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MüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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X 33. Mittwoch, den 24. April 1901. 52. Jahrgang.

N^pültN^i»^ " ^ bie »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ........... Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat Sonnabend in Kiel mit der SegelyachtJduna" eine Kreuzfahrt in die See unternommen. Die Kaiserin ist von Kiel nach Plön zurückgekehrt.

Der Verleihung desDr. ing." durch die tech­nischen Hochschulen steht kein Hinderniß mehr entgegen. Der preußische Kultusminister hat nämlich in einem be­sonderen Erlasse neuerdings die technischen Hochschulen darauf hingewiesen, daß sie berechtigt sind, erstens den­jenigen Personen, welche die Diplom-Prüfung auf Grund der bisherigen Prüfungs-Ordnung bestanden baben, oder, solange dieselbe noch in Geltung bleibt, bestehen werden, den Grad eines Diplom-Ingenieurs zu verleihen, und zweitens die demzufolge mit dem Grade eines Diplom- Ingenieurs Beliehenen zu Doktor Ingenieuren zu pro­movieren.

Ausgegangen waren vor Kurzem auf dem deutschen Postamt in Tsingtau in China die Fünf-Pfennig-Marken. Die Beamten verwandelten kurz entschlossen 10-Pfennig- Marken durch den Stempel-Aufdruck5 Pfg." in Fünf­pfennigmarken. Diese seltenen Marken sind von unseren Soldaten sofort verwendet und in Deutschland theuer verkauft. Anfangs wurden 10 Mark dafür bezahlt, heute schon weniger. Da aber die Gesammtsumme nur 1500 Stück beträgt, wird der Preis schon wieder steigen.

Keine Durchgangswagen mehr. Die Waggon­fabriken sind durch ein ministerielles Reskript letzter Tage benachrichtigt worden, daß mit Ausnahme von v Sugs- Wagen 1. und 2. Klasse für die Folge keinerlei Durch- pangswagen mehr in Dienst gestellt werden würden. Diese Entscheidung hängt unzweifelhaft mit dem Offen- bacher Eisenbahnunglück zusammen.

Königsberg i. Pr., 15. April. Wie ansteckende Krankheiten durch unverständiges Verhalten zu einer Der hängnißvollen Verbreitung gebracht werden können, das läßt wiederum eine Bekanntmachung erkennen, zu welcher der königliche Landrath in Fischhausen sich veranlaßt sieht. Darin heißt es: Ja einer Ortschaft des Kreises Fischhausen haben Diphtheritis und Scharlach in den letzten Wochen einen so bedeutenden Umfang angenommen, daß über 40 Kinder diesen Seuchen erlagen Die an- gestellten Ermittelungen aber ergaben, daß die starke Verbreitung der Krankheiten hauptsächlich dem un­verständigen Verhalten der Bevölkerung zuzuschreiben war. Die Erkrankungen wurden möglichst verheim­licht, Mütter gesunder Kinder besuchten die Kranken­stuben, die aufgebahrten Leichen wurden von zahl­reichen Personen besichtigt, und häufig leiteten die Eltern ihre gesunden Kinder dazu an, von den Verstorbenen durch Küssen Abschied zu nehmen. Um derartigen be­dauerlichen Vorkommnissen für dieZukunft entgegenzutreten, sieht der Landrath sich veranlaßt, die Polizeibehörden des Kreises auf die strenge Durchführung der bestehenden Vorschriften hinzuweisen. Die Geistlichen und Lehrer aber ersucht der Landrath, durch Belehrung auf die Ausrottung dieser thörichten und gemeinschädlichen Ge­bräuche unter der Bevölkerung hinzuwirken.

Jtua. Der Fall, daß ein Geistlicher die Seelsorge in 5 Staaten ausübt, dürfte jedenfalls ein sehr seltener sein. Der geistliche Herr in dem sächsischen Dorfe Niebra bei Werdau ist gleichzeitig Prediger in Hilbers- dorf, dessen eine Hälfte zum Herzogthum Altenburg ge­hört, während die andere im Fürstenthum Reuß j. L. liegt; ferner wirkt er seelsorgerisch in den beiden reußischen Dörfern Otticha und Lichtenberg; dann predigt er in dem weimarischen Dorf Rußdorf, und zuletzt versieht er das Vikariat in dem meiningischen Dorfe Mosen.

Ausland.

Buenos-AireS. Die Polizei in Rosario beschlagnahmte title große Anzahl Papiere, welche eine Verschwörung Segen das Leben des Kaisers Wilhelm, des Kaisers Ni­kolaus, des Königs von Italien und des Grafen von Turin beweisen sollen. Das Komplott soll in Patterson bei New-York organisirt sein, woher der jüngst in Deutsch- landgcwesene Anarchist Romaynoli Instruktion ertheillhabe.

London, 18. April. Morningpost meldet aus Was­hington vom 17. April: Die Regierung beschäftigt sich mit dem Plane, für die amerikanische Flotte rings um die Erde Kohlenstationen zu schaffen. Mit Portugal finden Verhandlungen wegen der Erwerbung einer Azoren­insel statt, mit Holland wegen des Erwerbs einer Station auf Curacao; mit Ecuador wird wegen Abtretung der Galagagos-Jnseln verhandelt. Die Regierung wünscht die Souveränetatsrechte über die betreffenden Territorien, nicht blos das Recht zu erwerben, sondern auch Kohlen­stationen zu errichten. Das Staatsdepartement sicherte sich bereits das Recht aus Stationen bei Yokohama und in der Nähe von La Paz (Mexiko).

London. Lord Kitchener versuchte nochmals an die ihm so unbequemen Hauptführer der Buren Botha und Dewet heranzukommen. Die Einzelheiten des Planes sind sehr geheim gehalten, um ein Gelingen zu sichern. Wenn es aber wieder so weit ist, daß die Falle ge­schlossen werden soll, wird man wohl merken, daß nichts drin ist. Bei Pietersberg wird nicht mehr gefochten, inzwischen haben die Engländer in der Nähe reiche Gold­lager entdeckt. Das ist allerdings nichts Neues, man weiß längst daß dieser ganze Distrikt außerordentlich goldhaltig ist. Die Buren wissen es auch, sie haben aber bekanntlich einen Abscheu vor dem blanken Metall, das so viel Unheil über sie gebracht.

Johannesburg, 17. April. In der GrubeGelden- Huis-Deepmine" riß heute das Seil des Förderkorbes, worin sich Eingeborene befanden. Der Förderkorb stürzte in die Tiefe. 26 Eingeborene wurden getödtet.

London, 18. April. DemStandard" wird aus Tientsin von gestern gemeldet: Es bestätigt sich, daß die Chinesen einen Theil der Eisenbahn jenseits Paotingfus zerstört haben. Dem Vernehmen nach hat ein leichtes Gefecht stattgefunden. Von Tientsin werden Verstär­kungen entsandt. Nachrichten aus vertrauenswürdiger chinesischer Quelle zufolge hat General Ma sich ent­schlossen, mit den Feindseligkeiten wieder zu beginnen.

Aus Peking wird gemeldet: Der Leichnam des Gene­rals von Schwarzhoff ist gefunden. Bei den'Nach­forschungen stieß man zuerst auf Knochenreste, herrührend von einem Hunde des Generals. Man vermuthet, daß Schwarzhoff in der Absicht, den Hund zu retten, in das brennende Gebäude zurückkehrte und durch niederstürzende Balken erschlagen wurde. Durch die bisherigen Er­gebungen ist der Verdacht der Brandstiftung nicht be­stätigt. Der Brand entstand, wie jetzt angenommen wird, durch einen Ofen im Anrichtezimmer neben der Küche des Oberkommandos. Rühmlich betheiligte sich an den Rettungsarbeiten der Oberstleutnant Marchand.

Hier wird es vielfach auffällig gefunden, wie bei dem ausgedehnten Wachdienst, der bekanntermaßen das Quar­tier und die Person des Oberbefehlshabers umgiebt, dieser nur mit Mühe sich hat retten können. Dieser neue Unglücksfall trägt, wie die Kreuzztg" mit Recht bemerkt, wesentlich dazu bei, den Wunsch aller Deutschen zu bestärken, daß es den Verbündeten recht bald gelingen möge, die chnesischen Wirren zum Abschluß zu bringen.

Generalseldmarschall Graf Waldersee meldet aus Peking am 18. April:Bester Theil des Winterpalastes in vergangener Nacht durch Feuer zerstört; General v. Schwarzhoff hat dabei den Tod gesunden; Ursache unaufgeklärt. Die französische Garnison und Japaner leisteten bereitwilligst Hilfe. General v. Gayl, Oberst­leutnant v. Boehn, Major Lauenstein, Hauptmann Wilberg, Leutnant v. Rauch und ich haben fast unsere ganze Habe verloren." Man schließt hier an maß gebender Seite aus dem Bericht, daß der Brand sofort mit elementarer Gewalt eingesetzt hat und daß es den Bewohnern des Hauses, sowie den von außen Hinzuge- eitten nicht möglich war, einzugreifen oder irgend etwas zu retten. Daher muß auch bestimmt mit dem unersetz­lichen Verlust wichtiger Dokumente, Papiere, Tagebücher u. s. w. gerechnet werden.

China. DerShanghai Mercury", der im allge­meinen keinen mlssionsfeindlichen Standpunkt einnimmt, druckt eine Zeitschrift ab, aus der wir folgendes ent­nehmen:Jeder, der im Innern Chinas gelebt oder dort Reisen gemacht hat, kann bezeugen, daß ausländische Geschäftsleute sich niemals über Mangel an Höflichkeit oder an Entgegenkommen auf Seiten der chinesischen Kaufleute oder Landleute zu beklagen haben. Er kann aber zugleich bezeugen, was für eine starke Abneigung dieselben Volksklassen gegen die Missionare hegen. Der

Grund hierfür liegt auf der Hand. Der fremde Kauf­mann kommt, um ein Geschäft zu machen, wofür die Chinesen immer zu haben sind, während der Missionar eine Lehre verbreiten will, die ihnen unwillkommen ist." Dies spricht vor allem gegen die immer wiederholte Be­hauptung der Missionare, daß sie hauptsächlich deshalb von den Chinesen verfolgt wurden, weil sie Ausländer wären, und nicht so sehr wegen ihrer Eigenschaft als christliche Sendboten.

LsSaleS und Provinzielles.

* Schlüchtern, 23. April.

* Der Lehrer Basermann in Hohenzell wurde nach Enkheim versetzt. Der Schulamtskandidat Konrad Graf aus Allendorf, Kreis Kirchhain, welcher seit Ostern 1900 vertretungsweise in Niederstem, Kreis Kirch­hain, beschäftigt war, ist mit dem 15. April d. J. mit der Vorsehung der Schulsielle zu Ucrzell beauftragt worden.

* Die hiesige Lateinschule (Progymnasium) zählte am Schluß des verflossenen Schuljahres 1900/1901 56 Schüler. Davon traten aus 11, unter diesen 4, um auf das Gymnasium oder die Realschule Überzugehen. Sie wurden sämmtlich in den Klassen, für welche sie angemeldet waren Untersekunda bezw. Obertertia ausgenommen. Neuaufgenommen wurden 17 Schüler, so daß die Gesammtzahl der Schüler nunmehr 62 betrügt.

* Nachdem der Antrag des Magistrats auf Ein­richtung einer städtischen höheren Mädchenschule von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt worden war, hat Herr Dr. Schnegelsberg mit Genehmigung der Schul- deputation und der Königl. Regierung zu Kassel eine Privat-Mädchenschule eingerichtet, die am 16. d. Mts. eröffnet worden ist. Sie zählt 36 Schülerinnen in 3 Klassen, eine für den Anfang und mit Rücksicht auf den Umstand, daß die Schule sich erst bewähren muß und auch sonst noch mit mancherlei Vorurtheilen zu kämpfen hat, recht gute Frequenz, die der Zukunft wohl noch eine Steigerung erwarten läßt. Jedenfalls dürfte damit der Behauptung, daß in unserer Stadt das Bedürfniß nach einer höheren Mädchenschule vor- licge, das gegebenenfalls auch ein Opfer der Allgemeinheit dafür rechtfertige, eine starke Stütze gewonnen sein. Wünschen wir, daß die Schule den an sie geknüpften Erwartungen entspricht.

* Der Riviera Expreßzug, der zur Zeit 3 Mal wöchentlich zwischen Berlin und der französischen Riviera verkehrt und auf seiner Fahrt auch die hiesige Station passirt, kommt, wie Berliner Blätter mittheilen, am 30. d. Mts. bis auf Weiteres in Fortfall.

* Ein Maikäferflugjahr haben wir in diesem Jahre zu erwarten und sind Maßnahmen zur Vertil­gung der Käfer geboten. Auch Gespinnstmottcn und Raupen sollen massenhaft auftreten. Es ist daher zu rathen, sofort mit dem Reinigen der Bäume und Hecken zu beginnen und den Abraum mit Petroleum zu begießen und zu verbrennen.

* Unberechtigtes Zettelankleben ist als Sachbeschädi­gung anzusehen. In der BerlinerVolksztg." lieft man: Anläßlich der Klage eines Hausbesitzers gegen einen hiesigen Geschäftsmann ans der Nachbarschaft, der nächtlichweise Rcklameplakate an den Wänden des Hauses, ohne die Erlaubniß des Besitzers dazu nachzusuchen, an- geklebt hatte, entschied das Amtsgericht, die Strafthat sei sowohl grober Unfug wie Sachbeschädigung und Der urtheilte den Geschäftsmann zu einer erheblichen Geld- strafe.

* Im Dircktionsbezirk Frankfurt a. M. sind sämmtliche Schnell- und I) Züge für die Beförderung unverpackter einsitziger Fahrräder (Zweiräder) freigegeben.

Aus der Rhön, 17. April. Heule fand beim könig­lichen Notar in Brückenau der Verkauf des Pilsterhofes statt. Sein Besitzer hat ihn an den Zuchtverband für roth-gelbes Frankenvich abgegeben und das kgl. Staats- Ministerium hnt zum Ankauf die nöthigen Mittel bewilligt. Das ganze Areal wird zu Weideplätze für Jungvieh an­gelegt. Dasselbe vom Vorjahre ist gut gediehen, es wird daher diesen Sommer ein größerer Zutrieb erwartet. Solche Weideplätze hat man in Baden und Württemberg vielfach und sind dieselben für die Viehzucht noch immer vom besten Erfolg begleitet gewesen.

Grebenhain, 18. April. Durch den günstigen Glücks- sall, daß in der 2. Hess. Landeslotterie/8 des großen Looses einer hiesigen Spielgesillschaft zufiel, ist bie