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WüchternerAitun

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 11. Mai 1901.

52. Jahrgang.

11116 auf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ^ --= Postanstalten und Landbriefträgern, wie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. St. Majestät der Kaiser jagte am Dienstag ib Mittwoch bei Donaueschingen auf Auerhähne. Die stunft des Monarchen in Straßburg i. E. erfolgte reitag Mittag. Abends findet aus Anlaß des 30. Kreistages des Frankfurter Friedens im Kaiserpalast mnktafel statt. Den Abschluß des Tages bildet ein oßer Zapfenstreich der gesammten Garnison. Am onnabend wird Se. Majestät die Hohkönigsburg besuchen.

Aus China ist dem Großherzog von Heffen fol- ndes Telegramm Dom Kommandeur des 4. Oostafiati- ien Infanterie-Regiments, Oberst Hoffmeister, zu- gangen: .Siegreiche Gefechte an der großen Mauer, essen sehr brav. Hoffmeister." Wie derKölnischen ntung" aus Peking vom 5. d. Mts. meldet, machten ich dem Bericht des Hauptquartiers die Leutnants irften, des Ars, Kummer, von Wilomowitz einen außer- dentlichen Erkundigungsritt von etwa 100 Kilometer jtr Kalgan hinaus nach Tatung'u 275 Kilometer estlich von Peking. In Schanfi wurden keine chine- che Truppen mehr vorgefunden.

Vergebliche Liebesmühe. Eine Abordnung pol- scher Abgeordneter ist bei dem preußischen Kultus- inister wegen der Erlasse über den Religionsunterricht irstellig geworden. Der Minister gab die Erklärung i, daß er seine Maßnahmen aufrecht erhalten müsse, An selbst die Schuljugend sei schon von einer staats indlichcn großpolnischen Agitation beeinflußt. - Eine idere Antwort war gar nicht zu erwarten.

Realgymnasium und Medizinstudium. Die nene gliche Prüfungsordnung wird, wie aus parlamentarischen reisen bestimmt verlautet, noch vor Pfingsten vomBundes- >the genehmigt werden. Es soll keinem Zweifel unter» egen, daß den Abiturienten der Realanstalten das Studium der Medizin eröffnet werden wird.

Jn Mariendorf bei Berlin ermordete derAgent Bobbe ie Ehefrau seines Hausbesitzers, Namens Hemmling, ie beiden Knaben seiner Geliebten Stäger und ver­endete den heimkehrenden Hemmling, den er zu einer 'äffe Kaffee einlud, durch zwei Schüsse, worauf er aifloh. Beim Besteigen der Pferdebahn sollte Bobbe ertastet werden, jedoch erschoß er sich im Augenblick er Verhaftung.

_ Lübeck, 7. Mai. Die neuen Lübeck'schen Reichs- Mzen werden erst vom 1. Juni ab in den größeren Verkehr kommen. Zunächst sind die Münzen nur unter rn Mitgliedern des Senates und der Bürgerschaft ver­teilt. Am 1. Juni wird auch an jeden Beamten, unter Anrechnung auf sein Gehalt, je eine Krone und ein iweimarkstück ausgezahlt werden, auch jeder zur Zeit in übeck beim 162. Infanterieregiment dienende Soldat "rd beim nächsten Löhnungsappell unter seinen 2,20 M. in neues Zweimarkstück finden. Die Münzen zeigen nf der Vorderseite in prächtiger Prägung das Lübeck'sche Staatswappen mit der Umschrift:Freie und Hansastadt Lübeck", auf der Rückseite den Reichsadler mit dem Ael:Deutsches Reich 1901* nebst der Werthbezeichnung Zehn" respektiveZwei Mark." Geprägt sind in Gold üf 100,000 Mark und in Silber für 50,000 Mark, tot erste Prägung ist auf Zehn- und Zweimarkstücke schränkt. Zum letzten Male sind seitens der Freien M Hansastadt Lübeck im Jahre 1801 Münzen geprägt "erden.

Stettin. Berurtheilung einer Kindesmördcrin. Wegen Ursachen Kindesmordcs hatte sich die 47jährige Wirth- Merin Johanna Selle, separirte Fleischermeister Ra> aus Ichwonieshagen bei Wollin i. Pr., vor dem ^4wurgericht in Stettin zu verantworten. Die Angekl ^de beschuldigt, in dem Jahre 1890, ferner in den i^hren 189293, 1894-95, und 1896-98 ihre vier gelitten Kieder sofort nach der Geburt vorsätzlich ge- "-tit, die Leichen der kleinen Wesen im Rauchiange ^Lrrt und alsdann in Kisten verpackt zu haben, in sie Ende vorigen JahreS aufgesunden wurden. & der Verhandlung, welche zwei Tage währte, waren ^ 3tugen und zwei gerichtliche Sachverständige oor- W®ben. Auf dem Gerichtstische befanden sich eine Ko- und zwei größere Kisten, in welchen die völlig zu

Mumien vertrockneten Ueberreste der Kinder lagen. Vor Eintritt in die Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit für die ganze Dauer derselben ausgeschlossen. Die An« geklagte legte das Geständniß ab, daß eines der Kinder nach der Geburt noch gelebt habe, bei den anderen be- stritt sie dieses. Der Staatsanwalt beantragte eine Zucht­hausstrafe von zehn Jahren. Nach längerer Berathung erkannte der Gerichtshof nach dem Anträge des Staats- anwalts. Es wurde in der Motivirung ausgeführt, daß von der einen Seite zwar in Betracht gezogen sei, daß die Angklagte bisher unbestraft sei daß aber andererseits die Abscheulichkeit ihrer That eine schwere Strafe an­gebracht erscheinen lasse. Die Angekl., die sich seit dem 20. d. Js. in Untersuchungshaft befand, nahm das Ur­theil ohne Erregung hin und behielt sich die Einlegung weiterer Rechtsmittel noch vor. Aus der Verhandlung ging noch hervor, daß die Sell sechs uneheliche Kinder gehabt hat, deren Ueberreste vorgefunden sind. Von diesen find jedoch zwei nicht lebensfähig gewesen, wes­halb die Anklage diese beiden Fälle sofort ausgeschieden hat.

München. Die bayerische Regenten'amilie in vier Generationen. Ein Telegramm aus Bamberg meldet, daß die Gemahlin des Prinzen Ruprecht einem Sohne das Leben geschenkt hat. Hierdurch besteht das regie rende bayerische Haes in vier Generationen, dessen erste der Prinzregent Luitpold repräsentirt, während die zweite durch seinen Sohn, den prä'umtiven Thronfolger Prinz Ludwig verkörpert wird. Prinz Ruprecht, der jetzt in hoher militärischer Stellung in Bamberg refidirt, ist der älteste Sohn des Prinzen Ludwig, und der neu­geborene Prinz und zukünftige bayerische König somit der Urgroßenkel des greisen Prinzregenten Luitpold. Der Bockausschank im Hofbräuhause, dieMaikur" echter und rechter Bierkieser, hat in der üblichen Weise begonnen und erfreut sich bereits trotz des recht naßkalten Wetters eines ungemein großen Besuches. Von der Größe des Betriebes deS altberühmten Maibockes kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man folgende Zahlen besieht: Der Durchschnittsausschank im Hofbrauhause allein belauft sich an Wochentagen auf 100 Hektoliter, an Sonntagen auf 120 und mehr. Dazu werden täglich verzehrt 12 000 bis 15 000 Bockwürste, die von 25 eigenen Metzgern täglich ab 2 Uhr früh im Hofbräu­hause selbst hergestellt werden. Außerdem werden noch täglich zu allen möglichen Speisen 10 15 Kälber, 20 Schweine ;c. verarbeitet. Zum Bockausschank find un« ausgesetzt von früh 7 Uhr bis Abends 5 Uhr zwölf Schänken in Betrieb. Punkt 5 Uhr verschwinden die Bockgläser und derolle ehrliche" Maßkrug mit gewöhn­lichem Sommerbier tritt wieder in seine Rechte. Von diesem Bier werden dann noch täglich trotz des großen Bockkonsums vorher etwa -3540 Hektoliter getrunken. Dabei übrigens von Exzessen keine Spur! Man sieht also, den Münchener .bekommtes" in jeder Weise!

Ausland.

Ungarn. In der Ortschaft Macs-Topolya hielt sich vorige Woche eine Zigcunerkarawane auf, deren Mitglieder verschiedene Diebstähle verübten und darum in das Ge­meindehaus zilirt wurden. Hier schor man sie für ein Zigeuner ein großer Schimpf ratzekahl und jagte sie sodann aus dem Dorfe. Die Zigeuner übten jedoch schreckliche Rache. In der Nacht schlichen sie sich in das Dorf zurück und vergifteten das Wasser der beiden Gemeindebrunnen Tags darauf starben nach dem Ge- nuffe dieses Wassers fünf Personen. Der Gendarmerie gelang es, die Zigeuner festzunehmen. Man fand bei ihnen große Mengen von Strychnin, Arsenik und an deren Giften.

Peking, 8. Mai. In Tientsin verursachten zwei betrunkene russische Offiziere großen Lärm und kamen dadurch mit den deutschen und englischen Polizeisoldaten in Streit. Als der Leutnant Telgakowsky vom Kriegs­schiff Lobe einen der deutschen Soldaten angriff, gab dieser in der Nothwehr Feuer und verwundete den Leutnant, der dann seinen Verletzungen erlegen ist. Ein anderer russischer Offizier erschien schwer betrunken vor der italienischen Kaserne und versuchte in sie einzu- dringen. Als die Wache ihn abwies, wurde er hand­greiflich, worauf er durch die Wachmannschaft festge­nommen wurde. Der italienische Admiral Candiani verlangte und erhielt von dem russischen Kommandanten volle Genugthung.

: Transvaal. Die Pest breitet sich in Kapstadt immer

t mehr aus. Die englischen Fahrzeuge können schon seit - Wochen dort nicht mehr landen, sondern müssen zu diesem Zweck Port Elisabeth aufsuchen. Auch dieses aber ist - bereits verseucht, sodaß die englischen Transportschiffe, ' die Verstärkungen, Lebensmittel rc. heranbringen, sich ; nach Natal resp, der Delagoabei wenden müssen. Sind auch diese Häfen erst von der Pest ergriffen, was unter den obwaltenden Verhältnissen thatsächlich nur eine Frage der Zeit ist, dann ist das englische Heer in Südafrika vollständig von der Außenwelt abgeschnitten und dem Verderben preisgegeben. Die Opfer des südafrikanischen Krieges wachsen lawinengleich an. Das englische KriegS- aml veröffentlicht die englischen Verluste in Südafrika bis 1. Mai. Dieselben belaufen sich insgesammt auf 63,498 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften In dieser Zahl sind die Kranken und Verwundeten, welche sich augenblicklich in südafrikanischen Hospitälern befinden, nicht einbegriffen. Unter den Engländern fordern Krank­heit und Tod immer größere Opfer, während fich die Buren wohlauf befinden und je länger der Krieg dauert, um so kampfesfroher werden. Das gewaltige Heer des Lord Kitchener läuft ernste Gefahr, eines schönen Tages einmal völlig zusammen zu brechen; ein richtiger Kern von Truppen ist überhaupt nicht mehr vorhanden und ein Kriegsplan Kitcheners scheitert nach dem andern. Und in England, da ruft man laut und immer iau0 nach einer schleunigen Beendigung des Krieges, da bi^ finanziellen Opfer, die dieser erfordert, geradezu uner­schwinglich geworden sind. Nicht nur die südafrikanische Armee, sondern ganz England erscheint durch den Krieg bereits gefährdet, und dem Zwang gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, wird sich John Bull schließlich doch zur Gewährung sehr anständiger Friedensbedingungen herbei­lassen müssen. Die neueren Meldungen vom Kriegs­schauplatz bekunden übereinstimmend, daß es den Briten so schlecht als möglich geht. Die Buren sind wieder auf 24,000 Mann gestiegen; der Zuzug aus dem Kap­lande soll so bedeutend sein. Bei den Engländern besteht die 2., 3., 7. und 8. Infanteriedivision nicht mehr, und die Kavalleriedivision French zählt nur noch die 1., 2. und 4. Brigade, was den Schluß nahelegt, daß einzelne Regimenter mit einander verschmolzen sind, um gefechts« fähige Einheiten zu erzielen. Die Offiziere gehen ab wie Märzschnee. Die Brigaden werden durchweg von Obersten oder gar Oberstleutnants mit nurörtlichem", d. h. zeitweiligem Generalsrang geführt. Die berühmte Säuberung von Südost Transvaal durch French ist völlig nutzlos gewesen. Die Buren haben sich in Ermelo häus­lich eingerichtet und ihre Felddruckerei giebt dort sogar eine Zeitung, dieErmelo-Post", heraus. Es ist über­haupt wunderbar, wie der administrative Apparat bei den Buren noch klappt. Talente scheinen in der Kriegs­noth bei ihnen wie Brombeeren zu wachsen. Wer hat früher etwas von Kritzinger oder General Beyers gehört? Und jetzt find das anerkannt tüchtige Führer. Nein, noch ist nicht aller Tage Abend.

Lokales und Provinzielles

* Schlächtern. 10. Mai.

* Der Postassistent Ströhler zu Elm wurde zum Postverwalter ernannt.

* Für die Kinder bildet Frühlingswetter und die emporblühende Natur Anregung zum häufigeren Aufent- halt im Freien. Vom gesundheitlichen Standpunkte aus ist es stets mit großer Freude zu begrüßen, wenn die Jugend recht oft in der frischen Luft und dem Sonnen­schein sich tummeln kann. Es muß jedoch bei diesem Tummeln im Freien darauf geachtet werden, daß die Kinder sich nicht auf die Erde legen. Eine Ermüdung in Folge eines angestrengten Marsches oder eines an« geregten Spieles, dazu daS schöne Wetter laden gerade­zu ein, sich ins Gras zu legen. Der Boden aber ist für die ersten Wochen noch feucht. Die Sonne hat noch nicht vollständig mit den Folgen des Winters aufzuräumen vermocht und ihre Wukung erstreckt sich nur auf die Oberfläche. Wer sich an die Erde legt, etzt sich den Einwirkungen der Kälte, die noch im Boden hattet, aus, und legt dadurch sehr leicht den Grund zu einem Rheu­matismus, der für das ganze Leben anhalken kann.

* Aus Anlaß der bevorstehenden Baumblüthe ist eine Warnung vor Beschädigung der Bäume und Sträucher durch Abbrechen von Zweigen und Serien am Platze. Das Beschädigen der Bäume und Sträucher