SchlWernerMun
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 29. Mittwoch, den 10. April 1901. 52. Jahrgang.
auf ^ .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ^ - — ■■ Postanstalten und Landbriefträgern, 'sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.-Nr. 776 K.=A. Diejenigen Herren Bürgermeister, 'welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 19. März d. Js. J.-Nr. 776 K*A. betr. Einreichung der Rückstands-Verzeichnisse im Rückstände sind, werden binnen 8 Tagen hieran erinnert.
Schlüchtern, den 2. April 1901.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Die kaiserlichen Majestäten haben inmitten ihrer Familie in gewohnter Weise Ostern gefeiert. Für die jüngeren Prinzen und die kleine Prinzessin Luise war -auch ein Eiersuchen veranstaltet, an welchem sich die älteren Brüder lustig beteiligten Die anwesenden Mitglieder des Königlichen Hauses erschienen zur Familien- tasel.
— Für die neue dreiprozentige Reichsanleihe von 1300 Millionen Mk. sind rund 4721 Millionen Mk. gezeichnet worden. Größere Anmeldungen liegen vom Aus- lande namentlich aus Amerika und England, aber auch aus Belgien und Frankreich vor. In verhältnißmäßig geringem Maße soll sich Süddeutschland betheiligt haben, was darin seine Erklärung findet, daß im ersten Viertel dieses Jahres in Süddeutschland umfangreiche Emissionen stattgefunden haben, durch die das vorhandene Anlage-Bedürfniß zum größten Theile gedeckt wurde.
— Ersatzmannschaften für unsere Chinatruppen werden immer noch vielfach gesucht. Daß an eine schnelle Rückkehr der dortigen Regimenter nicht zu denken ist, hat Graf Bülow ja im Reichstag gesagt.
— Die Beschädigungen unseres Linienschiffes Kaiser Friedrich III., das bet Ankona auf den Grund stieß, haben sich als so schwer herausgestellt, daß, wie man bereits fürchtete, das Schiff außer Dienst gestellt werden mußte.
— Sanitätsoffiziere. Mit dem 1. April hört in der preußischen Armee die Eintheilung der Oberstabsärzte in solche erster und zweiter Klasse auf. Die Bezeichnung des Dienstgrades ist, wie der Kaiser angeordnet hat, nunmehr durchweg Oberstabsarzt. Den bis herigen Oberstabsärzten zweiter Klasse des Friedens, und des Beurlaubtenstandes wird der Rang der zur Zeit in etatmäßigen Stellen des Heeres befindlichen inaktiven Sanitätsoffiziere dieses Dienstgrades und der Charakter als Major rerliehen. Es werden selbstverständlich auch dementsprechend die Dienstgradsabzeichen getragen.
München. Unlauterer Wettbewerb. Zur Zeit ist bei den Münchener Gerichten ein Fall anhängig, der seit Bestehen des Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb noch nicht da war. Ein dortiger Geschäftsmann hatte einen seiner Leute veranlaßt, aus seinen Diensten zu treten, bei einem Konkurrenten Stellung zu nehmen, dort einen Monat zu bleiben, alles auszukundschaften, Preis- und Kundenlisten und so weiter sich zu verschaffen und dann wieder in sein Geschäft zurückzukehren. Dies wurde uuch nusgeführt, die Sache wurde aber bekannt und beschäftigt nun die Gerichte.
Darmstadt, 3. April. Bestrafte Milchpantscher. Vor der hiesigen Strafkammer hatten sich zwei Milchpantscher und deren Angehörige zu verantworten. Die Landwirthe Karl Raab von Ueberau und Georg Wilhelm Schuch. wann (der zugleich Beigeordneter ist) von Ueberau. lieferten seit 9 Jahren täglich etwa 450 Liter theilweise entrahmte Milch als Vollmilch nach Frankfurt an den Milchhändler L. Mai in Frankfurt. Sie erzielten durch >hre betrügerische Manipulation jährlich einen Reingewinn »°n je etwa Mk. 1200. Wegen Betrug und Vergehen begen das Nahrungsmittelgesetz, bezw. Beihülfe dazu Melt der Landwirth Raab 6 Wochen Gefängniß und Mk. 1500 Geldstrafe, dessen Ehefrau Mk. 500 Geldstrafe und seine Haushälterin Marie Mathes Wwe. Mk. 50 strafe, Schuchmann erhielt 6 Wochen Gefängniß Mk. 1500 Geldstrafe, seine Ehefrau 4 Wochen Ge- mß und Mk. 1200 Geldstrafe, seine Töchter Margarete und Anna Mk. 150, bezw. Mk. 50 Geldstrafe.
Ein neues Gebiet sozialer Fürsorge hat die hessische sterung mit einer soeben ins Leben gerufenen Ver- Mgsanstalt für staatliche Arbeiter betreten. Die
neue Einrichtung bezweckt die Gewährung von Ruhegehältern und die Hinterbliebenen-Versorgung für ständige und Saisonarbeiter, die von den dem Finanzministerium unterstellten Betrieben und Behörden, besonders der Forst- und Bauverwaltung, beschäftigt werden.
Jserlohu. Lobenswerth sind die Stadtverordneten, die — um ihre Ansichten zu verfechten — den eigenen Beutel ziehen, wie solche die westfälische Stadt Jserlohn aufzuweisen hat. Zunächst war es, wie von dort geschrieben wird, im vorigen Jahre der Kommerzienrath Dr. Fleitmann, der 9000 Mk, zu Wassergewinnungsanlagen in Werningsen beisteuerte. Dann folgte Dr. Franz, der behauptete, nur auf dem Melkeplatz werde Wasser gefunden und dafür 3000 Mk. aufwendete. Beide Versuche blieben jedoch ohne Erfolg. Um nun doch in Werningsen Wasser zu gewinnen, hat Dr. Fleitmann abermals 10 000 Mk. in Aussicht gestellt, wenn die Stadtverordneten auch 20 000 Mk. bewilligen.
In der Nähe von Heisfelde (Ostfriesland) stieß beim Graben ein Arbeiter auf einen circa '/, Meter hohen Topf, der weit über 1000 wohlerhaltene Münzen in Thalergröße enthielt. Wie das Leerer Anzeigeblatt des ferneren meldet, handelt es sich hier um einen Schatz aus dem 30jährigen Krieg. Nach einer Schätzung von Sachverständigen beträgt der Fundwerth 50000 Mark. Die wohlerhaltenen Stücke zeigen das Bildniß Philipps II. von Spanien und tragen die Jahreszahl 1589.
Ausland.
Paris. Neuerdings zeichen sich Anzeichen, daß die großen Arbeiterausstände in Frankreich ihrem Ende nahe sind. Es ist auch hohe Zeit, daß sie erlöschen, denn die entstandenen Verluste gehen in die Millionen. So hat der Ansstand der Tüllarbeiter in Calais 30 Mill. Fr. gekostet, von denen 20 Millionen den Industriellen, und 10 Millionen durch Lohnausfall den Arbeitern zur Last fallen. Noch viel größer sind die Verluste in Mantceau- les Mines, wo seit Wochen Tausende von Bergleuten streiken, und in Marseille. In letztgenannter wichtigsten Hafenstadt Frankreichs beklagen Handel und Industrie einen wöchentlichen Ausfall von 25 Mill. Fr., während der Lohnausfall der Arbeiter wöchentlich mehr als 2 Mrll. Fr. beträgt.
New-Aork. Die neuen amerikanischen Briefmarken zur Zeit der panamerikanischen Ausstellung in Buffalo während dieses Sommers, werden in Zweifarbendruck erscheinen und interessante Ansichten tragen. Die Marken mit einem Cent zeigen einen der neuen amerikanischen Schnelldampfer; die mit zwei Cents einen Expreßzug; die von vier Cents einen Automobil vor dem Kapital in Washington; die mit fünf Cents die Brücke über die Niagara-Fälle; die mit acht Cents die gewaltigen Kanalschleusen bei Sault St. Marie und die mit zehn Cents einen Ozeandampfer. Die erste Markenausgabe bei Eröffnung der Ausstellung wird einen Nominalwerth von 300 Millionen Dollar (1275 Millionen M) haben.
Transvaal. Ein Waffengefährte Bothas, der gegenwärtig in Paris weilt und sich zu dem Präsidenten Krüger begeben will, antwortete aus die Frage, ob der Krieg sich seinem Ende naht, daß den Buren die gegenwärtige Lage erlaube, noch eine recht lange Zeit Widerstand zu leisten. Bei Beginn des Krieges herrschte unter den Buren Willkür; aber jetzt ist eine eiserne Disciplin eingeführt, die von Dewet und Botha mit aller Strenge gehandhabt wird. Augenblicklich haben die Buren noch etwa 17000 Mann unter den Waffen und können mit diesen den Krieg noch ein ganzes Jahr fort dauern lassen. Bis dahin wird England keine Ersatztruppen mehr auftreiben können und ermüdet sein. Das ist die Hoffnung der Buren.
Japan. Aus guter Quelle verlautet, die japanische Regierung habe beschlossen, sich gegenüber Rußland über die Mondschureifrage in entschiedener Weise auszusprechen. In Marine- und Militärkreisen soll außergewöhnliche Rührigkeit herrschen.
Lotales und Provinzielles.
* Schlächter». 9. April.
* — Herr Pfarrer Kahl zu Schlüchtern wurde zum Kreis-Schnlinspektor für die Schulen des Aufsichtsbezirks Schlüchtern bestellt, auch wurden demselben als Orts-Schulinspektor die Schulen zu Niederzell und Klosterhöfe unterstellt. — Herr Pfarrer Sartorius zu Sterb- fritz wurde als Ortsschulinspektor für die Schulen seines Kirchspiels bestellt.
* — Der Lehrer Kirchner zu Schlüchtern wurde als Lehrer an die städtische Bürgerschule zu Cassel bestätigt. — Endgültig angestellt wurde der Lehrer Weitzel zu Schlüchtern. — Einstweilig angestellt wurden die Schulamtsbewerber Eckhardt aus Schlüchtern an die ev. Schule zu Schlotzau, Kr. Hünfeld, Willig aus Schlüchtern an die ev. Schule zu Körle, Kr. Melsungen, Kirchner aus Bruchköbel an die ev. Schule zu Ahlers- bach, Kr. Schlüchtern. — Entlassen wurde der Lehrer Padberg zu Veitsteinbach, behufs Uebertritts in den Schuldienst des Regierungsbezirks Arnsberg.
* — Die Versetzung des Lehrers Gärtner von Oberzell nach Langendiebach bei Hanau ist zurückgenommen worden.
* — Das am 19. November- vor. Js. auf Grund des § 56 Abs. 3 der Reichsgewerbeordnung für den Kreis Schlüchtern bis zum 1. April ds. Js. erlassene Verbot des Hausirhandels mit Rindvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen ist bis zum 1. Oktober d. J. verlängert worden.
* — Lies das Kreisblatt! Dieser kategorische Imperativ ist vom Oberverwaltungsgericht in letzter Instanz ausgesprochen worden. Die Sache ist nämlich die: Durch Beschluß der Gemeinde Wittlage wurde festgesetzt, daß fortan alle Bekanntmachungen der Gemeinde nicht mehr wie bisher durch Ansage von Haus zu Haus, sondern nur noch im Kreisblatt veröffentlicht werden würden. Die Nichttheilnahme an den Gemeindeversammlungen wird, wenn sie nicht genügend entschuldigt ist, mit 50 Pfennig Strafe geahndet. Der Neubauer Brüscher gehört zu den Personen, welche das Kreisblatt nicht lesen wollen. So war ihm auch die in demselben veröffentlichte Bekanntmachung entgangen, durch welche zu der am 28. Juni 1898 anberaumten Gemeindeversammlung eingeladen worden war. Infolge dessen erschien er in dieser Versammlung auch nicht und wurde deshalb in 50 Pfg. Strafe genommen. Hiergegen ergriff er die Klage im Berwaltungsstreitverfahren gegen den Gemeindevorsteher. In der Verhandlung vor dem Kreisausschuß bestritt er seine Verpflichtung, das Kreis- blatt zu lesen, und müsse er, da ihm auf andere Weise keine Kenntniß von der anberaumten Versammlung geworden war, von der Strafe befreit werden. Der Kreisausschuß erkannte auf Abweisung der Klage, da nach dem rechtsgiltig zu Stande gekommenen Gemeinde- beschluffe sich jedes Gemeindemitglied um den Inhalt des Kreisblattes kümmern müsse. Die dagegen eingelegte Berufung wurde vom Bezirksausschusse zurückgewiesen, und das mittels der Revision angerufene Oberverwaltungsgericht bestätigte aus den zutreffenden Gründen der Jnstanzgerichte die Vorentscheidung.
V. Bollmcrz, 6. April Am Donnerstag, den 4, d. M. entgleisten auf der Elm-Gemündener Eisenbahn in Vollmerz 6 Wagen des Güterzuges 9040. Zwei Wagen waren umgestürzt und versperrten die Gleise. In Folge dessen mußten die Reisenden des um 11 Uhr Vormittags durchfahrenden Personenzuges in einen von Elm ent- gegengeschickten Hülfszug steigen. Nachmittags waren die Gleise wieder frei. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. — Vor Kurzem wurde in Hanau einem Agenten Namens Reuschel ein Damenfahrrad aus seiner Wohnung gestohlen. Das Rad hatte, wie sich nun ergeben, ein gewisser Martin Meyer von Hanau, der früher Zwangszögling in Sannerz war, gestohlen, und sich damit nach der Zwangserziehungsanstalt Sannerz begeben, woselbst er das Rad als das Eigenthum seiner Schwester bezeichnete. Von Sannerz aus fuhr er dann per Rad nach Vollmerz, stürzte jedoch unterwegs und zog sich dabei Verletzungen zu, auch das Rao wurde beschädigt. Infolgedessen konnte Meyer nicht weiter mnd so kehrte er in der Freund'schen Wirthschaft in Vollmerz ein, stellte das Rad in die Scheuer und stärkte sich in der Wirthschaft an Speise und Trank. Da er nun aber ohne Mittel war, wollte er am Abend heimlich verschwinden, zu welchem Zwecke er sich heimlich in die Scheune schlich, um auch das Rad mitzunehmen. Die Wirthsleute merkten den Vorgang und verhinderten das Vorhaben insofern, als sie das Rad als Pfand für die unbeglichene Zeche in Anspruch nahmen. So zog der Meyer ohne Rad von bannen. Kurz daraus kehrte in die Wirthschaft ein Hanaucr Reisender, ein Herr Hartenbach ein, der sich das zurückgelassene Rad ansah und unter dem Sitze ein Radfahrbüchclchen bemerkte, das auf den Namen „Nelly Reuschel" lautete. Der Verdacht, daß