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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 45.

Hl>ft<>lhtt1rt0t1 Quf ^eSchlüchterner Zeitung" merben nod) fortwährend von allen ~ Postanstalten undLandbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amliches.

J.-Nr. 1822. K.-A Außer den unterm 6. November y. I. veröffentlichten Liebesgaben sind bei der hiesigen Sammelstelle zum Besten der nach China entsandten Truppen folgende Beträge eingegangen:

1. Von Mitgliedern des Vaterl. Frauen-

Vereins in Salmünster 20 Mk. Pst

2. Vom Kriegerverein in Kressenbach 17 Mk. 70 Pf. 3. Herolz 20 Mk. - Pf.

4. Von der Gemeinde Sterbfritz 25 Mk. Ps.

5. Von Einwohnern in Uttrichshausen 95 Mk. 05 Pf

6. Vom Consumverein Weichersbach 30 Mk. Pst

7. Von A. Deucker 4 Mk. Pf.

8. Einwohnern in 9 Mk. - Pf.

9. Gundhelm 29 Mk. 50 Pf-

10. Von Bürgermeister Leipold in Wallroth 2 Mk. - Pf

11. Von Rechner Rüster in Wallroth 1 Mk. - Pf. 253 Mk. 25 Ps.

Im Ganzen sind 980 Mk. 25 Pf eingegangen. Die Sammlung ist geschlossen.

Schlüchtern, den 1. Juni 1901.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat Sonnabend, nachdem er sich von der Königin von Holland und dem Prinzen Heinrich der Niederlande am Bahnhof verabschiedet, eine Damp^fer- Parthie auf den Havelseen unternommen.

Zu Ehren der Königin Wilhelmina der Nieder­landen, welche Donnerstag Nachmittag in Potsdam mit ihrem Gemahl und dem Großherzog von Mecklenburg- Schwerin zum Besuche der kaiserlichen Familie eintraf, fand Abends 9*/2 Uhr auf der Mopke vor dem Neuen Palais großer Zapfenstreich der gesummten Capellen des Garde-Corps statt, bei welchen u. A. eine niederländische Hymne und das niederländische Dankgebet zur Auf­führung gelangten. Am Freitag nach der Parade wurde die Königin Wilhelmina beim Besuch der Reichshaupt- stadt am Brandenburger Thor von dem Oberbürger­meister Kirschner begrüßt. Die Wiederabreise erfolgt am Samstag Nachmittag und zwar nach Schwerin. Zur Verabschiedung waren auf dem Bahnhof anwesend der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz und Prinzessin Leopold rc. Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich verabschiedeten sich von dem Kaiser und der Kaiserin auf das Herzlichste. Der Kaiser verlieh der Königin von Holland den Luisen-Orden mit der Jahres zahl 1813/14 und dem Prinzen Heinrich der Nieder­lande den Schwarzen Adlerorden.

Der englische Feldmarschall Roberts wird als Gast des Kaisers an den diesjährigen großen Manövern zwischen dem I. und XVII. Armeekorps bei Marienburg und Danzig theilnehmen.

Die Auflösung des Oberkommandos in China und die Zurückziehung unserer Truppen, bis auf eine gemischte Brigade, die zu Besatzungszwecken im Reiche der Mitte verbleibt, ist überall mit lautem Jubel aus­genommen worden. Die Stärke der zurückbleibenden gemischten Brigade wird etwa 4000 Mann betragen; da sich aber unter diesen viele Mannschaften befinden, die abgelöst werden müssen, so wird noch ein Ersatz transport von etwa luOO Mann nach China beförderi werden. Die übrigen Mächte beteiligen sich mit Aus Uahme von Amerika, das nur eine Gesandtschaftswache von 100 Mann in Peking zurückläßt, an der Bildung der Garnisonen; auch die Russen werden ihre Be­dungen in Trentsin und Shanhaikwan belassen. Von den 4000 "IWann der deuischen BesatzungSbrigade wird der größte Theil in Nordchina, das Seebataillon in ^singtau garnisonierl werdeli. Die in China zurück- dleibenden Land- und Marinetruppen zäh'en insgesammt &600 Mann, das ist der dritte Theil des bisherigen Bestandes.

Die Leichen mehrerer in Ostasien verstorbener deutschen Offiziere, Militärärzte. Militärbeamten und Mannschaften werden auf Wunsch der Angchöiigcn in Heimath befördert. Wie daSB, T." elfährt, hat

Mittwoch, den 5. Juni 1901.

der Kaiser den Eisenbahnminister v. Thielen ermächtigt, dahin Anordnungen zu treffen, daß diese Leichen, sofern der Transport zur See kostenlos erfolgt, auch auf den Strecken der preußisch-hessischen Staatseisenbahn, der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen und der Main- Neckar-Eisenbahn frachtfrei weiter befördert werden.

Der Feldpostverkehr zwischen unseren Truppen in Ostasien und der Heimath ist ein ganz bedeutender. Nach China gingen bis zum 28. Mai 37 782 Packete, 1049 Geldbriefe, 2574 Postanweisungen über 55 000 M., in umgekehrter Richtung 407 Packete, 93 Geldbriefe und 12327 Postanweisungen über 2164478 Mk. Die China- krieger haben also treu für ihre Angehörigen gesorgt.

Zur Geschäftslage in der deutschen Industrie. Die Beschäftigung in den deutschen Eisengießereien und Maschinenfabriken läßt, wie derVoss. Ztg." von einem Großindustriellen geschrieben wird, immer mehr zu wünschen übrig. Es' kommt für diese Betriebe hinzu, daß immer noch größere Lager von Rohmaterialien vorhanden find. Fast jeder Verbraucher glaubte sich ja gezwungen, sich reichlich mit Rohmaterialien zu versorgen, wodurch die Lager in der zweiten Hand überkomplett wurden. Von Maschinenfabriken sind insbesondere die für Werkzeug Maschinen seit einiger Zeit sehr schwach beschäftigt, sowie die Firmen, welche speziell Maschinen für Textil-Jndustrie bauen. Diese Industrien dürften das Jahr 1901 wohl zu ihren schlechtesten zu rechnen haben. Die bedeutende Textil-Jndustrie in Deutschland liegt schon seit einiger Zeit sehr darnieder, und an eine baldige Gesundung der Branche ist schlechterdings nicht zu denken. Es fehlt der Konsum und auch das Vertrauen, sodaß größere Bestellungen von den Händlern rc. an die Fabrikanten, trotz der heutigen, theilweise niedrigen Preise der Roh­materialien, nicht begeben werden. Die Katastrophe bei den Spielhagen Banken und der Pommerschen Hypotheken dank und deren Tochtergesellschaften beeinflußt nicht allein das Baugewerbe, sondern auch den Konsum im allgemeinen. Die vielen Millionen, die bei diesen Banken von vielen Leuten verloren werden, zwingen diese zur Einschränkung ihrer Bedürfnisse; die Händler und Wiederverkäufer machen schlechte Geschäfte und demzufolge auch die Fabrikanten. Eine günstige Ausnahme machen heute wohl nur diejenigen Firmen, welche Staatslieferungen ausführen, wie die Lokomotiv- und Waggonfabriken, je­doch wird sich auch für diese Firmen, wenngleich schon etwas später, der schlechte Geschäftsgang fühlbar machen, da wir unzweifelhaft mageren Jahren entgegen gehen. Die Anlagen von Straßenbahnen und Elektrizitätswerken werden wohl diejenigen Zweige der Eisen-Industrie sein, welche am ehesten in der nächsten Zeit eine flotte Be- schä tigung erreichen werden, weil diese Unternehmungen durch billige Materialienpreise Unterstützung finden!"

Infolge des ungünstigen Winters find im Deutschen Reiche nicht weniger als 1 471 200 Hektar umgepflügt worden. Davon entfallen 726 400 Hektar auf den Winterweizen, 524 400 auf den Winterroggen und 217 700 auf Klee und Luzerne. In den Regierungsbe­zirken Marienwerder sind 261000, Bromberg 150 000, Posen 120 000, Breslau 67 000, im Königreich Sachsen 59 000, in Mecklenburg - Schwerin ebenfalls 59 000 Hektar umgepflügt worden. Mecklenburg-Schwerin pflügte von der Winterweizenfläche etwa 95 vom Hundert, Lübeck 91, Mecklenburg-Strelitz und Oldenburg je 90, die Regierungsbezirke Schleswig und Marienwerder 83, Bremen 82 vom Hundert um. Von der Winterroggen­fläche wurden im Regierungsbezirk Marienwerder 61 vom Hundert, von den Kleefeldern ebendort 53 vom Hundert und von der Luzerne 38 vom Hundert umge­pflügt. Dabei ist in Preußen leichter Boden vielfach gar nicht umgepflügt, sondern ganz unbestellt geblieben. Es fehlt nicht nur in dem angegebenen Maßstabe der Ertrag der Ernte. Der zweite Verlust für die Land- wirthschaft ist der, daß sie das für die nächste Herbstbe­stellung nöthige Getreide zum größten Theile kaufen muß. Welche ungeheueren Mengen dazu nothwendig sein werden, geht wiederum am deutlichsten aus den westpreußischen Ziffern hervor. Die Landwirthe der Provinz Westpreußen allein werden für die Winterbe stellung 13 000 Tonnen Weizen und 63 000 Tonnen Roggen ankaufen müssen! Und weiter darf man nicht vergessen, daß durch dieses Unglück gleichzeitig der Vieh­bestand bedroht ist. Das Unglück und die Noth sind außerordentlich groß und bedürfen dringend schleuniger Abhilfe auf alle nur mögliche Weife: Stundung von

52. Jahrgang.

Steuern und Zinsen, im dringendsten Nothfall Nachlaß von Steuern, starke Herabsetzung der Bahnfrachten für Futtermittel und für Getreide und was es sonst noch an ähnlichen Hilfsmitteln giebt. Man sollte auch auf die möglichst billige Beschaffung von Saatgetreide für die nächste Winterbestellung bedacht sein.

DerBörsen-Courier" berichtet, daß die preußischen Staatsbahnen am Donnerstag die Lieferung von 305 Locomotiven im Gesammtwerlhe von 17'2 Millionen Mark an inländische Fabriken vergaben. Die Preise entsprachen genau den Bedingungen, zu welchen der im Januar stattgehabte Abschluß vollzogen wurde.

München. Ueber einenmodernen" Baumeister schreibt die MünchenerAllgem. Ztg.": Gelegentlich einer Forderungsklage gegen einenBaumeister" in Mün­chen stellte es sich heraus, daß der Beklagte früher Schenkkellner und Metzger, zuerst auf seinen Namen, dann auf den Namen seiner Frau, darauf, als diese gestorben war, unter der Firma seiner zweiten Frau und hierauf unter der ihres Vaters Häuser baute und jedesmal Konkurs machte! Der letzte Baugedieh" unter dem Namen seiner Schwiegermutter, um kürz­lich ebenfalls in Subhastation zukommen. Nun beabsichtigt der moderne Baumeister, auf den Namen seines Sohnes, eines Volksschülers, zu bauen.

Die Hebung des Tenders der verunglückten Schnell­zugslokomotive in Ludwigshafen ist erfolgt. Er steht auf Schienen am Ufer. Es wird nun mit aller Kraft an der Hebung der Lokomotive gearbeitet. Die Eisen­bahnkatastrophe verursachte einen Gesammtmaterialschaden von 100000 Mark. Es wurde nun mit aller Bestimmt­heit festgestcllt, daß die Luitdruckoremse nicht gezogen worden ist.

Vielfaches Kopfschütteln verursacht ein Urtheils- fputd) des Landgerichts zu Ansbach. Vor einiger Zeit hat ein Schüler der vierten Klasse des Gymnasiums auf seinen Lehrer geschossen. Der Schuß ging fehl. Das Landgericht hatte den Jungen freigechrochen, da er wohl vorher die Absicht gehabt haben möge, auf seinen Lehrer zu schießen, im Moment der That aber diese Absicht aufgegeben habe. Er habe die Waffe nur abgefeuert, um sich vor seinen Bundesgenossen, denen er von seinem Plan Mittheilung gemacht hatte, nicht bloßzustellen.

Siegen, 30 Mai. Eine fidele Junungsauflösung hatten sich die Klempner und Kupferschmiede für den Kreis Siegen geleistet. Nachdem diese Innung be­schlossen hatte, sich aufzulösen, war man unschlüssig, wie man den vorhandenen Kassenbestand verwenden solle; ein Antrag, den Kassenbestand zu einem Festessen zu verwenden, fand allgemeine Billigung, und eines Sonn­tags fanden sich die ehemaligen Mitglieder der Innung in großer Zahl ein und waren bei opulentem Mahl heiter und guter Dinge. Das dicke Ende kam aber auch hier nach. Die Sache kam der Handwerkskammer in Arnsberg zu Ohren. Dieselbe wandte sich an die Kgl. Regierung, und diese verfügte, daß von sämmtlichen Theilnehmern am Essen die verpulverten Jnnungsgelder im Verwaltungswege wieder einzuziehen seien. Es soll bei den lustigen Kupferschmieden und Klempern lange Gesichter gegeben haben.

Themar (Sachs.-Mein.), 31. Mai. Heute ist die Probebelastung der Eisenbahnüberführung am Bahnhof zusammengebrochen, wobei 3 Personen schwer und mehrere leicht verletzt wurden.

Hildcsheim, 22. Mai. Das hiesige Römermuseum hat soeben eine außerordentlich werthvolle und seltene Vereiterung seiner zoologischen Sammlungen erfahren, nämlich den Abguß eines Skeletts des Jguanodon. Es ist der einzige in Deutschland befindliche Abguß dieses Sauriers. Im Ganzen giebt es sechs, wovon einer in Paris, drei in England (London, Cambridge, Oxford) und einer in Amerika (Cambridge) steht. Ganze Skelette des Jguanodon befinden sich ausschließlich im Museum zu Brüssel. Nach jahrelangen Verhandlungen mit der dortigen Regierung ist es dem hiesigen Museum endlich gelungen, im Tausch mit Abgüssen von werthvollen Ver­steinerungen aus Amerika, England und Deutschland den Skelettabguß, der in sechs großen Kisten hierher transportirt wuide, zu erwerben, was gerade für das hiesige Museum um so bedeutungsvoller ist, als einzelne Reste jenes vorweltlichen Ungethüms mehrfach in der hiesigen Gegend gefunden worden sind, so bei Sehnde ein Zahn des Thieres und am Steinhuder Meer ein