aus London schreibt, sind die Entwürfe für die neuen englischen Geldmünzen mit dem Kopf König Eduards von einem deutschen Künstler, Emil Fuchs, demselben Bildhauer, der im Auftrage des Königs eine Todten- maske von der Königin Viktoria anfertigte, eingefordert worden. Es soll thatsächlich kein englischer Bildhauer vorhanden sein, den König Eduard mit dieser Arbeit betrauen mochte. Fuchs ist als ausgezeichneter Medaillen- stecher bekannt. Für die englischen Patrioten ist es natürlich schmerzlich, daß nicht mal ihre Pfunde und Schillinge ohne Zuhilfnahme deutscher Kunst hergestellt werden können.
China. Sehr bedenklich lautet die Meldung, daß sich die Mächte zum Einspruch gegen die russisch-chinesischen Sonderabmachungen genöthigt gesehen haben. Rußland hat trotz seiner wiederholten Versicherungen, keinerlei eigennützige Absichten in China zu verfolgen, den Chinesen Concessionen über Concessionen in der Mandschurei abzugewinnen verstanden. Die Mandschurei-Frage haben die Mächte jedoch übereinstimmend als eine ausschließlich russische Angelegenheit betrachtet und sich nicht weiter darain gemischt. Nun hat sich Rußland als Garantie für die Aufrechterhaltung der ihm gewährten Concessionen eine Reihe chinesischer Staatseinkünfte zur Verfüguug stellen lassen und damit hat es einen Einbruch in die Interessen und Rechte sämmtlicher in China vertretenen Mächte begangen. Niemand weiß, ob nicht China bei der Regelung der Entschädigungsfrage genöthigt sein wird, seine sämmtlichen Staatseinkünfte zu verpfänden ; wie kann den Russen da gestattet werden, vorweg die spärlichen Rosinen aus dem chinesischen Kuchen für sich mit Beschlag zu belegen und den übrigen Mächten das Nachsehen zu lassen. Bestimmt der einhellige Einspruch der Mächte Rußland nicht zur Zurücknahme seiner bezüglichen Abmachungen mit China, dann drohen schwere internationale Verwickelungen. — Aus Peking kommt eine große Nachricht: Der Kaiser Kwangsü hat ein Edikt veröffentlichen lassen, nach welchem alle Dekrete und Berichte, welche zwischen dem 20. Juni und dem 14. August 1900 erlassen respektive erstattet worden sind, vernichtet werden sollen, um jede Spur derselben in der Geschichte zu verwischen. Wenn diese Meldung sich bewahrheitet, so ist sie einem ungeheuren Sündenbekennt- niß des chinesischen Hofes gleichzuachten, dem die Mächte dann wohl die Absolution auf dem Fuße folgen lassen werden. In Paris hat in dem gestern im Elysee abgehaltenen Ministerrath Delcasse Mittheilung von den aus China eingetroffenen Telegrammen gemacht. Aus diesen geht hervor, daß alle Mandarinen, welche sich der in Peking begangenen Verbrechen schuldig gemacht haben, bestraft worden find. Weiter wird gemeldet, daß zwei Dekrete veröffentlicht worden sind, welche die verhängten Strafen aufzählen und Abschaffung der Examina in den- senigen Provinzen anordnen, wo gegen Ausländer Ausschreitungen begangen worden sind. Auch das ist ein Zeichen, daß der wirkliche Widerstand des Reiches der Mitte gebrochen ist, und daß somit die Aussichten für die Rückkehr des internationalen Expeditionskorps in erfreulicher Weise zu wachsen beginnen.
Lokale- und Provinzielles.
* Schlächtern, 8. März.
* — Dem Bahnwärter a. D. Reinhardt zu Schlüchtern wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
* — Auf die nächsten Mittwoch den 13. d. M. im Gasthaus „Hessischer Hof" dahier stattfindende General- Versammlung des landw. Kreisvereins — siehe Jn- seratentheil — machen wir nochmals besonders aufmerk- am. Die General-Versammlung der Zuchtgenoffenschafts- Mitglieder findet eine halbe Stunde vor der Kreisvereinsversammlung statt.
— Das Gclla- und Hydrasystem. Durch Urtheil des Reichsgerichts ist jetzt die Strasbarkeit des gewerbsmäßigen Vertriebes von Gutscheinen nach dem sogenannten Hydra- (Gella-, Schneeball-, Lawinen-) System aus § 286 Absatz 2 des Strafgesetzbuches und §§ 22 ff. des Reichsftempelgesetzes festgestellt worden.
Wächtersbach, 3. März. Seitens des Herrn Ministers wurde der hiesigen Geflügelzuchtanstalt eine einmalige namhafte Beihülfe zur Vervollständigung ihrer Einrichtung gegeben.
Hauau, 4. März. Der Oberpostsekretär Kempf von hier hatte, wie seiner Zeit mitgetheilt worden war, amtliche Gelder im Betrage von 1089,60 Mark unterschlagen. Die Geschworenen billigten dem Angeklagten mildernde Umstände zu, da er von seinen Schuldnern sehr bedrängt und seine Familie durch Krankheit schwer heimgesucht worden war. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete aus 9 Monate.
Hauau, 6. März. Die beiden Brandstifter Metzger Heinrich Horst und dessen Schwager Karl Kalbfleisch, beide aus Hellstem, wurden heute Nachmittag vom Schwurgerichte wegen Brandstiftung in 3 Fällen zu je 10 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte gegen Kalbfleisch 15, gegen Horst'12 Jahre Zuchthaus beantragt.
Frankfurt a. M., 6. März. In einer auf gestern Abend vom technischen Verein einberufenen Versammlung wurde die Errichtung einer dauernden Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Frankfurt einstimmig beschlossen.'
Mehr als 50 zum Theil sehr bedeutende Firmen haben bereits ihre Betheiligung zugesagt.
Friedberg, 5. März. Gestern Nachmittag 6 Uhr kam es zwischen auf der Straße von Dornheim nach dem Schwanheimer Brunnen lagernden Zigeunern zu einer großen Schlägerei; der patrouillirende Gendarm konnte allein nichts ausrichten und mußte in Dornheim Hilfe holen. Bald ertönte das Feuersignal, und im Nu war der ganze Ort auf dem Platze, aber die Zigeuner, die Spritze fürchtend, waren nach allen Winden zerstoben, und nur die Schwerverletzten waren noch zu finden.
Marburg, 4. März. Zur Vorsicht mahnt ein Unfall, der von hier zu berichten ist. Eine Frau in Weiden- hausen hatte ohne ärztlichen Beistand ein Bandwurmmittel eingenommen, wonach sie in Starrkrampf verfiel und, ohne das Bewußsein wieder erlangt zu haben, am Sonnabend Abend gestorben ist.
Schmalkaldeu, 1. März. Unsere Stadt strebt mächtig vorwärts. In dem außerordentlichen Etat sind ausgc- setzt: 80000 Mark für den Neubau eines Rathhauses, 123 090 Mark für Errichtung der Fachschule und 100 000 Mark für den Bau einer neuen Mädchenschule.
Wildungen, 4. März. Der Gemeinderath hat in seiner gestrigen Sitzung für das zu erbauende Schlachthaus wiederum 135,000 Mark bewilligt, womit die Stadt die erste Million Schulden erreicht hat. — Von den Schrecken des diesjährigen Winters liefert wieder ein grausiger Fund ein erschütterndes Beispiel. Oberhalb Wildungens wurde unter dem wegschmelzenden Schnee die Leiche einer alten Frau entdeckt. Die Frau war im vorigen Monat, als die fürchterlichr Kälte herrschte, in Wildungen gewesen und hatte am späten Nachmittag den Heimweg angetreten. Unterwegs ist sie anscheinend vom Wege abgerathen, hat in der Dunkelheit nicht weiter gekonnt und ist elendig im Schnee umgekommen. Man vermuthet, daß die Erfrorene eine Wittwe aus Bergfreiheit ist, welche schon seit mehreren Wochen vermißt wurde.
Auf Verwegener Hachn.
Kriminalnovelle von Gustav Höcker. (Fortsetzung).
„Ein neuer Mord?" frug Siglinde, wobei ihr die vorhin vernommenen Reden der Schreiber wieder entfielen, „Davon weiß ich noch nichts."
Doktor Volkmar reichte ihr eine auf seinem Pulte liegende Zeitung und deutete mit dem Finger auf die betreffende Notiz. Wie Siglinde daraus erfuhr, war gestern früh sechs Uhr in dem sogenannten Kastanien- wäldchen, welches unweit eines öffentlichen Konzertgartens lag, der vollständig entkleidete Leichnam eines Mannes aufgefunden worden. Der Tod war, genau wie bei der kurz vorhergegangenen Mordthat, durch Erwürgung von fremder Hand erfolgt, die ihr Opfer hinterrücks angegriffen hatte, etwa sieben bis acht Stunden vor der Auffindung eingetreten sein. Wer der Ermordete war, hatte man bis jetzt noch nicht ermitteln können, da sich nirgends eine Spur von einem der Kleidungsstücke, die er getragen, vorfand. Das einzige Kennzeichen war eine kürzlich erst geheilte Wunde auf dem oberen Theile des rechten Schulterblattes, welche von einem heftigen Schlage mit einem kantigen, wahrscheinlich hölzernen Instrumente herzurühren schien.
Kopfschüttelnd, und unter einem tiefen Seufzer gab Siglinde das Zeitungsblatt zurück.
„Die genaue Uebereinstimmung der Todesart in diesem wie in dem vorhergegangenen Falle könnte auffallend erscheinen," bemerkte der Anwalt.
„Ließe sich daraus schließen, daß der Mörder jenes unbekannten Mannes auch Ihre Tante erwürgt habe, so wäre dies ein günstiges Moment für ihren Vater, welcher um die Zeit, wo dieser zweite Mord begangen wurde, bereits verhaftet war. Doch glaube ich an keinen Zusammenhang; der zweite Thäter hat dem ersten nur in der Wahl des Mittels nachgeahmt, so etwas kommt oft vor, ein Verbrechen hat immer Ansteckendes. Im Uebri- gen, Fräulein Siglin — Fräulein Schönaich," verbesserte er sich . . .
„Nennen Sie mich getrost bei meinem Vornamen," bat das junge Mädchen; „wenn ich Ihnen damit eine besondere Gunst erweise, so besaßen gerade Sie ein altes Anrecht darauf."
„Ich danke Ihnen, Fräulein Siglinde," erwiderte er erfreut. „Ich wollte sagen, daß die Sache Ihres Vaters von heute ab die meinige ist. Was das Gericht als Jndicien auffaßt und durch die schwarze Brille an- sieht, das habe ich mich gewöhnt zunächst für das Zusammentreffen unglücklicher Zufälle zu nehmen und durch die Lupe zu betrachten. Schon oft bin dadurch zu vorher ungeahnten Resultaten gelangt und nicht selten kam es vor, daß statt des Untersuchungsgefangenen ein ganz anderer auf der Anklagebank Platz nahm. Für eines verbürge ich mich im Voraus: an Ihrem Vater soll kein Justizmord verübt werden. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort."
Siglinde hatte sich während seiner Rede erhoben, ergriff die Hand, die sich ihr mannhaft entgegenstreckte und verabschiedete sich mit dankerfülltem Herzen.
Oft genug hatten die vier Wände dieses Arbeitszimmers ihren Bewohner in tiefen Gedanken versunken gesehen, aber als Träumenden sahen sie ihn heute zum
ersten Male. Jawohl, der schneidige Jurist trä> Er versetzte sich um ein Jahr zurück, wo er auf Reise im Hochgebirge an einem nebligen Abende Gesellschaft von Herren und Damen begegnet war, sich in großer Bestürzung befunden. Sie hatten s die Entdeckung gemacht, daß eines der ihrigen, eine j Dame, fehle. Volkmar kannte Niemanden unter den flüglern, die sich in einer der Pensionen des im 5 liegenden Städtchens wohl auch nur zufällig aus schiedenen Gegenden Deutschlands zusammengefn hatten, doch wurde sein mit überlegener Geistesgegen gegebener Rath dankbar angenommen und ohne V< ausgeführt. Während einer der Herren mit den müdeten Damen den Nachhauseweg fortsetzte, kehrte» Uebrigen wieder um. Einer blieb aus dem Haupt» die anderen schlugen nach und nach die von dens sich abzweigenden Nebenpfade ein und jeder rief von zu Zeit mit lauter Stimme den Namen der Vermi Bald tönten nach den verschiedensten Richtungen hn Rufe: „Siglinde!" Auch Volkmar befand sich i den Suchenden. Wohl eine Stunde lang hatte er, in höher und höher steigend und durch geisterhaft ihn wallende Nebelwände schreitend, vergebens seinen ertönen lassen, als er eine schwache Antwort Dem Mit verdoppelter Eile bewegte er sich vorwärts näher und näher antwortete die Stimme seinem von zu Zeit wiederholten Rufe: „Siglinde!" bis er dunklen Gestalt ansichtig wurde, die auf einem am 5 liegenden Felsblocke saß. Es war die Vermißte. S mar erklärte ihr mit wenigen Worten sein Erschc an diesem Orte und Siglinde erzählte ihm, wie plötzlich einen werthvollen Schmuck vermißt und um diesen zu suchen, von der übrigen Gesellschaft getr habe. Während sie zurückging, war sie infolge des nehmenden Nebels von dem mehrfach durchkrer Hauptpfade abgeirrt und bei dem Versuche, die V des Hohlweges zu erklettern, um sich zu orientieren, I sie sich den Fuß verrenkt. Wohl war in einiger fernung ein schwvcher Lichtschein bemerkbar gewor welcher die Nähe einer menschlichen Wohnung ankünd aber ihr Hilferuf war ungehört verhallt, mit Mühe hatte sie sich bis zu der Stelle geschleppt, wo ihr fremde Retter erschienen war; weiterzugehen machte schmerzende Fuß ihr unmöglich. Trotz ihrer anst lichen Einwendungen mußte sie das Anerbieten Volkm sie bis zu dem vermutheten Hause zu tragen, in Richtung sie sich genau gemerkt hatte, annehmen, hob sie auf seine kräftigen Arme, hüllte sie in se Ueberzieher und erreichte mit seiner süßen Bürde, aus dem Nebel austauchenden Lichte folgend, bald kleines Bauerngehöft, das sich den späten Wände gastfreundlich öffnete. Was der schmelzende Wohl der Stimme und die schlanken Formen der Gestalt der Dunkelheit nur ahnen ließen, das fand Volkmar: weit übertroffen, als das hell lodernde Herdfeuer 5 lindes jugendfrisches schönes Antlitz beleuchtete,. sich ihren großen Engclsaugen spiegelte und das Wunders Gold ihres Haares beschien. Er machte es seinem dr frorenen Schützling bequem; die Bäuerin mußte L wandzeug herbeibringen, welches Volkmar in schu Streifen riß, um Siglindes Fuß kunstgerecht zu verbiü
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— Praktische Anleitung zum Vorrichten und Schä von Sägen. Die Handsäge ist eines bon denjeni Werkzeugen, welches in der Regel von demjenigen t gerichtet und geschärft werden muß, der die Säge brar und doch kommt es sehr häufig vor, daß damit g gedankenlos und ohne alles Verständniß verfahren w Bei Säger» maschineller Art trifft man dies wen häufig, weil hier mehr Aufsicht ist, auch meistens Schärfen geschulten Arbeitern obliegt. Beim Vorriö einer Säge gilt nach der „Zeitschr. für Werkzeugm. Werkzeuge" als erste Bedingung, nachzusehen, in welö Zustande sich die Zähne befinden, da durch stcllenwe Auftreffen der Säge apf Steine, Nägel oder S während der Arbeit die Zähne stumpfer werden und Spitzhöhe solcher Zähne hinter den verschont gebliebe zurückbleibt, weshalb ein leichtes Abstößen letzterer einer feinen Schlichtfeile Bedingung ist. Hierauf nir man das erfordereiche Schränken vor, wobei leicht gleichheiten dadurch entstehen, daß das Sägeblatt meid und härtere Stellen hat und die letzteren wieder n zurückspringen. Zur Beseitigung dieser Ungleichhe bedient man sich am besten zweier runder, harter St stäbchen. Man nimmt ein Holzklötzchen, worein i zwei Löcher dicht nebeneinander bohrt und die Stäbl hineinsteckt; die oberen Enden derselben behält man der linken Hand, während man mit der rechten die S rückwärts, dem Stoße nach, durchzieht und ihr so Gleichmäßigkeit wiedergiebt. Man wird mit einer vorgerichteten Säge allezeit einen geraden und gla Schnitt machen können. Sägen, welche starke Hö quer durchschneiden sollen, müssen, zumal wenn das £ filzig oder nicht trocken und verwachsen ist, sehr » geschränkt werden. Bei allen weit geschränkten Sä lasse man jeden dritten Zahn ungeschränkt, d. h. wird ein Zahn rechts, einer links geschränkt und dritte Zahl» bleibt gerade stehen, und so wird der gar Länge nach verfahren. Schränkt man den dritten Z