer Verein anzusehen und verpflichtet, Statuten, Mitglicder- verzcichniß und jede Aenderung binnen drei Tagen der Ortspolizeibehörde zur Kenntnißnahme einzureichen. Das Gleiche gilt von allen Vereinen, die seine Statuten als die ihrigen angenommen oder sich zu denselben bekannt haben.
— Die Auswanderung nach Amerika ist noch nie mals den Deutschen zu empfehlen gewesen; in neuerer Zeit ist sie aber ganz und gar nicht zu empfehlen. Das, geht wiederum recht deutlich hervor aus einem Berichte/
52. Jahrgang.
den der deutsche Konsul in Cincinnati für das Jahr 1900 an das Reichsamt des Innern erstattet hat. „In diesem Jahre fanden, dem Berichte zufolge, kräftige junge deutsche Handwerker und Arbeiter in den meisten Fällen ohne Schwierigkeit Beschä'tiguug, sie arbeiteten aber nicht selten aus Unkenntniß der Verhältnisse für sehr niedrige Löhne, und es wurden ihnen häufig einheimische Handwerker und Arbeiter vorgezogen. Aeltere deutsche Einwanderer konnten, wenn überhaupt, nur mit Mühe und langem Suchen ein Unterkommen finden . . . Für deutsche Einwanderer, die den gebildeten Ständen angehörten und harte Arbeit nicht verrichten konnten, gestaltete sich die Lage bald zu einer verzweifelten . . . Die Zeiten sind vorüber, in denen die Einwanderer gute Aussicht hatten auf die Erreichung eines gewissen Wohl, standes. In Folge der Dichtigkeit der Bevölkerung sind alle Berufsarten überfüllt, der Wettkampf ist äußerst scharf und die Eröffnung eines selbstständigen Geschäftes erfordert große Geldmittel."
Bremen. Ueber die sogenannte Ueberfischung (Abnahme des Fischrerchthums) der Nordsee ist, so wird der „Weserztg" geschrieben, bereits vor Jahren berichtet worden. Von den Fischereigesellschaften, welche mit Dampfschiffen den Fang betreiben, wurde jedoch stets diese Thatsache in Abrede gestellt. Jetzt läßt sich wohl nicht mehr ableugnen, daß der Fischbestand der Nordsee rapide abnimmt, wozu die baumlosen Schleppnetze ihr gutes Theil beitrugen, welche seinerzeit auf dem Schiffe „Matador" erste Erfolge hatten. In Norderney sind die Fischer in die Nothlage versetzt, ihre Schaluppen zu jedem Preise zu verkaufen, da von dort der Fang nicht mehr rentirt; kürzlich wurde eine Schaluppe in gutem Zustande zu 500 Mark verkauft; einige Schaluppen, welche zum Fange auf See gingen, hatten einen geringen Fang sehr kleiner Schellfische. Auf den Fifuchampfern zeigt die Abnahme der Größe gefangener Fische genügend deutlich die Abnahme des Fischbestandes der Nordsee. Der Schwerpunkt der deutschen Dampferfischerei liegt jetzt in der Fischerei bei Island. Da jedoch der Fang bei Island nur dann genügende Erfolge hat, wenn das Netz innerhalb der dänischen Territorialgrenze ausgesetzt wird, so liegt bte große Gefahr vor, daß durch genügende dänische Ucberwachungsschiffe die deutsche Jslandfischerei so ziemlich unmöglich gemacht werden wird, und was dann? Da England, Norwegen und Dänemark den Fischgründen näher liegen, als Deutschland, so wird solchen Ländern eine größere Ausbeute des Fanges der Seefische in Aussicht stehen, als Deutschland, zumal, da jetzt Norwegen Erfolge mit Petroleummotorschiff.n hatte und dazu übergeben wird, anstatt seine Fischdampferflotte zu vergrößern, sein Segelfahrzeuge in Motorschiffe zu ändern.
Die Gefährlichkeit der Oberleitungen der elekteischeu Straßenbahnen, welche sehr häufig durch das Reißen der Leitungsdrähte vor Augen geführt wird, wird durch einen eigenartigen Unfall, der sich in Dresden ereignete, weiter bestätigt. An der Eisenbahnunterführung am Bischofswege sind die Pferde eines Rollwagens getödtet und die Ladung theilweise verbrannt. Einige mit Tafelg(ps gefüllte Kisten waren in bekannter Weise mittels Ketten auf dem Wagen befestigt. Die Ketten kamen unter der Brücke mit dem an dieser Stelle tiefer als im freien Straßenraum liegenden Stromzuführungsdraht in Berührung Der etwa 50 > Volt starke Strom ging sofort auf den Wagen und die mit eisernen Ketten an demselben gespannten Pferde über. Diese wurden sofort getödtet und der Wagen in Brand gesetzt. Der Kutscher entging dem sicheren Tode nur aus dem Grunde, weil er, anstatt auf dem Wagen zu sitzen, neben demselben herging. Der Brand wurde durch die herbeigeeilte Feuerwehr gelöscht und die todten Pferde mit eigener Lebensgefahr aus dem Stromkreis losgelöst. Letztere Arbeit wurde durch den Apparat zur Herbeiführung künstlichen Kurzschlusses erleichtert. Hierbei wird eine Kupfesplatte zwischen den Leitungsdraht und eine Bahnschiene eingeschaltet. — Die vielfachen Bahnunterführungen Berlins, welche die Straßenbahnen durchfahren, bilden also eine stete Gefahr fürs Leben von Menschen, sowie für darunter durchgeführte Güter.
Ausland.
London, 10. Juni. Mrs. Bothas Ankunft 'giebt trotz all ihrer positiven Weigerungen, etwas über ihre angebliche Mission zu sagen, den englischen Blättern An?