lehrer, auch wenn dieser im Gehaltsverhältniß zu Jenem bedeutend höher steht.
* — Ist eine Zeitungsexpedition verpflichtet, für Inserate Belegenummern abzugeben Eine bemerke ns- werthe Entscheidung hat das Landgericht in Plaucn im Voigtland über Zeitungsbelegexemplare für Anzeigen getroffen. Der Aufgeber einer Annonce hatte nämlich aus dem Grunde, weil er keine Belege erhalten, die Bezahlung der betreffenden Annonce verweigert. Seitens des Amtsgerichts war ihm hierin Recht gegeben worden. Das Landgericht Plauen verwarf das erstinstanzliche Urtheil und verurtheilte den Beklagten zur Zahlung. In den Urtheilsgründen hieß es u. a.: Sich die Möglichkeit zur Prüfung des Auftrages zu verschaffen ist im vorliegenden Falle Sache des Bestellers. Die Leistung des Verlegers erschöpft sich in der Drucklegung der Anzeige und der Verausgabung der jeweiligen Auflage, da hiermit wirthschaftlich derjenige Erfolg herbeigefiihrt ist, dessen Erreichung die unmittelbare Veranlassung zum Vertragsabschlüsse für den Besteller bildet.
* — Ueber die Verwendung weiblicher Personen im Eisenbahnfahreienst hat sich neuerdings der Minister der öffentlichen Arbeiten in einem Erlaß an die königlichen Eisenbahn-Direktionen ausgesprochen und dabei bemängelt, daß die Einstellung weiblicher Personen, namentlich für die Fahrkartenausgabe und den Telegraphendienst, nicht in dem erwünschten Umfange vor sich gegangen sei und in einzelnen Direktionsbezirken Frauen überhaupt noch nicht beschäftigt werden. Es soll bei den Verwaltungen künftig auf eine vermehrte Einstellung von Hülfs Fahrkarten- ausgeberinnen Bedacht genommen werden.
Orb, 6. Febr. Der hiesige „Bezirksbote" bringt in seinen Spalten folgende Notiz: „Leerer Raum zur gefl. Verfügung für denjenigen, der einen Artikel zu schreiben verstehen will, der allen Leuten recht ist." Nun folgt ein leerer, für etwa 10 Zeilen ausreichender Raum. Ob sich der Hexenmeister nun wohl melden wird, der die große Kunst versteht, es allen Leuten recht zu machen?
Vom höheren Vogelsberg. Ein gesunder Wintersport tritt jetzt in sein Recht — es ist dies das Skioder Schneeschuhlaufen. Dieser Sport hat sich fett einem Jahrzehnt hier oben eingebürgert. Vor drei Jahren hat die Forstbehörde jedem Forstwart der Großh. Oberförsterei Grebenhain ein Paar Schneeschuhe zur Verfügung gestellt; nun versehen diese Beamten bei hohem Schnee ihren Dienst auf „Ski."
Fulda, 2. Febr. Gestern Nachmittag fand im Saale der „Harmonia" hierselbst eine Versammlung zwecks Errichtung eines Getreidelagerhauses in Fulda statt, zu welcher alle Landwirthe des Kreises Fulda eingcladen waren. Das Wort erhielt zuerst Herr Verbandsdirektor Rexerodt-Cassel, welcher einen interessanten Vortrag über Gründung von Kornhausgenossenschaften hielt. Redner hob besonders die hohe Bedeutung in wirthschaftlicher Beziehung hervor. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Debatte, aus welcher zu ersehen war, daß alle Hörer durch die klaren Ausführungen des Herrn Rexerodt von dem Nutzen der Genossenschaften überzeugt waren. Eine vorläufige nicht bindende Erklärung ergab das erfreuliche Resultat, daß bereits 30000 Centner gezeichnet wurden, und gingen namentlich die größeren Landwirthe mit gutem Beispiel voran. Da das Minimum der Zcich nung 200 Centner beträgt, so empfiehlt sich der Zusammenschluß mehrerer kleiner Landwirthe, welche zu- ammen einen Antheilschcin erwerben können, welcher auf 20 M. bemessen ist. Das Lagergeld pro Centner und Jahr beträgt 20 Pfg.; außerdem muß sich jeder Theil- nehmer zu einer Haftsumme von 200 Mk. verpflichten. Die Angelegenheit wurde schließlich einer Kommission vou 8 Mitgliedern übergeben, welche weitere Schritte einleiten soll. Das Unternehmen ist, dem Verlaufe der Versammlung nach, als gesichert zu betrachten.
Gelnhauscu, 6. Februar. Die letzte Sitzung der Stadtverordnetenversammlung beschloß den Bau eines städtischen Elektrizitätswerkes. Das Werk, dessen Kosten auf etwa 180000 Mk. veranschlagt sind, wird westlich vom Schlachthaus errichtet. Die Arbeiten sollen so gefördert werden, daß das Werk am 1. Oktober ds. Js. in Betrieb gesetzt werden kann. Die Anzahl der angemeldeten Lampen beträgt bereits 1200.
Cassel, 5 Februar, feilte früh 7 ’/a Uhr fand im Hole des Landgerichtsgefängnisses in Gegenwart der vorgeschriebenen Zeugen die Hinrichtung des Mädchen mörders Kutscher Friedrich Assauer durch den Scharfrichter Reindel jr. aus Magdeburg statt, welcher bereits gestern Mittag 4,30 Uhr hier eingetroffen war. Assauer hatte bekanntlich im April v. I. seine Geliebte, die ledige Anna Volkwein, in einem Gehölze unweit Arolsen durch Erwürgen ermordet und war im November v. I. durch Erkenntniß des Schwurgerichts dahier zum Tode ver- urtheilt worden. Nachdem Seine Durchlaucht Fürst Friedrich von Waldcck und Pyrmont es abgelehnt hatte, von seinem landesherrlichen Vorrecht der Begnadigung Gebrauch zu machen, wurde vom hiesigen Königl. Oberlandesgericht die alsbaldige Hinrichtung des Assauer am Sonnabend angeordnet und in der angegebenen Weise heute früh vollzogen.
Hanau, 2. Februar. Von einem hartnäckigen unglückseligen Geschick wurde im Nachbarorte Klein-Wolz heim das Töchterchen eines Landwirths verfolgt. Voi 3 Jahren stürzte das im 7. Lebensjahre stehende Mäd
ihr gestellten Bedingungen erfüllt werden. Ge'uchc um Bücherzuwendungen sind zu richten an die Kanzlei der Gesellschaft für Volksbildung, Berlin NW., Lübecker- Straße 6.
* — Ein Gesetzentwurf über Einrichtung von Brieffächern auf den Postämtern wird dem Bundesrath des Deutschen Reiches demnächst zugehen. Die Fächer werden in einer Wand angebracht und sind nach dem Dienst- raume hin offen, um die Sendungen hincinlegen zu können, nach der Vorhalle verschlossen und mit einem Schlüssel zu öffnen, der den Abholern eingehändigt wird. Dem Publikum erwächst daraus der Vortheil, daß es beim Abholen nicht auf die Abfertigung durch den Beamten zu warten braucht und seine Sendungen während des Dienstschlusses in Empfang nehmen kann. Die Gebühr für die Bereitstellung der Fächer soll ganz niedrig bemessen werden und lediglich die Selbstkosten der Post Verwaltung decken.
* — Unbestellbare Postsendungen. Vom kaiserlichen Postamt erhalten wir folgende Zuschrift: In auffälliger Weise haben sich in den letzten Jahren die Fälle vermehrt, in denen der Post zur Beförderung übergebeue Briefsendungeu wegen Mangels der Aufschrift nicht an den Adressaten haben bestellt werden können. Diese Mängel bestehen vornehmlich darin, daß die Aufschrift vollständig fehlt, daß der Name des Bestimmungsortes oder dessen zusätzliche Bezeichnung fortgelassen wird, oder daß die Wohnung des Adressaten nach Straße und Hausnummer, Vorder- oder Hinterhaus, Stockwerk rc. nicht näher bezeichnet ist. Es liegt im eigensten Interesse des Publikums, .den Empfänger stets so genau wie möglich anzugeben, weil die Postanstalten trotz aller Mühe und Heranziehung aller zu Gebote stehenden Hülfsmittel nicht immer im Stande sind, Verabsäumungen des Absenders wieder gut zu machen und den richtigen Empfänger zu ermitteln. Bei Postkarten empfiehlt es sich, immer erst die für die Aufschrift bestimmte Seite auszufüllen. Wie oft es — besonders bei Postkarten — vergessen wird, die Adresse zu schreiben, geht daraus hervor, daß in dem letzten Jahre allein 150000 Postkarten, zum größten Theil Ansichtspostkarten, ohne Aufschrift zur Post eingeliefert sind. Um ferner Briefsendungen im Falle der Unbestellbarkeit den Auslieferern ohne Verzug zurückgeben zu können, ist es durchaus erforderlich, daß der Absender sich auf oder in den Sendungen namhaft macht. Daß dieses vom Publikum meistens unterlassen wird, beweist der Umstand, daß im Jahre 1899 mehr als zwei Millionen unbestellbare Briesendungen behufs Ermittelung der Absender postseitig geöffnet werden mußten. Nur bei weniger als der Hälfte gelang es, die Absender aus dem Inhalt der Sendungen zu ermitteln, während über eine Million Briefsendungen der Vernichtung an-" heimfielen, weil die Eröffnung ergebnißlos blieb. Und wie gering ist die Mühe für den Absender, wenn er sich auf der Rückseite des Briefes deutlich namhaft macht. Auch bei Drucksachen, Geschäftspapiercn und Waaren- proben ist die Angabe des Absenders nothwendig, weil diese Arten von Sendungen in ihrem Inhalte noch weniger Anhalt zur Ermittelung des Absenders bieten, als Briefe und Postkarten. Dem Publikum kann hiernach nicht dringend genug ans Herz gelegt werden, auf die Ausfertigung der Adressen die größte Sorgfalt zu verwenden und niemals zu unterlassen, den Absender auf den Sendungen anzugeben. Hat das Publikum begründeten Anlaß zu Beschwerden über Unregelmäßigkeiten in der Beförderung oder Bestellung von Postsendungen, so wende es sich im eigensten Interesse stets an die zuständige Postanstalt. Das ist diejenige Dienststelle, welche in erster Reihe berufn ist, Unregelmäßigkeiten des Betriebsdienstes zu untersuchen und zu beseitigen. Ist sie hierzu ausnahmsweise außer stande, so gelangen Beschwerden selbstredend an die höhere Instanz. An die letztere soll sich das Publikum beschwerdeführenden erst dann wenden, wenn es mit der Entscheidung der Postanstalten nicht einverstanden ist. Auch alle Mittheilungen über Aenderungen von Wohnungen, das Ausbleiben von Zeitungen, Anträge auf Nachsendungen, Anfragen über den Verbleib von Postsendungen n. s. w. gehören nicht zum Geschäftsbereich der Ober-Postdirektionen, sondern zu demjenigen der betheiligten Postanstalten.
* — Wie man bei Gerichts Behörden über die soziale Stellung der Volksschullehrer denkt, beweist eine Entscheidung des königlichen Landgerichts zu O. Man schreibt darüber: Zu einem Strafprozeß bei dem erwähnten Langericht waren unter Anderen ein Amtsgerichtsassistent und ein Volksschullehrer als Zeugen geladen, und sie benutzten eine Rückfahrkarte zweiter Klasse. Während dem Gerichtsbeamten die Kosten für die Eisen- bahniarkarte anstandslos gewährt wurden, hatte man seitens der Gerichtskasse sich geweigert, dem Volksschullehrer gegenüber in gleicher Weise zu verfahren. Au eine Beschwerde des betreffenden Lehrers erkannte das zuständige Landgericht, daß der Anspruch des Antragstellers auf Benutzung der zweiten Wagenklaffe nicht anerkannt werden könne; vielmehr sei das Gericht der von seinem Vorsitzenden vertretenen Ansicht beigetreten, daß für einen Zeugen in der Lebensstellung des Antragstellers (Volksschullehrers) die ihm zugebilligte dritte Wagenklasse durchaus angemessen ist. Hier ist also aus- pesprochen, daß ein Militäranwärter in sozialer Beziehung einen viel höheren Rang einnimmt als ein Volksschul
chen bei munterem Spiel mit dem linken Auge in ei Holzsplitter und verlor das gauze Sehvermögen die Auges. Vor 2 Jahren wiegte der Vater dasselbe K auf seinen Armen, wobei eine am Rock des Va steckende Nadel das rechte Auge des Mädchens quer du riß und die Linse schwer beschädigte. Aerztlicher K gelang indessen die Erhaltung eines Theiles der <s kraft. Vor 6 Monaten rannte das Kind mit demse Auge in eine Thürklinke, sodaß das Sehvermögen a mals starke Einbuße erlitt. Vorgestern endlich stieß Kleine mit dem rechten Auge an die scharfe Kante e Stuhllehne und zerstörte dadurch das Augenlicht i ständig. Auf beiden Augen ist das Mädchen jetzt s blind.
Frankfurt a. M., 4. Febr. Der Fortbestand hiesigen Bankhauses M. A. v. Rothschild und Sühn gesichert. Baron Armand v. Rothschild, Sohn des 23a Edmund v. Rothschild und Enkel des verstorbenen Ba Willy v. Rothschild dahier, siedelt hierher über und ü nimmt die Leitung des Hauses.
Marburg, 6. Februar. Der landwirthschaftliche Ve hat beschlossen, Anfangs März einen Frühjahrssaa markt abzuhalten.
Felsberg. 1. Febr. Eine gerade nicht beson erfreuliche Kaiser Geburtstags-Ueberraschung wurde le Montag früh 6 Musikanten zu Theil, die auf ei hierselbst abgehaltenen Balloergnügen ihre lustigen W hatten ertönen lassen. Am fraglichen Morgen g 4 Uhr, als die Festlichkeit ihr Ende erreicht, begi sich die sechs lustigen Neustädter Stadtmusikanten dem nahegelegenen Bahnhof Gensungen, um mit 6.58 Uhr dortselbst abgehenden Personenzug 774 Heimreise nach Neustadt M.-W.-B. anzutreten. 5 diesmal hatten dieselben die Rechnung ohne den A gemacht, denn kaum hatten sie unserer Stadt den Ri gedreht, so merkten sie auch schon gar bald, daß fast bis über die Knie im Wasser wateten. In betreffenden Nacht war unglücklicherweise in Folge Hochwassers die Edder über ihre Ufer getreten wegen der großen Dunkelheit, die gerade herrschte, hi die Musikanten ihre verhängnißvolle Lage nicht ft mahrnehmen können. Der Weg zum Bahnhof war il gänzlich abgeschnitten und unsere Stadt konnten auch nicht mehr erreichen, da das Hochwasser schon gri Dimensionen angenommen hatte. Was nun mad In ihrer Verzweiflung erklommen sie einen Bergab und hofften in einem hochgelegenen Garten Schu finden. Aber kaum hatten sie diesen unter den gri Anstrengungen erreicht, so wuchs auch schon das W zusehends. Ihre Hilferufe konnten nicht üernou werden, da Alles noch im „festlichen" Schlummer Die drei jüngeren von ihnen kamen auf die gute j auf die Bäume zu klettern, was ihnen auch ge Die drei älteren dagegen mußten wohl oder übl im Wasser watend der Dinge harren, die da ton werden Endlich gegen 8 Uhr wntdcn die von den den Bäumen sitzenden Musikanten abgegebenen 5 fignale vernommen, aber dennoch hatte nicht ein Ein den Muth, zu helfen. Als die Gefahr immer droh wurde, entschloß sich der Sohn des hiesigen Landlv Schäfer, der bei dem Artillerieregiment in Cassel gel den Bedrängten zu Hilfe zu eilen. Nach kurzer U legunz sattelte er die beiden Pferde seines Vaters holte nun einen nach dem anderen aus den Flu Die Freude der Geretteten war grenzenlos, ebenso auch die Anerkennung über das kühne Vorgehen 'Schi Nachdem die Musiker ihre Kleider getrocknet', unt Hochwasser gefallen war, traten sie ihre etwas joerss Heimreise an, an die sie wohl noch gar mandyntal einem gewissen Frösteln zurückdenken werden. ’
Malsfeld'.(Kreis Weisungen), 2. Febr. Ä>rr ’ glauben treibt auch noch im 20. Jahrhundert feine W In einem unserer Nachbarorte befindet sich tein „Hexerei" verdächtige Frau, die selbst an ihre M Künste zu glauben scheint und halbwüchsige 207Jäb die Zauberei einzuführen sucht. Eines dieser W ist darüber vom Gericht vernommen worden, an, mit den teuflischen Geheimnissen vertraut ■ Das Aergstc aber ist, daß selbst sonst verständige DM dadurch zu der Meinung gelangten, es könnte doch I Wahres" dran sein!
Vermischtes. 1
— Eine Offenherzige. „Wird die Putzmacherr aber auch dafür Sorge tragen, Lisette, daß die ai Damen nicht auch gleich wieder genau denselbei tragen?" — Gewiß, gnädige Frau, da können Su ruhig sein, die anderen Damen haben den Hut g und einstimmig gesagt: „So 'ne Kiepe kann 'ne feine überhaupt nicht aufsetzen."
— Kasernenhofblüthe. „Meier, Sie Faulthie- müßten Ihren Namen eigentlich mit einem faulen schreiben!"
Kirchlicher Anzeiger für Schlächter, Sonntag, den 10. Februar 1901.
Vormittagsgottesdienst: Herr Cand. Meyer Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl Wochendienst: Herr Superintendent Orth.
Katholischer Gottesdienst.
Am Sonntag, den 10. Februar, Bonn. '/»lO