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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Kp^ÜttN-kS^kk "uf dieSchlüchterner Zeitung" 5PHI.VUUHI5&II werben nod) fortwährend von allen - - - - Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar ist nach zweitägigem Aufent­halt in Straßburg nach Metz gereist, woselbst dasselbe am Montag Mittag eintraf. Am Abend erfolgte die Abreise nach Urville, woselbst eine Woche Aufenthalt ge­nommen wird.

Berlin. Im Reichstage ist am Donnerstag eine Kaiserliche Verordnung eingelaufen, auf Grund welcher der Reichstag bis zum 26 November vertagt werden soll. Der Seniorenkonvent berieth bereits, ob sich der Reichstag erst am 14. Mai oder noch in dieser Woche vertagen soll.

Aus Handwerkerkreisen geht derStaatsb.-Ztg." eine Zuschrift zu, die sich mit den Gefahren beschäftigt, die den Zwangsinnungen drohen. Noch ist das Hand­werkerorganisationsgesetz nicht zur rechten Wirksamkeit gelangt und schon wird eifrig daran gearbeitet, es mehr und mehr zu zerstückeln. Der Verein der Berliner Kaufleute und Industriellen scheint mit seinen Bestrebungen Erfolg haben zu sollen d e darauf gerichtet sind, für die Streichung aller großen sogenannten kaufmännischen oder Fabrik-Geschäfte aus den Innungen Gesetzeskraft zu ver­schaffen. Es wird bei diesen Geschäften, so groß sie auch sein mögen, stets das Eine übersehen, daß ihr Ge- sammtbetrieb stets in einen kaufmännischen und in einen handwerksmäßigen Theil zerfällt. Und steht diese That­sache einmal fest, so erklärt das Gesetz ein solches Ge­schäft für verpflichtet, der Zwangsinnung anzuge^ören. Würde diese Verpflichtung durch Gesetz aufgehobi--, st würden den Innungen die Mitgliedschaft und die hohen Beiträge aller größeren Geschäfte, die sich das Aus­hängeschild deskaufmännischen" oder der .Fabrik" leisten können, verloren gehen. Die Innungen würden damit aber die Befähigung verlieren, eine allgemeine Besserung des Handwerks herbeizuführen Die tüchtige gewerbliche Ausbildung der Lehrlinge würde bei Ent­blößung der Innungen von Geldmitteln zurückgehen. Das Kleingewerbe würde nach seinen Kräften die Lasten der Ausbildung der Lehrlinge, u. a. auch in der Form der Zahlung laufender Beiträge an die Innungen ganz allein zu tragen haben, und die Großgewerbe würden wieder einmal der lachende Dritte sein, der sämmtliche Vortheile aus dieser peinlichen Vorleistung tüchtiger Klein- Meister in seine Tasche steckt, indem er die vom Kleinen mühevoll angelernten jungen Handwerker lediglich zu seinem Nutzen verwendet.

Hamburg. Ein netter Gannerkniff wurde in Ham­burg an der Altonaer Grenze erfolgreich in Anwendung gebracht. In einen dortigen Krämerladen trat ein Mann und verlangte ein halbes Pfund Syrup. Als der Kom- mis ihn frogte, ob er hellen oder dunklen Syrup haben wollte, entgegnete der Käufer, die Farbe sei ihm egal. Der Kommis erbat sich darauf das Gefäß, um den Syrup hinein zu füllen. Der Käufer reichte ihm seinen Hut hin und forderte den erstaunten jungen Mann auf, das gewünschte Quantum dort hinein zu gießen. Nach­dem dies geschehen war, stülpte der Mann dem völlig ahnungslosen Kommis den Hut auf den Kopf, ergriff die Ladenkasse und entfloh mit seiner Beute. Der Kom­mis konnte erst nach vieler Mühe den Hut vom Kopfe bekommen und sein Gesicht von der klebrigen Masse be­freien.

Erfurt. Wahrhafte Schleuderpreise wurden bei einem kürzlich in Eischleben gerichtsseitig angesetzten Verkaufstermine erzielt. Es handelte sich um den zwangs- weisen Verkauf des Robert Riedschen Besitzthumes. Die große Hofraithe (zweistöckiges Wohnhaus, Stallung, Scheune u. s. w.) ging für nur 4200 Mark ab. Die 80 Morgen gutes Land wurden pro Morgen durchschnittlich für 50 Mark verkauft. Ein Erfurter Agent erhielt u. A. tinen Morgen für, sage und schreibe, 20 Mark. Für gewöhnlich kostet ein Morgen in dortiger Flur etwa 300 Mark.

Aus Sachsen. (Ein Zeichen der Zeit.) Ein Ein­wohner von Planen im Vmgtland suchte letzthin mittels Inserates eine bessere Wirthschafterin, die seinem Haushalte vorzustehen hätte. Außerdem war zur Be­dingung gemacht, daß die Betreffende einen neunjährigen

Mittwoch, den 15. Mai 1901.

52. Jahrgang.

es kann sich demnach nur darum handeln, daß Gelder, die dem Rendanten in Abwesenheit des Controleurs ge­zahlt wurden, nicht gebucht wurden. A. Weitzel, der allseitig großes Vertrauen genossen hat, soll verschiedentlich in seiner Privatwohnung außerhalb der Geschäftsstunden Gelder vereinnahmt haben. Näheres wird die sofort ein­geleitete Untersuchung ergeben. Für die Gläubiger der Kasse liegt in keiner Weise Anlaß zu Befürchtungen vor, denn die städtische Sparkasse hat einen Reservefond von annähernd 120 000 Mark und außerdem haftet die Stadt für jeden Verlust.

* Am Sonntag früh 'st 7 Uhr wurden durch den Elberfclder Brieftaubenverein auf dem hiesigen uud auf dem Steinaucr Bahnhof ca. 8000 Stück Brieftauben zum Wetlflug nach Elberfeld, Solingen und Ohligs auf» gelassen. Auf dem hiesigen Bahnhof wurden ca. 5500 Stück fliegen gelassen. Die Tauben trafen in einem Extrazug auf den Stationen am Samstag Abend ein. Ebenso wurden am Montag Morgen noch einige Hundert Stück Brieftauben fliegen gelassen.

* Die Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezbr. 1900 sind für den Kreis Schlüchtern folgende: Der Kreis wird von insgesammt 28,093 Einwohn.ru (1895: 28,398) bewohnt und zwar in 5621 Haushaltungen und 57 Anstalten 17,644 männliche und 14,399 weib­liche Personen. Mithin Abnahme gegen 1895 _ 305 Einwohner. Die Bewohner vertheilen sich auf 4 Städte, 42 Landgemeinden und 9 Gutsbezirke. In den Städten wohnen in 1027 Wohnhäusern 7137 Einwohner, und zwar 3560 männliche und 357 7 weibliche, welche sich auf 1517 Haushaltungen und 21 Anstalten vertheilen. Von den Städten hat Schlüchtern 2765 (1895: 2745), Steinau 209 4 (1895: 2102), Salmünster 1297 (1895: 1219) und Soden 981 (1895: 1026) Einwohner. Auf die Landorte kommen in 4104 Haushaltungen und 36 Anstalten 20,956 (1895: 21,306) und zwar 10,134 männliche und 10,822 weibliche Personen. An Wohn­häusern zählt der Kreis Schlüchtern 4414 bewohnte und 172 unbewohnte; davon stehen in den Städten 1060 und auf dem Lande 3499. Zugenommen an Ein­wohnerzahl haben nur Salmünster mit 78 und Schlüchtern mit 20 Personen. Sonst ist nur Abnahme zu consta- tieren und zwar 53 für Soden und Steinau, und 350 für die ländlichen Orte. Es ist dies eine Folge des Zuges der Landbewohner in die Großstädte und in den rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk.

* Pfingstverkehr. Den am 23. Mai und den folgenden Tagen auch nach dem Pfingstteste auf den preußisch hessischen Staatsbahnen, den Bahnen der Eisen- bahndirektio Frankfurt a. M. und der Main-Weser-Bahn gelösten gewöhnlichen Rückfahrkarten von sonst kürzerer Dauer ist eine Giltigkeit bis einschließlich den 3. June beigelegt worden. Die Rückfahrt muß spätestens am 3. Juni um 12 Uhr Mitternacht angetreten und darf nach Ablauf dieses Tages nicht mehr unterbrochen werden. Die direkten Rückfahrkarten nach bayerischen, pfälzischen, württcmbergischen und Stationen der Reichsbahnen er­halten die verlängerte Giltigkeitsdauer bis 3. Juni nur auf den preußisch hessischen Strecken, während sich die Giltigkeitsdauer auf den Strecken der genannten Bahnen selbst nicht über Mitternacht des zehnten Tages, vom Lösungstage ab gerechnet, hinaus erstreckt.

* (Oberkriegsgericht.) Am 23. März hatte sich vor dem Kriegsgericht in Frankfurt der aus Ostpreußen gebürtige Fußgendarm Lankschat, stationiert gewesen zu Ulmbach im Kreise Schlüchtern, wegen Mißbrauchs seiner Dienstgewalt zu verantworten. Das Kriegsgericht hatte den Angeklagten zu 2 Monaten 1 Tag Gefängniß verurtheilt. Der Gendarm aber wollte sich nicht bei dem Urtheil beruhigen und als er unter Benennung neuer Zeugen Berufung einlegte, wurde auch seitens des Kriegs­herrn Berufung eingelegt, um ein höheres Strafmaß zu ermöglichen. Auf den Rath seines Vertheidigers, Rechts­anwalt Rich. Bruck, verzichtete jedoch der Angeklagte auf die Vernehmung der Zeugen, deren ein ganzes Dutzend geladen war, und ließ nur um eine mildere Strafe bitten, da er bei einer Gefängnisstrafe seiner Stellung als Gendarm verlustig geht. Das Ober­kriegsgericht hielt eine Erhöhung der Strafe nicht für erforderlich, sah aber wegen der Schwere des Falles von einer Umwandlung der Gefängnißstrafe in Arrest ab und verwarf daher die beiden eingelegten Berufungen.

Schlitz. Dem gräflich Görtz'schen Ehepaar in Schlitz hat der Kaiser, nach einer Zeitungsmeldung, zur

Knaben bei den Schularbeiten zu beaufsichten hätte. Auf dieses Inserat hin erhielt der Suchende nicht Weniger als 214 Zuschriften mit und ohne Photographie. Die meisten der Bewerberinnen waren nicht nur in der Hauswirthschaft, sondern auch in der Musik perfekt und verstanden wenigstens eine fremde Sprache. Eine erbot sich sogar, neben ihren häuslichen Funktionen den Knaben selbständig in Musik, Lateinisch und Französisch zu unter» richten. Sucht man im Gegensatz hierzu ein Dienst­mädchen, so muß man froh sein, zwei oder drei Angebote zu erhalten, aber Wie hoch sind dann die Ansprüche gegenüber deu Leistungen!

Bonn. 650 Schoppengläser alsAndenken." AuS Bonn wird die seltsame Thatsache gemeldet, daß bei dem Kaiscrkommcrs, der dort kürzlich von der gesammten Studentenschaft aus Anlaß der Immatrikulation des Kronprinzen und des Besuches des Kaisers stattfand, nicht weniger als 650 Bierkrüge abhanden gekommen sind, welche sich die Theilnehmer offenbar als Andenken mitgenommen haben. Das Korps Borussia, welches die Arrangements des Kommerses in die Hand genommen hatte, ersucht nun öffentlich um Rückgabe der Bierkrüge oder aber um Zahlung von 1 Mark 25 Pfennig an den Wirth der Bonner Beethoven-Halle als Kaufpreis für das mitgenommeneAndenken".

Ausland.

Oesterreich. Das slovenische Winzerpaar Bratufa in Praßberg bei Marburg war angeklagt, sein zwölfjähriges Kind getödtet und im Backofen verbrannt zu haben; nun wurde aber festgestellt und vom angeklagten Ehepaar auch eingestanden, daß es die Leiche des Kindes ausgegessen hat. Knochen und Haare des Leichnams wurden aus­gefunden.

London, 8. Mai. Wie die Abendblätter aus Kap­stadt melden, finden in Nord- und Osttransoaal größere Gefechte statt. Die Buren erleiden schwere Verluste. 40 Buren wurden bereits getödtet, 200 verwundet und 160 ergaben sich. Zahlreiche Dokumente, Banknoten, 220 Wagen und 900 Pferde wurden erbeutet. Unter den Streitkrcisten der Buren herrsche nach Meldungen der Blätter eine große Demoralisation.

London, 11. Mai. DieTimes" melden aus Pi- naarsriver vom 6. d. Mts.: Das Ergebniß der ver- einigten Operationen im Buschveld ist, daß sich 1300 bewaffnete Kriegführende ergaben oder gefangen genommen wurden. Den Buren wurde Pietersburg als Operations- basis entrissen. Nach den Ergebnissen der Vorgänge im letzten Monat zeigt sich, daß die Buren den Feldzug im Buschveld weniger als die Engländer ertragen. Die Panzerzüge sind jetzt zur Vollkommenheit gebracht und bilden einen höchst interessanten militärischen Studien­gegenstand, da sie für die gegenwärtige Art der Kriegs­führung unschätzbar sind.Daily Chronicle" erfährt aus Petroria vom 6. Mai: Die große Anzahl der Waffen- Niederlegungen in der letzten Zeit erklären sich durch die Thatsache, daß Botha sich aller Schwächlinge zu ent­ledigen wünsche. Er hielt neuerdings eine Ansprache, worin er betonte, daß er nur solche Männer halten werde, die gewillt seien, fortzukämpfen bis ans Ende.

London, 5. Mai. Das Reutersche Bureau meldet aus Peking vom 3. d. Mts.: Die meisten Gesandten begeben sich in der nächsten Woche zum Sommeraufent- Halt in das westliche Gebirge und nehmen die Militär­wachen zum Schutze mit. Sie beabsichtigen, nur zur Ab­haltung von Besprechungen und Besorgung der nöthigen Geschäfte nach Peking zu kommen. Ein Missionar der Londoner Mission erklärte, alle Berichte aus den Provinzen zeigten, daß sich das Land in einem beklagcns werthen Zustande der Unzufriedenheit befinde. Der bittere Haß und die Drohungen gegen die Fremden seien schlimmer, als vor der Belagerung der Gesandtschaften. Die Zurückziehung der Truppen dürfte das Zeichen für die Niedermetzelung der einheimischen Christen sein.

Lokales und Provinzielles

* Schlüchrern. 14. Mai.

* Wie aus dem Anzeigentheil zu entnehmen ist, hat sich der Rendant der städtischen Sparkasse, Adam Weitzel, der Königlichen Staatsanwaltschaft in Hanau gestellt, weil er angeblich Sparkassengelder im Betrage von 40 000 Mark unterschlagen hat. In welcher Weise diese Unterschlagungen stattgefunden haben, ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt, denn alle Depots und Werthpapicre der Kasse sind unter doppelten Verschluß und völlig intakt,