Erbfolge wieder acut wird, nicht ganz ohne Bedeutung sein dürfte. Die Braut, die am 25. Oktober 1875 geboren wurde, ist die Tochter des am 17. Januar 1890 verstorbenen Prinzen Wilhelm von Hessen aus dessen zweiter Ehe mit der Prinzessin Juliane zu Bentheim- Steinfurt. Dieselbe wohnt im hiesigen ehemals Land- gräflichen Schlosse. Die Familienbeziehungen der Braut, die auch zum preußischen Hof hinüberleiten, werden dem Erbprinzen hoffentlich seine Bahn glätten helfen. Vielleicht bringen sie es auch dahin, daß der leidige Erbfolgestreit auch später nicht wieder ausbricht.
Caffel, 6. April. In Gemäßheit der neulichen Verhandlungen einer Vollversammlung der Königl. Landwirthschaftskammer hat der Vorstand der Kammer beschlossen, einen Viehzucht-Inspektor für den ganzen Regierungsbezirk Caffel anzustellen. Die Thätigkeit desselben soll zunächst eine nebenamtliche sein und ist dafür ein ungefährer Zeitraum von 100 Tagen im Jahre in Aussicht genommen.
Caffel, 9. April. Die Familie des Gutsbesiäers Theiß in Wahlershausen bei Wilhelmshöhe machte gestern Nachmittag in einem offenen sechssitzigen Wagen eine Ausfahrt in den Habichtswald. In der Nähe der Groß- mannschen Wasserheilanstalt wurde das Gespann scheu, der Wagen kam ins Rollen und wurde gegen einen Baum geschleudert, in Folge dessen alle sieben Insassen aus dem Wagen stürzten. Die Wittwe Theiß war sofort todt, ihre Tochter und ihre Schwiegertochter erlitten schwere innere Verletzungen, ihr Schwiegersohn und ein Bekannter wurden an Gesicht und am Kopfe schwer verletzt, und nur 2 kleine Kinder kamen mit dem bloßen Schrecken davon.
Hauau. Ein angenehmer Osterhase. Einem hier angestellten jungen Kaufmann S., Geschäftsreisenden einer Bijouteriesabrik, hat der Osterhase 75,000 Mark in den Schoß gelegt. Es winkte ihm nämlich der Ostergruß, als er hier die Gewinnliste der Siebengebirgs- lotterie studirte, die angenehme Nachricht entgegen, daß sein Loos den zweiten Haupttreffer im Betrage von 75,000 Mk. gewonnen hatte, was ihm auf telegraphische Anfrage auch bestätigt wurde. — In einer Wirthschaft der Schnurgasse erschien kürzlich ein junger Mann, und stellte sich als Kellner vor. Da der Wirth zufällig einen Kellner gebrauchte, engagirte er den jungen Mann, ließ sich dessen Jnvalidenkarte und Reisepaß geben und legte dasselbe in das Büffet. Andern Tags gab er dem „Kellner" 10 Mark Taschengeld, mußte aber die Erfahrung machen, daß er hiermit einen schlechten Griff gemacht hatte, denn der junge Mann kehrte am Nachmittag nicht wieder zurück. Es stellte sich nun heraus, daß er sich heimlich seine Papiere aus dem Büffet genommen hatte. Der junge Mann war überhaupt kein Kellner, sondern ein Bäcker Namens Keller aus Meißen (Sachsen).
Auf Verwegener Kahn.
Kriminalnovellk von Gustav Höcker. (Fortsetzung).
„Die Million an und für sich hätte mich nicht locken können," fuhr Siglinde fort, „sondern nur der Wunsch leitete mich, nur meinen Vater vor dem finanziellen Ruin zu retten. Es war ein Opfer, welches ich ihm bringen wollte. Jetzt aber würde dasselbe vergebens sein, mit allen Millionen der Welt vermöchte ich ihn nicht zu retten! Und was sollte mir der Reichthum, wenn ich meinen armen alten Vater lebenslänglich im Zuchthause eingekerkert wüßte, oder" — sie bebte unter einem kalten Schauer zusammen — «oder ihn gar dem Beile des Scharsrichters überliefert sähe? Der Besitz einer Million würde ein Hohn auf mein gebrochenes Herz. Ich würde mit einem solchen unheilbaren Seelen- leiden niemals einen Gatten glücklich machen können. Mir bliebe keine andere Wahl als mich in irgend einem stillen Erdenwinkel zurückzuziehen. Armuth sollte mir eine Genugthuung sein; in der Arbeit um das tägliche Brod würde ich Vergessenheit suchen, während Reichthum mir nur zur Qual werden könnte."
„Wie?" rief Harnisch in ungläubigem Erstaunen, „Sie wollten eine Million von sich werfen? Würden Sie denn mit solcher Entsagung ihrem Vater nützen können?"
„Bedenken Sie doch nur, daß bte Erbschaft Ihrer Tante Ihnen die Mittel gewährt, für seinen Prozeß alle Minen springen zu lassen. Sie können zu seiner Ver
theidigung die geschicktesten Advokaten der Welt gewinnen, Sie können auf die Richter einwirken —"
„Unsere Richter, Herr von Harnisch, sind unbestechlich," unterbrach sie ihn mit ruhiger Würde, „wenn sie auch menschlichen Vorurthcilcn und Irrthümern unterworfen sein mögen. Und was die Vertheidigung meines Vaters betrifft, so ruht dieselbe bereits in der bewährtesten Hand, wie Ihnen Jedermann hier sagen wird, wenn Sie sich nach Rechtsanwalt Doktor Volkmar erkundigen. Bedenken Sie! wie könnte ich ein Vermögen annehmen, auf welchem die Blutschuld meines Vaters ruhen soll? Ich würde dadurch dem Verdachte gegen ihn nur das letzte Siegel aufdrücken, da man ihm ohnehin das Motiv unterschiebt, er habe durch die Beseitigung meiner Tante und durch die Herbeiführung meiner Verbindung mit Ihnen die Million rasch in meine Hand spielen wollen."
Harnisch war wachsbleich geworden und Siglinde fand das erklärlich, denn sie konnte sich sehr gut in seine Lage versetzen: das Wort, welches sie gesprochen, mußte ein harter Schlag für ihn sein, die Million, welche sie ausschlug, raubte sie ihm.
„Ich kenne Ihre Verhältnisse nicht, Herr von Harnisch", fügte sie nach einem längeren Schweigen hinzu, „es sollte mir wehe thun, wenn ich Sie um Aussichten brächte, von denen Ihre ganze Zukunft abhängt, ja, ohne welche Sie sich dieselbe gar nicht denken können. Wie gern würde ich Ihnen das ganze Erbe überlassen, wenn dies in meiner Macht stünde."
Sie bereute fast dies gesagt zu haben, denn er nahm von ihren freundlichen Worten kaum Notiz, sondern war aufgestanden und ging im Zimmer auf und ab, als wäre sie gar nicht da. So macht man wohl dem Ver- drusse über einen schweren Geldverlust Luft, nicht aber dem schmerzlichen Verzichte auf eine Braut, der man kurz vorher soviel Schmeichelhaftes gesagt hat. Siglinde fand ihre Vermuthung, daß er die Sache nur von der geschäftlichen Seite nahm, durch dieses Fallenlassen der einfachsten Höflichkeitsrücksichten vollkommen bestätigt.
Als sein Blick zufällig ihrem großen erstaunten Auge begegnete, mochte er seine taktlose Selbstvergessenheit wohl fühlen. Er blieb vor ihr stehen und frug in sanftem Tone: „Ist für die Freisprechung Ihres Herrn Vaters keine Hoffnung vorhhnden?"
Sie schüttelte traurig den Kopf. „Wenn ich darüber nachdenke, wie tückisch sich die Umstände gefügt haben, um als Schuldbeweise gegen den armen Mann zu sprechen, so muß ich alle Hoffnung aufgeben."
«Und Ihr Entschluß ist unwiderruflich, Fräulein Schönaich?"
„Unwiderruflich!" sagte sie fest. „Aber kein Opfer, und wäre es selbst das meines eigenen Lebens, würde mir zu groß sein, meinen Vater zu retten. Wenn Sie
das vermögen, Herr von Harnisch," setzte sie hinzu, die solches könnte sie vielleicht auch noch einmal in Euros» Hand betheuernd aufs Herz legend, „so werde ich an E-—— «-*■-“ ------"^»" k~c ^— ^—"^'
dem Tage, wo seine Freisprechung erfolgt, mit Ihnen au den Traualtar treten."
Er verfiel in ein langes tiefes Sinnen, während er abermals im Zimmer auf- und abging und zuweilen hoffnungslos den Kopf schüttelte. Plötzlich blieb er stehen wie von einem Gedankenblitze getroffen.
„Sie glaubten, ich sei schon einmal hier gewesen," fuhr er auf, daß Siglinde fast erschrak. „Sie waren gerade verreist. Ihr Mädchen befand sich allein zu Hause und hat den Besuch empfangen. Könnte ich das Mädchen selbst befragen?"
Er hatte die Sätze hastig und abgebrochen heraus» gestoßen, als handle es sich um Leben und Tod.
Siglinde war betroffen; sie wußte nicht was sie davon denken sollte und ging zur Thür, um Martha zu rufen.
Diese kam herein.
„Herr von Harnisch möchte Auskunft über den Herrn haben," sagte Siglinde zu dem Mädchen, „welcher vor einigen Tagen meinen Vater zu sprechen wünschte, als ich mit ihm nach Rottenbach abgereist war."
„Der fremde Herr soll mir ähnlich gesehen haben?" wandte sich Harnisch an Martha, wobei er sehr schnell und in heftiger Erregung sprach.
„Ja, er hatte Aehnlichkeit mit Ihnen," antwortete Martha. „Aber seine Gesichtszüge waren doch ganz anders."
„Sein Haar war dunkel?"
"Fast wie das Ihrige, nur um ein weniges heller."
„Wie trug er es?"
„Kurz und in der Mitte gescheitelt, wie Sie. H bemerkte es, als er eintrat und einen Augenblick Hut lüftete."
„Der Bart?"
„Ein Vollbart, genau wie der Ihrige."
„War der Mann größer oder kleiner als ich."
„Er mochte wohl etwas kleiner sein."
„Wie klang seine Stimme?"
„Tiefer als die Ihrige."
„Dunkle Augen, nicht wahr?"
„Wie Sie," nickte das Mädchen.
„Kann man sich auf Ihr Gedächtniß verlassen?"
„Sie besitzt ein sehr scharfes Auge für Physik nomien," bezeugte Siglinde, „ich habe davon mehr q
eine Probe."
(Fortsetzung folgt.);
Vermischtes.
' Hongkong, 10. April. „Daily Mail" meldet übt die Qualen, welche 2 Ueberlebende der Barke Angel
erlitten hatten. Die Barke Felsen gerannt und gesunken.
war bei Cavite an eint Das Unglück ereignet
sich 6 Tage nach der Abfahrt. 20 Mann der Besatzunz
ertranken, 17 andere retteten
sich auf Flößen. D
zwei Mann, welche sich auf dem größeren Floß befandw sind die einzigen Ueberlebenden.
— Die größte Polenstadt in ganz Europa ist Warschau — die Stadt Berlin. In Berlin leben nicht weniger als 70 000 Polen, das heißt mehr als beispiem weise in Krakau, Lemberg und Posen. Natürlich lebeE sie unter der deutschen Bevölkerung Berlins zerstreuis aber an eigentliches Deutschwerden dieser Berliner Pol« ist vorläufig noch nicht zu denken.
— Arger Schwindel. Die zur Ordnung der Hältnisse der in Konkurs gerathenen Grundschuldb« eingesetzte Vertrauenskommission hat nach dem „Bem Lok.-Anz." festgestellt, daß die seit Jahren ausgestelltes Bilanzen und Geschäftsberichte ein durchaus falsch^ Bild von der Geschäftslage gegeben haben. Die Bilanze»! sind seit Jahren gefälscht und der Vorstand hat es Den* standen, für sich und seine Freunde geschäftswidrige Vor; theile zu sichern.
— Warum die Chinesen Ratten essen. Seit d« letzten Belagerung von Paris hat die Ratte als Nahes ungsmittel einen gewissen Weltruf erworben. Trotzt« würde sich kaum ein Volk in Europa, am allerwenigste»! der Franzose, freiwillig dazu entschließen, eine Rati! als Delicatesse zu betrachten. Bei den Chinesen ist es! natürlich anders, wie uns die chinesischen Anschauung^ überhaupt geradezu als eine Umkehrung unserer eigene»! erscheinen. Auch dem Chinesen ist die Ratte freilich^ weniger ein Delicatesse, sondern eher ein Medicament oder man könnte auch sagen, ein Kosmeticum, und als
Eingang finden, vorausgesetzt, daß sich der chinesisch!
Glaube an ihrer Wirkung als wahr herausstellt. Diil Ratten sollen nämlich für den Menschen das beste Haar-k Mittel sein, und da die Chinesen mehr Haare brauche» als andere Menschen, welche nur einen eingebildeten Zopj tragen, so ist es ganz begreiflich, daß sie die Ratten zu ihren Mahlzeiten herangezogen haben. Rattenfleisch foü| auf die Haare dieselbe Wirkung ausüben, wie die W rotten auf die der Pferde. Jeder Pferdebesitzer weiß,! daß die Carotten das beste Mittel sind, um dem Fell! der Pferde Glanz und Weichheit zu verleihen. In ähn-l licher Weise sind die Chinesen und besonders die Chim^ sinnen, seit undenklichen Zeiten davon überzeugt, daß der Genuß von Rattenfleisch nicht nur dem Ausstall der Haare Vorbeuge, soudern d as Haar sogar wieder neu wachsen lasse und ihm einen weichen Seidenglanz verleihe.
— Ach so! Ede: „Denk Dir mal an, Lude, wal unser Fremd is, der Budiker drieben, der hat acht Dage gekriegt, bloß weil er’n Kopp jeschüttelt hat!" — Lnde: „Na nu, wo so denn?" — Ede: „Na ja, det war nu freilich nich sein Kopp, sondern der jeheerte'n Polizisten!'
Kirchlicher Anztiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 14, April 1901.
Vormittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Wochendienst: Herr Superintendent Orth.
Katholischer Gottesdienst.
Vorm. */210 Uhr. Fransziskaner-Pater.
Nutz- und Brennholz-Verkauf. Königliche Oberförsterei Utederkalbach.
Am Montag, den 22. April 1901, von Vormittags 9‘|, Uhr ab
in der Kramer'schen Gastwirthschaft in Eichenzell, 1. Schutzbezirk Eichenzell, Forstort: Gaulsgehai: Eichen: 13 Stämme 111., IV. und V. Cl., 6 Nmtr. Schichtnutzholz, 10 Rmtr. Scheit, 6 Nmtr. Knüppel, 20 Rmtr. Stöcke, 10,5 Hdt. Welken Reis; Birken: 19 Stämme V. Cl., And. Laubholz, 3 Rmtr. Schichtnutzholz, 15 Nmtr. Scheit, 20 Rmtr. Knüppel, 7,8 Hdt. Westen Reis, 10 Rmtr. Stöcke; Nadelholz: 14 Stämme V. Cl., 5 Rmtr. Scheit, 4 Rmtr. Knüppel, 3,9 Hdt. Wellen Reis. 2. Schutzbezirk Döllbach, Forstort Liede, 186 Kiesern-Stämme III., IV. u. V. Cl. (Entfernung nach Bahnhof Wetters 2 km.)
OWlHUHUiV /W14 V4 HlVl 4 lt/t
Freitag, den 19. April 1901 von Vorm. 10 Uhr «6 sollen in der Günther'schen Gastwirthschaft zu Mottgers aus den Distrikten 93 und 100 Limbachsrain, 94 Hellgraben, 98 Limbach auf dem Gleichen, 103 Diebthalsrain, 104 Schornberg, 107 Bernsküppel, 108 Limbachsrasen, 115 Steinfirst, 117 und 118 Lederhose und 122 Junkerwald des Schutzbezirks Mottgers West (Förster Tag' geselle zu Mottgers) nachfolgende Hölzer und zwar:
Eichen: 12 Rmtr. Knüppel;
Buchen: 276 Rmtr. Scheit, 230 Rmtr. Knüppel, 400 Rmtr. Reis II. Cl.;
Birken und Aspen: 16 Rmtr. Scheit, 5 Rmtr. Knüppel;
Wichten: 3 Stämme V. Cl. mit 1,09 Festm., 2 Rmtr. Scheit, 1 Rmtr. Knüppeli
Kiefern: 24 Rmtr. Scheit, 82 Rmtr. Knüppel öffentlich meistbietend zum Verkäufe ausgeboten werden.
Mottgers, den 11. April 1901.