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DDternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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U 25. Mittwoch, den 27. März 1901. 52. Jahrgang.

[T- n n n-nlnwLwnstLniiH in der Zustellung Itttserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermelden will, der U QP U 1U I || j PPnPPP Hin wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post-

111| || | sl| sl < Illll abonnenten, welche bis spätestens 28. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß * u VÄiuny ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den ntlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land- iefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. April 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Dem Präsidiume despreußischenAbgeordneten- anses gegenüber, das sinen Glückwunsch zur Errettung us Lebensgefahr darbrachte, drückte der Kaiser seinen iefen Schmerz über die Verrohung der Jugend aus. Der Kaiser machte für diesen beklagenswerthcn Mißstand eine einzelne Partei oder Volksklasse verantwortlich, onbern erklärte, daß alle Stände und Klassen gleicher- naßen die Verantwortung dafür zu tragen hätten und >aher bestrebt sein müßten, dem Uebel zu steuern. Und n der That dürfte die höchste und wichtigste Aufgabe )tS deutschen Volkes in der Fürsorge derer bestehen sein, die der Verwahrlosung und der Verrohung anheim- zusallen drohen. Rettungshäuser und Zwangserziehungs- anstalten, so heilsam solche immer wirken mögen, thun es nicht allein, da sie der Natur der Sache gemäß das Nebel nicht bei der Wurzel zu erfassen vermögen. Auch die Geistlichen und die Lehrer, auch Sie berufsmäßigen Organe der Armenverwaltung und Fürsorgeerziehung lönnen allein das Uebel nicht ausrotten, wenn sie sich nicht der hilfreichen Mitarbeit aller Kreise des Gemein­wesens erfreuen. Die Hauswirthe, die Hausgenossen, alle Menschenfreunde müssen mit Herz und Hand ein- treten, wo sich Anfänge und Ansitze von Verrohung und Verwahrlosung zeigen, nur dann k-^n es besser werden. Der Kaiser hat das PflichtbcwuItsnn"äuf diesem Gebiete angeregt und den Weg eindringlich gewiesen; hoffen und wünschen wir, daß seine Worte nicht fruchtlos verhallen und thun wir besonders an unserem Theile unsere Pflicht und Schuldigkeit.

Der Streit zwischen dem Landwirth Schilling in Huckarde und dem Eisenbahnfiskus, über den wir be­richtet haben, ist vorläufig beseitigt. Das Oberlandes- gericht Hamm hat nämlich verfügt, daß die Vollstreckung des Räumungsurtheils einstweilen auszusetzen sei. In­zwischen wird wohl das Enteignungsverfahren durchge- führt sein. Dem Gerichtsvollzieher, der die Geleise der Staatsbahn aufbrechzn ließ, wird dieserhalb nichts ge­schehen; das Landgericht hat erkannt, er habe ganz korrekt gehandelt.

DerPost" wird aus Saarbrücken gemeldet: Im Sinne Stumm's, der beabsichtigte, anläßlich des- demnächst stattfindenden hundertjährigen Jubiläums des Familienbesitzes der Neunkircher Eisenwerke eine Stiftung zur dauernden Sicherung der Wohlthätigkeitsanstalten der Firma zu errichten, stellten die Erben jetzt als ersten Schritt zur Verwirklichung dieses Vorhabens 500 000 Mk. als Carl-Ferdinandstiftung bereit.

Ludwigshafen. In den letzten Wochen wurden regelmäßig in entlegeneren Stadttheilen von Ludwigs. Hafen auf einsamen Wegen von einem anscheinend irr­sinnigen, perversen Verbrecher imMondeuschein" lust­wandelnde Liebespärchen überfallen. Auch Mädchen, die spät Abends in die Stadt gesandt wurden, bedrohte der Unhold. So wurde eine junge Arbeiterin, die mit ihrem Geliebten nächtlich am Mundheimer Bahndamm lust­wandelte, plötzlich durch zwölf Stiche in den Unterleib auf den Tod verwundet, ihr Freund, als er sich zur Wehr setzte, gräßlich verstümmelt. Der junge Mann schleppte sich nach der nächsten Polizeiwache, während seine Geliebte auf der Straße liegen blieb. Das Atten- tat geschah blitzschnell; der Thäter entfloh. Ein ähnlicher Fall ereignete sich zum ersten Male vor einigen Wochen. In geradezu barbarischer Weise wurde ebenfalls auf der Mundheimer Chaussee in einer Sonntagsnacht ein Pärchen Überfällen und das Mädchen dabei am Unterleib durch Dolchstiche verwundet. Man glaubte Anfangs an den Racheakt eines verschmähten Liebhabers der Verletzten. Die Polizei recherchirte aber vergeblich in dieser Richtung. Eine Woche später ereignete sich ein ähnlicher Fall; nur war dasOpfer, daS glücklicherweise nur leicht verletzt wurde, diesmal ein vom Einkauf nach Hause eilendes junges Mädchm. In den Ludwigshafener Vororten herrscht in Folge all dieser Vorkommnisse jetzt eine förmliche

Panik. Kein Dienstmädchen wagt sich mehr über die Straße; keine Arbeiterfrau kauft mehr Abends ein, sie schickt ihren Mann zum Kaufmann! Hoffentlich wird die Behörde bald Mittel und Wege finden, um des Uebel­thäters habhaft zu werden und der Bevölkerung ihre Ruhe wiederzugeben.

In Nürnberg feiert in diesen Tagen das weltbe­kannte Bratwurstglöcklein, die Stammkneipe von Albrecht Dürer, Hans Sachs u. a., das Jubiläum seines 500jäh- rigen Bestehens.

Ausland.

Aus Amsterdam wird gemeldet: Eine Persönlichkeit aus der Umgebung des Präsidenten Krüger erklärte einem Journalisten, die noch kämpfenden Buren würden jetzt bald einsehen, daß von den Engländern nichts mehr zu hoffen ist. Es bleibe ihnen daher nur noch übrig, Rache zu nehmen, und dies würden die letzten Kommandos da­durch thun, daß sie das ganze Laud vor ihrem Abzüge verwüsten, so daß für die Engländer nur noch ein öder Schutt- und Trümmerhaufen übrig bleiben wird.

Transaaal. Die Ablehnung der englischen Friedens­bedingungen durch die Buren läßt sich jetzt erst ihrem ganzen Werthe nach ermessen, nachdem die englische Re­gierung den Inhalt dieser Bedingungen dem Parlamente und der Öffentlichkeit nicht länger hat vorenthalten können und nunmehr zu Tage getreten ist, daß England den Buren doch ein gut Stück Weges entgegengekommen, gleichwohl aber abgewiesen ist. Die Buren müssen wohl begründete Aussichten auf eine fortgesetzte Besserung ihrer Lage haben, sonst hätten sie die mit ihnen an- geknüpsten Friedensbedingungen nicht abgelehnt. Sie haben jedenfalls Grund zur Annahme, daß sie durch die Fortsetzung des Krieges ihre Feinde zu noch weiter ge­henden Zugeständnissen nöthigen würden. Diese Annahme gründet sich zunächst auf die Thatsache, daß die englische Armee in Südafrika einfach k a p u t ist. Die um sich greifende Pest und die daraus erwachsenen Schwierig­keiten für die Verproviantierung und Verstärkerung des Kitchener'schen Heeres sind gleichfalls nicht zu unterschätzende Momente für die Erwartung baldiger und größerer Nach­giebigkeit der Engländer. Hinznzunehmen sind noch die Unbilden des bevorstehenden südafrikanischen Winters sowie der Umstand, daß die Buren ungeschwächt und siegeszuversichtlich die Feindseligkeiten fortzusetzen im stande sind. Alle diese Erwägungen lassen die Ablehnung der englischen Friedensbedingungen als ein gerechtfertigtes Wagniß der Buren erscheinen und begründen die Hoff­nung, daß die englische Regierung, nur um einmal den schrecklichen Krieg in Südafrika los zu werden, weiter­gehende Friedensanerbietungen macht. Nachrichten aus dem Lager des Generals Botha besagen denn auch, daß die Buren ihre Munitionsvorräthe durch Herstellung neuer Patronen nnb Granaten rc. ergänzt hätten, während sie gleichzeitig aus den vielen geheimen Depots in Trans­vaal sich auch sonst für die Fortführung des Kneges frisch ausgerüstet hätten. Die Feindseligkeiten würden daher von den Buren mit ganz besonderer Energie wieder ausgenommen werden. Ein Manifest des Präsidenten Steijn und des Generals Dewet vom vom 28 v. Mts. brandmarken die Ruchlosigkeit der englischen Kriegsjühr- ung in Südafrika und konstatiert, daß die Buren ihren Feinden durch nichts zu solchen Grausamkeiten Ver­anlassung gegeben hätten.

In Tieutsiu war, wie nachträglich noch bekannt wird, wirklich die Gefahr eines bösen Blutbades im Verzüge. Russen und Engländer waren, als die entscheidende Rückzugsordre eintraf, nur noch 20 Fuß von einander entfernt und ein furchtbares Handgemenge schien bereits unvermeidlich. Ist nun aber auch dieser eine Zwischen- fall glücklich beigelegt, so besteht doch die Lust zu Rei­bungen zwischen Engländern und Russen fort, und wenn die verbündeten Truppen nicht bald aus China fort­kommen, dann wird auch Graf Waldersee ernste Ver­

wickelungen auf die Dauer nicht verhüten können. Die Strafexpeditionen in Tschili und Umgegend haben bedauerlicherweise noch immer nicht eingestellt werden können; vielmehr vergeht jetzt wieder kaum ein Tag, an dem nicht von chinesischen Räubereien zu berichten wäre, die natürlich nicht ungesühnt bleiben dürfen. Die Schuld daran trägt Rußland, das den Langzöpfen durch sein merkwürdiges Vorgehen nun einmal den Glauben bei­gebracht hat, daß es um die Einigkeit der Mächte ge­schehen sei. Graf Waldersee hat nun gehörig zu thun, um den Chinesen diesen Aberglauben auszutreiben.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 26. März.

* Dem pensionirten Bahnwärter S ch in i t t IV. zu Salmünster wurde das Allgemeine Ehrenzeichen ver­liehen.

* Naßkalter Sommer in Sicht? Professor Dr. Jäger schreibt dem StuttgarterNeuen Tageblatt": Wie Ihre Leser wissen hat meine Ansage gestimmt, daß die übermäßige vorjährige Sommerhitze Nordamerikas ver­mittelst des Golfstroms bei uns mildes Wetter für die letzten Monate des Jahres bringen werde. Nun kommt soeben aus New Dort die Nachricht, daß dort ein fast beispiellos strenger, grimmer Winter mit riesigen Schnee- vermhungen herrsche. Das eröffnet schon jetzt bedenk­liche Aussichten für unsere Witterung im Juli und August, da die unausbleibliche Erkaltung des Golfstroms sich etwa 100 Tage später bei uns geltend machen wird.

* Die Zulässigkeit der Versendung mehrerer Packete mit einer Postpacketadresse (Begleitadresse) wird für die Zeit vom 31. März mit 7. April und vom 19. mit 26. Mai (Ostern und Pfingsten) laufenden Jahres im gesammten inneren deutschen Verkehr aufgehoben.

* Das Kammergericht hat erkannt, daß Urkunden über Gegenstände deren Werth nach Geld geschätzt 150 M. nicht übersteigt, von der Stempelsteuer befreit seien, auch wenn dieser Miuderwerth in der Urkunde nicht ausge­sprochen sei.

* Die Umsatzsteuer ist nach einer imPrß. 93er« walt.-Bl." mitgetheilten Entscheidung des Oberverwaltungs­gerichts vom 23. Nov. 1900 zweimal zu entrichten, wenn der Grundstückskauf durch einen Bevollmächtigten geschehen ist und die Auflassung erst an den Bevoll­mächtigten und sodann von diesem an den Auftraggeber erfolgt ist.

* Die Verwendung von Postwerthzeichen als Zah­lungsmittel hat trotz aller Warnungen zugcnommcn. Insbesondere werden die jetzt epflirenben höheren Marken- werthe von 2, 3 und 5 Mk. mit Vorliebe zur Erledigung kleinerer Zahlungen verwendet. Für größere Geschäfte droht die Sache zur Calamität zu werden, da sich größere Mengen von Postwerthzeichen höherer Werthe ansammeln, für welche die Geschäfte keine Verwendung haben. Wir wollen noch auf einen anderen Mißstand Hinweisen, die Verwendung von Wechselstempelmarken zur Begleichung kleiner Forderungen bei Leuten, die niemals in die Lage kommen, Wechselstempelmarken verwenden zu können.

* Das Kriegsgericht verhandelte dieser Tage gegen den früher in Ulmbach, Kreis Schlüchtern, stationirt ge­wesenen Gendarmen Lankschat aus Ostpreußen. Derselbe hatte am Abend des 17. Oktober vorigen Jahres einen in Ulmbach beschäftigt gewesenen Handwerksmeister aus Schlüchtern ohne irgend eine Veranlassung für verhaftet erklärt, ihn thätlich angegriffen, mit Degen und Revolver bedroht und an der Hand verletzt. Das Kriegsgericht sah den Fall nicht milde an, es verkannte zwar nicht, daß die Gendarmen einen schwierigen Dienst hätten, hielt aber für angebracht, bie)en Fall von Mißbrauch der Dienstgewalt streng zu bestrafen und erkannte auf eine Gefängnißstrafe von zwei Monaten und einen Tag. Der Verurtheilte will Berufung einlegen.

Wallroth. Den Bemühungen des Unterverbands- direktors Raiffeisenscher Genossenschaften im Kreise Schlüch-