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U 46. Samstag, den 8. Juni 1901. 52. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
Berlin. Ueber die Reisepläne des Kaisers ist noch D endgültiger Beschluß gefaßt. Deshalb sind es nur Bestimmte Gerüchte, wenn es heißt, der Kaiser werde Mens Reisen nach Rußland, England oder nach Ingarn vornehmen.
— Dem hannoverschen Männer Gesangverein ist aus lnlaß seines fünfzigjährigen Jubiläums vom Kaiser ein Lenbach-Porträt mit eigenhändiger Widmung zu- gsandt worden.
— Graf Waldersee hat am 3. Juni von Taku aus mf der „Hertha" die Heimreise angetreten. Daß der Kmeralfeldmarschall China nun endgültig den Rücken gekehrt hat, erfüllt jeden Deutschen mit hoher Genug- huung.
— Maßregeln zur Milderung des Ernteausfalls. )n einer Eingabe, welche der Vorsitzende der ständigen Kommission des preußischen Landcsökonomiekollegiums, Araf von Schwerin-Löwitz, an das Ministerium richtet, »erben um den zu erwartenden Schaden möglichst aus- zugleichen, die folgenden Hilfsmittel als geeignet vorge- schlagen: 1. Bewilligung wesentlicher Baarmittel zu Be- sihasfung von Saatgetreide, Futtermittel, Streumaterial u. j, w. an die Landwirthschaftskammern zur Vertheilung an kleine Landwirthe, welche nachgewiesenermaßeu durch dir Ungunst der Witterungsverhältnisse so geschädigt sind, daß sie in ihrer Existenz gefährdet erscheinen. 2. Gewährung von Nothstandsdarlehen zu billigem Zinsfüße mit längerer Rückzahlungsfrist durch die Preußische Lentralgenossenschaftskasse bezw. durch andere öffentliche Geldinstitute, wie Kreis-Sparkassen u. s. w. 3. Wesentliche Herabsetzung der Eisenbahntarife für den Bezug landwirthschaftlicherBedarfsartikel, wie Futtermehl, Dünge- wittel, Saatgetreide, Streumaterial und Brennmaterial. 4. Herabsetzung der Eisenbahntarife für Vieh. 5. Abgabe von Waldstreu und Waldweide gegen geringes Entgelt. 6. Stundung der Rentenzahlungen für das jjahr 1901, Stundung der Deichlasten u. s. w. 7. Anweisung an sämmtliche Proviantämter zum Ankauf größerer Hafermengen in diesem Jahre. 8. Freihändige Hergabe von Roggen und Kleie seitens der Proviantämter zu Marktpreisen an bedürftige Landwirthe.
- Preistreiberei für Petroleum. Wie das „Berl. Tageblatt" mittheilt, haben die deutsch-amerikanischen Pe trolemn-Gesellschaft und die übrigen Importeure letzthin den Preis um 50 Pfg. erhöht. Sie hätten ihn aber Uni 20 Pfg. erniedrigen müssen, da in Amerika die Preise gewichen sind. Größere Selbstständigkeit für den deutschen Petroleumhandel thut dringend noth
— Die Gläubiger der Pommerschen Hypothekenaktien dank dürfen nach den übereinstimmenden Meldungen verschiedener Seiten außer Sorge sein, daß sie durch die neuerlichen Vorgänge schwerere Verluste zu tragen haben werden, es darf im Gegentheil die Erwartung ausge- iprochen werden, daß die Inhaber von Werthen dieser merkwürdig geleitet gewesenen Bank noch einmal mit dem bloßen Schrecken davon kommen werden. Die Bank ßlbst behauptet, daß die Hypothekenbankpfandbriefe voll- werthig bleiben werden.
— Ueber den einjährigen Militärdienst der Volks- MÜehrcr hat der von den Lehrervereinen der Provinz Hannover eingesetzte Militärausschuß bemerkenSwerthe Mittheilungen gemacht. Die Königseinjährigen, also blejenigen Einjährigen, die auf Staatskosten dienten, bedauerten alle lebhaft, nicht rechtzeitig unterrichtet ge lvestn zu sein, sie hätten sich sonst bö'e Erfahrungen ^ipart und es wäre ihnen doch wohl möglich gewesen, bst für die Selbstbeköstigung und Bekleidung erforder- lichen Mittel aufzutreiben.
Gumbinnen, 4. Juni. Das hiesige Kriegsgericht Erhandelte seit mehreren Tagen gegen den Dragoner- unteroffizier Marten, der beschuldigt war, den Rittmeister ^vsigk erschossen zu haben Außerdem waren noch die "^leroffiziere Hickel und Domming wegen Hilfeleistung geklagt. Gestern Abend ging die Verhandlung zu Ende. ®er Staatsanwalt beantragte gegen Marten und Hickel Todesstrafe, Ausstoßung aus dem Heere, Ehrverlust, Ersetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes, außerdem wegen Meuterei gegen Marten 2'/,, gegen vlitl 2 Jahre Zuchthaus; gegen Domming Freisprechung. später Stunde erfolgte das Urtheil. Alle Angeklagten wurden freigesprochen. Marien erhielt wegen Fahnen- und Freiheitsberaubung 1 Jahr Gefängniß.
Krawall in der Takustraße entstand aus einem Wirthshausstreite, in den die englische Polizei eingriff. Der Kampf auf der Straße wurde mit Feuerwaffen und blanker Waffe geführt. Zwei Franzosen sind todt, vier Franzosen, drei Deutsche und vier Engländer verwundet. Die Wunden der Deutschen sind ungefährlich. Dem Vorfall kommt keinerlei politische Bedeutung zu.
Transvaal. Ueber den Kampf bei Blackfontein liegen nunmehr detaillierte Privatberichte vor. Das Gros der Truppen Dixons eskortirten einen großen Convoi zum Lager, als es von den Buren, die sich in vortrefflicher Stellung befanden, angegriffen wurde. Delarey leitete den plötzlichen ungestümen Angriff auf die britischen Kolonnen in eigener Person. Es entstand ein wüthendes Handgemenge, in welchem Delarey mit genauer Noth der Gefahr entging, getödtet zu werden. Schließlich wurde die Hauptstellnng der Buren mit dem Bajonett gestürmt. Die Buren zogen sich im günstigen Augenblick zurück und ließen 41 Todte zurück. Ein Bericht des „Daily Mail" schildert das Treffen als Nachhutkampf. Die Buren warfen sich zwischen die Nachhut und das Gros der Truppen Dixons, der auf dem Marsch nach Blackiontein war und kam dabei so nahe an die Engländer. daß 50 britische Soldaten beim ersten Schnell- feuer fielen. Die englischen Kanoniere erschossen hierauf ihre Artilleriepferde, um zu verhindern, daß die Geschütze von den Buren weggeführt würden. Diese Umsicht rettete wahrscheinlich die Kanonen, die wohl nur 5 Minuten im Besitze der Buren gewesen waren. Die Buren fochten verzweifelt, aber der Bajonettangriff des Derby- shireregiments war unwiderstehlich. Die Buren waren etwa 1200 Mann stark. — Eine neue große Gefahr scheint Südafrika zu bedrohen. Im Basutoland herrscht wegen Ausbruchs der Rinderpest große Aufregung. Die strengsten Maßnahmen zur Verhütung der Verschleppung der Krankheit in die Nachbargebiete find getroffen. Die Grenze zwischen dem Basutoland und dem Oranjestaat ist gesperrt. — Englische Humanität. Die englische Regierung beginnt jetzt, die gefangenen Buren nach Ahme- daguar in der Präsidentschaft Bombay in Britisch-Jndien abzuschieden. Der Ort gehört zu den ungesundesten der Welt, es ist ein Pestnest, wo die Sterblichkeit 33 Prozent bis 50 Prozent pro Tausend tm Jahre erreicht. Viele Schandthaten hat man von John Bull erlebt, diese neueste ist aber doch etwas zu statt. Wo bleiben da Nächstenliebe und Menschlichkeit? Hat denn König Eduard gar keinen Willen mehr? - Lord Kitchener hat von den Buren einen vierzehntägigen Waffenstillstand nachgesucht, um während desselben mit ihnen Friedeus-
Mainz, 4. Juni. In zwei Kompagnien des hier garnisonirenden 117. Infanterieregimentes sind mehrere Fälle von Genickstarre aufgetreten. Maßregeln gegen die Weiterverbreitung wurden sogleich getroffen. Im Falle weiterer Erkrankungen würde das ganze Regiment ausquartirt werden.
Aschaffenburg, 4. Juni. Ein Handwerksbursche bat heute Vormittag die Assessorwittwe Therese Heßler in ihrer Wohnung um eine Gabe. Diese reichte ihm 3 Pfg. Aus Zorn über diese geringe Gabe stach der Bursche mit dem Messer auf die unglückliche Frau ein. Ein Stich in das Herz hatte den alsbaldigen Tod zur Folge. Der Mordbube wurde verhaftet.
Metz. Die Bewohner einiger Dörfer in der Nähe von Metz leben seit mehreren Monaten in fortwährender Aufregung und in Angst vor Brandstiftungen. In dem kleinen Dorf Baux hat es nämlich bereits 15 Mal ge brannt, und zwar jedesmal nach vorheriger schriftlicher Ankündigung des Feuers. Die Briefe bezw. Zettel werden gewöhnlich unter der Hausthür durchgesteckt und in ihnen die Zeit des Brandes genau angegeben. Trotz der schärfsten Bewachung durch Gendarmen und Geheimpolizisten gelang keinerlei Entdeckung, ja es wurden für die abgelaufene Woche wieder drei neue Brände angesagt Da erbat sich das Dorf militärischen Schutz und erhielt 40 Mann und einen Offizier, die jeden Abend dort einrückten und während der Nacht das Dorf scharf ab patrouillirten. Nun hörten in Baux die Blände zwar auf, dafür aber brannte es in den benachbarten Dörfern, ebenfalls nach vorheriger Ankündigung. Die Verbrecher hatten sogar die Frechheit, in ihren Drohbriefen mit= zutheilen, daß sie zu vieren seien und gut für das Anzünden bezahlt würden. Dem Vernehmen nach sollen auch die anderen benachbarten Dörfer militärisch besetzt werden. Außerdem haben sich die männlichen Bewohner zu Schleichpatrouillen organisirt.
Ausland.
Oesterreich.Ungarn. Ungünstig sind die Ernteaussichten auch in Ungarn. Nach dem amtlichen Saatenstandsbericht herrscht seit dem letzten Berichte ungünstiges Wetter, welches Rost zur Folge hat, der in den unteren Blättern des Weizens sich rapid zu verbreiten beginnt. Man be fürchtet mit Recht, wenn nicht bald günstiges Wetter eintritt, daß die diesjährige Ernte bedeutend schwächer sein wird, als die vorjährige, — Wir haben kürzlich über das schaudererregende Verbrechen der slowenischen Winzereheleute Bratufcha berichtet, die in ihrer Wohnung zu Straßdors in Südsteiermark ihre zwölfjährige Tochter ermordeten, in dem heißen Backofen brieten und verzehrten. Beide Gatten wurden verhaftet. Wie nunmehr aus Cilli gemeldet wird, begaben sich Gerichtsvertreter zum zweiten Male in das Haus der entmenschten Eltern und entdeckten nach langem Suchen die Knochen und Haare des verzehrten Kindes. Beide Gatten gestanden ein, das Mädchen erschlagen und aus dem Grunde gegessen zu haben, um nicht verrathen zu werden, da sie den Leichnam nicht anderweitig beseitigen konnten.
Paris, 5. Juni. Das Resultat der Pariser Volkszählung vom 24. März 1901 wird heute veröffentlicht. Danach beträgt die Einwohnerzahl von Paris 2 714068 gegen 2 251 169 Einwohner im Jahre 1896.
Spanien. In Corunna hat sich der herrschende allgemeine Streik zur offenkundigen Revolte ausgedehnt. Die spanische Regierung, die den Belagerungszustand verhängte, sagt, die Ruhe sei wieder hergestellt, aber private Berichte lauten anders. In den Straßenkämpfen, die Tag und Nacht mit nur kurzen Unterbrechungen andauerten, gab es zahlreiche Todte und Verwundete. Keine Zeitung erscheint, die Ladung int Hafen stockt, Schlächtereien, Bäckereien, Lebensmittelverkaufsstellen sind leer, streikende Wasserträger verbinden! die Dienstmädchen am Wasserholen. Die Truppen zeigen wenig guten Willen,
Aus Mexiko liegen Nachrichten über eine große Fcncrsbrnnst an der Landenge von Tehuantepec vor, wodurch viele Kaffee-, Bananen- und Orange-Pflanzungen und eine Menge Gebäude eingeäschert wurden und 70 Personen ums Leben kamen. Der Brand dauerte 10 Tage und wurde schließlich von einem heftigen Regen gelöscht.
Peking, 4. Juni. In der verbotenen Stadt ist eine große Feuersbrunst ausgebrochen. Die Japaner und Amerikaner halten den betroffenen Stadttheil streng abge'perrt. Näheres ist daher vorläufig nicht zu ermitteln. — Der
f Verhandlungen zu führen. Zweimal hat sich der stolze Generalissimus der Vermittelung einer Frau, der Gattin des Generals Botha, bedient, um zu seinem Ziele zu gelangen. Jetzt, da Frau Botha im fernen Europa weilt, hat Lord Kitchener zwei Burenführer zu Unterredungen zu bewegen verstanden. Lord Kitchener kann den von ihm so heiß ersehnten Frieden stündlich haben; er muß den Buren nur die gewünschten Bedingungen, die auf nichts anderes lauten als auf Unabhängigkeit bewilligen. So lange er das nicht thut, kann er noch so viel diplomalisiren, er wird die Beendigung der Feind- seligkeiteu nicht durchsetzen. — Die letzten aus Kapstadt eingetroffenen Nachrichten bestätigen, daß die Zulukaffern an der Grenze von Transvaal uud dem Oranjefreislaat sich erhoben haben. In London befürchlet man, daß sich die ganze schwarze Bevölkerung dieser Bewegung anschließen wird.
Lokales und Provinzielles. * Schtüchlcr», 7. Juni.
* — Geh. Reg Ruth Dr. Lahmeyer, Provinzial- Schulrath in Cassel, ist zum Ober-RegierungSrath und Direktor des Provinzial-SchuikoUeginms ernannt worden.
*—Dem Rechtsanwalt und Notar Franz Uth zu Hanau ist der Titel Justizrakh verliehen worden.
* — Herr Lehrer Lichtenberg von Eidengesäß ist nach Hohenzell versetzt.
* — Die hiesigen Leser unseres Blattes machen wir darauf aufmerksam, daß nach den kürzlich zugestellten Kommunalsteuerzettel die erste Hälfte der Gemeinde- Umlagen für das Jahr 1901 am 12. Juni bezahlt werden muß, widrigenfalls nach den bestehenden Vorschriften noch vor Ablauf dieses Monats kostenpflichtige Anmahnung zu erwarten ist.
* — Mehr wie je dürfte es gerade jetzt, zur Brüt-