Einzelbild herunterladen
 

WüchternerKttung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 23.

Mittwoch, den 20. März 1901.

52. Jahrgang.

U M UMM

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß

_ ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den ntlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Ouartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land- iefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. April 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsche- Reich.

Berlin. Der Kaiser ist soweit hergestellt, daß die erzte ihm gestattet haben, bei günstigem Wetter aus- rfahren. Jedenfalls dürfte die Wunde in 8 Tagen Mündig geheilt sein. Vermuthlich wird nur eine Narbe i Form einer ganz schmalen Linie zurückbleiben.

In württ. Regierungskreisen glaubt man, daß ie Zollerhöhungen sich wie folgt gestalten werden: Zoll uf Weizen 6 Mk., auf Roggen 5 Mk, auf Gerste : Mk. pro 100 Kilogramm; bezüglich Hafer ist noch ein Einvernehmen getroffen, da hierauf die norddeutschen lgrarier, die hiervon wenig bauen, ein größeres Gewicht ücht legen.

Die Verluste der deutschen Flotte einschließlich )er Seebataillone in China betragen nach amtlichen An- zaben bisher 147 Todte oder Verunglückte, 132 Schwer- md Leichtverwundete.

Alte Militärgewehre werden nach einer Erklärung tes Kriegsministers von Goßler in der Budgetkommission »es Reichstags im Jnlande nur an Kriegervereine ab- icgeben. Dagegen seien die alten Gewehre des Modells 1871 unter größter Vorsicht und Garantie durch Attest mies deutschen Konsuls darüber, daß die Waffen that- ächlich im Auslande ausgeladen sind, in das Ausland »erkauft worden. Neuerdings ist man vorsichtiger ge- vorden und verkauft Waffen fast gar nicht mehr.

Müucheu, 15. März. Der Prinzregent hat die MilitärbezeichnungGemeiner" abgeschafft und dafür die öezeichnungInfanterist", ..Ulan" u. s. w. eingeführt, fortan werden also in Bayern wenigstens Briefe der Militärbehörden nicht mehr solch wunderschöne Adressen feigen wie:An den Gemeinen X., Kaufmann in An den Gemeinen M, Gymnasiallehrer in N." usw. Die Art und Weise, wie Kneißl gefangen wurde, hat. wie dieBayer. Prov.-Korr." mittheilt, unter der Bevölkerung böses Blut und vielen Hohn und Spott über die betheiligte Gendarmerie und Schutzmannschaft hervorgerufen. Abgesehen von der stundenlangen Be­schießung des Hauses, die zum mindesten als recht über­flüssig bezeichnet wird, findet man es geradezu lächerlich, daß das Haus, in dem eiu einzelner Mann festgenommen werden sollte, gleich dem Geisberg oder den Spicherer Höhen mit Hurrah gestürmt wurde, und daß schließlich von den 25 wohlbewaffneten Erstürmern auf diesen einzigen wie sich jetzt herausstellt noch dazu völlig unbewaffneten Menschen auch noch drei Schüsse abgegeben und der bereits Schwerverwundete obendrein noch mit Kolbenstößen traktiert wurde. Alle diese Vor­gänge werden, wie gesagt, im Publikum höchst abfällig besprochen, und es sollte uns nur freuen, wenn dies, wie es heißt, auch in maßgebenden Kreisen der Fall wäre.

Bayreuth, 12. März. Der Amnestieerlaß erstreckt sich auch auf fünf Personen, die wegen Mordes zum Tode verurtheilt, aber zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt wurden, und die durch musterhafte Führung den Beweis für die Aufrichtigkeit ihrer Reue und Besser­ung gegeben haben. Von diesen fünf, denen ihre Strafe erlassen und die nunmehr in Freiheit gesetzt wurden, waren dem Bayr. Tgbl. zufolge zwei im Zuchthaus zu St. Georgen dahier, der eine nahezu 25 Jahre, der Andere etwa 23 Jahre lang. Unbeschreiblich war ihre Freude, als ihnen eröffnet wurde, daß sie in die Freiheit zurückkehren dürfen; fie weinten und lachten und konnten kaum fassen.

Essen, 14. März. Der Kanonenkönig Geheimrath Krupp, der im vergangenen Jahre sein Gesammtein kommen gelegentlich der Steuercinschätzung auf 16 Mil- 'wnen angegeben hatte, versteuert in diesem Jahre, wie eme Korrespondenz mittheilt, die Summe von 21 Will. -Wart. Demnach hat Krupp für jeden Tag ein Ein­kommen von 57 524 Mark, für jede Stunde 2400 Mk. ober 40 Mk. für jede Minute. Auf der Kruppschen Fabrik in Essen gerieth beim Winden einer auf Holz-

blöcken ruhenden Kanone ein Arbeiter unter die Kanone und wurde buchstäblich plattgequetscht. Der Tod trat augenblicklich ein. In einer Strafkammersitzung zu Düsseldorf nahm jüngst der Vorsitzende, Landgerichts­direktor Mosbach, Veranlassung, eine mit einem auf­fallenden Kopfputze versehene weibliche Angeklagte darauf aufmerksam zu machen, daß man nicht als .Modepuppe" vor Gericht erscheine. Gleichzeitig wurde deswegen dem anwesenden Vater des Mädchens eine ernste Rüge zu Theil. Bor dem Schwurgericht in Dortmund standen die Arbeiter Kaiser, Hoffmann und Netthaus aus Werl wegen Straßenraubes. Sie hatten einen Arbeiter Über­fällen und ihm mit Gewalt zwei Kokosnüsse, sowie ein Geldtäschchen geraubt, das einen Pfennig enthielt. Die Angeklagten erhielten schwere Strafen, da die Geschworenen nur dem Kaiser mildernde Umstände zubilligten. Dieser wurde zu 3'/« Jahren Gefängniß, die anderen zu je 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurtheilt.

Huckarde i. Wests, 15. März. Ein seltener Vor­gang spielte sich heute Mittag auf der neuen Geleisan­lage der Emscherth.albahn in der Nähe des Bahnhofes Huckarde ab. Der preußische Eisenbahnfiskus, vertreten durch die Eisenbahndirektion Essen, hatte mit einem hiesigen Landwirth über die Erwerbung einer ungefähr 40 Ar großen Grundfläche verhandelt und ohne eine Einigung erzielt oder das Enteignungsverfahren eingeleitet zu haben, das Gelände mit einem hohen Damm sammt Geleisen versehen. Auf Einwendungen des Besitzers erwiederte die genannte Direktion mit der Behauptung, er habe ohne Rücksicht auf die Entschädigungsfrage den Besitz abge­treten und die Bauerlaubniß gegeben. Der Landwirth legte Räumungsklage ein und erstritt vor dem Landge­richt Dortmund am 18. Februar 1901 ein obsiegendes Urtheil. Das Urtheil wurde für vorläufig vollstreckbar erklärt für den Fall, daß der Kläger 6000 Mark hinter­legte. Dieser ließ es sich nicht verdrießen, die Summe bei der Regierungshauptkasse in Arnsberg zu hinterlegen, und so hatten wir heute das eigenartige Schauspiel, daß mit der Räumung zwangsweise begonnen wurde, und ein königlich preußischer Gerichtsvollzieher eine Schiene der schon in Betrieb genommenen königlich preußischen Eisenbahnstrecke durch zwölf Arbeiter aufreißen ließ. Ein gerade fälliger Personenzug mußte dreiviertel Stunden warten. Er fuhr erst weiter, als Schaaren von Eisen­bahnarbeitern den Vollziehungsbeamten in seiner Thätig­keit gehindert und die Schiene wieder eingebaut hatten. Der Gerichtsvollzieher erklärte, er weiche nur der Ge. walt, und beabsichtigt, seines Amtes Morgen unter poli­zeilichem Schutze weiterzuwalten. Denselben Schutz will die Eisenbahn als Gegenmittel anrufen. Auf die weitere Entwickelung der Angelegenheit kann man mit Recht gespannt sein.

Nu-lanv.

Wien, 13 Mär. Aus Anlaß einer Unterschlagung im Lemberger Magistrat bringt derCzas" an leitender Stelle Enthüllungen, die das größte Aufsehen erregen müssen. Nicht nur Nachlässigkeit im Gebaren, sondern Korruption allerärgster Art wird dem Gemeinderath vor­geworfen. Die Restanten an direkten Steuern sammt Zuschlägen betragen in Lemberg allein sieben Millionen Kronen. Wer Einfluß in der Gemeinde besitzt oder dem Magistrat mit Enthüllungen droht, zahlt überhaupt keine Steuern. Einzelne Lemberger Gemeinderäthe schulden Zehntausende; zahlreiche Personen haben seit 24 Jahren keine Steuern bezahlt. Von allen Lembergern Gemeinde- räthen entrichten nur diejenigen ihre Steuern, denen sie als Lehrer oder Professoren vom Gehalt abgezogen werden. Der »Czas" erzählt, ganze Stöße von Steuer­exekutionsakten wurden in den Kanal geworfen. Die Hauptstadt Lemberg hatte im Jahre 1900 einen sechzig- prozentigen Steuerrückstand.

Peking. Die Gesandten beriethen über die Ver- Hängung weiterer Strafen, als Rußland sich gegen die

Bestrafung weiterer chinesischer Beamten erklärte, ganz gleich, welches Belastungsmaterial vorliege. Rußland ist augenscheinlich bestrebt, das Konzert der Mächte zu forengen, indem es China beisteht. Ferner verlautet, Rußland ziehe schleunigst Streitkräftc heran, um eine Demonstration im Golf von Petschili zu verunstalte», speziell um auch Japan zu warnen. Während der Unruhen des letzten Jahres wurden in Peking und den Provinzen, einschließlich der während der Belagerung der Gesandtschaften Gefallenen, 244 ausländische Christen getödtet, und zwar 118 Engländer, 79 Amerikaner, Schweden und Norweger, 26 Franzosen, 11 Belgier und Holländer, 10 Italiener, ein Schweizer Und ein Deutscher. Außerdem wurden 30,000 chinesische Christen ermordet.

Lokale- und Provinzielles.

* Schlächter», 19. März.

* Jetzt ist die Zeit, die Raupennester von den Bäumen und Sträuchern zu entfernen. Jeder Garten­besitzer achte daraus, daß sein Grundstück von Raupen gereinigt werde, damit er nicht mit dem Reichsstrafgesetz­buch in Konflikt gerathe. Auch die sogenannten lebenden Zäune sind von den Raupennellern zu befreien, damit nicht die Raupen aus einem Grundstück in alle Nach- borgrundstücke sich verpflanzen.

* Von jetzt ab wird im Jnseratentheil eine stän­dige Rubrik über die Preise der Futter- und Dünge­mittel, sowie von Saatgut bei dem hiesigen Lagerhaus eingerichtet werden.

* Auf Grund § 131b des Reichsgesetzes, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, vom 26. Juli 1897 hat der Herr Regierungspräsident im Einvernehmen mit der Handwerkskammer zu Gaffel Gesellenprüfungs- ordnuugen für folgende Handwerke im Bezirke der Hand­werkskammer erlassen : 1) Bäcker, 2) Tischler, 3 Schorn­steinfeger, 4) Schmiede, 5) Maler, Anstreicher, Weißbinder und Lackierer, 6) Dachdecker, 7) Schlächter, 8) Schneider, 9) Stellmacher und Wagner, 10) Buchbinder, 11) Barbiere, Friseure und Perrückenmacher, 12) Drechsler, 13) Sattler, 14) Schuhmacher, 15) Konditoren, P'effer- küchler und Bonbonkocher, 16) Maurer, 17) Zimmerer, 18) Orgelbauer und Jnstrumentenmacher, 19) Tuchmacher, Weber und Wirker, 20) Färber, 21) Seiler, 22) Töpfer, 23) Pflasterer.

* Der Beruf einer Koch- und Haushaltungs­lehrerin soll für gebildete reifere Mädchen die größten Aussichten bieten. Koch- und Haushaltungsschulen werden jetzt in allen größeren Städten errichtet, und schon be­ginnt man, sie den Gemeindeschulen anzugliedern. Der Mangel an Lehrkräften macht sich jetzt sehr fühlbar, dies beweist die große Anzahl der Nachfragen im Seminar Koch- und Haushaltungsschule Hedwig Heyl (Pesta- lozzi-Fröbelhaus II zu Berlin). Alle vorhandenen Kräfte sind als Lehrerinnen vergeben, und der Nachwuchs ent­spricht nicht der steigenden Bedürfnißfrage.

* Die Leutenoth auf dem Lande nimmt noch- immer zu. Man kann diese bedauerliche Thatsache von neuem aus dem soeben erschienenen Geschäfsberichte des Arbeits-Amtes der Landwirthschafts-Kammer der Provinz Brandenburg entnehmen. Das Amt ist während des letzten Jahres von den landwirthschaftlichen Arbeitgebern stärker in Anspruch genommen worden als je zuvor; es wurden im Jahre 1900 nicht weniger als 3982 Auf­träge ertheilt gegen 2795 im Jahre 1899, und es meldeten sich im Ganzen genommen mit 378 Arbeiter. Die Nachrichten von der Arbeitslosigkeit in der Industrie veranlaßten das Arbeits Amt. um diese überschüssigen Arbeitskräste zu werben. Diese Bemühungen blieben aber ohne Erfolg. Es meldeten sich größtentheils nur ganz ungeeignete, heruntergekommene Personen. Land­streicher und dergl.

* Wegen der Flaschcn-'rage ist es zu Differenzen zwischen Gastwirthen und Brauereien gekommen. Die