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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 30. März 1901.

52. Jahrgang.

iWhtn^M auf bie »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

------- = Postanstalten und Landbriesträgern,

: von der Expedition entgegen genommen.

Zum Confirmationstag.

Die Blicke des Volksfreundes sind heutzutage mit Iberer Sorge auf die ins Leben tretende Jugend htet. Es hilft uns nichts, wenn wir die Augen htlich dagegen verschließen, die Thatsachen rufen es mit lauter Stimme zu: ein großer Theil der heran- scnden Jugend in Deutschland fällt Jahr für Jahr Stromertum, der Faulenzerei und allen möglichen trn anheim. Was soll aus dem Volke werden, wenn so weiter geht? Und was das Schlimmste ist: diese jungen Taugenichtse männlichen und weiblichen Hlechts haben die Schule durchgemacht und sind im firmationsunterricht gewesen, Lehrer und Geistliche n vereiut ihnen vor Augen gestellt, worin der wahre t des Lebens besteht, und was Gott und Menschen ihnen erwarten, und dennoch nimmt die Entsittlichung Jugend immer drohendere Gestalt an. Man schlägt eine Reihe von Heilmitteln vor, die dem Schaden elsen sollen, obligatorischen Religionsunterricht auch ) nach der Schulentlassung, Verschiebung der Con- lation bei besonders unwürdigen und unreifen Kindern, ssorgeerziehung unter stattlicher und kirchlicher Aufsicht, se Vorschläge sind gewiß gut und ernstlicher Prüfung t, aber das Haupterforderniß, ohne das diese Vor­ige unmöglich Erfolg haben können, ist eine wirklich irische Pflege der Gottesfurcht. Die Kinder müssen n tiefen Eindruck davon erhalten, daß sie nicht glich auf sich selbst stehen und ihren Begierden und inen die Zügel schießen lassen dürfen, sondern daß einen Gott giebt, der seiner nicht ungestraft spotten I, dem wir Verantwortung schuldig sind und der uns Gewissen sehr deutlich sagt, was recht ist und was oon uns fordert. Das müssen die Kinder nicht blos wendig lernen, sondern das muß ihnen tief ins Herz raben werden. Ihr Gewissen muß geschärft, die Er- itniß von der unumgänglichen Notwendigkeit, einer ändigen treuen Arbeit an sich selbst, einer unermüd- cn Selbsterziehung, das muß der Confirmationsunter t den Kinderu mitgeben. Er kann es freilich nur, in die Eltern daheim und der Lehrer in der Schule cbei vorgearbeitet haben, deshalb richtet der Confir tionstag an Eltern, Lehrer, Geistliche, an Alle, die r die Erziehung und Heranbildung eines Kindes Ein ß haben, die unter gegenwärtigen Umständen doppelt d dreifach dringende Mahnung: vermeidet Alles aufs inlichste, was den Kindern die Meinung beibringen m, als gebe es für Euch keine höhere Autorität als ch selbst! Seid vielmehr bestrebt, die Kinder aufzu- iehn in der Zucht und Vermahnung zum Herrn! P.

Abschtedsgrntz an die Konfirmanden.

Du wanderst in die Welt hinaus Auf Dir noch fremden Wegen Doch folgt Dir aus dem stillen Haus Der treu'sten Liebe Segen.

Ein Ende nahm das leichte Spiel, Es naht der Ernst des Lebens;

Behalt im Auge fest Dein Ziel, Geh' keinen Scheitt vergebens.

_ Gerader Weg, gerades Wort, So will's dem Mann gebühren, Wer Ehre sich erwählt zum Hort, Den kann kein Schalk verführen.

Nimm auf die Schultern Last und Müh' Mit frohem Gottvertrauen, Und lerne, wirkend spät und früh Den eignen Herd Dir bauen.

Halt hoch das Haupt, was Dir auch droht, Und werde nie zum Knechte, Brichtzmit den Armen gern Dein Brod Und wahre seine Rechte.

Treib nicht mit heil'gen Dingen Spott

Und ehre fremden Glauben,

Und laß Dir Deinen Herrn und Gott

Von keinem Zweifler rauben.

Und nun ein letzter Druck der Hand Und eine letzte Bitte:

Halt' Dich getreu im fremden Land

«n Deines Volkes Sitte. . Sultus Sturm,

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird bei Ausfahrten künftig von radfahrenden Leibgendarmen begleitet werden. Die Kutscher und Diener des kaiserlichen Wagens sollen bei Ausfahrten mit Revolvern versehen werden. Nach zn- verlässigen Aussagen wird der Kaiser selbst den Kron­prinzen bei seiner Reise nach Bonn am 23. oder 24. April begleiten. Die Einstellung des Prinzen Eitel Friederich, zur aktiven Dienstleistung beim 1. Garde­regiment zu Fuß in Potsdam, wird am 1. Juli er., an welchem der Prinz 18 Jahre alt wird, erfolgen.

Die Einschiffung des Prinzen Adalbert, dritten Sohnes des Kaiserpaares, auf dem SchulschiffChar­lotte" wird nach einer Mittheilung aus Kiel im Beisein der Majestäten am 18. April stattfindcn.

Ein Vermögen von 85 Millionen soll nach der Trier. Ztg. der verstorbene Freiherr v. Stumm-Halberg hinterlassen haben.

Weil schwindsüchtige Lehrer die von ihnen zu unterrichtenden Kinder in Ansteckungsgefahr bringen können, ist von der Aerztekammer für Westpreußen neuer­dings bei der zuständigen Schulbehörde ein Erlaß von Vorschriften beantragt worden, wonach lungenkranke Lehrer unter Umständen von der Ausübung ihres Be­rufs ausgeschlossen werden sollen. In den beteiligten Ministerien wird die Größe der Gefahr keineswegs ver­kannt und es sind bereits nach derTägl. Rundschau" allgemeine Schritte zur Verhütung der Ansteckungsgefahr in Vorbereitung.

In Köln erklärte der Burenoffizier Janson, die Buren würden nur gegen die Gewährung völliger Unabhängig­keit Frieden schließen. Die Londoner Nachrichten seinen alle gefälscht.

Karlsruhe. 15 Jahre lang Unterschlagungen begangen HA der Geistliche Rath Suhln in Karlsruhe, der i in vorigen Herbst gestorben ist. Der Jahresbericht des Vereins zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder enthält eine eingehende Darstellung dieser Betrügerein. Die Ge- sammtsumme der dem Verein veruntreuten Gelder beträgt rund 78,400 Mk.

In Erfurt wurde eine Anzahl jugendlicher Schwindler, sämtlich noch schulpflichtigen Alters, festgenommen. Die Burschen ließen sich unberechtigter Weise auf der Post die dort für mehrere Firmen lagernden Postsachen aus­folgen, fälschten die darin vorgefundenen Postanweisungen und erhoben das Geld, das sie gemeinschaftlich verjubelten.

Beim Musterungsgeschäft in Jchtershausen stellte das dortige Gefängniß allein 70 Militärpflichtige. Hoff­nungsvolle Jugend.

Ausland.

Wien, 20. März. Gegenwärtig weilt eine Kommission des österreichischen MarineministeriumS in Pilsen, um Schießversuche mit Gußstahlkanonen, welche nach einem Patent der Skoda-Werke fabrizirt sind, vorzunehmen. Die bisherigen Versuche ergaben ein sehr gutes Resultat. Man nimmt deshalb an, daß den Skoda-Werken etwa für 40 Millionen staatliche Bestellungen bevorstehen. Von großer Nothlage in der ungarischen Karpathengegend giebt ein Telegramm desTag" Kunde. In einigen Ortschaften des Bereger Komitats herrscht furchtbares Elend. Die Bevölkerung hat schon vor Monaten ihre wenigen Vorräthe verzehrt. Die dorthin entsandten be­hördlichen Organe fanden ein schreckliches Bild. In vielen Häusern liegen iu Fetzen gehüllte, durch Hunger zu Skeletten abgemagerte Menschen. Andere die noch gehen können, laufen gleich Wahnsinnigen auf der Gasse herum und bitten herzbrechend um Brot. Die Regierung ordnete Hülfeleistung an. Auch im Sztropkoer Bezirke des Zempliner Komitats herrscht große Hungersnoth. Die vorjährige totale Mißernte brächte die Leute um ihre gesamte Habe, so daß sie sich klüglich mit Erdäpfeln und Waldbirnen ernähren. Der Handelsminiftcr sandte eine größere Summe als erste Hilfe.

London, 26. März. Ein Telegramm Lord Kitcheners aus Pretoria von gestern meldet: Die Kolonne unter Babington traf südwestlich von Vendersdorp 1500 Buren an, schlug sie völlig und verfolgte sie rasch. Des Er­gebniß war: 2 Feldgeschütze mit 320 Geschossen, ein Pompom- und 6 Maximgeschütze mit 15000 Kartätschen, 190 Flinten, 53 größere und 24 kleinere Wagen wurden erbeutet, 140 Mann wurden gefangen genommen. Un­sere Verluste sind gering. Viele Buren wurden getötet und verwundet.

Kapstadt, 27. März. Die Pest nimmt ganz bedenk-

S

I lich an Umfang zu. Die amtliche Liste verzeichnet 26 neue Pestfälle, von denen 21 tödtlich verliefen. Auch Europäer werden davon ergriffen. Sogar in den Lagern der englischen Truppen sind Fälle von Pest vorgekommen, so erkrankten iu Simontown drei englische Soldaten und ein Marinebeamter.

New-Iork, 26. März. Ein starker Orkan richtete in den Südstaaten viel Unheil an. In Birmingham und Montgomerp sollen viele Menschen ums Leben ge­kommen sein. Auch in Texas und Georgia wüthet der Sturm, so daß alle telegraphische Verbindung gestört ist.

Peking, 25. März. Die eingehenden Erhebungen, welche der Ausschuß der Gesandten über die finanziellen Hilfsquellen Chinas angestellt hat, haben, wie hier an­genommen wird, ergeben, daß die Staatseinnahmen so erhöht und die Ausgaben so eingeschränkt werden können, daß die Zahlung der Entschädigung innerhalb 20 Jahre durchführbar ist. Die Entschädigungssorderung Deutsch­lands an China beläuft sich auf 60 Millionen Dollars. Die Nachricht, wonach die Russen in Tientsin, nach­dem die Engländer die strittige Position verlassen, diese wieder besetzt und ihre Flagge ausgestcckt haben, erweist sich als korrekt. Der neue Missionarmord zwischen Tientsin und Taku zerstört jede Hoffnung auf eine baldige Beilegung der Chinawirrren und auf eine baldmögliche Abberufung unsrer Truppen aus China. Neue Ver­handlungen, neue Verschleppungen sind die Folgen des bei Tientsin begangenen Verbrechens. Ein Ende ist da gar nicht absehbar. Taku und Tientsin befinden sich in den Händen der Verbündeten, ebenso die Eisenbahnlinie zwischen den beiden Orten; und selbst in diesem von Europäern vollständig beherrschten Gebiete hat einer jener gräßlichen Missionarmorde stattfindcn können, zu der­selben Zeit, da Kaiser Kwangsu seine auf gelbem Papier abgebf. a^n Edikte öffentlich anschlagen ließ, die jedem Chinesen die Todesstrafe für irgend ein Verbrechen oder Vergehen an den Fremden androhte. Alle Garantien, die China etwa schriftlich dafür sollte bieten wollen, daß Leben und Eigenthum der Fremden in Zukunft gesichert sein würden, müssen in Anbetracht des jüngsten Mordes als leere, ja als frivole Redensarten bezeichnet werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 29. März.

* Aus verschiedenen Gegenden des Reiches wird über erheblichen Kälterück'all gemeldet. Der Rückfall war stellenweise so erheblich, wie er zu Ende des März seit mehr als 30 Jahren nicht mehr beobachtet worden ist. Bis zu 15 Grad Kälte wurden aus Süddeutsch­land gemeldet.

* Nächsten Mittwoch den 3. April findet die Zeichnung auf dreihundert Millionen 3prozentige Deutsche Reichsanleihe statt und zwar zum Course von 87,50 das heißt für 87,50 Mk. baar erhält man in Obligationen 100 Mk, verzinslich mit 3 % An Zinsen empfängt man also 3,42 Prozent pro Jahr, das ist bei den ge­genwärtigen Geldverhältnissen wenig genug, zumal die Sparkassen im Kreise 3,50 Prozent und die Darlehns- kassen-Vereine sogar bis zu 4 Prozent zahlen, indessen ist es nicht ausgeschlossen, daß Kapitalisten an dieser Reichsanleihe bei einem Zeichnungspreis von 87,50 Mk. Geld verdienen können. Aus dem Jnseratentheil sind die hiesigen Zeichnungsstellen ersichtlich.

* Kriegsbeorderung. Die Mannschaften des Be­urlaubtenstandes (Reserve, Landwehr 1. und 2. Aufgebots, sowie die Ersatzreservisten) werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie spätestens am 1. April d. Js. im Be­sitze einer Kriegsbeorderung sein müssen. Wer noch keine Kriegsbcorderung hat, wolle sich bis spätestens 30. d. Wts. an das Hauptmeldeamt wenden, um eine solche in Empfang zu nehmen. Ausgeschloffen hiervon ist von der Ersatzreserve, die nicht geübt hat, die Jahres­klasse 1888, außerdem von der Ersatzreserve Infanterie die Jahresklassen 1889, 1890 und 1894, sowie die nicht geübten Ersatzreserve-P ioniere.

* Geflügelzüchter seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Geflügelcholera z. Zt. über ganz Deutschland stark verbreitet ist. Vordem Ankauf von Geflügel kann des- halb nicht dringend genug gewarnt werden. Besonders lasse man sich nicht durch die billigen Angebote aus dem Aus- lande zum Kauf verleiten, da durch ausländisches Ge­flügel die Seuche Hüufig eingeschleppt wird. Auch sei darauf Hingewieien, daß von allen verdächtigen Todes­fällen beim Geflügel der Ortspolizeibehörde Anzeige zu erstatten ist.