blhlWernerMmu
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 25. Mai 1901.
52. Jahrgang.
auf die „Schlüchterner Zeitung" |H HUt^l H werden noch fortwährend von allen ^...... -~ ------------Postanstalten undLandbriesträgern, von der Expedition entgegen genommen.
Zu Pfingsten.
Es grünt die Welt, ein weiter Garten, Ein sonnenüberstrahlt' Gefild, Am Frühlingsglanz, dem längst erharrten Düfterauschen, süß und mild.
And über blüthenreiche Matten
Weht leis des großen Gottes Hauch — Geschrieben steht's im Waldesschatten: Nun feste Du Dein Pfingsten auch!
Dem Baume gleich, dem reich entsprossen,
Was Ostern knospend er verhieß Und gleich den Blüthen, voll erschlossen, Ein farbenprächtig Paradies. — So sollst auch Du, der auch erstanden Am Gstertag nach langer Nacht Abwerfen noch die alten Banden Dich beugen vor des Herrgotts Macht! —
Es ist ein wundersamer Glaube, Der Herr schützt seine Aüngerschar! Auf leiser Schwinge, gleich der Taube, Umweht sein Wort Dich ernst und wahr.
Wie einst mit tausend Feuerzungen Die Jünger sich zum Herrn bekannt, So fühlst auch Du Dich neu bezwungen Durch Deines Dsterglaubens Band. F. Hornig.
Pfingsten.
Mit der Ausgießung des heiligen Geistes wurde der gensatz unter den Menschen noch verschärft. Sagt S doch schon die Pfingstgeschichte: „Die einen Haltens m Spott", den anderen aber gings durchs Herz, daß sprachen: „Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen : thun?" Das Licht muß solche Scheidung herbeiführen, r Wald birgt während der Nacht die verschiedensten ten von Bügeln, wenn aber die Morgensonne ihre ten Strahlen hineinsendet, vollzieht sich die Scheidung, «einen Bügel fliegen der Sonne entgegen und singen m Schöpfer ihr fröhliches Morgenlied. Die anderen igel verbergen ihre Augen vor dem Hellen Sonnen- «in und suchen die dunkelsten Stellen des Waldes >d die Felsenritzen au?, um dem Lichte möglichst zu totu. Hier wird uns der tiefste Grund für die cheidung auch in unsern Tagen gezeigt
Zwar weiden vule andere Gründe angeführt, i es klar machen sollen, daß eine Geistesausgießung die moderne Zeit nicht mehr passe, zwar können wir heute vielfach lesen, daß diese Geistesausgießung um deutet werden müsse, und jede dem Christenthum feind- he Richtung macht sich das Pfingstfest nach ihrer arteischablone zurecht aber bei näherem Zusehn erkennen ir bald, es ist nicht irgend eine neue Erkenntniß oder rfindung, durch welche dies Wiederstreben hervorgerufen h der tiefste Grund liegt vielmehr in der Abkehr vom Ht. „ Die Menschen lieben die Finsternis mehr, denn ^ Licht." Die Nacht macht nicht offenbar, was dunkel 11 Da können sie ungestört ihr Werk treiben und ihr Wissen wird nicht beunruhigt. Kämen sie an das $t, dann müßten sie ja viele ihrer bisherigen Genüsse "d Liebhabereien aufgeben. Viele Menschen sehen das tilt und wollen es nicht sehen. Nicht ihr Wissen hält ' Dom Glauben ab, sondern ihr Wollen. Hier liegt es Ursprung des Unglaubens. Ruft so das Pfingstfest »s der einen Seite eine Scheidung hervor, so überbrückt ’ andererseits bei allen denen, die sich ihm gläubig hm- die Unterschiede des Standes und der Nation "d läßt uns einen Ausblick thun auf das ewige Pfingsten tr völligen Gemeinschaft untereinander.
DeutschesReich.
Berlin. Der Kaiser befindet sich zur Zeit in Pots- W Die Kaiserin hat ihren Besuch bei der Kaiserin Gebrich in Cronberg absagen lassen. Sie begiebt sich 1011 Baden-Baden nach Frankfurt a. M., wo sie mit ltn aus Urville kommenden beiden jüngsten^Kindern ^inmentrifft, und reist dann direkt nach Potsdam zurück.
— Die kaiserliche Familie wird, wie aus Kassel gc- "’^et wird, in diesem Jahre früher als in den Vor- ^^n zu einem voranssichtlich längeren Aufenthalt dort
und auf Schloß Wilhelmshöhe eintreffen. Hausmarschall Freiherr von Lyncker weilt bereits seit mehreren Tagen zur Inspizierung dort und hat die nöthigen Vorbereitungen geti offen. — Wie aus Budapest gemeldet wird, sagte Kaiser Wilhelm dem Erzherzog Friedrich für die erste Hälfte des August einen Besuch in dem Jagdrevier des Erzherzogs auf der Mohacser Insel zu. Es ist eins der schönsten Jagdreviere des Landes, das überaus reich an Wild ist. Der Kaiser will besonders auf Hirsche jagen.
— Ueber das Bremer Attentat gegen den Kaiser sprach der Vorfitzende des Deutschen Kriegerbundes, General der Infanterie v. Spitz aus Berlin auf einem in Osnabrück abgehaltenen Kriegertage. Wie man von dort schreibt, führte der General Folgendes wörtlich aus: „Wenn erzählt wird, daß nur eine kleine Beschädigung der allerhöchsten Person stattgefundcn habe, so ist das nicht wahr. Wir selber haben gesehen, wie diese Narbe auf dem Knochen festsitzt, die unser Kaiser und König für sein Leben lang tragen wird. Sein Leibarzt, Professor Dr. v. Leuthold, sowie andere Herren sagten: Es hätte emcs Vrertelzolles Breite nur bedurft, und dem Kaiser wäre der Schädel rettungslos zertrümmert worden. Das sind authentische Nachrichten. Das Instrument, mit welchem geworfen wurde, war mit solcher unerklärlichen Gewalt geschleudert worden, daß, wie mir Dr. v. Leuthold sagte, ein Herr, der weit davon stand und einen dicken Winterpelz anhatte, noch eine bedeutende Kontusion am Arme davongetragen hat. Wir können also der Wahrheit gemäß und ohne irgendwie etwas bemänteln zu wollen, sagen, daß Gott, der Herr, unseren Kaiser aus wirklicher Lebensgefahr errettet hat."
— Der Kaiser über die Buren. Der Pfarrer von Bodelschwingh in Bethet ^i Bielefeld erfreut sich der höchsten Werthschätzung des Kaisers. Der verdienstvolle Geistliche, der erst kürzlich bei der Feier seines 70. Ge burtstages vom Kaiser ausgezeichnet worden war, erlaubte sich unlängst, den Monarchen auf die burenfreundliche Stimmung des deutschen Volkes aufmerksam zu machen. Wie die „Köln. Volksztg." aus hochgestellten und unterrichteten Kreisen erfährt, wurde dem freimüthigen Pastor darauf eine außerordentlich scharfe Antwort zu Theil Der Kaiser hat seine Meinung über die Buren thatsächlich geändert.
— Rückkehr unserer Truppen aus China. Am Geburtstage des Kaisers von Rußland hat Kaiser Wilhelm die alle Welt erfreuliche Mittheilung gemacht, daß das Gros der verbündeten Truppen demnächst aus China werde zurückkehren können. Vor dieser Mittheilung hatte der Kaiser längere Unterredungen mit Reichskanzler- Graf v. Bülow, die gleichfalls der Rückberufung des Grafen Waldersee und der allmählichen Zurückziehung der deutschen Truppen gegolten hatten Es verlautet, daß mit der Zurückziehung bereits Ende dieses, spätestens aber Anfang nächsten Monats begonnen werden wurde. Das ist eine Botschaft, würdig des Pfingstfestes, das wir in wenigen Tagen feiern können. Sind unsere Truppen glücklich aus China heraus, unb sind vorher die Entschädigungsbedingungen geregelt, dann mögen Li-Hung-Tschang und Kaiser Kwangsu sich mit einander amüsieren oder in die Zöpfe kriegen, uns soll es herzlich gleichgültig sein. Freilich können nicht alle deutschen Truppen mit einem Male in die Heimath zurückkehren, der Rücktransport wird vielmehr wochenlang fortgesetzt werden. Aber wenn nur erst einmal ein Anfang da ist, dann wird sich alles übrige leicht finden. Kaiser Wilhelm aber konnte dem deutschen Volke keine schönere Pfingst- freude und Pfingstüberraschung bereiten, als durch die Ankündigung der baldigen Rückkehr unserer Truppen aus China.
— Die preußischen Minister der Finanzen und des Inneren empfehlen durch einen Erlaß den Gemeinden, in bestehende und künftig zu erlassende Lustbarkeitssteuer- orbnutigen Bestimmungen des Inhalts aufzunehmen, daß Lustbarkeiten, die znr Feier patriotischer Feste, insbesondere des Königsgeburtstages, veranstaltet werden, steuerfrei bleiben, falls sie an dem Gedenk- oder Geburts tage stattfinden. Findet die patriotische Feier nicht am Gedenktage selbst statt, so soll der Magistrat oder der Gemeindevorsteher ermächtigt werden, nach pflichtmäßigem Ermessen die Steuer zu erlassen. Diese Bestimmung hat den Zweck, zu verhindern, daß ein Patriotischtr Gedenktag lediglich in der Absicht der Steuerhinterziehung zum Borwaude einer Festlichkeit genommen wird.
— Die Errichtung staatlicher Panzerplattenwerke unterbleibt, da die zuständigen Behörden nach reiflichen Erwägungen zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß eine Verbilligung der Panzerplatten durch staatliche Fabrikation nicht erreicht werden würde. In der Budgetkommission des Reichstags war s. Z. die Anregung gegeben worden, der Staat möge die erwähnten Platten, an denen die Privatindustrie ganz besonders viel Geld verdiene, da sie der eigenen Regierung theurer als dem Auslande liefere, in eigenen Fabriken herstellen. Da das Reich auf Grund des Flottengesetzes in Zukun't größere Bestellungen aufzugeben in der Lage ist, als früher, so wird ihm die Firma Krupp die Platten hinfort ebenso billig liefern, wie sie z. B. den Vereinigten Staaten geliefert werden. Da kommt das Reich billiger zu seinen Panzerplatten, als wenn es großartige Fabrikanlagen Anrichten, sachverständige Ingenieure und Arbeiter aus- bildcn und der Firma Krupp ihre zweifellos sehr theueren Patente abkaufen müßte.
Königsberg. Die Staatsanwaltschaft in Königsberg i. Pr. hat die Berliner Kriminalpolizei ersucht, einige erfahrene Kriminalbeamte nach Königsberg zu senden, wo diese an der Aufklärung des dortigen räthsel- Haften Frauenmordes mitarbeiten sollen. Wie man in Königsberg wissen will, halten die Behörden einen Zusammenhang der Morde in Königsberg und Konitz nicht für unmöglich. Die Art der Verletzung beider Opfer und die Ausführung beider Blutthaten weisen eine über- raschcne Aehnlichkeit auf. Man könnte annehmen, daß zum mindesten in einem, dem Königsberger Falle, der Beweggrund der That Wahnsinn ist, und der Mörder entweder beide Morde auf dem Gewissen hat, oder daß er die That in Königsberg in wahnsinniger Nachahmung des Konitzer Mörders verübte. Die Leiche des in Königsberg ermordeten Fräulein Leyde wurde in fast .ne.. demselben Zustande gefunden wie die des Gymnasiasten Winter. Der vom Rumpfe abgeschnittene Kopf lag am Ufer des Wallgrabens, den Rumpf, von dem die Beine abgesägt waren, fand man in einen Sack eingenäht, im Wasser des Pregels. Raub, Rache, Lustmord oder Eifersucht sind als Beweggründe ausgeschlossen. Die Persönlichkeit des Thäters, der Ort der That sind noch in geheimnißvolles Dunkel gehüllt.
Köln. Bei den Schießübungen in Wahn hat sich, nachdem erst vor wenigen Tagen durch das Krepiren einer Sprenggranate im Rohr ein Kanonier getödtct worden ist, ein neuer Unfall ereignet. Beim Schießen mit schweren Zwölf-Centimeter-Kanonen platzten gleich beim ersten Schuß drei Rohre, wobei ein Kanonier durch Eisenstücke an einem Bein erheblich verletzt wurde.
Heidelberg. Ueber die Entschädigung der Verletzten beim Eisenbahnunglück, das sich zu Heidelberg am 7. Oktober v. I. ereignete, hat die großherzoglich badische Eisenbahnverwaltung in den letzten Wochen verschiedene Vergleiche getroffen. Frl. Kölling aus Münster i. W., die damals beide Beine verlor und in den letzten Tagen aus dem akademischen Krankenhause zu Heidelberg entlassen wurde, erhält eine jährliche Rente von 6000 Mk. oder ein entsprechendes Kapital. Ferner erhielt ein Großhändler in Mannheim, der selbst mit seiner ganzen Familie schwer verletzt wurde, und dessen eine 20 Jahre alte Tochter noch leidend ist, während die um ein Jahr jüngere nur auf Krücken sich bewegen kann und dauernd siech bleibt, eine Abfindungssumme von 225 000 Mark. Zu einem nicht so befriedigenden oder zu gar keinem Ergebniß sind bisher die Verhandlungen zwischen der Eisenbahnverwaltnng und verschiedenen Heidelberger Verletzten gelangt.
Ausland.
London, 21. Mai. Der Korrespondent der „Times" telegraphiert aus Carolina unterm 18. ds. Ms.: Der Geist der Uebergabe schwebt in der Lnft. Die Buren scheinen des Krieges herzlich müde zu sein, werden jedoch durch die geflissentlichen Lügen ihrer Befehlshaber über die Lage im Unklaren gehalten und bewogen, den Krieg noch etliche Monate fortzusetzen. Der Korrespondent befürwortet den Erlaß einer Proklamation, welche einen gewissen Termin für die Einstellung des Kampfes anf- stellt, nach dessen Ablauf den noch im Felde stehenden Buren die Rechte der Kriegsführenden verweigert, ihr Vermögen konfisziert und sie als Rebellen behandelt werden sollen. Gleichzeitig sollte eine wirksamere Besetzung des Landes von englischer Seite erfolgen. In
WM- Des hl. Pfingstfestes wegen erscheint die nächste Nummer erst Mittwoch Mittag. <M