SchlüchternerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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^2 32. Samstag, den 20. April 1901. 52. Jahrgang.
auf ^e „Schlüchterner Zeitung" 81 werben nod) fortwährend von allen - -——■■ Postanstalten undLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wnd auch in diesem Jahre eine Nordlandsreise machen. Sie wird unmittelbar im Anschluß an die Kieler Woche unternommen und soll die gewöhnliche Dauer haben. Die Kaiser-Dacht „Hohen- zollcrn" wird wahrscheinlich von einem schnellen Kreuzer und mehreren Torpedobooten als Depeschenbooten begleitet sein.
— Der Reichsinvalidenfonds ist nach dem. dem Reichstage zugegangenen Bericht von seiner ursprüng- bchen Höhe von 561 Millionen Mark durch Inangriffnahme der Capitalsubstanz zu Zuschüssen für die Militärpensionen seit dem Jahre 1873 bis zum 30. Ju ni 1910 auf 367 Millionen zusammengeschmolzen, und auch dieser Aktivbestand bleibt hinter dem Kapitalwerthe der Verbindlichkeiten um 17 Millionen Mark zurück Die Finanzen des Reiches sind gegenwärtig alles andere eher als erfreulich.
Hamburg. Mit einem deutschen Truppentransport aus China ist der Reichspondampfer „Kiautschon" am Sonntag Vormittag in Hamburg eingetroffen. Eine zahlreiche Menschenmenge, so berichtet „Wolsfs Bureau", begrüßte den festlich beflaggten Dampfer beim Anlegen mit lauten Hurrahrufen. Nachdem der Dampfer festgelegt, begaben sich der kommandirende General des IX. Armeekorps. General der Kavallerie von Massow, zahlreiche Offiziere und die Mitglieder des Senats an Bord des Damp'ers. Hier hielt General von Massow in herzlichen Worten eine Ansprache, an die Soldaten lind schloß mit einem Hoch auf den Kaiser; die Musik spielte „Heil Dir im Seigerkranz". General von Massow richtete sodann an jeden Soldaten einige freundliche i'lorte und reichte einem jeden die Hand. Mit Ausnahme von 8 Schwerkranken, welche mittelst Krankenwagen nach dem Altonaer Garnisonlazarett gebracht wurden, bestiegen die übrigen Manuscha'ten, etwa 200, zwei bercitstchcude Extrazüge, in denen sie nach den verschiedenen Bahnhöfen be ördert wurden, um von hier aus die Weiterreise anzutreten. Das Aussehen und die Haltung der Mannschaften waren gut. Zahlreiche Anverwandte der heimkehrenden Krieger waren bei der Landung anwesend. — Wie sehr Typhus und Ruhr das deutsche Expeditions Korps heimgesucht haben, ergiebt sich aus folgender Episode, die dem „Lokalanz." von der Landung der 200 deutschen Kranken und Rekonvalcszenten in Hamburg geschildert wird. Auf dem Vorderdeck der „Kiüutschou" waren, von den wenigen noch bettlägerigen Patienten abgesehen, die auszuschiffenden Mannschaften in Reih und Glied angetreten. Auf der dem Quai zugekehrten Seite des Schiffes sah man dicht gedrängt namentlich Mannschaften der Marine-Bataillone des ersten ostasiatischen Infanterie Regiments, sowie der Artillerie. Da ertönte die Stimme des Transportführers: »Wer nicht Typhus oder Ruhr gehabt hat. tritt hinüber auf die andere Seite, verstanden? Nur Typhus und Ruhr bleiben hier!" so lautete der Befehl. Nicht mehr als 3—4 Leute verschwanden daraufhin aus dem Gesichtskreise des Publikums. Alle übrigen blieben wie ^gewurzelt stehen, also alle diese Leute hatten mit Typhus und Ruhr, den furchtbaren, an der fernen gotischen Küste doppelt furchtbaren Würgengeln zu kämp en gehabt und waren ihnen glücklich entgangen!
Bremen, 12. April. In ausfallender Weise nimmt Rr Pafsagierverkchr nach fremden Welttheilen zu. Im Riärz d. Js. sind über Bremen nicht weniger als 15 459 Personen über See be ördert gegen 12 929 im fahre, 7734 im Jahre 1899, 7604 in 1898 und nur 3255 im Jahre 1897. Ein ähnlicher Zuwachs betrifft auch ganze erste Quartal. Befördert wurden in diesem ^uhre 34 307 gegen 26)62 im v. J. 15 531 111 1899, 14,724 in 1898 und 6623 in 1897. Seit Rer Jahren hat sich der Verkehr nahezu verfünffacht, was auf die Geschäfte der beiden großen Dampfergesell schasten in Bremen und Hamburg — in Hamburg zeigt uchganz dieselbe Erscheinung — einen günstigen Einfluß ausübt. Auffallender Weise ist an dieser verstärkten Auswanderung das deutsche Volt gar nicht beiheiligt. kutsche wanderten über Bremen im 1. Quartal 1901
Ausland.
Aus Petersburg kommt folgende eigene Notiz: Bei seinem letzten Besuch im russischen Auswärtigen Amt beleidigte der chinesische Gesandte den russischen Minister Grafen Lamsdorff so schwer, daß letzterer seinen Gast durch einen Bedienten hinausgeleiten ließ. Dabei soll der chinesische Gesandte ernste Kopfverletzungen erlitten haben.
Peking, 18 April, 9 Uhr Vorm. Der vom Grafen Waldersee bewohnte Palast der Kaiserin, einschließlich des Asbesthauses ist abgebrannt. Graf Waldersee hat sich mit knapper Noth durch ein Fenster des Asbesthauses gerettet. General von Schwarzhoff wird vermißt. Anscheinend ist er beim Wiederbetreten der Brandstätte umgekommen, nachdem er bereits ins Freie entkommen war. Es wird Brandstiftung vermuthet. Außer den Dokumenten des Generalstabes ist alles zerstört. Sonstige Unglücksfälle sind bisher nicht bekannt Das Feuer soll in der Wohnung des abwesenden Majors von Lauenstein ausgekommen sein.
Peking. Der Hauptmann Bartsch, Compagniechef im 2. Ostasiatischen Jnf -Rgt., wurde am 11. April früh auf der Straße bei Peking todt aufgefunden. Ein Schuß in den Rücken, der die Leber rc durchbohrte, hatte ihn getödtet. Sein Reitpferd war verschwunden. Als Thäter
nur 1696 aus gegen 1848 im selben Zeitraum des vorigen Jahres und 1509 gleichzeitig in 1899. Oester- reicher und Russen machen den ganzen Zuwachs aus. Auch für ganz Deutschland ist die Auswanderung auf lehr niedrige Zahlen zurückgegangen. 1881 und 1882, zur Blüthezeit der Bismarckschen Handelspolitik, betrug sie jährlich über 200 000 Personen. Von 1883 bis 1893 schwankte sie zwischen 83 000 und 173 000. Seit 1897 dagegen hat sie noch nie die Zahl von 25 000 erreicht. Darin liegt ein glänzendes Zeugniß für die Politik der Handelsverträge. Wie immer geht fast der ganze Auswandererstrom nach den Vereinigten Staaten
Vom Rhein. Die Torpedomhrten auf dem Rhein waren doch kein billiges Schaugepränge; Torpedoboote sind keine Flußschiffe, und als sie mit ihren schweren Maschinen den Rhein, obwohl nur mit halber Kraft, befuhren, war die Wasserverdrängung so stark, daß an den Ufern liegende Fahrzeuge vielfach gefährdet wurden und auch manches Unheil entstand. Bei der Fahrt Wort nach Worms wurde durch den Wellenschlag bei Gernsheim ein beladenes Schiff gegen das Ufer geschleudert und zerschellt. Der Eigenthümer in Aschaffen- burg hat nach der .Franks. Ztg." mit dem Reichs marineamt eine Einigung dahin erzielt, daß er eine Entschädigung von 12 600 Mk. erhält.
Von der Saar. Freiherr Karl Ferdinand v Stumm- Halberg hat, wie gemeldet, 85 Millionen Vermögen hinterlassen. An der Saar wohnen nach dem „Konf." aber auch sonst noch reiche Leute. Als sehr reich sind im Regierungsbezirk ferner noch zu nennen: Die Familie v. Bock (Steingutfabrik- und Großgrundbesitzer) in Mett- lach, die auf etliche 30 Millionen geschätzt wird, der Freiherr von Schorlemer in Lieser, einer der bebeutenften Weingutsbesitzer Deutschlands, der 15—20 Millionen besitzt und der Graf von Kesselstatt, Majoratsherr in Trier, der noch höher bewirthet ist. Im anstoßenden Deutsch-Lothringen wohnen Baron von Wendel, Eisenwerk- und Großgrundbesitzer in Hechingen, der 10 bis 11000 Arbeiter beschäftigt, und die Porzellanfabrikanten v. Geiger und Jaunez in Saargemünd, je einige 10 Millionen schwer. Hat sich doch Herr Jaunez vor Jahren erlauben können, die Jagd etlicher zwanzig Dörfer für etwa 270 000 Mk. jährlich zu pachten.
Metz. Ein schwere Typhusepidemie herrscht, wie der „Volksztg." mitgetheilt wird, bei dem 2. Bat. des 8. Bair. Jnf. Reg., das die Besatzung des Forts Man- teuffet bei St. Julien (Kr. Metz) bildet. Die Ablösung durch einen anderen Truppcntheil, die alljährlich am 1. April statt findet, mußte wegen der Epidemie verschoben werden. Diese soll täglich an Umfang gewinnen. Bereits 254 Mann sind von der tückischen Krankheit befallen, und vier, darunter ein Sergeant, ihr erlegen. Die beiden Garnisonlazarethe in Metz und Montigny sind überfüllt Aus den umliegenden Garnisonen mußte Pflegepersonal herbeigeschafft werden. Es sind umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die weitere Verbreitung der Seuche zu verhindern.
wurde ein junger, etwa 20 Jahre alter Chinese nebst einigen Genossen verhaftet. Der Chinese saß bei der Verhaftung auf dem Pferde des Offiziers. Er rühmte sich ganz offen seiner That. Der Ermordete hat sich besonders in dem Gefecht an der chinesischen Mauer bei Tzekingkuan ausgezeichnet, wo er mit seiner Kompagnie unter dem Verlust mehrerer Todten und Verwundeten drei Schnell- feuergeschütze und eine Menge Fahnen eroberte. — Die Angehörigen des Hauptmanns Bartsch haben, der Schle- sischen Zeitung zufolge, die Ucberführung der Leiche nach der schlesischen Hnmath telegraphisch beim Auswärtigen Amte erbeten — Zum Tode des Hauptmanns Bartsch wird noch berichtet: Eine Pekinger Depesche an «Laffans Bureau" meldet, daß die Deutschen eine Züchtigung über die Bevölkerung von drei Dörfern verhängten, die in der Nähe der Stelle liegen, wo jüngst ein deutscher O'fi- zier getödtet wurde. — Aus der letzten Verlustliste unseres ostasiatischen Expeditionskorps ergiebt sich, daß die Chinesen einen Musketier ermordet haben. Der Unglückliche, welcher, wie es in der Liste heißt, von Landesbewohnern erschlagen wurde, war der Musketier Max Brebeck aus Neviges, Kreis Mettmann. Er stand in Deutschland bei dem 53. Jnf.-Reg. — Prinz Tu an soll noch auf freiem Fuße sein. Er wurde nicht nach der Grenze verbannt, sondern bleibt im nördlichen Kansu mit Tung- fuhsiang und einem ihm verwandten mongolischen Fürsten.
Lotale- und Provinzielles.
* Schlächtern, 19. April.
* — Dem diätarischen Wiesenbaumeister Thielmann--zu Schlüchtern wurde vom 1. April d. Js. ab eine etatsmäßige Meliorationsbauwartstelle verliehen.
* — Acht internationale Ballonfahrten zu wissen- schafelichen Zwecken finden, wie der Reichsanzeiger bekannt giebt, am 19. April statt, wobei die Ballons von Personen unbesetzt, selbstregistrirende Apparate tragen. Es ist zu wünschen, daß überall, wo die Ballons landen mögen, sich verständige Leute finden möchten, die der hochwichtigen, wissenschaftlichen Forschung dadurch zu dienen bereit sind, daß sie, ohne die Apparate zu öffnen oder auch nur mit dem Finger hinein zu greifen, die durch Plakate die vorgeschriebenen Meldungen erstatten, wofür außer der Erstattung der Kosten noch Belohnung gewährt wird. Also: Aufgepaßt am 19. April und die folgenden Tage.
* — Schutz den Singvögeln. Mit dem wieder- kehrenden Frühling kommen auch wieder unsere Singvögel aus des Südens Wärme zurück. Nicht lange dauert es, und die munteren Gesellen beginnen ihren Nestbau. Wenn die Sonne goldener zu leuchten scheint, dann ziehen sie rings umher hochzeitliche Kleider an, und die zumeist Weitgereisten beginnen zuerst einen eigenen Herd zu gründen. Weit, weit muß manchmal das Baumaterial herbeigeholt werden, ein Moosfleckchen aus dem Walde drüben, ein Federchen aus dem Hühnerhof oder ein Pferdehaar von dem Landwege. So ein Vogelnest ist ein wahres Wunder, schon deshalb muß das Kind auf den wundersamen Bau des Vogelnestes aufmerksam gemacht werden, damit ihm von allem Anfang an der Gedanke, Vogelnester auszunehmen oder zu zerstören, fremd bleibt. Schützet die Singvögel.
* — Im Verkehr mi tdem Publikum sollen nach einer Verfügung der preußischen Eisenbahnverwaltung die Beamten des Abfertigungsdienstes künftig stets volle Uniform tragen. Es kommen da namentlich in Frage die Schalterbcamten, die Güter-Expedienten, die Vorsteher der Güterstellen, die Stationseinnehmer, Kassenrendairten, Das Tragen einer nach Dienstkleider-Vorschrift angefertigten Joppe soll bei wärmerem Wetter zwar gestattet sein, niemals aber sollen zu derselben „Civil-Beinkleider" getragen werden.
* — (Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer am 15. April.) Im Februar oder März des vorigen Jahres stand eines Abends spät der Bauernsohn S. zu Ulmbach auf der Dorfstraße und wusch sich am Bach seine schmutzigen Stiefel. Auf einmal kamen aus einer Seitengasse zwei Männer, die in der Dunkelheit Holz nach Hause schleppten, das offenbar nicht auf rechtmäßigem Wege erworben war. S. machte von dieser seiner Wahrnehmung Mittheilung an den Bauer H. Dieser aber fühlt sich als berufener Wächter der Ehr- lichkeit seiner Heimath und er machte von der Missethat schleunigst Anzeige bei der Behörde. Er gab dabei an,