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* (Aus der Strafkammerfitzung am 27. März.) Der 17jährige Tagelöhner U. und der 15jährige Fabrik­arbeiter M. aus Altengronau hatten sich am 14. Okober v. JS. über den Birnbaum eines dortigen Ortsbürgers gemacht und Birnen gemeinst. Der Feldhüter wurde auf die Beiden aufmerksam, und da U. vordem, als er auf den Baum geklettert, seine Stiefel ausgezogen, nahm diese der Feldhüter mit. U. lamcntirte und bot ihm 50 Pfg. für die Rückgabe der Stiefel. Dieses Angebot betrach­tete der Hüter als Bestechung. Auch dee Gerichtshof trat dieser Auffassung bei und verurtheilte den U. wegen Bestechung eines im Amte thätigen Beamten zu einer Geldstrafe von 15 Mk. Für die Uebertreturg des § 18 des Feld- und Forstpolizeigesetzes werden beide außerdem zu je 5 Mark Geldstrafe verurtheilt. Wegen Sach­beschädigung und Hausfriedensbruch wurde der Fabrik­arbeiter M. aus Wallroth am 20. Februar zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt. Hiergegen legte die Staatsanwalt­schaft Berufung ein. Der der Berufssache zu Grunde liegende Sachverhalt ist Folgender: M. hatte von dem Gastwirth R. dortselbst einen eingeschriebenen Brief er­halten, worin dieser ihm verbot, seine Wirthschaft zu be­treten. Dies ärgerte den Angeklagten dermaßen, daß er sich betrank und doch .nach der Wirthschaft wanderte. Die Wirthin wurde von einem Gaste auf ihn aufmerk­sam gemacht und schloß die Thüre ab. Daraufhin bom- bardirte der M. die Wirthschaft mit Steinen und zer­trümmerte mehrere Fensterscheiben. In der heutigen Verhandlung wurde die Strafe auf 3 Monate erhöht.

Wächtersbach, 26. März. Prinzessin Elisabeth zu Isenburg und Büdingen in Wächtersbach, geboren am 12. November 1883, eine Urenkelin des letzten Kur­fürsten von Hessen, hat sich in Lugano mit dem Grafen Edward Disroussiaux verlobt.

Laugendiebach. Eine unangenehme Ueberraschung wurde heute morgen einem hiesigen Landwirthe. Beim Betreten seines Kuhstalles fand er zwei seiner besten Kühe todt im Stalle liegend. Die Thiere waren zu dicht neben­einander gekettet, sind in der Nacht mit der Kette in» einandergerathen und haben sich gegenseitig erwürgt. Sie waren mit je 300 M. versichert.

Fliehen, 26. März. Vom 1. April ab ist Herr Bahnhofsvorsteher Brehm von hier unter Beförderung zum Bahnexpedienten nach Hanau und der derzeitige Stationsassistent Friedler von Bad Nauheim als Stations­vorsteher hierher versetzt. Wie wir vor zuverlässiger Seite erfahren, wird die hiesige Bahnmeisterstelle dem­nächst eingehen, so daß die Strecke Fulda Elm nur von beiden genannten Stationen aus durch Bahnmeister kon» trollirt wird. Der jetzige Inhaber der hiesigen Stelle wird in gleicher Eigenschaft nach Burghaun versetzt?

Soutra, 26. März. Vergangene Nachte machte der in weiten Kreisen bekannte und geachtete Großgrund­besitzer Th. dahier seinem Leben dadurch ein Ende, daß er sich in seinem Bette erschoß. Wie aus einem Briefe hervorgeht, den der Verstorbene vor seinem Tode schrieb, befand er sich in Zahlungsschwierigkeiten, und es hatte die Sorge, er werde das große Besitzthum nicht erhalten können, dem Unglücklichen die Pistole in die Hand gedrückt.

Bischhauseu, 25. März. Heute früh fand der Land­wirth B. seinen Knecht als Leiche auf dem Hofe liegen, und bemerkte bei näherer Untersuchung, daß dem Ver­storbenen ein Messerstich unterhalb des Halsels beigebracht war. welcher wahrscheinlich den Tod herbeigeführt hatte Als muthmaßlicher Thäter wurde alsbald der 19jährige, beschäftigunglose Heinrich Moog von hier verhaftet, dessen Messer Blutspuren zeigte.

Fritzlar, 21. März. Während das vor etwa ander­halb Jahren ins Leben gerufene städtische Wasserwerk bisher keine Rentabilität ergeben hat, erwies sich das Elektrizitätswerk als ein in hohem Grade mit gutem Erfolge abeitendes Unternehmen, welches sogar in der Lage ist, den erzielten Ueberschuß zur Deckung der Kosten für ersteres Werk hergeben zu können.

Auf verwegener Kahn.

Krtminalnovelle von Gustav Höcker. (Fortsetzung).

HNa, ich habe doch wahrhaftig auch noch Ohren und Augen!" lehnte sich Frau Ritter, die Arme in die Seiten stemmend, gegen die Behauptung ihres Eheherrn auf.Verstehe ich mich auch nicht auf's Kauderwelsch, wie Deine hochgelehrte Schwester, so merke ich doch, wovon die Rede war. Er stellte mit bezauberndem Lächeln allerlei leicht hingeworfene Fragen und sie ant­wortete auf jede derselben und bückten beide fortwährend nach Frau Rollenstems Fenstern. Und als diese dann selbst herabkam, um ihren gewohnten Spaziergang durch den Garten zu machen, da hat er die alte Dame fast mit den Augen verschlungen! Ich glaube ja nicht, daß sich dahinter eine schlimme Absicht versteckte, denn danach sah mir der Mann nicht aus, wenn Du aber sagst, daß unsere Kunden sich mit uns nur über Geschäftliches und nicht auch über andere Dinge, für welche Neugierige sich interessieren, unterhalten können, so hättest Du Deine Schwester davon ausnehmen sollen."

Volkmar bückte sich nach dem Beete herab und schien den eben vernommenen Worten wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei entging ihm nicht, wie Anna plötz­lich blutroth geworden war.

Wovon sprichts Du denn eigentlich?" frug mit einem Schafsgesicht der Gärtner seine Frau.Wer hat denn gefragt und wer hat geantwortet?"

Du wirst Dich wohl noch auf den fremden Herrn erinnern können," sagte sie,der in der Woche vor dem Morde hier war"

Der sich die Fächerpalme bei Seite stellen ließ?"

Ja, und sich nicht wieder hat blicken lassen. Er kaufte mein Bouquett und wählte die Blumen dazu mit Deiner Schwester selbst aus. Erst sprach er deutsch, aber da ich mir in der Nähe zu schaffen machte und ihm im Wege zu sein schien, so fing er englisch an, und englisch war's, denn es kam das WortYes öfter vor, und so viel verstehe ich auch davon."

Meine gute Frau, müssen Sie wissen, ist nämlich ein wenig mißtrauisch," wandte der Gärtner sich lächelnd an Volkmar.Wenn in ihrer Gegenwart meine Schwester mit Jemand englisch oder französisch spricht, so denkt sie gleich, es geht über sie her oder es wird irgend eine Verschwörung gesponnen. Was hast Du denn damals mit dem Engländer gesprochen, Anna? Besinne Dich einmal und sag es uns, damit Sophie sich beruhigt."

Anna warf den Kopf in den Nacken.Wie soll ich mir von jedem Herrn, der hier Blumeneinkäufe macht, merken können, was er mit mir spricht? ' entgegnete sie trotzig.

Oh, oh!" höhnte Frau Ritter,wenn einem jemand so gleichgültig ist, daß man nicht weiß, was man mit ihm gesprochen hat, so geht man nicht nachher herum wie ein Traumbuch und macht sich auch noch Pony­fransen!"

Anna lachte laut auf, ober es war ein sehr ge­zwungenes Lachen und dabei glühte ihr Antlitz wie

Purpur. Sie warf einen raschen Blick auf den fremden Käufer und als sie seinem scharf forschenden Auge unter der goldenen Brille begegnete, wandte sie sich mit einer unwilligen Bewegung ab und machte sich in einem anderen Theile des Gartens zu schaffen.

Volkmar hatte sich den Anschein gegeben, als nähme er von dem kleinen Familienstreit keine Notiz, und die Gärtnersfrau hatte in ihrem gehässigen Eifer gegen ihre Schwägerin seine Gegenwart fast vergessen. Er ließ sich jetzt von Ritter in die Gewächshäuser führen, kaufte noch einige kostbare Zimmerpflanzen, bezahlte seine Rechnung mit klingender Münze und verhieß seine baldige Wieder­kehr, da er mancherlei seltene Gewächse gesehen habe, die er ebenfalls zu besitzen wünsche.

Um durch Nennung seines Namens und Standes sich bei den Gärtnersleulen nicht verdächtig zu machen, nannte er die Adresse eines ihm befreundeten Kaufmanns, an welchen die heutigen Einkäufe zu schicken seien.

Er war mit dem Resultate seiner Rekognoscirung über Erwarten zufrieden. Die Thatsache, daß ein Fremder kurze Zeit vor der Ermordung Frau Rollensteins sich angelegentlich über dieselbe erkundigt hatte, stand fest. Dieser Fremde hatte die gewünschte Auskunft nicht bei der älteren Frau gesucht, sondern diese umgangen und sich an das weniger erfahrene Mädchen gewendet und dieses offenbar mit allen Künsten der Galanterie umstrickt, um zu seinem Ziele zu gelangen. Der Umstand, daß er englisch sprach, weckte in dem Juristen den bereits nieder- gekämpften Argwohn gegen Jesko von Harnisch auf's Neue. Von dem Mädchen selbst näheres über die Per­sönlichkeit jenes Bouquettkäufers und über die Fragen, welche dieser an sie gerichtet hatte, zu erfahren, schien dem Rechtsgelehrten hoffnungslos, dazu war sie ihm gleich von Anfang zu animos entgegengetreten und daß er nachher den für sie so peinlichen Gesprächsgegenstand angeregt hatte, konnte sie nur noch unversöhnlicher gegen ihn stimmen. Auch wiesen die hämischen Anspielungen Frau Ritter's uud Anna's wiederholtes Erröthen darauf hin, daß ihr derEngländer" ein tieferes Interesse ein­geflößt haben mußte; um so weniger würde sie sich be­wegen lassen, den Inhalt ihrer Unterhaltung mit ihm profanen Ohren preiszugeben. Aber es war schon ein großer Gewinn für Volkmar, daß er in Frau Ritter Anna's natürliche Feindin erkannt und zugleich auch das Mittel gefunden hatte, aus dieser alles Herauszu- bringen. Er brauchte das, was er wissen wollte, zwischen ihr und ihrem Manne nur zu einer Streitfrage zu machen, um der sonst so verschlossenen Frau selbst das tiefste Geheimniß zu entlocken.

(Fortsetzung folgt.)

Bei der Werbung.Sie wollen heirathen eine meiner Töchter? Die Jüngste bekommt 10 000 Gulden die Aeltere 15 000, die Aelteste 20000 Gulden." Haben Se nix eppes e ganz Alle?"

Schulhumor. Lehrer: Wer hat die Ehe einge­setzt? Schüler: Gott! Lehrer: Recht so! Und wo hat Gott die Ehe eingesetzt? Schüler: Im Paradies! Lehrer: Mit welchen Worten? Schüler: Ich will Feind­schaft setzen zwischen dir und dem Weibe!

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Sonntag, den 31. März 1901.

Vormittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Nachmittagsgottesdienst: fällt aus.

Wochendienst: Herr Superintendent Orth.

Katholischer VotteSdienft.

Am Sonntag, den 31. März Vorm. 7210 Uhr.

In unserm Genossenschaftsregister ist heute unter Nr. 2 eingetragen:

Kirchspiel Wallrother Darlehns. kaffenBerei«, eingetragene Genossen­schaft mit unbeschränkter Haftpflicht, mit dem Sitz in Wallroth. Das Statut lautet auf den 11. März 1901.

Gegenstand des Unternehmens ist, die Verhältnisse der Vereinsmitglieder in jeder Beziehung zu verbessern, die dazu nöthigen Einrichtungen zu treffen, namentlich die zu Darlehn an die Mitglieder erforder­lichen Geldmittel unter gemeinschaftlicher Garantie zu beschaffen, müßig liegende Gelder anzunehmen und zu verzinsen, so­wie einen Stiftungsfonds zur Förderung der Wirthschaftsverhältnisse der Vereins­mitglieder aufzubringen.

Mitglieder des Vorstandes find: Bauer und Krämer Heinrich Möller zu Wallroth, Vereinsvorsteher; Bauer Johann Georg Knüll zu Wall­roth, dessen Stellvertreter;

Bauer Wilhelm Ziegler zu Kressen- bach, Beisitzer;

Bauer Adam Weitzel zu Kressenbach, Beisitzer;

Bauer Nikolaus Staaf zu Wallroth, Beisitzer.

Die Bekanntmachungen erfolgen unter der Firma in demLandwirthschaftlichen Genossenschaftsblatte" zu Neuwied und sind, wenn sie rechtsverbindliche Erklärungen enthalten, von dem VereinSvorsteher oder

seinem Stellvertreter und zwei weiteren Vorstandsmitgliedern, andernfalls von dem Vereinsvorsteher zu unterzeichnen.

Die Zeichnung für den Verein erfolgt, indem der Firma die Unterschriften der Zeichnenden Hinzugefügt werden. Die Zeichnung hat mit Ausnahme der nachbe­nannten Fälle nur dann verbindliche Kraft, wenn sie vom Vereinsvorsteher oder dessen Stellvertreter und mindestens zwei Beisitzern erfolgt ist. Bei gänzlicher oder theilweiser Zurückerstattung von Darlehn, sowie bei Quittungen über Einlagen unter 500 Mk. und über die eingezahlten Geschäftsantheile genügtdie Unterzeichnung durch den Vereins­vorsteher oder dessen Stellvertreter und mindestens einem Beisitzer, um dieselbe für den Verein rechtsverbindlich zu machen. In allen Fällen, wo der Vereinsvorsteher und gleichzeitig dessen Stellvertreter zeichnen, gilt die Unterschrift des letzteren als die­jenige eines Beisitzers.

Die Einsicht der Liste der Genossen ist in den Dienststunden des Gerichts Jedem gestattet.

Schlüchtern, den 25. März 1901.

Königliches Amtsgericht.

Schweyers Kitt, mehrfach preisgekrönt, kittet mit unbegrenzter Haltbarkeit sämmtliche zerbrochene Gegenstände.

Gläser ä 30 und 50 Pfg. in Schlüch» tern bei Jacob Wolf. 1

Bekanntmachung.

Die Anfuhr von 4050 ebm Kies auf den Landweg Salmünster-Soden soll am Mittwoch, den 3. April er. Vormittags 10^2 Uhr in der Gast- wirthschaft von B e tz in Soden öffentlich vergeben werden.

Schlüchtern, den 29. März 1901.

Die Kreiswege-Commisston.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß ge­bracht, daß älteren alleinstehende Per­sonen, evangelischer Konfession, Gelegen­heit geboten ist, gegen Ueberweisung einer Rente oder einmaliger Zahl­ung einer zu vereinbarenden Ent­schädigung im hiesigen Hospital dauernde Unterkunft zu erhallen.

Schlüchtern, den 29. März 1901.

Der Hospital-Vorstand:

Salomon. Orth. Kahl.

Jagdverpachtung.

Samstag, den 13. April d. I., von Vormittags 10 Uhr an soll in der Wirthschaft des Georg Möller dahier die Gemeittbejagd meistbietend verpachtet werden.

Bedingungen im Termin.

Breitenbach, den 27. März 1901.

Der Bürgermeister: Kreß.

Bekanntmachung.

Die bis einschließlich den 30. d. Mts. fällig gewordenen Krankenversicher uugsbeiträgc müssen bis spätestens Sonnabend, den 13. April d. A., anher gezahlt werden, andernfalls sofort zur zwangsweisen Einziehung geschritten werden muß.

Die Herren Bürgermeister werden ersuch^ dieses den Arbeitgebern und selbstzahlendein Kassenmitgliedern in der bisherigen Weist zur Kenntniß bringen lassen zu wollen, i Schlüchtern, am 25. März 1901.

Die Kreiskrankenkafse.

_______________Pfalzgraf.

Für die hiesige Gemeinde wird ein zuverlässiger Mann zur Uebernahme bet Hirtendienstes für die Schweine uiW Gänse, sowie zum^Bersehen des Nacht! Wächterdienstes für sofort gesucht. M Vergütung für diesen Dienst mit sonstige" kleinen Nebengeschäften beläuft sich jährlich aus ungefähr lOuU Mark.

Geeignete Bewerber werden aufgefordert sich (unter Vorlegung einer Bescheinigu"! ihres Ortsvorstandes über ihr bisheriges Betragen alsbald zu melden.

Haiter, den 21. März 1901.

__B ürgermeifter'Awt.

Äettjeöeniu. Daune«

I empfiehlt Nathan May*