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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Jli 31. Mittwoch, den 17. April 1901. 52. Jahrgang.

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"'^ dieSchlüchterner Zeitung" N werden noch fortwährend von allen -- Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird in Bonn, wohin er den Kronprinzen zur Immatrikulation begleitet, 4 Tage ver­weilen. Am 16. April trifft der Kaiser mit der Kaiserin in Plön ein, um die Prinzen August Wilhelm und Oskar, die in Zukunft im dortigen Prinzenhause wohnen werden, dorthin zu geleiten. Von Plön begiebt sich der Kaiser nach Kiel, wo am 18. April Prinz Adalbert an Bord der .Charlotte eingeschifft wird. Der deutsche Kronprinz ist Sonnabend Abend zum Besuch des Kaisers von Oesterreich nach Wien abgereist. Die Reise hat keinerlei politische Bedeutung, der Kronprinz folgt einer alten und anläßlich der jüngsten Begegnung in München wiederholten Einladung des Kaisers von Oesterreich.

Die weitere Ausgabe von Jubiläumsdenkmünzen wird am 1. Mai d. I. erfolgen. Es sind nachträglich noch 360,000 Fünf- und 1,600,000 Zweimarkstücke ge­prägt worden. Eine weitere Ausgabe war erforderlich, da es der königlichen Münze seinerzeit an dem noth­wendigen Silbermaterial mangelte, weshalb die Prägung seitens der Münzdirektion auf längere Zeit ausgesetzt werden mußte Die nenen Münzen werden vom 1. Mai ab bei den verschiedenen Staatskassen zur Vertheilung gelangen.

Essen. Auf den Kruppschen Werken in Essen soll in nächster Zeit wegen Arbeitsmangel etwa 5000 Mann gekündigt werden. Hierzu ist zu bemerken, daff die Zahl der Arbeiter auf der Essener Gußstahlfabrik nach der letzten Aufnahme 26 670 Mann betrug.

Erfurt, 9. April. Beim Läuten der großen Glocke unseres Domes am 1. Osterfeiertag früh 9 Uhr wurde am Schluß des vorletzten Punktes plötzlich ein von dem allbekannten eigenen Klänge derMaria Gloriosa" ganz abweichender Ton wahrgenommen. Mit Schrecken be­merkten die Läuter, wie ein großer Theil des Klöppels aus der Glocke herabstürzte. Unterhalb der Oese hatte der Klöppel eine alte schadhafte Stelle; an dieser erfolgte der Bruch, sodaß der größte Theil von etwa 9 Zentner herab fiel, während ein Stück von etwa 2 Centnern Hängen blieb. Zum Glück richtete der herabgefallene Theil keinen Schaden an

Treusten, 11. April. Auf dem benachbarten Ritter­gut Grüningen sind innerhalb zweier Tage 21 schwere Zug­ochsen an Milzbrand verendet. Die Infektion ist auf die Venütterung von Zuckerrübenschnitzeln zurückzuführen, die an einer Stelle eingemietet waren, wo vor Jahren an Milzbrand verendete Schafe verscharrt worden waren.

Stuttgart, 13. April. Eine grausige That wird aus Ellwangen berichtet: In dem Weiler Elberschwenden er­mordete ein geistig nicht ganz normaler Bauer seine Mutter durch Zertreten des Kopfes.

Ausland.

Kanada. An leitender Stelle wird auf die Abnahme der deutschen Auswanderung in den letzten Jahren hin­gewiesen. Davon scheint auch Kanada betroffen zu sein, denn der Mangel an Einwanderern ist dort jetzt ein wunder Punkt; trotz aller Anstrengungen und Geldopfer, trotz der vielen verlockenden und häufig nicht einwand­freien Anpreisungen des kanadischen Nordwestens wollen gute, brauchbare Elemente nicht kommen. Abgesehen von Unterstützungen in Form von Fahrgeldern, Anschaffung von landwirthschaftlichen Maschinen, haaren Darlehen, bezahlt die Regierung den Dampserlinien resp. Speditions firmen eine Summe von 5 Doll. per Kopf für Er­wachsene, während die Waisenhäuser, welche alljährlich Kinder hierher senden, 2 Doll. per Kind erhalten; die hingen Einwandererwerden hier in den dazu bestimmten An- stalten zu Dienstboten erzogen, im Allgemeinen hat sich oder diese immerhin zweifelhafte Praxis nicht bewährt, viele von ihnen schlagen aus der Art, die meisten aber drücken sich sobald wie möglich über die Grenze, nach Amerika, wo es ihnen weit besser behagt. Von den 3/86 Personen dieser Klasse, welche im Etatjahre '899/1900 nach Canada kamen. erhielten deutsche Häuser p 5 Doll. Prämie für 3311 Personen, obenan steht p Hamburger Packetfahrt-Gesellschaft mit 2588 Per- 'ontn< die Firma Spiro u. Co. in Hamburg und Roltcr- folgt mit 290 resp. 329 Personen,, F. Mißler,

Bremen mit 57 u. s. w. Dem sog. Duchaborzen-Co- mitee ward von der Regierung für 9363 hierher gebrachte Einwanderer die Summe von Doll. 36815 ausgezahlt

Transvaal. Daß die Engländer als eine wesentliche Waffe in ihrer Kriegführung die Bestechung anzuwendon pflegen, ist allgemein bekannt. Der interessanteste Fall ist aus der neueren Geschichte die Bestechung der egyp tischen Offiziere vor der Schlacht bei Tel-el-^ebir. Jetzt be­richtet aber auch aus dem Burenlager ein sicherer Gewährs­mann, Lord Kitchener habe Botha und anderen Bären­führern hohe Summen für die Niederlegung der Waffen angeboten. Nun weiß man doch, was die Verhand­lungen bedeuten. Die Einwanderung der Buren in Deutsch-Südwestafrika, von der schon mehrfach die Rede war, vollzieht sich nur in kleinen Trupps, und das ist auch wohl das beste Mittel, alle etwa auftauchenden Schwierigkeiten im Keime zu ersticken. Denn die steif- nackigen Buren werden sich immerhin an manche ihnen neue Verwaltungsvorschriften erst gewöhnen müssen. Die Kosten ihrer Reise haben sie selbst zu tragen.

London, 15, April.Daily Telegraph" meldet aus Lorenzo Marquez: Eine große Anzahl Ausländer schließt sich den Buren an, indem sie von der Grenze Deutsch - Südwestafrikas aus in die Kapkolonie und Transvaal Vordringen.

London, 15. April.Daily Telegraph" meldet aus Peking : Man erwartet hier das Ende der Kriegs Opera­tionen in China innerhalb sechs Wochen. Mit Ablaut dieser Zeit wird der Kaiser von China nach Peking zu­rückkehren und einen neuen Hof mit Ausschluß der Kai­serin-Mutter einsetzen.

Die drei Angeklagten sind btr Holzsll uhmacher E., der Bauer E. und der Müller A von Weichersbach. Die beiden ersteren werden freigesprochen, denn die Haupt- keilerei im Tanzsaal, wegen deren sie angeklagt sind, war nicht aufzuklären. Dagegen ist dem Müller A. nachgewiesen, daß er nach beendeter Hauerei in dem ersten Tanzsaal einem Burschen von Mottgers in einen zweiten Tanzsaal nachgefolgt und ihn dort mißhandelt hat. Er erhält 3 Monate und 3 Tage Gefängniß.

Orb, 10. April. Ums Leben gekommen ist am Dienstag Nachmittag in Folge unglückseligen Verhäng­nisses der hiesige Waldaufseher Heinrich Schreiber. Er saß in der Nähe seiner Wohnung in einer Wirthschaft und war im Begriffe eine Kuh zu verhandeln. Trunken äußerte er zum Handelsmann:Wenn Du die Kuh nicht kaufst, gehe ich hin und schieße sie todt!" Um die Drohung wahr zu machen, verließ er auch das Wirths­haus, nahm sein Gewehr aus der Ecke und ging dem Stalle zu. Unterwegs entlud sich das Gewehr und die Kugel ging dem Unglücklichen, der sofort todt zusammen- brach, von unten durch die Kinnlade quer durch den Kopf.

Gelnhansen, 12. April. Nachdem der Bau einer normalspurigen Kleinbahn von Gelnhau'en durch das Freigericht beschlossen worden ist, hat der Kreistag in derselben Sitzung sich dahin schlüssig gemacht, zu diesem Zwecke eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 1 138 000 Mk. zu gründen. Der Kreis übernimmt 7» der Aktien unter der Voraussetzung, daß der Staat '/s der Aktien übernimmt, und der Bezirksverband dem Kreis 7.3 zu 1'/, Proz. Zinsen und '/, Proz. Amortisation aus dem Kleinbahnfonds darleiht.

Frankfurt a. M, 13. April. Am ersten Oster- feiert^ Mittag wollte der Pfarrer von Seckbach an dem Ende des jetzt eingemeindeten Ortes einem Konfirmanden, welcher erkrankt war und nicht zur Kirche gehen konnte, das Abendmahl reichen. Er befand sich mit dem Kirchen- ältesten Blick und dem Glöckner auf dem Wege zu dem Kranken, als von hinten ein Radfahrer, ohne ein Schellenzeichen zu geben, dahergesaust kam und Herrn Back in den Rücken fuhr. Derselbe stürzte zusammen und verfiel sofort in Starrkrampf, an dem er gestern Morgen kurz vor 6 Uhr verstarb. Eine Viertelstunde später war der Radfahrer schon verhallet und auf dem Wege in das Gefängniß nach Frankfurt a. M., wo er nun unter der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung mit lödtlichem Erfolge in Untersuchung sich befindet.

Frankfurt a. M., 10. April. Nachdem in einer gestern Abend abgehaltenen gemeinsamen Versammlung der Jnnungsmeister und der Schuhmachergesellen eine Einigung nicht erzielt worden ist, gilt der Ausstand im Schuhmachergewerbe als unvermeidlich. "Bisher bewillig­ten nur 28 Meister die Forderungen der Gehilfen. Für dieFrankfurter Gewerbeausstellung", deren Grün­dung kürzlich beschlossen wurde, hat der Magistrat ein Baugelände am Hauptbahnhofe ausersehen. Hiesige In­dustrielle haben so bedeutende Beträge gezeichnet, daß die Errichtung her Ausstellung gesichert erscheint. Der Konsumverein Frankfurt, sowie der neue Bockenheimer Konsumverein geben an ihre Mitglieder prima Nuß­kohlen zum Preise von 1,06 Mk. per Centner ab.

Vom Untermain, 14. April. Die Hoffnungen der Landwirthe auf nachträgliche Bestockung der unter der Winterstrenge hart geschädigten Saaten, namentlich der Weizenfelder, haben sich leider nicht erfüllt. Der am englischen Weizen angerichtete Forstschaden ist enorm. Manche Grundbesitzer, welche sich ausschließlich auf die Aussaat englischen Weizens verlegten, erleiden empfind­liche Verluste, weil sämmtliche Aecker umgepflügt und mit Sommerweizen bestellt werden müssen. Dieser aber übersteigt als Saatgut den Preis des gewöhnlichen Weizens um Mk. 3,50 bis 4 Mk. pro Malter. Der Sommerweizen muß zur Saat in glößeren Quantitäten bezogen werden. Einzelne Konsumvereine mußten zur Neubestellung der erfrorenen Weizenfelder für ihre Mit­glieder bis zu 300 Centner Sommern eizcn beschaffen.

Fulda, 11. Apiil. Ueber das Vermögen des inhaf­tierten Strumpfwarenfabrikanten Philipp Link hier ist das Konkursverfahren eröffnet worden

Hersfcld, 11. April. Heute Vormittag durcheilte die Trauerkunde unsere Stadt, daß Herr Rendant Münstermann in Cassel, wohin er sich gestern zur Theil­nahme an einer Beerdigung bcgcbcn hatte, plötzlich ge­storben sei. Leider bestätigt sich diese Nachricht. Herr

Lskalrs und Provinzielles.

* Schlächtern, 16. April.

* Die anhaltende feuchte Witterung hat insofern ihre vorteilhafte Seite, als sie unter den Feldmäusen und anderen Schädlingen gehörig aufräumt. Die Maul- würfe, in beschränkter Anzahl als Jnstktenvertilger gern geduldet, flüchten aus den durchnäßten Niederungen auf die Anhöhen, wo sie in großen Schaaren ihre Wühle­reien treiben.

* Gegen den Steinhauer Johann Georg Schlem- bach aus Sannerz, der, wie mehrfach erwähnt worden ist, zahlreiche Betrügereien in der Umgegend sich hat zu Schulden kommen lassen, ist jetzt durch die Staats- anwaltschafi ein Steckbrief erlassen worden. Seine Schwindeleien bestehen besonders darin, daß er Pfarrer und Lehrer, unter dem Vorgcben, er habe eine Gerichts- kostenschuld, Wechselschuld und bergt zu bezahlen, um kleinere oder größere Darlehen angeht. Zuletzt hatte er die Dreistigkeit, den Bürgermeister von Hattenhof von Hanau aus durch eine Postkarte aufzufordern, die ihm von der Polizei abgenommenen Sachen in seine Heimath nach Wermerichshausen bei Kissingen senden zu lassen.

Ländliche Konkurse. Der Justizminister hat eine Ber'ügung über die Auswahl der Konkursverwalter bei ländlichen Konkursen erlassen. Nach dieser ist es er- wünscht, daß bei der Auswahl des Konkursverwalters nach Möglichkeit auf solche Personen Bedacht genommen wird, welche die erforderliche landwirthschaftliche Sach- kenntniß besitzen. Die Landwirthschaftskammer oder sonstige Landwirthschaftsverbände sind um Namhaft- machung geeigneter Personen im Voraus zu ersuchen.

* Aus der Sitzung der Strafkammer vom 10. April. Kirchweihfreuden. Bei der Kirchweih, die am 10. Sep­tember 1899 in Weichersbach abgehalten wurde, galten einige Burschen von Mottgers, die dahin gekommen waren, als nicht berechtigte Kirchweihbesucher, die von den Wcichcrsbacher Burschen nicht allein höchst ungnädig angesehen wurden, sondern auch auf die landesübliche Weise hinauskomplimentirt werden sollten. Der Müller A. von Weicherbach hatte mit seinem Messer herumge fuchtelt und grollend seinem Unmuts über den fremden Besuch Ausdruck gegeben, die übrigen Burschen nicht minder. Am Abend gab eine kleine Veranlassung das das Zeichen zum Beginn des Kampfes. Zwei Burschen von Mottgers wurden mißhandelt, aber auch die von Weichersbach besamen ihr Theil, denn Verschiedene von ihnen waren nach beendeter Schlacht ebenfalls stark blessirt. Wer aber der angreifende Theil gewesen und wie sich die Sache im Einzelnen ^getragen, kann trotz der heutigen langen Verhandlungen nicht mehr mit Sicherheit aufgeklärt werden, denn es ist zu lange her.s