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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 37.

Mittwoch, den 8. Mai 1901.

52. Jahrgang.

Mblllttmttt auf ^^ »Schlüchterner Zeitung" tverbm nod) fortwährend von allen - Postanstalten und Landbriefträgern, owie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J-Nr. 1319 K.-A In Folge der Neubildung einer Zeiten Abtheilung bei dem Stempel- und Erbschafts- ieueramt in Cassel werden die Herren Standesbeamten an- Ikwiesen, für das 1. Vierteljahr 1901/02 (April/Juni) jtvti besonderen Todtenlisten aufzusiellen und zwar eine üc den Monat April und eine für den Mai und Juni. Die erste ist an das Kgl. Stempel- und Erbschaftssteuer- imt, Abtheilung I. zu Cassel, die zweite an das Kgl. Stempel- und Erbschaftssteueramt zu Frankfurt a. M., das von jetzt ab das für den Kreis Schlüchtern zu­ständige Stempel- und Erbschaftssteueramt bildet, ein- zureichen.

Schlüchtern, den 30. April 1901.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist am Sonntag Abend von Schlitz nach Karlsrnhe zum Besuch des Großherzogs von Baden abgereist. Die Ankunft daselbst erfolgte Montag Morgen um 8 Uhr.

4. Mai. Dem Vernehmen nach hat der Kaiser die Ent­lassungsgesuche der Minister von Miquel, von Hammer- stein-Loxten und Brefeld angenommen. Was den Ein­druck betrifft, den der Ministerwechsel, namentlich der Rücktritt des Herrn v Miquel, hervorgerufen hat, so ist zu sagen, daß das Scheiden des bisherigen Finanz­ministers in den Kreisen der Konservativen nicht nur tiefes Bedauern erregt, sondern auch eine augenscheinliche Bestürzung hervorgeruken hat. Eine so einschneidende Maßnahme hatten die Kanalgegner nicht erwartet. Auch daß Landwirthschaftsminister v. Hammerstein geht, wird in den konservativen agrarischen Kreisen aufrichtig beklagt und bisher vielfach noch gar nicht geglaubt. An den Börsen wurden dagegen die Nachrichten von der Demission Miguels und Hammersteins, sowie des Handelsministers Brefeld mit minutenlagen Hurra-Rufen begrüßt, wie sich auch in der gesummten liberalen Presse eine nicht zu verkennende Genugthuung über das Geschehene kundgiebt. DerVoss. 3f9 " wird zu der Krisis noch mitgetheilt, daß der Ministerpräsident Graf Bülow mit verschiedenen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses Besprechungen über die Aussichten der Kanalvorlage hatte und darauf dem Kaiser seine Vorschläge unterbreitete, die sofort ange­nommen wurden. Wie es heißt, wäre der Kaiser auch einer Auflösung des Abgeordnetenhauses nicht abgeneigt. Daß eine solche im Laufe des Sommers stattfindet, ist wahrscheinlich. Die Neuwahlen sollen so angesetzt werden, daß für die nächste Session des Landtags ein früherer Termin als sonst üblich, also Ende Oktober oder Anfang November, in Aussicht genommen wird. Dem neube- tufenen Landtage dürfte dann alsbald wieder die Kanal­vorlage unterbreitet werden. Nach Artikel 51 der Verfassung müssen im Falle der Auflösung die Neuwahlen in längstens 60 Tagen erfolgen und die Kammern spätestens am 90. Tage nach der Auflösung versammelt werden. Es wurden zum Handelsminister der nationalliberale Abgeordnete Möller-Brackwede, der im Reichstag den Wahlkreis Duisburg, im Abgeordncten- Hause den Wahlkreis Bielefeld vertritt, zum Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben, der bisherige Minister des Inneren, zum Minister des Innern Freiherr v. Beth- wann-Hollweg, gegenwärtig Oberpräsident der Provinz Brandenburg, zum Landwirthschaftsminister Herr v. Podbielsky, bisher Staatssekretär im Reichspostamt, ium Vizepräsidenten deS Staatsministeriums der Minist» r ohne Potefeuille und Staatssekretär im Reichsamt dcs Inneren Graf Posadowsky und zum Staatssekretär im Reichspostamt der Geheime Oberregierungsrath in diesem Amt Krätke designirt.

Berlin, 6. Mai. Eine Extra-Ausgabe desReichs- anzeigers" veröffentlicht die nachgesuchte Entlassung der Minister Dr. v. Miquel, Freiherr p. Hammerstein und Brefeld. Es wurden ernannt Freiherr v. Rheinbaben ium Finanzminister, v. Podbielsky zum Landwirthschasis- winister, der Bezirkspräsident Freiherr v. Hammerstein w Metz zum Minister des Inneren und der Abgeordnete Geheime Kommerzienrath Möller-Duisburg zumHandels- Dinifter, endlich der Direktor im Reichspostamt Kraetke

zum Staatssekretär des Reichspostamtes. Dr. v. Miquel wurde ins Herrenhaus berufen, dem bisherigen Land­wirthschaftsminister v. Hammerstein wurde die Krone zum Großkreuz des Rothen Adler-Ordens, dem bis­herigen Handelsminister Brefeld das Großkreuz des Rothen Adler-Ordens mit Eichenlaub verliehen.

Ueber das Gefecht an der großen Mauer, das den Schwarzflaggen des Generals Liu eine so schwere Niederlage zufügte, liegen noch weitere Mittheilungen vor, die alle ohne Ausnahme glänzend für die deutschen Truppen lauten. Die Verluste unserer wackeren Truppen sind zwar nicht gering, neun Todte beweint die deutsche Nation und 30 Verwundete bilden den Gegenstand zarter Sorge seitens ihrer Angehörigen; aber der Triumph, den die Kriegstüchtigkeit unserer Truppen bei der S»bansi- grenze davongetragen, ist wohl des Blutes der Edlen werth. Der Erfolg von Schaust war ein durchgreifender, man darf wohl auch erwarten, daß er ein nachhaltiger sein wird. Nach der schmählichen Niederlage an der großen Mauer, die Hunderten von Chinesen das Leben gekostet, darf man wieder auf größeren Respekt seitens der Langzöpfe rechnen. Es war auch die höchste Zeit, daß einmal wieder ein Exempel statuirt wurde, denn die hinterlistige Gesellschaft glaubte deu fremden Gesandten und Truppen schon alles bieten zu können. Wir hoffen, daß die Kämpfe an der großen Mauer auch für den Abschluß des Friedensvertrags förderlich wirken werden. Die Truppen haben jetzt das ihrige gethan, nun sollen die Diplomaten zuschen, daß sie unter dem Eindruck der Schansischlacht den Frieden herstellen. Die Russen hatten bei Mugkden ein blutiges Gefecht mit den Chinesen. Hierbei wurden gegen 60 Mann au Todten und Verwundteten verloren. Vier Offiziere sind gefallen. Unter den Verwundeten befindet sich.General Zerpitzki. Wie kritisch nach wie vor die Lage auf dem Kriegsschau­platze ist, zeigt auch eine Depesche aus Peking nach Paris, welche besagt, daß die Lage unsicher bleibt, und daß es feststeht, daß der Kaiserliche Palast aus Ueber- muth angezündet worden ist. Es sind neue verbrecherische Versuche bei Hellem Tageslicht gemacht worden, Feuer in dem Gcsandtschafts-Viertcl anzulegcu.

An Kriegsinvaliden der Unterklassen gibt es aus dem Kriege 187071 noch 39,365 und zwar 1209 Feldwebel, 4520 Sergeanten und 33,636 Gemeine. Von der Gesammtsumme entfallen 31,124 auf Preußen, 1697 auf Sachsen, 819 auf Württemberg und 5815 auf Bayern. Aus den Kriegen vor 1870 stammen noch 8476 Kriegsinvaliden, wovon 7285 auf Preußen, 433 auf Sachsen, 114 auf Württemberg unb 644 auf Bayern kommen Außerdem stammen 524 aus der vormaligen holsteinischen Armee. Die Gesammtsumme der Kriegs­invaliden der Unterklassen bcläuft sich auf 48,475, wo­von 1401 Feldwebel, 5588 Sergeanten und Unteroffiziere und 41,376 Gemeine sind. Auf Preußen entfallen 30,409, auf Sachsen 2040, auf Württemberg 933 und auf Bayern 6459.

Ueber die Getreidelagerhäuser, welche mit Staats­hilfe seit 1896 errichtet sind, ist dem Landtage jetzt wiederum Bericht erstattet worden. Danach sind im ver­flossenen Jahre 6 solche Getreidelagerhäuser eröffnet worden, und beträgt die Zahl der mit Hilfe des Staats­kredits gebauten Getreidelagerhäuser, welche im Betriebe sind, jetzt 30. Davon entfallen 13 auf die Provinz Pommern, in jeder anderen Provinz, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Rheinprovinz, ist ein solches Ge­treidelagerhaus im Betriebe. Beabsichtigt wird der Bau von Getreidelagerhäuser noch in Münster i. W., Hameln, Worbis, Rastenburg und Simmern (Rheinprovinz). Die Getreidelagerhäuser sind auf den Bahnhöfen errichtet. Die voraussichtlichen Gesammtkosten belaufen sich auf 4,1 Millionen Mark. Hierauf sind bis Ende Dezember ver­ausgabt 3,7 Millionen Mark.

Merseburg, 3. Mai. Eine Blüthe der Submission hat wieder einmal die Verdingung der Ausführung der Hauptkanäle, der Kläranlagen und der Kanalisation her- vorgebracht. An dem Wettbewerb beteiligten sich 21 Firmen, von denen Möbus Charlottenburg die höchste Forderung im Betrage von 794 568 Mark, Hüscr u. Ko. in Oberkassel die niedrigste mit 373 217 M. gestellt hatte! Also ein Unterschied von 421351 Mk.

Mainz. Eine bestialische That hat sich in Wcisenau bei Mainz zugetragen. DasMainzer Tagbl." berichtet darüber: Der 26jährige Brauer Karl Albrecht stammt aus Fürth i. B., er lebte in wilder Ehe und

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wohnte in demselben Hause wie der Arbeiter König, Kürzlich wurde Albert wegen Konkubinats angezeigt und in der Untersuchung auch König vernommen. Seit dieser Zeit haßte Albert den König und drohte ihm häufig, er werde ihn kalt machen, wenn er ihn allein erwische. Vorgestern Morgen begab sich König nach dem Früh­stück um 8 Uhr in den Gährkeller, Albert bewaffnete sich mit vier großen eisernen Schrauben und einer eisernen Kugel, und schlich dem König, der sich allein im Keller aufhielt, nach. Dieser stand ahnungslos mit einem Leuchter in der Hand vor einem Fasse, als er plötzlich mit einer Schraube von dem Albert einen so wuchtigen Schlag auf den Mund erhielt, daß ihm die Zähne eingeschlagen wurden. Der Ueberfallene suchte sich mit seinem Leuchter zu vertheidigen, der riesenstarke Albert packte ihn jedoch, warf ihn zu Boden, worauf er ihm 34 volle 50 Literfässer auf die Brust warf. Auf die Hülferufe des König eilte der Brauführer Seibold in den Keller. Albert wendete sich aber gegen diesen, woraus derselbe flüchten mußte. Der schwer zerschlagene König hatte sich inzwischen etwas aufgerichtet; alS Albert dies sah, ergriff er eine schwere eiserne Hebestange und versetzte seinem Opfer damit mehrere Schläge auf "den Kopf und die Arme. König stürzte alsbald nach bujen fürchterlichen Schlügen todt zusammen. Inzwischen war der Brauführer mit mehreren anderen Arbeitern wieder herbeigeeilt, der Thäter flüchtete nach oben. Der Todte wurde in die Braustube getragen und die Gendarmerie von dem Vorfälle in Kenntniß gesetzt, worauf diese den Mörder verhaftete. Der Mörder wurde sofort über seine That vernommen. Er erklärte, er habe die That schon lange geplant und bereue sie nicht. Er mache sich auch nichts daraus, wenn er den Kopf verliere. Der Er­schlagene war 35 Jahre alt und stammte aus.Alzey, er ist verheirathct und hat fünf Kinder.

Ausland.

Ungarn. Aus Pest wird eine überaus sensationelle und kaum glaubliche Meldung telegraphirt. Danach Hütte die Gouvernante Dürrtsch, nachdem sie wegen eines Verbrechens verurtheilt worden, ihren Hauptbelastungs- zeugen und früheren Geliebten, den ehemaligen anti­semitischen Abgeordneten Geza Onody, der seiner Zeit in dem Tisza Eszlarer Prozeß eine bedeutende Rolle ge­spielt hat, beschuldigt, 18ö3 die Esther Solimoffy selbst erschossen zu haben, was sie beweisen könne. Onody hat der Aufforderung, zur Polizei zu kommen, nicht Folge geleistet und ist seit einigen Tagen verschwunden.

London. Wie man derVoss. Ztg." aus dem Haag meldet, erhielt Präsident Krüger aus Laurenzo Marques eine Meldung, der zufolge die Asrikanerrebelliou in der nördlichen Kapkolonie an Ausdehnung gewinne. 1000 bewaffnete Holländer sollen sich den Buren angeschlossen haben.

Newyork, 4. Mai. In Jacksonville in Florida sind 145 Häuserblocks niedergebrannt, indessen befanden sich darunter viele leichte Holzgebäude. Sechs Personen sind verbrannt. Um das vom starken Winde genährte Feuer einzudämmen, mußten mehrere Stadtviertel abgerissen werden. Der durch die Feuersdrunft in Äsche gelegte Stadtlhcil ist etwa zwei Meilen lang. Viele städtische Gebäude sind zerstört. Der Bürgermeister veranschlag: den Schaden auf über 15 Millionen Dollars. Zehn­tausend bis fünfzehntausend Menschen sind obdachlos. Militär ist aufgeboten worden, um Plünderungen zu verhindern.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 7. Mai.

* Versetzt wurde Herr Postassistent Nolkwein von Salmünsier nach Schwarzenfels an Stelle des ver storbenen Postagenten von Voith daselbst.

* - Herr Postverwalter Schick in Stcinau hat die Prüfung als Postsecretär bestanden.

Pf. Den Landwirthen und namentlich den Vicl- züchtern des Kreises können wir jetzt schon mittheilen, daß unser landwirthschaftlicher Kreisverein in Gemein schaft mit der Rinderzuchtgenossenschaft in der Woche vom 9. bis 15. Juni d. I. eine größere Thierschau mit Prämiirung verunstalten- wird. An Prämien werden voraussichtlich ca. 1000 Mark zur Vertheilung kommen. Das Nähere hierüber wird in den nächsten Nummern dieser Zeitung veröffentlicht werden.