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Schlüchterner Zeitung
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 9. Februar 1901
52. Jahrgang
No^Klil»kertl>^ "^ ^ „Schlüchterner Zeitung" DklLkuUsWkkL werden noch fortwährend von allen fc-------------- ~ Postanstalten und Landbriesträgern, ) sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Februar. Der Kaiser 18 Uhr mittelst Extrazuges in Homburg i trug Marine-Uniform. Um 11 Uhr Xnach Schloß Friedrichshof.
8 — Prinz Heinrich von Preußen
traf ein. fuhr
heute früh Der Kaiser der Kaiser
vom König
ist
$ Eduard ä la suite der englischen Flotte gestellt worden.
— Der „Reichs-Anz." hatte Montag eine Bekannt- lmachung wegen Verlängerung der Hoftrauer auf sechs Monate veröffentlicht. Diese Ansage ist durch eine am folgende Tage veröffentlichte wieder aufgehoben. Der -Hof soll danach nur zwei Monate trauern, die kaiserliche (Familie dagegen einen Monat länger.
— Die Aufnahme einer deutschen Anleihe im Vorjahre in Nordamerika hat den Ucbermuth der Jankee's gewaltig geweckt. So schreibt die Newyorker „Times", im deutschen Reiche stehe ein finanzieller Krach vor der Thür, deshalb sollten in wenigen Wochen wieder 600 Millionen Mark Reichsanleihc in Amerika ausgenommen werden. Natürlich ist das Unsinn, aber daß die Jankee's sich zu solcher Auffassung ausschwingen würden, war zu erwarten.
. — Ueber den Fcldtclcgrammverkchr mit China wird geschrieben, daß seit Ende Januar von unseren Kriegern 3700 Schlüsseltelegramme nach Deutschland befördert wurden. Hierfür sind insgesammt 15000 Mk. an Gebühren erhoben worden, während die Beförderungsgebühren bei Anwendung der gewöhnlichen Taxe 213000 M. betragen haben würden.
L Aus Thüringen. Einen Schneewolkenbruch, diese schr seltene Naturerscheinung, hatte Fabrikbesitzer Florschütz aus Eisfeld (Thüringen) am Sonnabend zu beobachten Ge. legenheit. Auf einer Fahrt von Neustadt bei Koburg überraschte ein orkanartiger Schneesturm, verbunden mit einer elektrischen Entladung, das Geiährte. Als der Flockenwirbel am stärksten war, trat plötzlich eine merk würdige Stille ein. und mit Schrecken gewährten die Insassen etliche hundert Schritte von sich entfernt eine ungeheure feste Schneemauer, welche mit unheimlicher Schnelligkeit auf das Geiährte zugeschoben kam. Die Pferde wurden unruhig, zitterten, senkten die Köpff und waren nicht weiter zu bewegen; an ein Ausweichen war ucht zu denken. Der Luftdruck, welchen diese übernatür-
.iche Erscheinung ausübte, preßte Wagen und Insassen Ärmlich zusammen; letzteren benahm er aus Augenblicke sie Luft. Es ward stockfinster und jeder hielt seine letzte Stunde für gekommen. Plötzlich wurde es wieder hell Wie von unsichtbarer Hand regiert, hob sich die Mauer Mb verschwand ebenso schnell, als sie gekommen war.
Aus Sachsen. Von der Erde vcrschlun en. Ein schreck- ichcrUnglÄcksfall ereignete sich in der Nähe der Domsdorfer preßkohlemfabril bei Liebenwerda. Ein junger Mann tus Preschwitz, welcher mit dem Werksgeschirr beim Kies- ahren beschäftigt war, versank plötzlich sammt den beiden Pferden und dem Wagen in die Tiefe, so daß nichts nehr zu sehen war. Wahrscheinlich war das Geschirr 'em vorn Bergbau unterhöhlten Gelände zu nahe ge- ommen. Mann und Rosse fanden einen plötzlichen Tod.
Darmstadt, 6. Februar. Mit dem Absatz der Hess, iandeslotterieloose muß es schlecht stehen. Nachdem chon auf verschiedene Umstände, die mit dem Vertrieb er Loose verbunden sein sollen, aufmerksam gemacht wrder, ist, meldet jetzt sogar die „Frks. Ztg.", von W Lotteriecollcctcur sei ein Rundschreiben au sämmt- iche Polizeidiener der hessischen Landgemeinden versendet, ’U der Aufforderung, den Vertrieb der Loose gegen eine ’ covision zu besorgen. Das Rundschreiben behauptet, ' 1 sti mit Genehmigung der Landes Lotterie-Direktion । seichet worden. Es fällt schwer, das zu glauben. I - diese Erscheinungen sollen davon kommen, daß der • ineb der Loose hinter den Erwartungen zurückstcht s 1 die Collecteure ihre Loose kaum absetzen können.
, Germersheim, 31. Jan .In dem Konkurs der Rhcini- y N Zuckerfabrik sind über 4000 Gläubiger vorhanden, »bis Fabrik verarbeitet trotz des Konkurses die ailgeiahre- l»^ Rüben weiter. Nicht allein die Landwirthschaft in ^b und in Rhcinhesscn, sondern auch zahlreiche vorder- 5* Landwirthe erleiden durch den Zusammenbruch
...............„„) alle „Telegraphisten und Zahnkünstler" berufen hat, wird
— Zuckerfabrik große Verluste. Im Bezirksamt Franken- jetzt vom Kriegsamt au geklärt. Es grassirte nämlich
thal sind insgesammt Forderungen inHöhe von 160000 Mk. davon 30000 in einem Orte, angemeldet, Im Bezirk Ludwigshafen dürfte es sich um eine ähnlich hohe Summe handeln. Hier steht Kohl mit 40000 Mark obenan. Die Gesammtschulden der verkrachten Fabrik sollen sich auf 3 Millionen Mark belaufen, denen 1 Million Mark Aktiva gegenüberstehen. Die Million Aktiva soll in der Fabrikanlage und Einrichtungen bestehen, aus die jedoch eine Bank eine Hypothek von 1 Million geltend macht.
Ausland
Holland. Gestern, Donnerstag, fand im Haag die
Hochzeit Heinrich gäbe des nennung Prinzen
der Königin von Holland mit dem Herzog von Mecklenburg statt. Eine besondere Aus- „Holländischen Staatsblad" macht die Erbes Herzogs Heinrich von Mecklenburg zum Heinrich (Hendrik) der Niederlande bekannt.
Dieser Titel stammt vom Bruder des Königs Wilhelm III. her, der als Prinz der Niederlande sich besonders populär und verdient gemacht hat. Durch Uebertragung dieses Titels wird der mecklenburgische Prinz recht eigentlich zum holländischen Fürsten gemacht und seine Volksthüm- lichkeit vermehrt.
Rußland. In Baku entstand am Dienstag ein Brand in den Lagern der „Kaspisch Schwarzmeer-Gesell schaff" (Rothschild), welche sechs Millionen Pnd Petroleum enthalten. Der Brand erfaßte außerdem noch drei Lager mit einem Rauminhalt von zwölf Millionen Pud. Während der Löscharbeiten ergoß sich das Naphtha lava, artig und überschwemmte die Arbeiterwohnungen. Es fingen dann die Häuser an zu Brennen, die schließlich gänzlich zerstört wurden. Bei der schrecklichen Katastrophe kamen viele Menschen ums Leben. Bis jetzt sind zwanzig verkohlte Leichen auf der Brandstätte hervorgezogen worden. Ueber fünfzig Personen erhielten schwere Brand
wunden. Vierhundert Arbeiterfamilien verloren ihre I ganze Habe. Der Brand der Lager dauert noch fort. Die benachbarten Lagerreservoirs sind in großer Gefahr. Es herrscht eine allgemeine Panik. — Am Sonntag wurden in Balachani vier Fontänen der Firma Melikoros, zwei der „Kaspisch-Schwarzmeer-Gesellschaft" und zwei, Rilski Erben gehörend, ein Raub der Flammen.
London. Die Opfer der Londoner Trauerfeier sind überaus zahlreich gewesen. Im Ganzen wurden gestern 1305 Personen in den Spitälern verpflegt, die während des Trauerzngcs einen Unfall erlitten haben. Auch eine Sabbathfeier nach englischer Bigotterie! Zwei Personen wurden durch Hufschläge schwer verletzt. Sie sind den ungeberdigen Pferden, welche die Sarglafette nicht ziehen mochten, zu nahe gekommen.
London, 6. Februar. In London ging heute Nachmittag eine nicht amtliche Mittheilung ein, wonach die unter dem Kommando des Obersten Blanke stehenden Buren Lorenzo-Marques bedrohen. Die portugiesische Behörde bat um Unterstützung durch englische Truppen. Wie es weiter heißt, erhielt das in Südafrika stotionirte englische Geschwader telegraphischen Befehl, sofort nach Lorenzo Marques abzugehen. Britische Truppen sind in Eilmärschen nach der portugiesischen Grenze unterwegs. Es heißt, daß das Burenkommando durch die irische und amerikanische Brigade verstärkt ist. Etwa 2000 Buren unter dem Befehl des Obersten Blanke befinden sich auf portugiesischem Gebiet, wie man annimmt zu dem Zwecke, die auf diesem Gebiete befindlichen Buren zu be reien. Die Portugiesen haben beschlossen, die auf portugiesischem Gebiet anwesenden Buren, welche sich weigern, sich den Engländern zu ergeben, nach Madeira zu senden. — Die Aussichten der Buren hält der Generalkonsul des Oranje- taats in Newyork nach einem Telegramm des „B. T." ür sehr günstig, da wieder 25000 Mann im Felde künden, wovon 8000 in der Kapkolonie. Die englischen Truppen seien demoralisirt, deshalb sei der Gurillakrieg so erfolgreich. Munition und Lebensrnittel seien durch Ab- angen englischer Transporte genügend vorhanden. ' Die englischen Verluste seien enorm, die halbe Armee sei ge- 'allen, verwundet, krank oder gefangen. General Dc Wct erbeutete in einer Woche 2u00 Pferde, 100 000 Rinder und machte 6000 Gefangene. Die englische Weltmacht ei in ihren Grundvesten erschüttert. England müsse Frieden schließen, um seinen finanziellen Ruin abzu- wcnden. — Die Anfangs unverständliche Meldung, daß Kitchener ans den in Natal befindlichen Flüchtlingen
unter den englischen Soldaten eine furchtbare Zahn- und Kieferkrankheit, die als Folge der verschiedenen klimatischen Krankheiten angesehen wird. Die Mannschaften verlieren zu vielen Hunderten ihre ganzen Gebisse, wobei sie theilweise kaum fähig sind, irgendwie Nahrung zu sich zu nehmen.
Kuba. Kubanische Frauen als Mitglieder der Steuer- einschütznngskommission. Die auf Kuba vorgenommene Steuer-einschätzung hat den Frauen der Insel ein ganz neues Arbeitsfeld eröffnet. Man hat sich gewöhnt, die spanischen Frauen als träge und verträumte Personen anzusehen, die ohne Energie sind und sich vor jeder Arbeit scheuen. Die Ankündigung, daß 85 Kubanerinnen zu Mitgliedern der Steuereinschätzungskommission ernannt worden waren, erregte im Lande selbst wie überhaupt auch in Amerika allgemeines Erstaunen und ernste Zweifel, ob diese Frauen die Aufgabe erfüllen könnten, die man ihnen gestellt. Die Resultate ihrer Arbeit aber übertrafen selbst die Erwartungen der Steuerbehörde, welche das Vertrauen zu den Frauen gehabt hatte, daß sie werthvolle Dienste leisten würden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 8. Februar.
* — Den Förstern Hellwig zu Hausen, Oberförsterei Salmünster, und Reiche zu Thalhof, Oberförsterei Marjoß, wurde das goldene Ehren-Portepse verliehen.
* — Dem berittenen Gendarmen Augustin zu Sterbfritz wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
* — Freitag, den 15. Februar verunstaltet das Musikkorps der Fuldaer Artillerie im Hotel Stern dahier ein großes Streichkonzert, was Musikfreunden zur Nachricht dienen.
* -- Da die Bewilligungen des Landtages fürNeben- kurse an Seminaren und die Aufforderung der Regierung an die Lehrer um Einzelausbildung von Präparanden den gewünschten Erfolg nicht gehabt haben, will man jetzt die Präparanden-Anstalten vermehren und zwar in der Weise, daß man Städte zur Errichtung derselben zu gewinnen sucht und ihnen eine gewisse Verzinsnng des Anlagekapitals gewährleistet.
* — Die kleinen silbernen 2EPfennigstücke werden jetzt viel ach im öffentlichen Verkehr nicht mehr in Zahlung genommen mit der Begründung, daß diese Geldsorte bereits außer Kurs gesetzt worden sei. Letzteres ist indessen nicht der Fall. Die silbernen 20Pfennig- stücke dürfen nach dem Gesetz vom 13. Juni 1900 nicht
vor dem 1. Januar 1902 und die Nrckel-20-Pfcnnig« stücke nicht vor dem 1. Januar 1903 außer Kurs gesetzt werden. Anders steht es mit den goldenen 5-Mark- stückeu. Diese sind seit dem 1. Januar d. Js. für den allgemeinen Verkehr außer Kurs gesetzt, werden aber bei den Staatskassen noch bis zum Jahresschluß angenommen.
* — Vor Zuzug wird gewarnt. Der „Arbeiter" schreibt: Wir haben schon vor längerer Zeit die Arbeiter auf dem Lande und in den kleinen Städten dringend gewarnt, die großen Städte aufzusuchen. Diese Warnung muß immer wiederholt werden. In den großen Städten sieht es mit der Arbeitsgelegenheit traurig aus. Seit vielen Jahren hat es nicht soviel Arbeitslose gegeben, wie gerade jetzt. Die Wärmestube in München ist Heuer am besten frequentirt, seit sie besteht. In Nürnberg wird die Wärmstube täglich von über 300 Personen benutzt. In Berlin werden in die Asyle täglich über 3000 obdachlose Personen für die Nacht ausgenommen. Das sind Ziffern, die jeden Arbeiter abhalten sollen, die großen Städte aufzusuchen.
* — Im verflossenen Jahre hat die Gesellschaft für Volksbildung im ganzen Reiche 644 Bibliotheken mit 31440 Bänden begründet und unterstützt. Auf Hessen- Nassau entfallen davon 25 Bibliotheken mit 1476 Bänden. Im Jahre 1899 wurden in Hessen-Nassau 16 Bibliotheken mit 717 Bänden. 1898 5 Bibliotheken mit 220 Bänden von der Gesellschaft begründet. Die Bibliotheken erfreuen sich größtentheils nicht nur einer lebhaften Benutzung, sondern werden auch von den betreffenden Vereinen, Gemeinden und sonstigen Körper- chaitcn aus eigenen Mitteln uud durch Schenkungen von bildungsfreundlichen Personen fortlaufend vergrößert. Die Gesellschaft für Volksbildung wird im neuen Jahre ihre Arbeit in der bisherigen Weise fortsetzen. Sie gewährt für jede neubegründete Bibliothek 50 (auf dem Lande) bezw ICO Bände (in der Stadt), wenn die von