WüchternerMung
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen losten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
___ — - SiÄas, den 23. März 190L 52. Jahrgang.
er eine Wir*
in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 26. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß _ ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den etlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Land- iefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. April 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Am Montag wurden von der untersuchung- ihrenden Behörde die Bekundungen des Kaisers über 18 Attentat in Bremen eingeholt. Die Zeugenschaft des Kaisers konnte sich naturgemäß nur auf die Wahrnehmung der Verletzung beziehen, da der Monarch es Ereigniß selbst nicht beobachtet hat. Als Landesherr i der Kaiser nach den Vorschriften der Strafprozeß- rdnung in seiner Wohnung zn vernehmen. Er leistete en Zeugeneid nicht mündlich, sondern mittels Unter- Hreibens der die Eidesnorm enthaltenden Eidesformel. )aS Protokoll über die gerichtliche Vernehmung des kaiserS muß in der Hauptverhandlung, zu der der Nonarch nicht geladen wird, verlesen werden. — Der Kronprinz wird zwei Jahre in Bonn studiren und zwar mrb er nach Beendigung der großen Herbstmanöver die lniverfität beziehen. Mit den Chargirten des Korps .Borussia" ist bereits über den Eintritt des Kronprinzen n daS Korps verhandelt worden.
— Ueber die Neu-Uniformirung des Heeres wird »richtet: Beim Kaisermannöver soll ein kleiner Truppen- hcil die neue Bekleidung und Ausrüstung anlegen, um ktwa sich herausstellende Mängel noch rechtzeitig zu be- ffligen. — Die litewkaartigen Waffenröcke der Mann- Kasten sollen vorläufig noch aus den bisherigem bla^ kuch gefertigt werden, da der Staat noch große Vorräthe tavon hat. — Bei den Offizieren soll jedoch sofort zu »Feldgrau" übergegangen werden. Die bisherigen Achsel- Kücke der Offiziere sind das einzige Blanke und Auffällige, das den zukünftigen Waffenrock zieren wird. Doch werden im Mannöver und im Felde Achselstücke llicht getragen. Die Offiziere erhalten auch ein Abzeichen am Aermel.
— Die Pferde für unser ostasiatisches Expeditionskorps sind nicht billig. Das Korps soll 5600 Pferde haben; für jedes der zu ersetzenden Pferde (840 Stück) ist ein Kaufpreis von 1900 Mark angenommen; das macht das hübsche Sümmchen von 1,576,000 M. Unsere Remontezüchter müssen sich mit etwa der Hälfte des Preises zufrieden geben.
I— Aus den Bermögensbeständen der Jnvaliden- ersicherungsanstalten sind für Zwecke gemeinnütziger öohlfahrts Einrichtungen gegen 200 Millionen Mark ngelegt worden. Zum Bau von Arbeiterwohnungen nd davon 78 und zum Bau von Volksheilstätten 54 Mill. Mark verwendet.
— Der Gewinn, den die Zuckerindustriellen durch ihr Zuckersyndikat haben dürsten, wird auf mindestens 75 Mill. Mk. geschätzt. Die jährliche Belastung der deutschen Bevölkerung beträgt aber nicht nur 75, sondern mehr als 105 Mill. Mk., da über 30 Mill. Mk. den Rohzuckerfabrikanten vergütet werden, damit diese zu billigeren Preisen exportiren können.
| — Die „nothleidende" Papierindustrie blickt nach dem
eigenen Urtheil der „Papier-Zeitung" auf ein „Segens- jahr" zurück. Das Geschäftsjahr 1900 brächte Aufträge in Hülle und Fülle und Preise auf einen Höhepunkt, der alle Erwartungen übertroffen hat." — Die Zeitungen und ihre Abonnenten haben dafür bluten müssen.
— Die Lage der deutschen Gespinnstindustrie ist recht trüb. 65 süddeutsche Webereien mit 37 142 Webstühlen müssen 6183 Stühle stillstehen lassen; diese Zahl dürfte sich im 2. Vierteljahr auf 8500 erhöhen.
— Von einer Heldenthat deutscher Pioniere berichtet eiu Privatschreiben, das ein deutscher Offizier in Schank- Haikwan seinen Angehörigen sandte. Wir entnehmen dem der „Deutsch. Ztg." zur Verfügung gestellten Briefe die nachstehenden Zeilen: „Von unseren Truppen verdienen die Beamten des Proviantamts und unsere Pioniere besondere Anerkennung. Was ich von letzteren gesehen habe — Hut ab! In den letzten 2 Tagen haben sie wohl 150 Mann das Leben gerettet. Es handelte sich darum, österreichische, japanische und russische Boote, im Ganzen sieben Stück, mit je 20—25 Mann Besatzung,
zu retten. Die Boote hatten versucht, von ihren Kriegsschiffen zu landen. Die großen Schiffe müssen ungefähr 1000 Meter vom Lande Anker werfen, weil das Meer zu seicht für ihren Tiefgang ist. In den letzten Tagen war es nun sehr kalt gewesen, und der Hafen war bis zu den Schiffen voll Packeis, eine dicke breiige Masse. Die Boote saßen nun plötzlich zwischen 50—100 Meter vom Lande im Eise fest; es war früh 11 Uhr, eine Rettung war ausgeschlossen, und wir standerf noch Nachmittags um 4 Uhr Alle rathlos am Strande; in einer Stunde ging die Sonne unter, und am anderen Morgen wäre Alles erfroren gewesen. Die Kriegsschiffe konnten auch nur zusehen, es gab kein Vorwärts oder Rückwärts; über die Eisschicht zu gehen, war nicht möglich; ein Stein von der Größe einer Faust sank sofort unter. — Da binden sich drei beherzte Pioniere Bretter unter die Füße, so groß wie Dielen, nehmen riesige Schiffstaue und bringen tollkühn, langsam rutschend, die Taue zu den Booten. Abends 8 Uhr war Alles am Lande. Ich hoffe, die Leute und der betreffende Offizier werden dafür enb sprechend ausgezeichnet werden. Hätten es die Deutschen nicht gethan, hätte Niemand geholfen, trotzdem die eigenen Landsleute, Russen und Japaner, ohne zuzugreifen am Strande standen. 100 Meter vom Lande sank übrigens ein russisches Boot, da es bis oben voll Wasser war, und die Leute, die durch das stundenlange Sitzen im Eiswasser völlig erstarrt waren, wurden an Stricken durch das Wasser an Land gezogen und dann fortgetragen, wie candirte Salzsäulen.
Bon der Saar. Durch den Heimgang des Frhrn. von Stumm hat, so wird aus Neunkirchen geschrieben, die Gemeinde einen immer bereiten Helfer verloren. Um den Bürgern die Steuerlast zu erleichtern, spendete er jährlich zu den Gemeinde-Unkosten 10,000 Mark. Die Errichtung eines Realgymnasiums an hiesigem Orte ist als sein Werk zu bezeichnen, dessen er sich mit besonderer Sorgfalt annahm, wie die jährliche Beihülfe von 20000 Mk. beweist. Man hofft, daß dieser Zuschuß der Anstalt für die nächsten Jahre testamentarisch gesichert ist. Wie weit das Wohlwollen seinen Arbeitern gegenüber ging, beweist, daß er trotz der ungünstigen Konjunktur in der Eisenindustrie keinen einzigen Arbeiter entlassen hat, während auf vielen Werken derselben Branche zahlreiche Arbeiterentlassungen vorgenommen wurden. Wenn das patriarchalische Verhältniß auch nicht durchgesührt werden kann, so hat es doch da, wo ein Fabrikleiter, wie Freiherr von Stumm, die Seele desselben war, großen Segen gestiftet. So sorgte der Verstorbene auch dafür, daß seine Arbeiter in nicht zu jungen Jahren zur Bildung eines eigenen Hausstandes schritten. Er hatte ein gewisses Alter festgesetzt, vor dessen Erreichung die Arbeiter keine Ehe eingehen durften. Man sieht hieraus wie weit er bei seinen Anordnungen in das Leben der Arbeiter eingriff. Das durfte er, weil er gleichzeitig für die Verheiratheten sorgte, ihnen ein Heim schaffte durch Unterstützung in der Erwerbung eines eigenen Grundstückes, und die Zahl der Hüttenarbeiter, die hier in Nennkirchen selbstständige Hausbesitzer sind, ist nicht gering. Zu der Beerdigung, die am Mittwoch Nach- mitag stattfand, waren von hier die Hüttenbeamten und Arbeiter in Sonderzügen nach Brebach gefahren worden. Das Arbeiterpersonal, das auf den Stumm'schen Werken Lohn und Brot findet, zählt über 8000 Köpfe.
Speicr. Sämmtlichen beim Bau der Protestations- kirche in Speyer beschäftigten Personen, wie Architekten, Bauführern, Steinhauern und Maurern, ist, laut „Landauer Anzeiger", gekündigt worden. Nur der Nachtwächter blieb verschont. Dem Vernehmen nach ist der Mangel an flüssigem Betriebskapital zum Weiterbauen die Ursache der Einstellung des Betriebes. Erst in zwei bis drei Jahren sollen die Arbeiten zur Fertigstellung der Kirche fortgesetzt werden.
Ein Kurpfuscherprozeß spielt sich zur Zeit in Darmstadt ab. Die Anklage richtet sich gegen den Naturheilknndigen
und Kaufmann Ferdinand Schumacher aus Frankfurt a. M., den praktischen Arzt Dr. med. Xaver Lang aus München und den Apotheker Kreubel aus Dresden. Die Angeklagten sollen sich der Kurpfuscherei und des dadurch verübten Betruges in 62 Fällen schuldig gemacht haben. Der erste Angeklagte Schumacher hat in Verbindung mit dem zweiten Angeklagten, dem praktischen Arzt Dr. Lang in Darmstadt in den Jahren 1896—97 eine „Heilanstalt für Nervenleiden, Haut-, Geschlechts- und Frauenkrankheiten" betrieben und sich zum Zwecke der Täuschung des Publikums den Doktortitel beigelegt, während der dritte Angeklagte, Apotheker Kreubel, die nothwendigen, beziehungsweise von den beiden ersten Angeklagten als nothwendig bezeichneten Medikamente an die Kranken lieferte. Als Zeugen sind insgesammt 90 Personen aller Stände aus Schleswig, Kassel, Barmen, Bochum, Hagenau t. Elf., Ludwigshafen, Rudolstadt, Mainz, Bunzlau, Danzig, Stuttgart, Kempten, Augsburg, Bam- berg, Wiesbaden, Berlin, Hamburg, Breslau, Leipzig und Magdeburg, also aüs allen Theilen des Reiches geladen. Die Verhandlung, die gestern Vormittag ihren Anfang nahm, begann mit einer großen Ueberraschung, da der gegen eine Kaution von 30,000 Mark auf freien Fuß belassene erste Angeklagte Schumacher nicht erschienen ist. Nach einer Anzeige seiner im Gerichtssaale an- wesender? F^au befindet er sich zur Zeit in Philadelphia. Die Verhandlung findet demnach nur gegen Dr. Lang und Paul Kreubel statt.
Sprottau, 19. März. Am Sonntag Abend nach 10 Uhr gingen hier plötzlich ohne die geringsten Gewittererscheinungen aus heiterem Himmel drei Blitzstrahlen unter ungewöhnlich starkem Donner nieder. 25 Fernsprech- leitungen in der Stadt wurden zerstört und ein Militärposten betäubt, der in der Nähe eines Blitzableiters patrouillirte.
Ausland.
London. Botha kapitulirt nicht! Das wird nun von den Engländern offiziell eingestanden. In der gestrigen Unterhaussitzung erklärte Chamberlain, Botha habe Lord Kitchener brieflich mitgetheilt, er sei nicht bereit, die Bedingungen, welche Kitchener ihm mitzutheilen den Auftrag hatte, der ernsten Erwägung seiner Regierung zu empfehlen. Botha bemerkte dazu, seine Regierung und seine obersten Offiziere stimmten mit seinen Ansichten überein. Die Schriftstücke, welche sich auf diese Angelegenheit beziehen, werden dem Parlament heute Abend zugehen. Das ist für Altengland ein harter Schlag. Wie es scheint, hat Botha den General Kitchener einfach an der Nase herumgeführt, um Zeit zu gewinnen, und Kitchener ist blindlings in die ihm gestellte Falle gegangen. Nun hat er den Schaden und braucht für den Spott nicht zu sorgen. — Das „Handelsblatt" von Amsterdam theilt aus Briefen, die ihm zugingen, Folgendes über den letzten Einfall der Buren in die Kapkolonie mit: „Am 26. Januar ist in Maraisburg und Steynsburg heftig gekämpft worden. Die Buren trieben die Engländer zurück und nahmen die Gemeindebehörden gefangen. Viele Kolonisten schloffen sich dem Kommando an, sogar ein paar englische Bauern, die nach Lord Kttcheners letzter Kundgebung, in welcher Vieh, Pferde u. s. w. auszuliefern befohlen wurde, wüthend waren. Mann gegen Mann sümpften sie, einige sogar ohne Gewehr. Die Buren sind über die ganze Kolonie verbreitet und fügen den Engländern viel Schaden zu. Port Nolett wurde von den Buren besetzt. In der Nähe von Malmesbury, Diverdal, Oudshoorn und Pearston wurde ebenso heftig gekämpft. Wer dort den Sieg dovontrug, ist nicht bekannt geworden. Im letzten Ort hatten sich viele Bauern dem Kommando angeschlossen. Die Buren zogen in der Richtung nach Oudshoorn mit 4 Kanonen.
China. Die deutschen Strafexpeditionen in China dauern noch immer fort, während man von den Truppen