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länglicher Deportation bestraft werden würden, dürfte eine heilsame Wirkung haben, da es bekannt sei, daß mehrere Burenführer in ihrer Haltung schwankend sind." Die Buren werden sich zwar auch durch diesen Ukas nicht in ihrem Widerstände beirren lassen, der Kleinkrieg aber würde zur Menschenlächterei ausarten, wollten die Buren mit Gegenmaßregeln antworten.

Spanien. Das arme, schöne Land südlich der Pyre­näen wird neuerdings wieder von schlimmen Gästen heimgesucht. Kolossale Schwärme von Heuschrecken sind eingefallen und verwüsten die getreidereichen Gegenden der Mancha in furchtbarster Weise. Wie schrecklich ein solcher Angriff von Millionen dieser gefürchteten Insekten ist, zeigt die Schilderung, die ein Telegramm desBerl. Lok-Anz." übermittelt. Danach bedeckten an vielen Orten die Insekten die Schienen der Eisenbahn fußhoch, so daß die Züge aufgehalten wurden, indem die Räder in der breiigen Masse zermalmter Heuschrecken sich drehten, ohne vorwärts zu kommen. Ein großes Aufgebot von Soldaten soll abrücken, um die Plage zu bekämpfen.

New-Aork, 5. Juni. Die Einwanderung Schwind­süchtiger in die Vereinigten Staaten von Nordamerika ist nunmehr verboten.

China. Privattelegramme aus Peking besagen, daß die Situation daselbst durchaus keine zuversichtliche sei. Man könne kaum einen Menschen, der die chinesischen Verhältnisse kenne, finden, der nicht sicher erwarte, daß es in allernächster Zeit zu ernsten Unruhen kommen werde. Dieselben würden jedenfalls sofort beginnen, wenn die Truppen abgegangen seien. Dann würden die wirklichen Schwierigkeiten erst beginnen. Es scheine, daß man für die Zukunft ganz bestimmt damit rechnen müsse, daß es zwischen den Truppen der verschiedenen Mächte noch zu ernsten Zusammenstößen kommen werde. Die Nach richt, daß die Feuerbrunst in der verbotenen Stadt zu Peking durch Blitzschlag entstanden sei, wird angezweifelt und behauptet, Kaiser Kwangsü habe den Befehl ertheilt, alle Akten sämmtlicher Departements in Peking zu zer­stören. Da vornehmlich Akten, durch den jüngsten Brand zerstört wurden, so sei ein Zufall unwahr­scheinlich. Der italienische Gesandte erhielt die Mit­theilung von einem italienischen Priester in Schayfi, daß Pater Bearmin und vierzehn andere Priester in Ning- tiolang in der südlichen Mongolei ermordet wurden. Sie gehören zu der Mission, die kürzlich in Gefahr durch Rebellen unter Prinz Tuan schwebte. Alle männlichen chinesischen Christen wurden mit den Priestern ermordet, die Weiber sollen nach der Mongolei gebracht werden, um für die Truppen von Prinz Tuan und Tungfuhsiang zu arbeiten, die jetzt in Iulin in Nord-Schayfi stehen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächter«, 11. Juni.

* Herr Gerichtsassessor Hadermann ist zum Amtsrichter ernannt worden und übernimmt ab 1. Juli cr. die Richterstelle beim Amtsgericht in Schwarzenfels.

* Lehrer Klassert, bisher in Sannerz, wurde als erster Lehrer nach Oberrodenbach bei Hanau versetzt.

* Eine Erscheinung, die in den verflossenen Jahren wenig oder gar nicht beachtet wurde, macht sich in diesem Frühling zum ersten Mal wieder stärker bemerkbar, das Wandern der Handwerksgesellen. Ob die Wanderlust neu erwacht ist, ob es die seit vorigem Herbst eingetretene Geschäftsflaue ausmacht, jedenfalls marschieren wieder erheblich mehr ehrliche und rechte Handwerksburschen durchs deutsche Vaterland, als sonst im verflossenen Jahrzehnt. So wenig die Stromer, die an ihremKupfer- zinken", heruntergekommenen Aeußeren und frechen Gesicht unschwer zu erkennen sind, eine Förderung verdienen, so gern sollte man doch einem nach alter Art auf Schulters Rappen reisende» Gesellen unter die Arme greifen. Der hat sich ein Herz und einen Blick für die schöne Gottes­welt bewahrt, und wenn einmal das Geld knapp wird, das passirt den besten Leuten. Und daß sie sich in der Welt umsehen, unsere Handwerksburschen, auch einmal über die Reichsgrenzen hinaus, das schadet gar nichts, macht im Gegentheil den Kopf klar. Wer sieht, wie es wirklich in der Welt zugeht, der hält am leichtesten sich von allen Illusionen fern.

Bom Vogelsberg, 3. Juni. Die seitherigen Ge­witter-Regen sind der Sommerfrucht noch sehr zu Hilfe gekommen, doch wird dieselbe wohl bei dieser anhaltenden Trockenheit etwas kurz bleiben. Die Wintersaat steht ziemlich gut, der Roggen steht in der Blüthe in den Ge­markungen Bermuthshain, Grebenhain usw. Auch die Wiesen haben ziemlich Grasansatz und man hofft auf eine gute Heuernte. Gestern unternahmen einige in Grebenhain am Bahnhofsgebäude beschäftigte Fuldaer Maurer eine Spazierfahrt. Abends zurückgekommen in bester Stimmung, verübten sie allerhand Unfug. Einer schoß aus seiner Wohnung mehrere Male mit einem Revolver. Ferner geriethen mehrere mit einem hiesigen Burschen wegen dessen Fahrrad in Streit. Ein anderer Maurer, Jakob Stock, aus Orb gebürtig, wurde heute Morgen früh hier verhaftet und durch die hiesige Gen­darmerie nach Herbstein in das Gefängniß gebracht. Wie aus sicherer Quelle verlautet, so soll sich der flüchtig gegangene Buchdrucker und Redakteur desVogelsberger Boten aus Gedern seither bei Verwandten in Frankfurt a. M. aufgehalten haben und in Höchst a. M. auf­gegriffen und in das Gefängniß nach Gießen verbracht

worden sein. Es soll auf Unwahrheit beruhen, daß er sich freiwillig dem Gericht gestellt hat.

Büdingen, 5. Juni. Das hiesige Gymnasium feiert in den Tagen vom 4. bis 7. August das Fest seines 300 jährigen Bestehens. In Büdingen starb am 3. Juni der Großh. Forstmeister i. P. Leo im 74. Lebensjahr. Der Verstorbene war von 18681880 Großh. Oberförster der Großh. Oberförsterei Grebenhain.

Langendiebach, 5. Juni. Aus telegraphischen Haft­befehl wurde heute von dem Bezirsgendarm hier ein von dem Landwirth B vor einigen Tagen aus der Herberge zu Hanau als Knecht angeworbener Bursche festgenommen und dem Amtsgerichtsgefängniß Langenselbold überliefert, weil begründeter Verdacht vorliegt, daß derselbe iu Marjoß im Kreise Schlächtern gelegentlich 500 Mk. in Rumä nischen Staatspapieren entwendet habe. Der Bursche war auf dem Felde beschäftigt und als er bei seiner Rückkehr des Gendarmen in der Nähe des Hauses seiner Herrschaft ansichtig wurde, ergriff er, offenbar nichts Gutes ahnend, die Flucht und versteckte sich, da er keinen anderen Ausweg hatte, in der Scheune seiner Herrschaft in einem aufgestapelten Strohseilhausen, wo er natürlich alsbald aufgestövert wurde. Die demnächst nach dem Diebstahlsobjekt abgehaltene Durchsuchung der geringen Effekten des Verhafteten waren erfolglos. Anscheinend hat der saubere Kunde die Werthstücke umgesetzt oder sonst in Sicherheit gebracht. Man sieht aus diesem Vorfall wieder, auf was für Kräfte unsere Landwirthe heutzutage leider angewiesen sind.

Cassel, 7. Juni. Ein ehemaliger kurhessischer Offizier, Oberst und Regimentskommandeur Georg Wilhelm Stamm in Goldap, wurde zum Generalmajor und Kommandeur der 2. Infanterie - Brigade in Gumbinnen ernannt. General Stamm, welcher seine sehr ehrenvolle militärische Laufbahn als Leutnant im hessischen Schützenbataillon begonnen hat, ist gebürtig aus Spangenberg und ein Sohn des in Rotenburg a. F. verstorbenen Rechtsan­walts Stamm.

Cassel, 8. Juni. In der Revisionsinstanz verur- theilte heute das Oberkriegsgericht den Vizewachtmeister Vollmer von der 6. fahrenden Batterie des 11. Artillerie- regiments wegen Mißhandlui g Untergebener, vorschrifts­widrige Behandlung derselben, Anstiftung Untergebener zu Mißhandlung von Kameraden sowie wegen Abhaltung von der Beschwerdeführung zu 7 Monaten Gefängniß. Rotenburg a. F., 6. Juni. Der 13. Hess. Feuer­wehrtag findet am 6 7. und 8. Juli d. J. hier statt. Zu demselben entsenden sämmtliche Feuerwehren des Reg.-Bez. Cassel ihre Delegirten, sodaß die Zahl der zu erwartenden Gäste wohl an 500 betragen wird.

Bebra, 6. Juni. Heute Nachmittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof ein Eisenbahnunglück. Der hier 6,30 Uhr fällige Berlin Casseler Schnellzug fuhr auf einen Rangirzug in demselben Augenblick auf, als dieser auf ein anderes Gleis übergesetzt werden sollte, so daß die beiden letzten Wagen des Rangirzuges erfaßt und zertrümmert wurden. Die Passagiere des Schnell­zuges kamen zum Glück mit dem Schrecken davon, nur einige erhielten unbedeutende Verletzungen; so wurde eine Frau aus W-nterode gegen die Wand ihres Abtheils geschleudert und verletzte sich derartig am Kopf, daß sie ohnmächtig aus dem Wagen getragen werden mußte, i Der Bahnarzt Dr. Triebenstein war sofort zur Stelle. Der entstandene Materialschaden ist bedeutend Das Unglück ist durch den Führer des Schnellzuges verschuldet, der in den Bahnhof einfuhr, obgleich die Einfahrt nicht freigegeben war. Wie Kasseler Geschäftsleute, die eben­falls in dem verunglückten Schnellzuge saßen, mittheilen, hatte der Zug anscheinend eine Verspätung einzuholen und er fuhr mit übertriebener Geschwindigkeit, jodaß man das Gefühl hatte, es müsse noch etwas passiven Auch wurde es getadelt, daß der Schnellzug den langen Tunnel bei Höneburg völlig im Dunkeln durchfuhr. Am selben Tage war von dem Berlin-Baseler D Zuge Mittags bei Herleshausen zwischen Eisenach und Bebra der Packwagen entgleist, wodurch eine Geleissperrung entstand und Zugverspätungen nach beiden Richtungen hin erfolgten. Hierdurch entstanden naturgemäß Störungen in den Kreuzungen und Anschlüssen rc. Daß das Un­glück so über alles Erwarten glücklich ablief, ist nament­lich den Umständen zu danken, daß die Kuppelung des Personenzuges zerriß, der Zug in zwei Theile geschnitten wurde und der anrennende Güterzug den Widerstand nicht mehr fand, als es sonst der Fall gewesen wäre. Genau auf derselben Stelle hätte um ein Haar ver­gangene Nacht ein zweites, nicht minder folgenschweres Unglück stattgefunden. Der hier 1,36 Uhr Nachts fällige Schnellzug Eger-Cassel wäre nämlich beinahe auf einen in demselben Geleise haltenden Güterzug abgefahren, wenn nicht der dienstthuende Weichensteller noch recht­zeitig die große Gefahr wahrgenommen hätte. Durch sein Winken mit der Laterne gelang es, den Schnellzug zum Stehen zu bringen ehe er auf den Güterzug auffuhr, wodurch großes Unglück verhütet wurde. Durch einen Defekt an der Signalstauge war nämlich die Einfahrt nach außen freigegeben, während vom Bahnhof aus die Strecke gesperrt schien. So wird wohl auch das gestrige Unglück durch ein Zusammentreffen von unglück­lichen Zufällen hervorgermen worden sein.

Dreihausen (Kreis Marburg), 8. Juni. Dieser Tage weilten verschiedene Interessenten hier, um die großen

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Thon- und Basaltlager, sowie die Fundstellen Braunkohlen, Eisen- und Lungsteinen zu besichti Man glaubt, daß in absehbarer Zeit größere Fabrikn Ausbeutung der reichen Schätze hierselbst erstehen wer!

Die Ladung eines Reichspostdampfers.

Es bürste wenig bekannt sein, wie umfangreich u| mannigfach zusammengesetzt die Ladung moderner Riese« dampfer ist, besonders der Reichspostdampfer des Nord deutschen Lloyd, der Hamburg-Amerika Linie und de Deutschen Ostafrika Linie, die vorzugsweise werthvollei Judustrieartikel und nur wenig Massengüter beförder«

Die Art der Waaren, die ein von Deutschland aus gehender Reichspostdampfer an Bord hat, ist ungehem vielfältig; die Ladung besteht aus mehr als 100 ver schiedenen Artikeln, und doch ist die Zusammensetzung derselben auf Grund der bestehenden Handelsbeziehungei auf derselben Linie von Rei>e zu Reise fast die gleiche

Einen wesentlichen Bestandtheil her Ladung eint« Reichspostdampfers des Norddeutschen Lloyd nach Australier bilden z. B. Draht, Nägel und Eisenwaaren aller Ar Allein über 7600 Rollen Draht und 1200 bis 130 Kisten oder Fässer Nägel im Gewicht von 650 000 Kilo

gramm befinden sich zuweilen an Bord; daneben noch über 1100 Kisten Eisen- und Metallwaaren, 900 Kiste Nähmaschinen, 500 Kisten andere Maschinen uu Apparate, ferner Eisenbahnschienen, Bandeisen, Eisenblech und dergleichen.

Ein weiterer wichtiger Ausfuhrartikel nach Australien ist der Cement. Hiervon gehen oft mehr als 4000 Fasst mit einem Dampfer.

Ferner bildet Papier einen bedeutenden Exportartikel Bis zu 900 Ballen Papier, dazu noch eine ansehnlich, Anzahl Ballen Pappe und 200 bis 300 Kisten Papier- waaren werden mit Leichtigkeit befördert.

Dann folgen chemische Produkte, die zuweilen in einer Anzahl von 1800 Colli Vorkommen, in Kisten, Fässm oder Säcken verladen. Unter den Drogen und Chemi­kalien aller Art spielt besonders der Weinstein eine Rolle, von dem 300 bis 400 Fässer häufig verladen werde«, Neben den Chemikalien finden sich noch 800 Fasst Farben aller Art und 100 Kisten Anilinfarben vor Hierher zu rechnen wären auch noch 1000 Kisten Zünd­hölzer und 1600 Kisten Reisstärke.

In großer Menge gehen Pianos regelmäßig na4 Australien. Mehr als 300 Klaviere und außerdem noch 100 Kisten andere Musikinstrumente, Accordeons rc, werden meist in Bremerhaven verladen.

Außer den Musikinstrumenten kommen noch 600 bis 700 Kisten Spielwaaren zur Versendung.

Auch Manufakturwaaren aller Art, besonders Strumys- waaren, bilden einen großen Theil der Ladung. 500 Kisten kommen in Bremerhaven, 150 bis 200 Kisten in Antwerpen an Bord, unter letzteren viele Corsets.

Holzwaaren jeder Art, darunter große Posten Gold- leisten und Möbel, ferner Glaswaaren und leere Flasche« sind auch mit je 300 bis 400 Kisten vertreten.

In bedeutendem Umfang versendet außerdem Belgie« Fensterglas, wovon 1700 Colli und mehr mit einem Dvmpfer nach Australien geschickt werden.

Regelmäßig gehen große Sendungen deutschen BiereS nach Australien, gewöhnlich mehr als 1000 Kisten und daneben noch 100 oder mehr Fässer.

Ständige Versandartikel nach Australien bilden ferner Zucker und flüssige Kohlensäure in eisernen Flaschen, Von letzterer befördert ein Reichspostdampfer über 200 Stück.

Ganz besonders viel verschickt wird condensirte Milch, oft mehr als 6500 Kisten, von denen der größere Theil allerdings erst in Antwerp n und Genua an Bord kommt Conserven, Wein und Liköre machen ebenfalls einen beträchtlichen Theil der Ladung aus. Von Bremerhaven kommen etwa 150 Kisten Conserven und 200 Kisten Wein und Liköre, von Antwerpen 1200 Kisten Wein und Champagner und 500 Kisten holländischer Genever. Ueber Genua kommt dazu noch ein sehr ansehnliches Quantum italienischer Früchte, namentlich Rosinen, Fei­gen und Mandeln, sowie einige Hundert Platten Marmor.

Nachdem dann auch in Neapel noch einige Hunder! Colli Südfrüchte und kleinere Mengen Marmor zu der Ladung hinzugekommen, je nach dem noch frei gebliebenen Raum, ist der Dampfer mit geringen Ausnahmen ganz voll beladen.

Wenn dann in Port Said, dem letzten wichtige" Kohlenplatz vor dem Suez-Kanal, noch der Kohlenvor- rath bis auf 1800 bis 2000 Tonnen ergänzt ist, so ist gewöhnlich die höchste zulässige Grenze der Beladung erreicht, um ohne Gefahr für das Schiff den Kanal z" passieren. Ueber einen gewissen Tiefgang darf der Kanast Passage wegen naturgemäß nicht hinausgegangen werden- Wie große Quantitäten die bekannten Barbarossa' dampfer des Norddeutschen Lloyd auf einer Reise nach Australien zu befördern vermögen, zeigt am Besten die große Anzahl der verladenen Colli; dieselbe erreicht die stattliche Höhe von 72 000 und mehr Stück an Kiste"- Fässern, Ballen, Säcken oder dergleichen.

Das Gewicht dieser Ladung beträgt mehr als 5000 Tonnen zu je 1000 Kilogramm.

Hierzu kommt das Gewicht der an Bord befindliche" Kohlen, der Proviantvorrath für 200 Passagiere und 185 Mann Besatzung und die für die SchiffsausrüstN^