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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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fMhtMrtHS au^ bie »Schlüchterner Zeitung" lilUUUyui werden noch fortwährend von allen :-------------Postanstalten und Landbriefträgern, t von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

gerlin Der Kaiser, welcher die Pfingstfeiertage im ie seiner Familie verlebte, wird, wie jetzt feststcht., ). Juni zum Besuch der niederländischen Herrschaften des großherzoglichen Hofes in Schwerin eintreffcn Der Kronprinz ist in Potsdam eingetroffen.

- Auf Antrag des Reichskanzlers hat der Kaiser Riitfft^r des Panzergeschwaders aus China ange- et und ferner befohlen, die Auflösung des deutschen ee Oberkommandos in Ostasien, sowie die Reduzirung ostasiatischen ExpeditionsKorps vorzubereiten. vereinigte Brandenburg-Division wird in der zweiten Hälfte aus China zurück in den heimischen Gewässern irtet. Es bleiben dort zunächst 14 große und kleine izer nebst den 4 Kanonenbooten zurück. Unsere iatischen Seekrälle sind durch die Heimbeorderung Brandenburgschiffe vorläufig um 2500 Mann ver­teil. Nach angeblich aus gut unterrichteten Kreisen «den Information wird für die in China zurück .dmden Truppen der verbündeten Mächte die Bildung is neuen Oberkommandos für nöthig erachtet. Ueber c Angelegenheiten finden augenblicklich Verhandlungen i Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Oberbefehl )it Hände eines französischen Generals fällt.

Günstige Staatsfinanzen in Preußen. Wie die ionalzeitung hört, ergab die Veranlagung zur Ein menfteiier in Preußen für 1901 17 Millionen Mark r als für 1900.

- Der letzte Vvrrath von Jubiläums Denkmünzen prerMchen Kronjubiläum am 1S, Januar wi^d bei nächsten Gehaltszahlung von der Regierungshaupt- : an die unteren Kassen zur Auszahlung vertheilt. iits jetzt ist von den Ministerien angeordnet, daß besonderen Wunsch des Kaisers allen Staatsange fen, die noch nicht im Besitze einer solchen Medaille befinden, eine solche zu verabfolgen sei, sobald dar ) gefragt werde. Eine weitere, dritte Ausprägung ägi nicht.

Ein guter Anfang. Der neue Herr der Post : ungeordnet, daß den aus den Reihen der Militär Mker hervorgegangenen Postassisteuten, Postverwaliern

> Postsekretären die ihnen aus ihrer Probedienstzeit fehendeu Gehaltsbezüge endlich nachbezahlt werden. Auch auf Nachzahlung haben alle vom 1. Oktober & bis Ende Juni 1894 in den Post- und Telc- phendienst ein berufenen Militäranwärter, für die es rotere Gesuche und Prozesse nicht mehr bebünen wird.

~Gymnasialreferendar . Professor Dr. Max Menuett schreibt in einem längeren Aufsätze über Titelfrage bei den Höheren Lehramtskandidaten:Es >m sich sicherem Vernehmen nach Interessenten an das llusministerium gewandt, um für die Schulamts tonten die TitelGymnasialreferendare" undGym Assessoren" zu erwirken. Die höchste Unierrichts- li'de hat diesem Wunsche nicht Folge gegeben und wie glaube, mit Recht."

* Eure Seminarstatistik wurde anläßlich der in übt abgehaltenen Seminarlehrer-Versammlung aufge- Von allgemeinem Interesse sind daraus die An- tn über die Vorbildung derLehrerbildner". Unter ' Hv in der Statistik aufge'ührten Direktoren befinden Akademrker, 10 Seminarrker und 7 mit semina- Wr und nachträglich erworbener akademischer Bildung.

126 Oberlehrern sind 79 akademisch, 42 semma- und 5 seminaristisch akademiich gebildet. Von den ^ordentlichen Seminarlehrern genossen 54 akademische, "seminaristische und 7 seminaristisch-akademische Bildung. '.1(r den gegenwärtig noch vorhandenen 19 Seminar- ^lehrern sind 5 akademisch und 14 seminaristisch ge- Die an den Präparalidcnanstalten amtierenden Mesonen, nämlich 36 Vorsteher, 43 zweite Präparanden

und 12 Hilfslehrer, haben sämmtlich seminaristische Bildung.

O P°mm. Hvpothckenbank. Eine von der Königl. Mtsbehörke zusammengesetzte Kommission von Fach- Mieru unter Vorsitz des Königl Bankinspekiors hat gütlich den Hypothekenbestand der Pomm. Hypotheken- icndllnk einer Revision unterworfen. Mit Bezug auf ^-»ebniß dieser Revision schreibt derD. Oekon.",

Samstag, den 1. Juni 1901.

daß die Königliche Kommission auf die für 191,000,000 Mark haftenden Pfandobjekte nur 160,000,000 Mark als zulässige Beleihung zu 60 pCt. erklärt habe. Die Aufsichtsbehörde habe angeordnet, daß die im Besitz der Bank befindlichen 13,000,000 Mark freien Hypotheken dem Treuhänder ausgeliefert werden. Aus Posen wird einem Börsenblatt mitgetheilt, daß die Aufsichtsbe­hörde die Werthermittelung des der Pomm. Hypotheken- Aktienbank gehörigen Rittergutes Wroniawy durch Fach­leute hat vornehmen lassen. Das Resultat dieser Prüfung sei ein geradezu verblüffendes, indem der dabei ermittelte reelle Werth des Gutes kaum den dritten Theil des Taxwerthes der Banktaxatoren erreichen soll. Es handelt sich in diesem Falle um ein Millionenobjekt.

Mit dem industriellen Aufschwünge im Reiche ist es vorüber, und die Anzeichen mehren sich, daß sich der Rückgang mit schnellen Schritten vollziehen wird. Viele der kleinen Betriebe des rheinisch westfälischen Industrie­gebiets stehen heute schon vor der Alternative, Anschluß an große Institute zu suchen ober einzugehen. Selbst in Kohlen und Koks, diese beiden so außerordentlich bevorzugt gewesenen Geschäftszweigen, macht sich ein Rückschlag bemerkbar, der dem kleinen Konsumenten na­türlich hoch erfreulich, den großen Kohlengrubenbesitzern aber ebenso unangenehm ist. Die ungewöhnlich schlechten Ernteaussichten, die eine erhebliche Preissteigerung der Lebensmittel zur Gewißheit machen, wirken gleichfalls lähmend auf die Entwickelung der Industrie, deren Pro­dukte schleckten Absatz finden, wenn die Leute erhöhte Ausgaben für den unmittelbaren Lebensunterhalt haben. Endlich ist auch die politische Konstellation keine solche, daß die Industrie Nutzen aus ihr ziehen könnte, vielmehr ist das Gegentheil der Fall. Das wirkt alles zusammen, um die Hoffnungen der Industriellen herabzustimmen.

Der Oberprüsident Wilhelm von Bismarck, zweiter Sohn des Altreichskanzlers v. Bismarck, ist in Varzin plötzlich gestorben. Er hinterläßt außer der Wittwe drei kleine Töchter.

Hannover. In den letzten Tagen wurden aus fast allen Bezirken der Provinz Hannorer große Waldbrände gemeldet. Bei Stade wurde durch unvorsichtiges Um­gehen beim Moorlandbrennen im Forstrevier Wigersen ein Wald- und Heidekomplex von 500 Morgen ein Raub der Flammen Im Arenbergischen Tannenforst bei Aschendorf vernichtete ein Waldbrand innerhalb weniger Stunden 200 Morgen Tannen und 100 Morgen Haide.

In der Demse bet Twistringen ist ein werthwoller Tannen- und Fichtenwald von etwa 500 Morgen ein geäschert und in Goldenstadt bei Barnstorf 400 Morgen Föhren. Zahlreiche Brände haben auch an der Bahn­strecke EnschedeCelle stattgefunden, die auf Funkenflug aus den Lokomotiven zurückzuführen sind. Um diese Feuersgefahr zu beseitigen, hat man durch Kalkanstrich der Telegraphendrähte den Lokomotivheizern die besonders gefährlichen Stellen bezeichnet, an denen sie nicht nach­heizen dürfen. Bei Himmelpforten, Kreis Stade, wurden drei Handwerksburschen dabei ertappt, wie sie eine große Haidefläche in Brand steckten. Hier gelang es noch, das Feuer zu unterdrücken, während die Brandstifter in Haft genommen wurden.

Köln. Wieder eine verkrachte Bank. In Köln ist die Rheinische Immobilien Aktienbank und die mit ihr zusammenhängende offene Handelsgesellschaft G. Maumann verkracht. In der vorgestrigen Gläubigerversammlung wurde ein trauriges Bild kaufmännischer Bereicherungs­sucht und Gewissenlosigkeit entrollt. DieLeidtragenden" sind in diesem Falle Angehörige des Mittelstandes, Pastoren vom Lande, kleine Gutsbesitzer und so weiter, die den beiden Firmen Werthpapiere übergeben ober von ihnen sogenannte Hypotheken-Depotscheine erworben haben und nun ihre Vertrauensseligkeit büßen müssen.

Dortmund. Die berühmte Vehmlinde bei Dortmund in Westfalen ist trotz der sorgfältigsten Pflege, die man ihr zu Theil werden läßt, dem Absterben nahe. Der historische Baum hat seine Krone längst eingebüßt, und heute ist es nur noch ein kleiner Zweig an der ehemals so stolzen Linde, der sich im Frühlingsschmuck zeigt. Daß der Baym eingeht, hat zum größten Theil seine Ursache in dem scharfen Rauch der Lokomotiven vom Hauptbahnhof.

Elseuach, 25. Mai. Die unbedingte Sicherung der Wartburg gegen Feuersgefahr lag dem verstorbenen Großherzog fortgesetzt am Herzen. Sie zu erreichen, scheute er kein Opfer. So wurde bereits vor länger

52. Jahrgang.

als 14 Jahren unter Ueberwindung vieler technischen Schwierigkeiten die Burg durch eine 15 Kilometer lange Rohrleitung aus Quellen des Ruhlaer Forstes mit Quellwasser versehen. Die geringe Weite der Rohre machte aber im vorigen Jahre die Legung eines zweiten Stranges unbedingt erforderlich. Diese nunmehr vol­lendete neue Wartburg-Wasserleitung wurde ausgeführt nach den Plänen und unter Leitung des Civilingenieurs L. Mannes Weimar von der Firma Ansorg-Gotha. Bis zurHöhensonne" folgt sie fast immer der Rennsteiglinie und hat bis dahin zwei große Wasserbehälter, von denen der erste 100, der andere 300 Kubikmeter faßt. Die sieben benutzten Quellen, die jeder Zeit um drei vermehrt werden können, liefern, dem BlatteDeutschland" zufolge, in der trockensten Jahreszeit innerhalb 24 Stunden ca. 600 Kubikmeter Wasser. Die neue Leitung, an die auch der vielbesuchte AusflugsortHohesonne" angeschlossen ist, dürfte der großherzoglichen Schatullverwaltung min­destens 160 000 Mk. kosten.

Aus Sachsen. Ein für eine bürgerliche Familie seltenes Fest vereinigte in Leipzig die ursprünglich sächsische Familie Heidenreich, der aber zur Zeit auch eine Reihe von Offizieren sowohl der preußischen als der österreichl- Ichen Armee angehört, dort am letzten Sonntag zu einem Familientage. Es galt die Feier des urkundlich be­glaubigten 500jährigen Bestehens der Familie, während dessen sie fast ausschließlich in Staatsdiensten, zumeist in Sachsen und Thüringen, thätig war, und mehrere in der Geschichte dieser Länder rühmlich bekannte Männer hervorgebracht hat. Das Fest, zu dem sich die Theil- ilkhmer bis aus den entferntesten Theilen Deutschlands und Oesterreichs vereinigt hatten, fand seinen Abschluß darin, daß sowohl der Kaiser wie auch der König von Sachsen aus die an beide Herrscher gerichteten Huldi- gungs'.Uegramme ihren Dank übermitteln ließen. In der Kasse des Vorschußvereins in Herzberg a. E. sind bedeutende Fehlbeträge fefigeftellt worden. Die Höhe der fehlenden Beträge wird auf mehr als 130000 M. geschätzt. Private Spekulationen.des Direktoriums sollen Anlaß zu der Defraudation gegeben haben.

Aus Westpreußen meldet dieGermania". Ein Lehrer fragte beim Generalkommando an, wann in diesem Jahre die Volksschullehrer ihre Uebung abzuleisten hätten, und ob es einem Lehrer, dem die Zeit, wegen einer Studienreise vielleicht gerade schlecht paffe, gestattet werden würde, zu einer späteren Zeit zu üben. Der Fragesteller ist nur aber Soldat gewesen, und da ver- fügte die Militärbehörde gegen diesen wegen Nichtinne- Haltung des vorgeschriebencil Dienstweges (der Lehrer hätte sich an das Bezirkskommando wenden müssen) eine Arrenstrafe von einem Tage. Die Strafe sollte der Lehrer in dem im Orte befindlichen Amtsgesängmß (Spritzenhaus) abbüßen. Auch manchem nicht einmal schlecht gearteten Schüler würde diese Thatsache Spaß machen. Das Spritzenhaus steht dicht neben der Schule, sodaß die Kinder ihren Lehrer hinter dem Fenster sehen können, und sich hernach sagen, da hat der Lehrer auch schon gesessen. Der Amtsvorftehcr, der die Verhaftung des Leyrers vornehmen sollte, fragte in richtiger Würdi­gung der Verhältnisse bei der Militärbehörde an, ob bie Strafe vielleicht als Stubenarrest verbüßt werden könne; er erhielt verneinenden Bescheid. Der Lehrer selbst reiste zu dem zuständigen Bezirkskommando (40 Kilometer vom Amtsort des Lehrers entfernt!) und bat um Aufhebung der Strafe, da bie Anfrage doch lediglich privater Natur sei. Der dienstthuende Bezirksadjutant stellte aber die Niederschlagung einer bereits verfügten Strafe als schlecht möglich dar. Seine Ausführungen gipfelten in den Worten:Ja, Sie glaubten, als Lehrer könnten Sie sich mehr erlauben." Nach ein paar Tagen erhielt der Lehrer den Bescheid, daß seine Bemühungen erfolglos gewesen. Unter allen Umständen ist es doch eigenthüm­lich, den Lehrer seine Strafe im Spritzenhaus des Wohnortes verbüßen zu lassen, in dem er zu wirken hat, in demselben Lokal, in das man die Landstreicher rc. einsperrt.

Ausland.

In Serbien raucht es in Folge des skandalösen Draga-SkandalS bedenklich. Niemand anders als König Alexander selbst wird jetzt vom Volke beschuldigt, Mit­wisser der unwürdigen Täuschung zu fein, deren Opser das serbische Volk geworden ist. Wenn es sich bewahr­heiten sollte, was jetzt gemeldet wird, daß nämlich daS