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geben. Der Unterbau muß bis zum 1. Juli 1901 fertiggestellt sein. Die Bahn führt meist durch prächtige Waldungen, zwischen hier und Freiensen allein etwa 5 Klm. lang. Tiefe Einschnitte, Dämme, Ueberführungs bauten werden dieselbe zu einer der interessantesten, aber auch einer der theuersten Nebenbahnen Deutschlands machen, wird doch ein projektirter Tunnel allein 100,000 Mk. Kosten verursachen._______________________________

Auf verwegener Kahn.

Kriminalnovelle von Gustav Hocker.

(Fortsetzung.)

Während dem Rechtsgelehrten sofort die beiden De­peschen nach New-Aork einfielen, welche Ritter im Auf­trage seiner Grundherrin nach dem Telegraphenamte be­sorgt hatte, beschäftigte Siglindes Gedanken die wider­spruchsvolle Thatsache, daß die Tante auf ihrem Krankenlager nach Erika verlangt habe, während sie dieselbe aus ihrem Testamente gestrichen und damit unzweideutig und bün­dig genug den Stab über ihren Leichtsinn gebrochen hatte.

. Ich wurde während der Seereise näher mit Frau Jmhoff bekannt," erzählte Harnisch weiter, „und gewann ihr Vertrauen in solchem Maße, daß sie sich offenherzig über ihre Verhältnisse aussprach. Sie hatte viel Leid er­fahren und der Kummer erschließt sich gern, wo er Theil­nahme findet. Vor ein paar Jahren war sie noch die gefeierte Primadona einer Operngesellschaft gewesen, mit welcher ihr Gemahl, als Jmpressairo, verschiedene größere Städte des Westens bereiste. Da war sie plötzlich von einer schweren Krankheit ergriffen worden, die sie ihrer Stimme beraubte; mit ihrem Rücktritt von der Bühne war der Stern erblichen, der bisher über dem Opern- unternehmen ihres Gemahls geleuchtet hatte, der schwache Besuch der Vorstellungen trug nicht mehr die Kosten ein und in kurzer Zeit war Jmhoff ein ruinirter Mann. Er versuchte sein Glück nun wieder als Schauspieler, aber wie er früher in diesem seinen ursprünglichen Be­rufe niemals Erfolge gehabt hatte, so sah er sich auch jetzt wieder in die ganze Misere zurückgeschleudert, welche an den kleinen Wanderbühnen Nordamerikas noch viel ämmerlicher ist, als hier in Deutschland. Seine Lage gestaltete sich immer tröst- und hoffnungsloser. An ihren Vater wollte sich Frau Jmhoff nicht wenden, lieber ent- 'chloß sie sich zu dem verzweifelten Schritt, ihre Tante um Hilfe anzugehen. Ihre Ehe verheimlichend, schrieb le unter ihrem Mädchennamen, den sie auch als Sänge­rin beibehalten hatte, an Frau Rollenstein einen zer­knirschten Brief, worin sie ihre Reue über ihr vergange­nes Leben ausdrückte und sich zu jeder Buße bereit erklärte. Die Tante war nicht unerbittlich; sie stellte ihrer Nichte die Bedingung, Methodistin zu werden und lud sie ein, zu ihr zu kommen, damit sie sich von ihrer i Buße und Besserung selbst überzeuge. Die Nichte sollte, wenn sie diese Probe bestand, bei der Tante eine Heim­stätte finden und auch im Testament bedacht werden. Dem Briefe Frau Rollensteins lag eine namhafte Geld- unterstützung bei, von welcher zugleich die Reise nach Europa bestritten werden konnte" . . .

Das war ohne Zweifel der Besuch, dachte Volkmar, den die alte Dame erwartete und für welchen sie, wie er Frau Ritter hatte sagen hören, ein Zimmer in Be- reitschaft setzte. Auch in diesem Punkte herrschte also, wie schon hinsichtlich der beiden Depeschen, volle Ueber­einstimmung zwischen Harnischs Mittheilungen und dem, was die Gärtnersfrau sich hatte entschlüpfen lassen. Siglindes Betrachtungen waren anderer Art: sie erwog die Frage, ob dem überraschenden Zuvorkommen, welches die sonst so harte Tante gegen Enka bezeigte, nur das Bedürfniß zu Grunde lag, für den Abend ihres Lebens eine Pflegerin um sich zu haben, die in einem sklavischen Abhängigkeitsverhältnisse zu ihr stand, oder ob sie sich mehr von dem Wunsche leiten ließ, ihren tiefgehaßten Schwager, dessen Unversöhnlichkeit gegen die verstoßene Tochter sie kannte, durch die Aufnahme derselben ein Aergerniß zu bereiten. Vielleicht traf Beides zu.

Während dieser Gedankengänge der beiden Zuhörer fuhr Harnisch ununterbrochen fort: „Frau Jmhoff schwankte, was sie thun solle. Nahm sie das Anerbieten an, so war nnr ihr geholfen, nicht aber ihrem Gatten, von welchem sie sich trennen mußte. Die Aussicht auf ein Erbtheil war wohl für Beide verlockend, lag aber in ungewisser Ferne. Dieser Unentschlossenheit wurde jedoch ein Ende gemacht, als bald nach jenem Briefe ein Telegramm anlangte, worin die plötzlich erkrankte Tante mittheilte, sie fühlte ihr Ende nahen, und Erika aufforderte, sofort abzureisen. Jetzt gab es kein Zaudern mehr, auch war keine Zeit mehr zu verlieren. Die Mög­lichkeit, von der Tante etwas zu erben, war tu unmit­telbarer Nähe gerückt. Mit dem nächsten Dampfer reiste Frau Jmhoff ab und ihr Gemahl begleitete sie, vielleicht aus Mißtrauen, daß die designierte Erbin, einmal durch das Weltmeer von ihm getrennt, nicht wieder zu ihm zurückkehren möchte. Das war der Anlaß zu der Reise während welcher ich ihre Frau Schwester kennen lernte. Ganz zufällig traf ich mit ihr und ihrem Gemahl, nach dem wir uns in London getrennt hatten, auch auf dem „Morning-star“ wieder zusammen, der uns nach Calais bringen sollte."

Diese Worte waren mit einem unheilverkündeten Ernst gesprochen worden. Wie vor einer inneren Bewegung

der Bauernsohn S. habe die Holzdiebe gesehen und ihm mitgetheilt, der eine sei der Schreiner K., der andere der Maurer K. gewesen. Die zwei Be­schuldigten bestritten das aber und der S., vor Gericht als Zeuge vernommen, bekundete, er wisse es nicht, ob es die Beiden waren, er habe sie nicht erkannt, er wisse auch nicht, ob er eine derartige Angabe dem H. gegen­über gemacht habe. Das war natürlich ein höchst ver­wunderliches Zeugniß, das den S. wegen fahrlässigen Falscheides auf die Anklagebank geführt hat. Auf die Anklage und den Vorhalt des Vorsitzenden, das habe ihm bei einigem Nachdenken doch unbedingt einfallen müssen, ob er dem H. die Namen der beiden Holzdiebe genannt habe oder nicht, erklärte der Angeklagte, er habe dem H. keinesfalls diese Angaben gemacht, aber damals bei der Verhandlung hätten der H. und seine Tochter das so bestimmt gesagt, daß er es nicht habe abstreiten können, er habe sich gescheut davor. Nun wird aber von berufener Seite über die Zeugen, die die Anklage stützen, bekundet, daß sie Alle mehr oder weniger unzu­verlässig sind, insbesondere sei der H. zu jeder Zeit gern zu Anzeigen bereit, er sei auch sehr federgewandt und klar und schlüssig in seinen Angaben, mit deren Beweisen es aber dann meistens Null sei. Anderseits wäre der Angeklagte sehr beschränkten Geistes, der den Fragen nicht recht zu folgen vermöge. Der Zeuge H. und seine Tochter behaupten nun wieder mit großer Bestimmtheit, der S. habe ihnen die beiden Namen genannt und eine Anzahl Weiber werden auch vernommen, die vom Ange­klagten selbst gethanene Aeußerungen bekunden sollen, oder das, was sie von ihren geschwätzigen Nachbarinnen darüber gehört haben. Und während die, die vom An­geklagten etwas gehört haben sollen, dies bestreiten, be­haupten die guten Nachbarinnen, daß sie das ihnen er­zählt hätten. Was so von der einen Seite mit großem Pathos behauptet wird, wird von der anderen Seite in ebenso großer Entrüstung zurückgewiesen. In diesem Widerstreit erkennt das Gericht entsprechend dem Antrag des Staatsanwalls und des Vertheidigers auf Frei­sprechung.

* — (Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 17. April.) Im März v. Is. liefen bei dem Kreisausschuß zu Schlüchtern bezw. bei der Königlichen Staatsanwaltschaft drei Schreiben ein, wovon zwei ano- nvm und eines mit der Unterschrift des Angeklagten Peter F. von Wallroth versehen war. In derselben war der Bürgermeister von Wallroth beschuldigt, ge­legentlich der Manöver im Jahre 1897 einen Militärman- tcl gestohlen, durch unrichtige Umschreibung der Gemeinde- rechnungsbelege Urkunden gefälscht, (ferner Gelder, die er für die Gemeindekasse vereinnahmt, drei Monate zurückbehalten, den Miethbetrag für verpachtetes Gemeinde­land nicht eingezogen zu haben u. A. m. Der Angeklagte, welcher lange Jahre und bis zum 1. April v. Is. als Gemeinderechner fungiert hat, giebt zu, den Brief mit der Beschuldigung des Diebstahls, der seine Unterschrist trägt, geschrieben zu haben, bestreiket jedoch, der Urheber der beiden anonymen Schreiben zu sein. Aus den Aus­sagen der beiden Sachverständigen geht jedoch als un­zweifelhaft hervor, daß die drei Briefe von ein und derselben Person geschrieben sein müssen. Durch die Zeugenaussagen werden zwar einige der Beschuldigungen nachgewiesen, doch stellt sich auch verschiedenes, haupt­sächlich, die Beschuldigung der Urkundenfälschung, als unwahr heraus und wird deshalb der Angeklagte der wissentlich falschen Anschuldigung für überführt er- achtet und zu der geringsten zulässigen Strafe von einem Monat Gefängniß verurheilt. —In der Nacht vom 6. zum 7. März v. Is. zogen einige Rekruten von Schwarzenfels, unter ihnen der Tagelöhner Chr., singend durch den Ort, was ihnen vom Ortsdiener und Nachtwächter verboten wurde. Als der Chr. später beim Nachhausegehen vor seiner Wohnung angclangt war, stellte ihn der dort zufällig stehende Nachtwächter wegen der Singerei zur Rede, worauf der Angeklagte ein starkes Stück Holz ergriff und den Nachtwächter durch einen wuchtigen Hieb auf die Stirn zu Boden und so­dann noch wiederholt auf ihn einschlug, sodaß der Miß- handelte außer anderen Verletzungen eine 10 Zenlimenter lange, bis auf den Knochen reichende Wunde an der Stirn davontrug, welche nach Aussage der Sachverständi­gen bei dem hohen Alter des Verletzten nicht ohne Lebensge­fahr war. Die Angabe des Angeklagten, daß er zur fraglichen Zeit sinnlos betrunken gewesen sei, wird vom Gerichts­hof als durch die Begleitumstände widerlegt angesehen und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung auf 10 Monate Gefängniß erkannt.

Homberg, 13. April. Der Gestütwärter Weiter aus Dillenburg, der mit einigen Beschälern in dem nahen Hebel stationirt ist, wurde von einem der Hengste, einem besonders bösartigen Thiere, angefallen und erlitt dabei außer einigen leichten Verletzungen einen Bruch des Beines, so daß er sich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. W. befand sich bei dem Thiere, von dem er schon mehrfach recht heftig gebissen wurde, oft in großer Lebensgefahr.

Laubach, 14. April. Täglich treffen Eisenbahnunter­nehmer ein, um die hier zu erbauende Strecke von hier nach Mücke einer näheren Besichtigung zu unterziehen. Die 14,2 Km. lange Strecke wird in 3 Loosen ver­

ergriffen, erhob sich Harnisch von seinem Stuhle machte, die Arme über der Brust verschränkt, unbli Antlitz zur Erde gebeugt, einige Schritte durch L Zimmer.

Kaum hatte Siglinde vernommen, daß ihre SchaG sich auf dem unglücklichen Dampfer befunden, den, so schreckliche Katastrophe ereilte, als sich ihrer, namenlose Angst bemächtigte. Ehe sie den Muth j, , sich über Erikas Schicksal durch eine entschlossene ■ Gewißheit zu verschaffen, suchte sie sich in die Erinnen zurufen, ob die Rettungsliste auch den Namen Jmf enthalten habe; aber vergebens strengte sie ihr GedL niß an. Der Name war ihr fremd gewesen und wi, sich ihr, selbst wenn sie ihn gelesen hätte, ebensown eingeprägt haben, wie irgend ein anderer. Sie « mochte diese entsetzliche Ungewißheit nicht länger ertragen.

„Herr vonHarnisch!" sagte sie mit bebender Stimm indem sie ausstand und sich mit der Rechten auf! Lehne des Fauteuils stützte, „was ist aus mein Schwester geworden? Schonen Sie mich nicht, sond« sagen Sie mir die Wahrheit! O, ich ahne fo Schlimmste 1 Ich lese es in Ihrer Miene, ich hatte ^ vorhin den Eindruck, als trügen Sie sich mit ei« für mich niederschmetternden Mittheilung. Reden Si, Bitte, reden Sie!"

Doktor Volkmar, dem ebenfalls nichts Gutes ahnt; wollte auf Siglinde zueilen, um ihr Worte der Beruf gung und Theilnahme zu sagen, aber er trat verstim wieder zurück, denn Harnisch kam ihm zuvor, inde m, sich schon als Siglindes natürlicher Beschützer und Trößi fühlend, ihre Hand ergriff. „Mein liebes Fräulein, sagte er in bittend beschwichtigendem Tone, „leider m ich Sie auf eine Trauerkunde vorbereiten." (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes

In Goldschau bei Osterfeld (Thür.) hat im Gehls >es Gastwirths Schrecker ein Gänserich einen dreijährig Jungen dermaßen gebissen, daß das Kind an den Vu Wandungen kurze Zeit darauf verstarb.

Vom Wetter.

Ach keinem ist das Wetter recht, Fast jeder nennt es schlimm und schlecht;

Der eine heißt es ganz abscheulich,

Der andre unausstehlich, greulich, j

Ja, mancher ist sogar kapabel

Und nennt das Wetter miserabel; So schimp'et weidlich Jedermann, Doch keiner ist, der's ändern kann.

Nur Einer ist, der's Wetter macht!

Ein Wink von ihm: Die Sonne lacht,

Die grauen Regenwolken fliehen,

In voller Pracht die Bäume blühen.

Und — den wir o't verwünscht — der Regen Wird uns am End' zum reichsten Segen. — Drum füge Dich und halte still, Es kommt doch nur, wie Gott es will.

Hermann Hasse.

Auszeichnungen erhielt der Geflügelhändler

Ludwig Hildebrand in Schlüchtern in d iesem Winter folgende auf ausgestelltes Geflügel: In Berlin einen silbernen Pokal, eine broncene StaatSmedaille, eine sil­berne Vereinsmedaille, 2 erste, 2 zweite, 1 dritter und 3 vierte Preise. — In Coblenz eine silberne Staats- Medaille für die beste Gesammtleistung, einen Eyrenpreis, 3 erste, 3 zweite, einen dritten und 4 vierte Preise. - In Mainz den großen Ehrenpreis der Stadt Mainj mr beste Gesammtleistung in Großgeflügel, eine silberne Clubmedaille für den besten Stamm Italiener Hühner eigener Zucht, ferner 2 Ehrenpreise, 2 erste, 4 zweite, 3 dritte uno einen vierten Preis. — In Offenbar den Ehrenpreis des Landw. Kreis-Vereins für die beste Leistung in Italienern, außerdem einen Siegerpreis, 2 Ehrenpreise, 2 erste, 4 zweite und 4 dritte Preise.

Wettende Radfahrer. Sie haben Recht mit Ihrer Behauptung, daß im Jahre 1898 die Weltmeister« schaft von Willy Arend in Glasgow auf dem bekanntes Ezccelsior-Pneumatik gewonnen wurde.

Telegraphischer Schiffsbericht der „Red Star Liait ^ in Antwerpen. -

Der Postdampfer „Keusington" der Rtzd Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 17^ April wohl- behalten in New-Aork angekommen.

Truppentransporte auS Ostasien. (Letzte Nachr. Wittekind . . 17. April in Kobe

H. H. Meier 17. „ in Bremerhafen

Bremen, den 17. April 1901.

Norddeutscher Lloyd. Hamburg«Amerika»Lmit.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern. Sonntag, den 21. April 1901.

Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth- Wochcndienst: Herr Pfarrer Kahl.

Katholischer Gottesdienst.

Bonn. '/, 10 Uhr. FranSziskaner- Pater.