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N 40

Samstag, den 18. Mai 1901

52. Jahrgang

^fl^IhtttrtM auf bie »Schlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen ^.....- Postanstalten undLandbriefträgern, >wie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Um zu verhindern, daß für die Oeffentlichkeit icht bestimmte Aeußerungen des Kaisers unbefugt weiter erbrütet werden, und um dem Ueberhandnehmen bildlicher Erstellungen vorzubeugen, soll, wie derKönigsb. Allg. stg." aus Berlin gemeldet wird, die Absicht bestehen, t Zukunft bei der Zulassung dienstlich mcht betheiligter jersonen zu Veranstaltungen, an denen der Kaiser theil- immt, eine schärfere Controle zu üben.

Der Kaiser und das Duell. Die noch immer hrer Erledigung harrende Mörchinger Offizierstragödie at bekanntlich s. Zt. dem Kaiser erneut Anlaß gegeben, ich wiederholt gegen das Duell auszusprechen, wenngleich er Monarch der Ansicht ist, daß gewisse Gesellschafts­reise eine ihnen zugefügte Unbill nicht so ohne Weiteres Wecken dürsten. Für den Oufiziersstand will der Kaiser M^er die Ehrengerichte organisirt und mit Strafbefugniß ausgerüstet wissen. In der letzten Zeit hat der Kaiser wiederholt die zuständigen Persönlichkeiten bei passender Gelegenheit auf das Duellverbot hingewiesen, mit dem Wunsche, daß sie bedacht sein mögen, dieses Verbot zu' ilnsehen zu bringen. Gleichzeitig sprach der Kaiser die Forderung aus, daß alle Duellvergehen streng bestraft verden möchten. Infolgedessen sind die verschiedenen Staatsanwaltschaften bemüht, jedes zur Kenntniß ge «rächte Duell aufzurollen und zur Ahndung zu bringen. Wo sich nur in der Presse eine Nachricht von einem Duell findet, da wird sofort eiu Ermittelungsverfahren ingeleitet. Auch in Berlin schwebt zur Zeit ein solche Zoll, in welchem die Staatsanwaltschaft gern d'e Namen jet Duellanten wissen möchte. Ueber alle Duellvergehen chp. Bestrafungen wird dem Kaiser kurz Bericht erstattet.

Prinz Ludwig von Baiern hat sich neuerdings für den Ausbau von Wasserstraßen ausgesprochen. Auf der Augsburger Versammlung des Vereins zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Baiern hielt er eine Rede, die folgende Sätze birgt: Die Hebung der Wasser- sirahen liegt im Interesse des ganzen Landes. Wohl ist für das Binnenland die Eisenbahn die erste Verkehrs­linie. .Aber sie genügt den Anforderungen der Jetztzeit nicht mehr. Schwerere, weniger kostbare Güter vertragen den Einbahntransport nicht. Viele große Werthe liegen dadurch brach. Die Binnenwasserstraßen sollen freie, durch keinerlei Abgaben und Zölle behinderte Verkehrs­linien sein. Gott sei Dank haben wir im deutschen Reiche hohe und innige Verbündete, und der höchste davon ist der Kaiser.

Die Einführung der Khakifarben für Felduniform gewinnt, rote den Münchener Neuesten Nachrichten von inilitärischer Seite geschrieben wird, besondere Wahr­scheinlichkeit auf Grund eingehender Erhebungen, welche über die Sichtbarkeit der Farben auf verschiedene große Entfernungen angestellt wurden, da letztere bei der ge­steigerten Tragfähigkeit der Feuerwaffen und dem dadurch bedingten größeren Abstande der Gefcchtsliinen Dom Gegner von außerordentlicher Bedeutung sind. Die Sicht­barkeit wurde nach Graden mit den Zahlen 1 bis 8 be­zeichnet, wobei die erstere Zahl die weiteste Sichtbarkeit, letztere Unsichtbarkeit bezeichnete. Dabei wurde besonders Gewicht darauf gelegt, die Sichtbarkeit der Farben nicht nur bei klarem Wetter festzustellen, sondern auch bei be= völktem Himmel und bei Nacht. Aus 600 Meter, jener Entfernung, in welcher in den meisten Fällen das den Angriff vorbereitende Feuergefecht eingeleitet oder in seinem größeren Theile durchgeführt wird, ist weiß bei klarem Wetter deutlich sichtbar (l), dann kommt husaren- blau und hellblau (2), scharlach (3), grün (4). Grau und die der Farbe des getrockneten Laubes gleichende Khakifarbe waren fast unsichtbar (7). Dunkelblau wurde bezüglich seines Sichtbarkeitsgrades mit 6 bezeichnet. Set trübem Wetter änderte sich dieses Verhältniß nicht

Falle von weiß, dunkelblau und braun. Hellblau erhält den Sichtbarkeitsgrad 3, scharlach 4, grün wird Zugegen besser sichtbar (3), khaki behält das bei klarem Wetter festgestellte Verhältniß. Nachts waren die Er­gebnisse die gleichen wie bei trübem Wetter, nur wird b>eiß vollkommen unsichtbar. Wenn auch die dunkelblauen Moim der deutschen Infanterie (von der bayerischen

abgesehen) nicht besonders sich durch Sichtbarkeit aus- zeichnete, so ergaben die Versuche doch zweifellos, daß das Verhältniß durch Annahme der Khakifarbe noch fehr zu Gunsten der Unsichtbarkeit ge­bessert wird, und daß es hauptsächlich als ein Vortheil in dieser Beziehung zu betrachten ist, wenn bie zahlreichen glänzenden Theile der Uniformirung (Knöpfe, Tressen, und dergleichen) durch solche von stumpfer. Farbe ersetzt werden, wie dies bei den Khaki-Uniformen des ostasiati- schen Expeditionskorps der Fall ist.

Brcslau, 13. Mai. Ein furchtbares Verbrechen wurde am Samstag in Repten, Kreis Kattowitz. verübt. Der 24 Jahre alte Schlepper Mazur von den Laura- Eisenerz-Förderungen erhielt bei der Abschlagszahlung anstatt der nachgesuchten 30 Mark nur 15 Mark mit dem Bemerken, daß der Rest seiner Frau ausgezahlt werden würde, da er diese hungern lasse. Aus Wuth darüber kaufte er sich einen Revolver, erschoß seine Frau und seinen Schwiegervater und verletzte seine Schwieger­mutter durch einen Schlag mit dem Revolverschast auf den Kopf. Der Mörder ist entflohen.

Auf dem Bahnhof Ludwigshafen ist in Folge Ver­sagens der Luftbremse am Donnerstag ein Zug mit voller Kraft einaefahren. Die Locomveive und mehrere Wagen durchdrückten die Wände der Einfahrtshalle und stürzten in den Rheinhafen. Eine Frau wurde getödtet, der Maschinenführer schwer verletzt.

Ausland.

Rom. 11. Mai. Schmerzlichstes Aufsehen erregen hier die Leiden von über tausend italienischen Auswanderern, die von gewissenlosen Agenten nach Kanada gelockt sind, wo sie dem gräßlichsten Elend preisgegeben sind. Die fernsten liegen, wie der Corriere telegraphirt, ohne Geld und Lebensrnittel auf der Straße. Viele sind er­krankt, andere bereits Hungers gestorben. Der Vesuv im Jahre 1900. Professor Matteucci, der bekannte Vesuv Erforscher, hat soeben der Akademie der Wissen­schaften in Paris einen zusammenfassenden Bericht über die außergewöhnliche Thätigkeit des Vesuv im verflossenen Jahre erstattet. Anfangs 1900 war der Kater 200 Meter tief, aber schon im April war die Lava in 30 Meter Tiefe wahrzunehmen. Es begann bald eine Zeit heftiger Ausbrüche mit aufsteigenden Flammen. Die ausgeworfe­nen vulkanischen Bomben und Blöcke flogen bis zu 537 Meter hoch. Der größte Block, den Matteucci maß, hatte ein Gewicht von 600 Zentnern und vollendete seine Bahn in etwa 17 Sekunden. Der italienische Forscher berechnet die Dampfkraft, welche diesen Riesenblock empor- schleuderte auf 608,000 Pferdekräfte und schätzt die ge- sammte Masse des Ausgeworfenen auf 500,000 Meter­zentner. Rings um die Krater häuften sich die Massen in so großen Mengen an, daß der Vesuv um volle zehn Meter höher wurde. Seine höchste Spitze beträgt nämlich jetzt 1303 Meter, gegen 1293 im Jahre 1899.

LaLales und Provinzielles

* Schtüchtern. 17. Mai.

* Herr Bürgermeister Fink in Stemau ist auf weitere 12 Jahre als Bürgermeister gewählt und be­stätigt worden.

* Zu den in voriger Nummer bereits kurz er­wähnten Defraudationen des bisherigen Sparkassen- rendanten Adam Weitzel ist noch nachzutragen, daß derselbe meisterhaft verstanden hat. sein Treiben heimlich zu holten, sodaß die Kunde davon allseitiges Befremden und auch bei vielen Leuten einen argen Schrecken hervor - rief. Hatte doch W. in den letzten Monaten vielfach Darlchne auf Wechsel contrahirt, zu denen als Bürgen zu unterschreiben er viele hiesige Bürger zu bereden wußte. Nun müssen diese wohl bezahlen; einzelne müssen Beträge von 25000 Mk. entrichten. Daß da mancher Geschäftsmann dem Ruin nahe kommt, steht zu erwarten. Wozu Weitzel die in seinen Besitz ge­kommenen großen Summen verwendet hat, ist noch nicht aufgeklärt, da er nicht über seine Verhältnisse lebte.

* Im Laufe der vergangenen Woche wurde unter Leitung des Provinzial-Schulrathes Dr. Otto und des Regierungsschulrathes Dr. Hinze die zweite (praktische Prüfung) am hiesigen Seminar abgehalten, zu der (ich 41 Lehrer eingefunden hatten. In der schriftlichen Prü­fung wurden folgende Thematabearbeitet: 1. Wie

erzielt der Lehrer die ungetheilte Aufmerksamkeit der Schüler? 2. Der Zweck des Chorsprechens; 3. Wir

sollendem Nächsten helfen und fördern in allen Leibesnöthen an Beispielen nachzuweisen. Die mündliche Prü­fung erstreckte sich auf die Hauptfächer des Sominar- unterrichts, außerdem mußte ein jeder Lehrer eine Lehr- probe vor den Schülern der Seminar Uebungsschule halten. Das Resultat der Prüfung war nicht günstig, denn von den in dieselbe eingetretenen Lehrern bestanden nur 27 derselben.

*Die drei gestrengen Herren" Mamertus, Pankratius und Servatius sind diesmal gnädig vorüber gegangen. Die gefürchteten Nachtfröste sind ausgeblieben, wenigstens ist bis jetzt bei uns von Frostschäden nichts zu merken. Hoffentlich kommt das dicke Ende in Gestalt eines Kälterückschlags nicht noch nach, damit der Pflan- zenwuchs und die Baumblüthe ungestört weiter fortschreiten können.

* Die Vereinigung mehrerer Packete zu einer Postpacketadresse ist für die Zeit vom 19. bis einschl. 26. Mai im inneren deutschen Verkehre nicht gestattet.

* Vom 1. Juli ab sind im inneren deutschen Postverkehr Ansichtskarten mit Verzierung rc. aus Mineral­staub, Glassplitterchen, Glaskügelchen, Sand, Metall- theilchen und dergl. wegen der Nachtheile, welche durch abfallende Mineraltheilchen rc. für die Gesundheit der Beamten und den Postbetrieb entstehen, von der offenen Versendung ausgeschlossen. Das Gleiche gilt für den Verkehr mit der Schweiz; im übrigen Weltpostvereins­verkehre waren solche Karten schon seither unstatthaft.

Orb, 22. Mai. Zur Eröffnungsfeier der Kleinbahn Orb-Wächtersbach am 23. Mai werden, nach derFuld. Ztg - auch der Oberpräsident Herr Graf Zedlitz-Trützsch- ler, Regierungspräsident von Trott zu Solz und Landes­hauptmann Frhr. v. Riedesel zu Eisenbach hier eintreffen. Beim Festessen im Kurhause werden zwei Kapellen spie..' Der erste Zug wird um Mittag die Strecke befahren; gleichzeitig wird auf der Bleiche ein großes Volksfest stattfinden.

Frankfurt a. M., 14. Mai. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ist heute Morgen in ihrer Wohnung hierselbst von zwei Prinzen entbunden worden.

Grebenhain, 13. Mai. Vor einiger Zeit wurde hier die Nachricht verbreitet, daß das hiesige Postamt in eine Agentur umgewandelt werden solle, da zwischen der Ge­meindevertretung nnd dem Postfiskus beim Ankauf des Geländes zum Bau eines neuen Postgebäudes keine Einigung erzielt worden sei. Nunmehr hat sich diese Angelegenheit zur Freude der hiesigen Bürgerschaft ge­klärt. Zwischen der Postbehörde nnd der Gemeinde ist jetzt ein Kaufvertrag zustande gekommen. Das neue Postgebäude wird in der Mitte des Dorfes errichtet werden. Im WalddistriktRothebach" der hiesigen Ober örsterei werden z. Z. größere Fichtenstammholz- fällungen für dieTelegraphenstangen-Jmprägnieranstalt" bei Schotten vorgenommen. Dem Forstwart Dillemuth zu Bermuthshain wurde bei den Messungsarbeiten von feiten der Forstbehörde der Forstwartassistent Körber aus Altenbuseck beigegeben. Die Stämme werden von Fuhrleuten der Umgegend gefahren und beim Verladen muß große Vorsicht obwalten, da das Holz zu dem Zwecke keinerlei Beschädigung erleiden darf. Gestern Nachmittag zog über unser Dorf ein heftiges Gewitter. Der Blitz tödtete eine in dem Stalle des August Döll stehende Kuh. Ein sehr gewichtiger Diebstahl ist in der Nacht vom 2. zum 3. Mai in Grebenhain vor- gekommen. Auf dem dortigen neuen Bahnhöfe sind 15 Stück 7 Meter lange Bauschienen gestohlen worden. Es wird wohl nicht schwer fallen, den Thäter dieses DiebstahleS einer gerechten Strafe zuzuführen.

Hildcrs, 12. Mai. Der vor einigen Wochen mit einigen (nicht 16) Tausend Mark durchgebrannte Frei­herrlich v. d. Tann'sche Gutsinspektor Dingley ist in Dresden aufgegriffen und in das hiesige Amtsgerichts- gcfängniß eingeliefert worden.

Kassel, 11. Mai. Das Kriegsgericht verurtheilte den Vizewachtmeister Vollmer vom 11. Artillerie-Regiment wegen Mißhandlung von Rekruten in 107 Fällen zu sechs Monaten Gefängniß._______________

Auf verwegener Huhn.

Kriminalnovclle von Gustav Höcker.

(Fortsetzung.)

Er sagte dies in einem Tone, wie ihn nur die leb­hafteste Theilnahme und das freundliche Interesse an der genannten Person eingeben konnte, und hoffte dadurch