Schlüchterner Mtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 27. "Mttcki», den 3. April 19Ü^ 52. Jahrgang.
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8i»^1Il-Gl!^^ °"f die „Schlüchterner Zeitung" ytpivUUliy&U werden noch fortwährend von allen ^ — Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin haben Sonn- ibend der Enthüllung der Denkmalnischen des Großen Kurfürsten, des Königs Friedrich Wilhelm III. und Kaiser Wilhelm I. in der Siegesallee beigewohnt.
— Verlobungsgerüchte werden an die Reise des Kronprinzen nach Wien geknüpft. Erst hieß es, er solle sich mit der Erzherzogin Elisabeth, der Tochter des Kronprinzen Rudolf verloben; jetzt wird den „Münch. Neuest. Nachr." aus Wien gemeldet, es handle sich um den Plan einer Verlobung des deutschen Kronprinzen mit der zweiten Tochter des Herzogs Ernst August von Cumber- land, der 18jährigen Prinzessin Alexandra. Die Anregung zu diesem Plane soll von Berlin ausgegangen sein. Der österreichische Hof soll dem Verlobungsplane durchaus freundlich gegenüberstehen. Der Kronprinz ist noch nicht neunzehn Jahre alt und steht am Beginn seiner wissenschaftlichen und militärischen Ausbildung. Der Kaiser steht im besten Mannesalter. Es liegt also gar kein Grund vor, an die schleunige Vcrheirathuug des Kronprinzen zu denken. Die bevorstehende Reise nach Wien erklärt sich aus die einfachste Weise, wenn man sich erinnert, daß der Kaiser Franz Joseph der Großjährigkeits-Erklärung des Kronprinzen im vergangenen Jahre beiwohnte. Der Kronprinz erfüllt nur ein Gebot der guten Sitte, wenn er jetzt sich nach Wien be- giebt, zumal an ihn in München eine besondere persönliche Einladung des Kaisers Franz Joseph erfolgt ist.
— Die Vermögenslage der Konkursmasse der deutschen Grundschuldbank ist wenig befriedigend, wie der Verwalter der Masse, Herr Fischer, in der am Mittwoch in Berlin abgehaltenen Gläubigerversammlung feststellte. Das an« gekündigte Resultat von 47 Proz. kann nur erreicht werden bei vorsichtiger Versilberung der Vermögensobjekte, die sich viele Jahre hinziehen würde. Namentlich müßte mit der Preußischen Hypothekenaktienbank wegen der der Konkursmasse der Deutschen Grundschuldbank gegen diese zustehenden erheblichen Forderungen ein Abkommen getroffen werden, durch welches die Interessen der Gläubiger gewahrt werden. Die Schadenersatzansprüche gegen die Direktoren Sanden, Schmidt und Warsinski sind durch Anmeldung zu den Konkursmassen derselben resp, durch einen Arrest auf das Vermögen des Letzteren geltend gemacht, dieselben sind aber bestritten und werden nur durch verwickelte Prozesse ausgefochten werden können Das finanzielle Ergebniß der ferner noch zu erhebenden Schadenersatzansprüche, insbesondere gegen die Aufsichts rälhc, läßt sich ziffernmäßig noch nicht ausdrücken. Mit Rücksicht auf die Höhe der Passiva — fast 100 Mill. Mk. — und der beschränkten Leistungsfähigkeit der betr. Schuldigen muß davor gewarnt werden, zu große Hoffnungen auf diese Regreßansprüche zu setzen.
— Die Nothwendigkeit eines Vogelschutzgesetzes wird durch folgende, in Berliner Blättern mitgetheilte Thatsache von neuem bewiesen: Singvögel als Leckerbissen werden jetzt in großen Mengen in Delikateßgeschäffen der Friedrichstadt angeboren. Unter Bezeichnung . kon- servirles Wildpret" kostet eine Dose Lerchen 12 Mk., Drosseln 6 Mk. Jede Dose enthält durchschnittlich acht Stück. Die Federn auf den Hüten der Damen, das Fleisch in den Magen der Feinschmecker — wann wird düsem Treiben ein Ende gemacht werden.
Hamburg. Eine Schaar in China angemusterter und für die Fahrt nach Hamburg engagirter Heizer des Reichspostdampsers „Hamburg" (Kapitän Krech) erlebte die Enttäuschung, daß sie keine neuen Heuer für die Rückfahrt nach China erhielten. Da wurden denn die
Langzöpfe, die man nicht etwa ihrem Schicksal überlassen, sondern als Passagiere nach der Heimath zurück befördern wollte, aufsässig, warfen sofort die Arbeit lieber und verkrochen sich zur Berathung ins Volkslogis. Ihre Wuth ließen die Burschen au den drei gänzlich unschuldigen deutschen Oberhelzctn aus. Als diese ah uungslos daS unter Deck liegende „Logis" betraten, fiel! die brutale chinesische Bande sofort über sie her und bearbeitete die einer solchen Uebermacht nicht Gewachsenen uut jedem Gegenstand der ihnen gerade in die Hände verikth. An eine Ueberwältigung der Chinesen auf ge- luohiilichem Wege war nicht zu denken, denn auf der
engen zum Logis führenden Treppe hätte von der deutschen Mannschaft immer nur einer zur Zeit in die Heizer- kaiüte eindringen können. So mußte denn schließlich der wachhabende Offizier zur Beruhigung der erhitzten Chinesenköpfe ein anderes, aber sehr probates Mittel anwenden. Man ließ einen Schlauch an die Schiffspumpe legen und pumpte in, die zum Kampfplatz verwandelte Kajüte in wenigen Minuten Ströme von Wasser. Die Schlitzaugen sind von Natur keine Freunde von der Berührung mit dem nassen Element. Sie stürzten deshalb Hals über Kopf auf das Deck hinaus, in fürchterlicher Angst, in ihrem Logis wie die Ratten ersäuft zu werden. Nun standen sie sehr friedlich und vor Frost zitternd da, geduldig ihrer Festnahme durch die herbeigerufene Polizei harrend.
Mit militärischen Ehren begraben wurde in Saarlouis die Wittwe Beaumont geb. Maaß. Am 6. August 1870 hatte sich die jetzt Verstorbene aus eigenem Antriebe auf das Spicherer Schlachtfeld begeben, um unter Lebens- gefahr die deutschen Verwundeten zu pflegen. Daher schmückte ihre Brust das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen, die sich im Felde ausgezeichnet haben, und die Kriegsmedaille von 1870—71.
Aus der Pfalz. Ein Urtheil, das wohl die Aufmerksamkeit weiterer Kreise erregen dürfte, fällte die Zivilkammer des Landgerichts zu Frankenthal in der Pfalz. Dr. Enteneuer, Besitzer und Leiter einer Naturheilanstalt für Kneippkuren in Rhöndorf, war als Fahr- gast des Schnellzuges Köln—Bruchsal am 2. November 1898 an dem Eisenbahn Unfall dieses Zuges auf der pfälzischen Station Rohrbach betheiligt. Durch den Unfall entwickelte sich bei Dr. Enteneuer ein Nervenleiden, das ihn zür Aufgabe seiner Thätigkeit zwang. Nun strengte er eine Entsmädigungsklage gegen die Verwaltung der pfälz. Eisenbahnen an und das Gericht verurtheilte die pfälz Eisenbahnen, an den Kläger zu zahlen 1. einen einmaligen Betrag von Mk. 100000, 2. eine jährliche Rente von Mk. 20000 und 3. einen weiteren Betrag von ungefähr Mk. 3000 für Kosten.
Ludwigshafen. Unter dem Verdacht, die Attentate auf Liebespaare verübt zu haben, wurde der Schlächter- gefelle Damian verhaftet. Verschiedene der verletzten Mädchen haben ihn bereits wiedererkannt. Ueber den Feind der Liebespaare von Ludwigshafen, diesen p;äljn schen „Jack the Ripper" wird noch berichtet: Wie jetzt bekannt wird, sind es im Ganzen nicht weniger als elf Fälle, welche auf den entschieden perversen Neigungen huldigenden, äußerst raffinirten Verbrecher zurückzuführen sind. Das bei dem letzten Attentat überfallene Pärchen liegt auf den Tod darnieder. In allen Fällen scheinen die Wunden der überfallenen Mädchen mit einem und demselben Mordinstrument, einem Dolchmesser, beigebracht worden zu sein. Auch die Wunden des mit seiner Geliebten überfallenen jungen Mannes befinden sich im Unterleib. Man kann sich denken, in welche Aufregung diese Details die Bewohner des von dem Uebelthäter heimgesuchten Mundenheimer Stadttheils versetzten. Die Gegend in Mundcnhxim, in der die meisten Ueberfälle stattfanden, liegt in einsamer Dunkelheit zwischen den Bahndämmen und dem Schützenhaus Zu Mondschein Promenaden ist sie wie geschaffen. Das hat sich „der Aufschlitzer" auch zu Nutzen gemacht. In demselben Vorort wurden in den letzten Jahren an zwei kleinen Mädchen und an einer erwachsenen Arbeiterin, deren Leiche man im Rhcine fand, Lustmorde verübt, ohne daß es bisher gelungen wäre, des Mörders habhaft zu werden.
Mainz, 26. März. Ein betrunkener Arbeiter, dem in einer Wirthschaft der Neustadt die Verabfolgung weiterer Getränke verweigert worden war, bedrohte die Kell- nenn mit einem offenen Mesfer. Als diese sich flüchtete degab sich der Rowdy in den Hof der Wirthschaft, öffnete dort einen mit werthvollen Lapins besetzten Stall, zog drei der schönsten Thiere heraus und schnitt ihnen lebend die Hinterbeine ab, worauf er ihnen den Bauch aus- schlitzte. Nachdem die Thiere unter den gräßlichsten Schmerzen verendet waren, drang der rohe Mensch in die Wohnung seiner Wirthin ein, riß ihr 2'/, Jahre altes Kind aus der Wiege und drohte, das Kind ebenso vbzuschlachten, wie die Kaninchen. Mit Mühe entriß die verzweifelte Mutter dem frivolen Menschen ihr Kind. Mittlerweile war es gelungen, Schutzleute herbeizurufen, die den verthierten Menschen verhafteten. ■— Kuriosum aus Mainz von 1866. Sprache Deutsch, Gesetz Fran
zösisch, Regierung Darmstädtisch, Kirche Römisch, Gouvernement Oefterreichisch, Kommandantur Preußisch, Garnison Italiener, Post Thurn und Taxis, Gaswerk Badisch, Telegraph Bayerisch.
Ausland.
Petersburg, 30. März. Die revolutionäre Bewegung in Rußland gewinnt fortdauernd an Ausdehnung. In Petersburg, Moskau, Charkow und Odessa steht das Militär ständig unter Waffen. Die Gefängnisse sind überfüßt.
Aus dem Haag. Wie hier verlautet, legt Präsident Krüger die letzte Hand an ein Rundschreiben, welches er demnächst an die Regierungen der Großmächte zu versenden gedenkt, und in welchem er gegen die Absicht der Engländer, die gefangenen Buren nach Indien zu verbannen, im Namen der Menschenrechte protestirt. In der Umgebung des Präsidenten soll die Ansicht herrschen, daß die beabsichtigte Maßregel der englischen Behörde nicht zur Ausführung gelangen werde, sondern lediglich bezwecke, die Buren, welche jede Reise, besonders aber jede Seereise verabscheuen, einzuschüchtern und zum Nachgeben zu veranlassen. — Haager Blätter veröffentlichen den Wortlaut mehrerer amtlicher Dokumente, welche grauenvolle Thatsachen über die unmenschliche Behandlung der in englischer Gefangenschaft befindlichen Burenfamilien enthalten. So geht beispielsweise aus diesen Berichten, die von englischen Aerzten unterzeichnet sind, hervor, daß die Engländer die Burenfrauen und Kinder vielfach an Entbehrungen sterben ließen. Nahrung wurde ihnen nur in sehr spärlichem Maße gewährt. Durch Zeugnisse der Aerzte wird ferner bescheinigt, daß mehrere Suren fronen an Hunger gestorben sind.
England. Wie sehr die englische Regierung bemüht ist. nur gar kein Licht in die südafrikanischen Verhält- niffe, wie sie sich wirklich gestaltet haben, dringen zu lassen, das beweist der Umstand, daß sie den beiden ehemaligen Ministern des Caplandes Marriman und Sauer nicht gestattet, im Parlamente aufzutreten und dort frei von der Leber weg zu reden. Wenn die beiden Minister der Wahrheit die Ehre geben wollten, und zu diesem Zwecke sind sie nach London gekommen, dann können sie nichts Angenehmes für England und seine Verwaltung in Südafrika aussagen. Dann müssen sie schildern, wie auch die Kapkolonisten nach Befreiung von dem englischen Joche lechzen und mit welcher Frivolität der Krieg gegen die beiden südafrikanischen Republiken, lediglich wegen deren Goldminen, vom Zaune gebrochen worden ist. Aber die Gerechtigkeit der Weltgeschichte sorgt anscheinend dafür, daß England sein ungesetzliches Vorgehen noch einmal bereut, denn die Buren denken an keine bedingungslose Unterwerfung, das hat man endlich auch in London begriffen, wo man thatsächlich viel, viel kleinlauter geworden ist, und von der unmittelbar bevorstehenden Beendigung des Krieges nickt mehr zu reden wagt. Wie das Volk den Krieg beurtheilt, das hat man an den jüngsten Debatten im Parlamente genau beobachten können, und wären die Engländer nicht eben Engländer, dann hätte es auch noch ganz anders gewettert und gekracht.
China. Die Franzosen beabsichtigen eine Bahnlinie nach Kalgan zu bauen, als ersten Theil einer trans- mongolischen Bahn nach dem Baikalsee. Wahrscheinlich wird es diese Woche zwischen Franzosen und Chinesen bei Hwailu zu einem Zusammenstoß kommen. Li-Hung- Tschang gab dem dort stehenden chinesischen General den Befehl, sich aus Tschili zurückzuzichen. Der General erwiderte, er werde dies thun, wenn er die Fremdlinge aus der Provinz hinausgefegt haben werde. Bailloud verließ heute Peking und erhielt die Erlaubniß zu schlagen, falls die französische Abtheilung angegriffen werden sollte. Die französische Truppe in Hwailu ist löOO Mann stark. Die Chinesen sollen 2Ö0U0 Mann stark sein. Ein Sieg würde die Franzosen zu Herren der Hauptstraße nach Schansi machen und eine bessere Route in ihren Besitz bringen, als diejenige über Foping ist, welche sich die Deutschen sicherten. Hsiliang, der kriegslustige Gouverneur von Schansi, wurde vom Amt entfernt.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchterv, 2. April.
* — An den letzten 3 Wochentagen vor dem Osterfeste, also am Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend nächster Woche, ist der Verkauf in offenen Geschäften Abends 1 Stunde länger, bis 10 Uhr gestattet. Das Publikum sei auf diese Ausnahme besonders hingewiesen.