Einzelbild herunterladen
 

WüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^34. Samstag, den 27. April 1901. 52. Jahrgang.

....... IMM.................................................

^olhtttdl^ auf bie ..Schlüchterner Zeitung" inuUUII^rH werden noch fortwährend von allen -^-^^^- Postanstalten undLandbriesträgern, mit von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Zerlin. Wie aus Bonn gemeldet wird, verließ der aiser mit dem Kronprinzen und den Prinzen Adolf zu chaumburg-Lippe gestern Abend um 10 Uhr den »mmcrs. Der Kultusminister und der Rektor verblieben )d) einige Zeit; der Kommers nahm weiter feinen fröh- j,en Fortgang. Zu der Dampferfahrt auf dem Rhein gte der Kaiser die Damen und Herren der Familien ngeladen, in deren Häusern er während seiner Bonner -tudienzeit verkehrt hatte. Dienstag Vormittag 10 Uhr hab sich der Kaiser mittelst Sonderzuges über Andcr- ach nach Niedermendig und von da zu Wagen nach Üaria Laach, wo der Kaiser etwa eine Stunde verblieb.

- Als ein Phantasiegebilde ist demBerl Lok.-Anz." an zuständiger Seite die auch von uns wiedergegebene tachricht derPost" bezeichnet worden, daß der Ber- iner Polizeipräsident einen Haftbefehl gegen einen Anar- diste» Rudol'o Romagnoli erlassen hätte, der mit anderen ihmchisten Mordpläne gegen das Leben des Kaisers Wilhelm, des Zaren und des Königs von Italien ge- chmiedet hätte.

* Im Dezember v. I. brachten die Zeitungen je telegraphische Mittheilung, daß das Quartier des >. ostasiat. Jnf.-Reg. in Tientsin durch Feuer zerstört vorden und dabei auch die Post verbrannt sei. Nach mnmchr vorliegenden Berichten ist am 8. Dez. das Ge- chäfszimmer des Regiments vollständig ausgebrannt, vodurch auch die bereits bei der Feldpoststation abgehol- en Briefsrndungen, die noch nicht zur Vertheilu.ng an bie Offiziere und Mannschaften hatten gelangen können, vernichtet wurden. Soweit die betr. Sendungen aus Deutschland herrührten, waren sie hier in der Zeit vom 13. bis. 20. Oktober aufgeliefert. Packetsendungen sind nicht verbrannt.

* Eine einheitliche Regelung des Zivilanwärter- Wesens wird von der Militärverwaltung gegenwärtig vor- bereitet. Bei der außerordentlichen Schwierigkeit des zu behandelnden Stoffes läßt sich leider jetzt noch nicht ab­sehen, wann die Vorlage des betreffenden Gesetzentwurfes an den Reichstag möglich sein wiid. Auf alle Fälle wird die Arbeit so schnell als möglich gefördert werden, um dem Wunsche des Reichstages entgegenzukommen.

Der Zuzug italienischer Arbeiter in Deutschland nimmt von Jahr zu Jahr einen größeren Umfang an. So wurden in diesem Frühjahr auf der Arlbergbahn allein über Innsbruck 37,000 Erdarbeiter und Maurer nach Bregenz befördert und weitere 3000 passirten vor einigen Tagen den St. Gotthard. Die Leute stammen meist aus Oberitalien, find zum Theil von ihren Frauen be­gleitet und begeben sich unter Führung solcher Lands- Icute, die bereits längere Zeit in Deutschland gearbeitet und sich die deutsche Sprache angeeignet haben, in ein zelnen Trupps von 100 bis 2QO Personen nach Lindau, Friedrichshafen und Konstanz/ von wo sie sich dann Nach den verschiedenen Theilen Süddeutschlands zerstreuen.

Amerikanische Konkurrenz. Die Gefahren der amerikanischen Konkurrenz machen sich, wie diePost" ausführt, immer deutlicher bemerkbar. Im letzten Monat hat sich die Arbeitslosigkeit, namentlich tn den Montan- und Eisenindustrien, nicht vermindert und infolge des Rückganges dee Jndustriethätigkeit macht sich auch eine Einschränkung des Kohlenverbrauchs bemerkbar. Um die Gefahr der amerikanischen Konkurrenz zu begreifen, braucht Nun nur auf die Einfuhrziffer an Eisen und Eisenpro Kulten hinzusehen. Diese ist von 1897 auf 1898 um und von 1899 auf 1900 sogar um 65 der bama- llgen Einfuhrziffer, nach dein Waarenwerthe berechnet, gestiegen. Sie geht also parallel der amerikanischen ^ustbewegung, die allmählich einen derartigen Umfang Whimmt, daß sie sich aller Rohprodukte für die Fabrikate Unb aller Verkehrsmittel für eigene Zwecke zu bemäch- %n sucht. Die Gefahr erscheint um so größer, als die greife immer mehr sinken und wenn trotzdem der Werth Zuwachs der Einfuhr so enorm gestiegen ist, so mag man ^saus die Schwere unserer industriellen Krisis ermessen. Die Nutzanwendungen auf die bevorstehenden Handels Vertragsverhandlungen ergeben sich von Wbft.

l Aus Thüringen schreibt man demBerl Tagebl.":

Nach den neuesten amtlichen Feststellungen ist das Für- stenthum Reuß ä. L. der einzige unter den acht thüringischen Staaten, welcher keinen Pfennig Staats­schuld aufzuweisen hat, sondern vielmehr ein recht an­sehnliches Baarvelmögen sein eigen nennt, nämlich rund 2*/.2 Millionen Mk. Von den übrigen thüringischen Staaten stehen in dieser Beziehung am günstigsten da Sachsen-Weimar (mit 1,910,022 Mark Staatsschuld, die aber durch Aktivmittel reichlich gedeckt ist), Sachsen- Altenburg (mit 887,450 Mark Staatsschuld, der aber 5,070,692 Mark Aktivmittel gegenüberstehen) und der Gothaische Antheil von Sachsen-Koburg und Gotha (mit 140 198 Mark Staatsschuld, ihr gegenüber aber 3,018,765 Mark Aktiva). Eine Stufe tiefer stehen dann der Koburgische Antheil von Sachsen-Koburg und Gotha (mit 2 831,191 Mark Staatsschuld und 2,106,705 Mark Aktivmasse) und Schwarzburg-Rudolstadt (mit 4,030,500 Mark Staatsschuld und 893,000 Mark Akiivis). Den Schluß machen Reuß j. L. (mit 1,330,900 Mark Staatsschuld), Schwarzburg-Son- dershausen (mit 1,018,465 Mark Staats- sowie 2,229,686 Kammerschuld) und endlich Sachsen-Mei- ningen (mit 8,946,526 Mark Staatsschuld).

DieKöln. Zig." meldet aus Siegburg vom 21. April: Ein großer Waldbrand wüthete von heute Mittag 1 Uhr bis gegen 6 Uhr Abends in den Forsten der Königl Oberförstern Siebengebirge, dem ungefähr 400 Morgen Waldbestand zum Opfer fielen. Nur durch die hin gebende Thätigkeit der Bevölkerung, der Siegburger Feuerwehr und eines Kommandos Deutzer Pioniere ist es gelungen, des Feuers Herr zu werden.

Metz Die Gesammtzahl der Typhuskranken des 2. Bataillons des 8. baun. Infanterie-Regiments in Metz beträgt gegenwärtig 282, Todesfälle 12. Ein Zu­gang von ausgesprochenen Typhusfällen fand in den letzten zwei Tagen nicht statt. Wegen Typhusverdachts werden gegenwärtig noch zwölf Fälle beobachtet. Im Befinden des größten Theiles der Schwerkranken ist eine Besserung eingetreten.

Nuslarrd

Transvaal. Im nördlichen Winkel der Oranje- Kolonie wurde eine Höhle entdeckt, welche geraume Zeit hindurch als Arsenal der Buren gedient hatte. General Dewet hat dreimal seine Waffen und Munition hier ergänzt. Die englischen Militärbehörden konnten sich bisher gar nicht erklären, aus welcher Quelle Dewet sein Kriegsmaterial ergänzte. Lord Kitchencr wird den Feldzug energisch weiterführen. Derselbe wird jeden falls nicht vor Ende des kommenden Winters beendet sein. Die Gesammtzahl der gefangenen Buren, aus­schließlich derer, welche sich in der Oranje Kolonie und Transvaal befinden, beträgt 17,823 Mann. (?) Ein beim englischen Hauptquartier in Pretoria sich befinden der englischer Offizier schreibt unter 7. März aus dieser Stadt an einen jungen Montrealer, der im verigen Jahre etwa 5 Monate unter ihm als Ordonnanz gedient hat: Wir leiden hier entsetzlich durch die Pferdekrankheit, viele Truppen in und bei Pretoria haben einen Verlust bis zu 75 Prozent an todten und schwerkranken Thieren auf­zuweisen und in den anderen Theilen des Landes wird es kaum besser aussehen. Die armen Geschöpfe fallen wie die Fliegen nun ist noch das Schlimmste, daß diese so unheimliche Krankheit noch einen Monat und noch länger dauern wird, bevor eine merkliche Besse­rung zu konstatircn sein wird, eine böse Lage, welche durch den mangelhaften Bahnverkehr und dem langsamen Ersatz durch frische Remonten nur noch schwieriger ge­staltet wird.

Aus Peking wird gemeldet: Die chinesischen Truppen haben sich zurückgezogen. Die deutschen und französischen Truppen sind bis zur großen Mauer vorgedrungen. Die erwartete Schlacht fand nicht statt. Die Ermor­dung zweier deutscher Soldaten in China macht aufs neue einen Rachezug erforderlich. Wie demBerl. L -A." aus Huailou gemelbet wird, besetzte am 18. d. M. ein kleines Detachement deutscher Kavallerie eine kleine Fluß­brücke, 5 Kilometer von Liucho entfernt. Am Abend gingen die Reiter unbewaffnet über die Brücke in eins der benachbarten Häuser. Zwei von ihnen, der Gefreite Kunz und Schmidt, wurden, als sie den Hof betraten, angegriffen und von Chinesen getödtct. Die Leichen der Gelödteten wurden nach Niuchuang gebracht. Es ist selbstverständlich, daß für diesen heimtückischen Mord an

dem ganzen Dorfe Rache genommen und eine strenge Bestrafung exekutirt wird. Das Leichenbegängniß des Generals v. Schwarzhoff hat Sonnabend unter Theil­nahme der Truppen aller Nationen stattgefunden. Alle fremden Generale, die Diplomaten und etwa 100 Offi­ziere nahmen daran theil. Eine große Parade von Abtheilungen der 8 Mächte fand statt. Ueber die Brandkatastrophe wird gemeldet: Man weiß noch nichts bestimmtes über die Ursache, neigt aber auf verschiedenen Seiten dazu, sie den Chinesen zuzuschreiben. Der Palast der Kaiserin liegt vollständig in Trümmern. Das Asbesthaus sei sofort zusammengestürzt, nachdem der Feldmarschall eben aus dem Fenster entkommen war. Von seiner ganzen Ausrüstung habe er nur den Mar­schallstab gerettet. General v. Schwarzhoff habe sein Leben durch den Versuch geopfert, einige wichtige Schrift­stücke des Marschalls zu retten.

Amerika. Ein Jndianertrekk steht bevor. Die Nothhäute von Arkansas haben beschlossen, ihre Gebiets­theile von Wichita zu verlassen und nach der mexikani- schen Saura auszuwandern. Es wird der seltsamste Trckk werden, den es jemals gegeben hat, denn die In­dianer wandern auf dem Zweirade aus. 2000 Zwei­räder und über 600 Gepäck-Dreiräder sind in Wichita angelangt, um dem genannten Zwecke zu dienen. So be­richten amerikanische Blätter.

Ncwyork. Andrew Carnegie, der amerikanische Milliardär, hat, wie erinnerlich, verschiedene Schenkungen zu philanthropischen Zwecken gemacht, die den Betrag von 150 Millionen Kronen übersteigen. Indessen schon hat die Stadt Newyork es abgelehnt, die Erhaltung der zu gründenden Volksbibliotheken auf sich zu nehmen. Auch die Arbeiterschaft hat sich in den verschiedenen Fabrikzentren der Vereinigten Staaten aufs energischste gegen die Annahme der Millionen ausgesprochen. In mehreren Städten wurden gleichlautende Resolutionen angenommen, die etwa Folgendes besagen: Die Arbeiter­schaft muß die Spenden Mr. Carnegies nachdrücklichst zurückweisen. Denn zwischen den Zeilen der Bücher aus den neuen Bibliotheken würde man leicht das Blut und bie Schweißtropfen all der Tausend: von Arbeitern wahr- nehmen können, die in seinem Dienst ihr Leben auf die erbärmlichste Art und Weise hatten zubringen müssen. Deshalb verdammen wir diese Bibliotheksgründung als eine Insulte der Arbeiterschaft, hie keine Almosen be­gehrt. Infolge dieser Proteste ist es höchst wahr­scheinlich geworden, daß auch die Vertretungen der be­dachten Arbeiterstädte die angebotenen Millionen zurück­weisen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter«, 26. April.

* Versetzt wurde der Amtsrichter vr. Rhode zu Schwarzenfels an das Amtsgericht zu Einbeck.

* Der beauftragte Gerichtsvollzieher Lotz in Steinau wurde zum Gerichtsvollzieher am dortigen Amts­gerichte ernannt.

* Im Anschluß an die Diöcesankonferenz der Geistlichen unserer Diöcese findet am Mittwoch den 1. Mai, Nachmittags 3 Uhr im Gasthauszum Deut­schen Kaiser" in Schlüchtern die Generalversammlung des Diöcesanvereins für Innere Misston (s. Inserat) und um 4 Uhr die Generalversammlung des ZweigvereinS der Lutherstiftung statt.

* Das Berliner Polizeipräsidium warnt vor dem Spiel und Ankauf von Loosen der Königlich Sächsischen, Mecklenburg-Schwerinschen, Braunschweigisch-Lüneburgi- schen und Hessischen Landeslotterie, der Thüringisch- Anhaltischen Staatslotterie, der Hamburger Lotterie, der Lübeckischen Staatslotterie und der Thüringischen Kirchen- baulotterie. Die genannten Lotterien sind in Preußen nicht zugelassen; der Verkauf, das Angebot und das Spielen von Loosen derselben sind daher strafbar.

* Der Regierungspräsident von Hildesheim hat an die Königliche Regierung zu Kassel die Nachricht ge­langen lassen, daß unter den seit mehreren Wochen im dortigen Bezirke sich aufhaltenden Arbeitertrupps von Bosniaken und Kroaten am 12. d. Mis nahe bei Hil­desheim ein Blatlernfall aufgetreten ist, und Angehörige des Trupps sich in letzter Zeit über die Grenzen des Regierungsbezirks Hildcsheim hinaus zerstreut haben. Der Herr Regierungspräsident zu Kassel ersucht nun in einem Rundschreiben an die Behörden des Bezirks, auf diese ausländischen Arbeiter nach Möglichkeit zu fahnden,