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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 28.

Samstag, den 6. April 1901.

52. Jahrgang.

MMIlttlAHl auf bie »Schlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen

----- Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Ostern.

Es geht ein wonnevolles Wehen Durch die Natur der Winter flieht, Aus Himmelshöh'n vorn Auferstehen Tönt froh der Lerche Iubellied.

Nun dehnt und sehnt und regt sich's wieder, Es keimt und sproßt am grünen Hag, Aus allen Zweigen klingt's hernieder Dom sel'gen Auferstehungstag.

Und durch die Welt im Lenzeswehen Erschallt der Osterglocken Ulang;

Es giebt kein Sterben, kein Vergehen! Die Liebe anch den Tod bezwäng.

Der Fürst des Lebens ist erstanden, Heut triumphiert der Siegesheld,

s Dom Grabesgrau'n, von Todesbanden Erlöste er die ganze Welt.

So schlingt sich ineinander sinnig Des Osterwunders Majestät, Dlit Lenzeswonne, hold und minnig, And stimmt die Seele zum Gebet.

Im Erdenland, im Weltgetriebe Hält Ostern seinen Trost bereit:

Des Osterfürsten Heilandsliebe,

Die Hoffnung auf Unsterblichkeit. .

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar wird am 18. April in

Kiel eintrcffcn. Gleichzeitig dürfte die Einschiffung des Piinzen Adalbert an Bord derCharlotte" erfolgen. Die Kaiserin-Dacht hat Befehl erhalten, am 18. April fahr­bereit zu sein.

In Schloß Friedrichshof im Taunus ist, wie der Berliner ..Post" aus Kronberg getrieben wird, wieder die alte hoffnungsfreudige Stimmung eingekehrt, was hauptsächlich darin seinen Grund haben dürfte, daß der gegenwärtige Gesundheitszustand der Kaiserin Fried­rich ein den Verhältnissen entsprechend andauernd sehr befriedigender ist. Zum Osterfest wird viel Besuch auf Schloß Friedrichshof erwartet.

Der Getreidezoll soll 5 Mark nicht übersteigen. Wie ein Berliner Börsenblatt erfahren haben will, er­klärte der Kaiser dem Präsidium des Herrenhauses ge­legentlich der Audienz am vergangenen Sonntag, daß der Gelreidezoll die Höhe von 5 Mark nicht übersteigen dürfe.

Der Bahnbau in Ostafrika kam auch zur Sprache, als der neue Gouverneur Graf Götzen am 19. März zur kaiserlichen Frühstückstafel zugezogen war. Auf die Frage des Kaisers, wie es in Ostafrika stehe, erwiderte Graf Götzen, die Nachrichten von dort seien schlimm. Der Handel und die Firmen gingen von uns hinweg, da der Verkehr abnehme. Sie zögen dahin, wo Reg­samkeit und Fortschritt vorhanden wäre. Wenn wir die Bahn nicht bauten, ginge unser Schutzgebiet weit zurück. Der Kaiser sprach dann mit dem Reichskanzler darüber, der wohl an der ersten Lesung im Reichstage nach Ostern theilnehmen wird. Aus welchen Kreisen die Nachricht stammt, wird nicht hinzugefügt.

Die Mannschaften der Marineinfanterie erhalten uach einer Kabinetsordre an Stelle der blauen Litewka une solche aus grauem Moltong, die im Allgemeinen Nach dem Schnitt der Armecoffizierlitewka angefertigt wird. Die blauen Schulterklappen sind mit einer Ein- nchlung zum Abnehmen versehen. Die Farbe der Schul- ^fklappenabzeichen und der Kragenlitzen ist orangegelb. Die Knöpfe sind aus Tomback. In diesem Jahre werden 830 Schiffsjungen eingestellt. Die Schulfregalte ..Charlotte" erhält 240,Stein" undMoltke" je 210 MobStosch" 140 Jungen. Die für dieCharlotte" bestimmten Jungen komm n zuerst an Bord und zwar vor der Einschiffung des P inzen Adalbert. Die übrigen Zungen begehen sich erst Anfangs Mai an Bord ihrer Schiffe. Es werden außerdem 90 Jungen des Jahr- Sangs 1900 an Bord untergebracht. 650 Jungen des Jahrgangs 1900, die sich bereits zum größten Theil

auf Heimathsurlaub befinden, kehren Ende April zurück und werden zur infanteristischen Ausbildung der Schiffs- jungeudivision zugetheilt.

Prozeß gegen den Postfiskus. In dem Prozeß der Post - und Telegraphm-Assistenten gegen den Reichspost­fiskus (Albrecht und 140 Genossen in Hamburg) wegen Nachzahlung des ihnen während der Probedienstzeit an­geblich zu wenig gezahlten Gehaltes, worüber wir bereits mehrfach berichtet haben, hat das Reichsgericht heule die Revision des Reichspostfiskus gegen das zu Gunsten der Kläger lautende Urtheil der vierten Zivilkammer des hanseatischen Oberlandesgericht vom 12. November v Js. verworfen. Damit ist der Prozeß für die Post- und Telegrapbenassistmten entgültig gewonnen. Für den Reichspostfiskus handelt es sich um ein Objekt von ins­gesammt rund 2-/2 Millionen Mark.

Die Preissteigerung für Druckpapier macht sich in dem erhöhten Abonnementspreis für alle Zeitungen fühlbar. Aus Mittheilungen des Vereins Deutscher Zeitungsverleger entnehmen wir darüber noch folgende Einzelheiten. Während vor etwa 2 Jahren das Kilo Zeitungspapier 10 bis 20 Pfg ab Fabrik kostete, können jetzt selbst Bezieher größter Mengen bei Baarzahlung Papier nicht unter 26 Pfg. ab Fabrik erhalten; für Be­zieher kleinerer Posten ist der Preis zur Zeit 3035 Pfg. pro Kilo. Der Ring der Papierfabrikanten verfügt über ungefähr 95 Prozent der gesammlen Deutschen Druckpapierfabrikation und hat bereits im ersten Jahr es fertig gebracht, daß die Preise für Druckpapier um ca. 50 Prozent in die. Höhe gingen. Die Preissteigerungen für Druckpapier betragen je nach dem Bedarf für den einzelnen Verleger bis ca. 500,000 Mk. pro Jahr, für die Gesammtheit der deutschen Zeitungsverleger ca. 14 Millionen Mk. Die Ursache der Preissteigeruug ist ein­mal in dem sich immermehr fühlbar machenden Holz- mangel Deutschlands zu suchen, zum anderen aber in der Einwirkung des von den Druckpapiersabrikanten ge­bildeten Syndikats. Dieser Ring hat es bereits im ersten Jahre seines Bestehens fertig gebracht, daß die Preise für Druckpapier um etwa 50 vom Hundert in die Höhe gingen, eine Steigerung, die durch die Ver- theuerung der Rohmaterialien und die ganze wirthschaft- Lage des Papiermaktes nur zu einem geringen Theil gerechtfertigt war. Die Folge dieser willkürlichen Preis­treibereien war eine ungeheure Schädigung der Zeitungs- verlegcr und des Zeitungen lesenden Publikums. Die Mehraufwendungen, welche die Zeitungsverleger machen müssen, betragen zusammen viele Mill. Mark jährlich! Um den schweren Folgen, die die anhaltende Preissteige­rung noch zeitigen muß, vorzubeugen, giebt es ein gesetz­liches Mittel, das ist die Aufhebung der zur Zeit auf dem Druckpapier lastenden Eingangszölle von 6 Mark für 100 Kg. Wenn der Ring mit der Auslandskon­kurrenz rechnen muß, so wird er seine zu hohen Preise ermäßigen müssen. In der Eingabe werden auch die Kurse von 18 an den Börsen gehandelten Papierfabrik- Aktien angegeben. Sie stehen allesamt .über dem Nenn- werth. einzelne über 300, eine sogar 360 vom Hundert.

Der Zug der Mädchen vom Lande in die Groß­stadt erhält, wie dieStaatsb. Ztg.« mittheilt, eine schauerliche Beleuchtung durch die Veröffentlichung des Zahlenmaterials der allein in Berlin tm Laufe eines Jahres vorgekommenen Bestrafungen gefallener Mädchen. Nicht weniger als 21 798 Bestrafungen wurden im Ber liner Stadtvogteigefängniß für Frauen wegen Vergehen gegen die Vorschriften der Sittenpolizei im vorigen Jahre vollzogen. Von den bestraften Mädchen stammten aus Berlin 6688, Brandenburg 5365, Ostpreußen 878, Westpreußen 793, Pommern 1759, Posen 1413, Schle­sien 1618, Sachsen 820, Schleswig-Holstein 93, Han­nover 151, Rheinland 120, Westfalen 79, Hesfen-Nassau 59, Mecklenburg 216.

Was BerlinerBierquellen' einbringen. In Berlin haben die Gebrüder Aschinger aus Bayern in den verschiedensten Stadttheilen sogenannte Bierquellen eingerichtet, die vorzüglichgehen". Seit einem Jahre ist das Geschäft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, und nun erfährt man, daß das erste Geschäfts­jahr mit einem Betriebsgewinn von 817 655 Mk. schließt. Nach Kürzung der Unkosten, Zinsen, sowie Mk. 339018 Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 346 757 M., woraus eine Dividende von 10 Proz. auf das 3 Still. Mk. betragende Aktienkapital zur Vertheilung gelangt.

Ausland.

Peking. Der Kaiser von China hat dem Kaiser von Rußland die Antwort auf das Ersuchen der russischen Regierung, das Mandschurei-Abkommen zu unterzeichnen, übersandt. Der Kaiser führt aus, wenn die Suprematie Chinas über die Provinzen verloren ginge, so würden die anderen Mächte ermuthigt, dem Beispiele Rußlands zu folgen, und ersucht den Kaiser dringend, das Gebiet zurückzugeben und wohlwollend und rechtlich zu handeln. Der Pekinger Korrespondent desNew Dork Herold' meldet seinem Blatte: Ich bin in der Lage, Ihnen mit- zutheilen, daß Japan gestern China brieflich die Ver­sicherung gegeben hat, daß es die Verantworlichkeit, welche- durch die Weigerung Chinas, den Mandschurei-Vertrag zu unterzeichnen, entsteht, theilt, falls ein Krieg die Folge dieser Weigerung sein sollte.

New Dort. Die gemeldete Schenkung der bedeuten­den Summe von 5,000,000 Dollars, die Carnegie beim Rücktritt vom Geschäft seinen früheren Arbeitern zur Einrichtung einer Unterstützungskasse für Verunglückte oder Invaliden zu Theil werden ließ, erscheint nach ver­schiedenen Richtungen als ein außergewöhnliches Ereig- niß. Stiftungen in dieser Höhe existlren überhaupt nur ganz vereinzelt, hier ist aber die Zuwendung damit mo- tivirt. daß der Schenker damit seine Dankesschuld gegen die Arbeiter, die ihm seinen Reichthum verschaffen halfen, ausdrücklich anerkennen und zum Theil abtragen wolle. DerN. N Herald" berechnet, daß Carnegie bisher schon rund 100,000,000 Mark oder fast 25,000,000 Dollars für gemeinnützige Zwecke verwandte. Das ist freilich viel Geld. Nachdem es aber Carnegie für eine Schande erklärt hat, reich zu sterben, wird er aber noch ganz andere Summen ausgeben müssen, um dieser fa« taten Eventualität zu entgehen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchrenr. 5. April.

* Laut amtlicher Bekanntmachung ist gemäß § 4 des Gesetzes über die Dienststellung des Kreisarztes und die Bildung von Gesundheits-Kommissionen, die Stelle des Kreisarztes dem Kreisphysikus Herrn Dr. C a u e r dahier übertragen worden. Vom I. April ab sind die Kreisphysikus- und Kreiswundarztstellen aufgehoben.

* Der Forstaufseher Michel ist ab 1. Mai zum Förster zu Altengronau-Nord ernannt worden.

* Der Verbandsdirektor der Raifeisengenoffen- schaften in Hessen, Herr Rittergutsbesitzer Rexerodt ist zum Kgl. Oekonomierath ernannt worden.

* Dem Vernehmen nach ist eine allgemeine Ver­fügung erlassen, wonach alle Gerichsdiener und Gefangen­aufseher im Oberlandesgerichtsbezirk Cassel mit Seiten­gewehren ausgerüstet werden sollen.

Steinan. Bei der am 27. März stattgefundenen Wahl der Stadtverordneten wurde das seitherige Ma­gistratsmitglied, Herr Gerbermeister Johannes Denhard einstimmig auf weitere 6 Jahre wiedergewählt.

Frankfurt a. M., 31. März. Hauptmann Otto, (früher Oberleutnant und Regimentsadjudant im Jnf.- Reg. v. Wittich, in Cassel) und Feldwebel Weingärtner von der 9. Kompagnie 4. Ostasiatischen Infanterie-Regi­ments. die fast durchweg aus Hessen besteht, theilen dem hiesigen Militärschriftsteller Müller-Gerey mit, daß die hessischen Mannschaften von Graf Waldersee wiederholt wegen ihrer vortrefflichen Haltung im Felde und gelegent­lich der Parade wegen ihres ausgezeichneten Parade­marsches gelobt wurden. Die Kompagnie liegt jetzt in Ihanhaikwan.

Homberg, 1. April Die städtischen Behörden be­schlossen, eine Wasserleitung zu bauen, deren Kosten auf 70 75 000 Mark berechnet wird. Die Quellen be­finden sich eine Viertelstunde von der Stadt entfernt.

* Münden, 23. März Im Schutzbezirk Wilhelms­hausen des Reinhardswaldes wurde vor einigen Tagen gleich oberhalb der Wohnung des Herrn Försters Kleyn- steuber ein sehr alter Hirsch verendet aufgefunden. Der Hirsch, der, wie man vermuthet, an Altersschwäche ein« gegangen ist, hat ein außerordentliches kapitales Geweih von 16 Enden getragen, wie solche dort selten sind.

Zur Vertheuerunz der Lebenshaltung.

Wenn früher von der deutschen Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wirthschaft- lichen, Arbeits- und Verdienst Verhältnissen daselbst die Rede war, dann konnte mit vollem Recht betont werden, daß man in den Vereinigten Staaten mit einem Dollar

gy Des hl. Osterfestes wegen erscheint die nächste Nummer erst Mittwoch Mittag. H