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Hsukung ein wüthender Fremdenhasser war. Sein Vater, ein früherer Großsekretär, hatte sich in Fremdenfeindlich­keit dermaßen hervorgethan, daß er beim Einzug der verbündeten Truppen keinen anderen Ausweg sah, als den Selbstmord. Sein ebenbürtiger Sohn wird die un­verdiente Ehre haben, von einer ehrlichen Kugel nieder­gestreckt zu werden.

Lokale- und Provinzielles.

_ * Schlüchteru, 5. Februar.

* Dem Herrenhause ist ein Gesetzentwurf zugcgan- gen, welcher einzelne Gemeinden und Gutsbezirke anderen Amtsgerichten zutheilt. Es handelt sich dabei um Theile der Kreise Westcrnburg, Wongrowitz, Schlüchteru und Altenkirchen.

* Ihre Majestät Kaiserin Augusta Viktoria läßt auch während des Allerhöchsten diesmaligen Aufenthaltes in Homburg v. d. H. den hiesigen Bäcker Wilhelm Weitzes jun. mit der Lieferung des Frühstücksgebäcks beauftragen. Das Gebäck wird jeden Morgen um 5 Uhr 20 Minuten mittels des V-Zuges von Elm nach Hom­burg gesandt.

Eine weitere Erhöhung der Papierpreise steht in Aussicht. In verschiedenen Zweigen der Papierfabrikation, besonders bei der Herstellung holzfreien Schreib- und Druckpapiers, sollen, nach Angabe der Fabrikanten, die Rohstoffe so knapp und so theuer sein, daß eine aber­malige Preissteigerung der Produkte erforderlich erscheint, falls nicht mit Verlust gearbeitet werden soll. Die Fabrikanten der einzelnen Gruppen wollen deshalb in nächster Zeit in Berlin eine gemeinsame Versammlung abhalten, um über- eine Neuregelung der Preise, nament­lich für holzfreie Papiersorten, zu berathen.

* Theatertrophon. Die in dieser Nummer an­gezeigte Vorführung des Theatertrophons, welche am Freitag Abend stattfinden soll, scheint nach dem vor­liegenden Programm eine recht interessante zu werden. In demselben ist u..A. enthalten ein Vortrag des Neeb- schen Männerchors in Frankfurt,Juchheisa meinDiandl", ferner Gesangsvorträge von H Heinreich:Die lachende Familie", Frl. Marie Doye. Opernsängerin an der Pariser Komischen Oper, welche dasSchmucklied" aus Ggunodsgaltst* singt, Frl. Jenny Fischer, Opern­sängerin an der Oper zu Frankfurt a. M mitMimosa. Gesang mit Klavierbegleitung aus derGega". Von humoristischen Stücken enthält das Programm unter U.A. die lustige Piece:Humoristische Eisenbahnfahrt", ulld' als' neuere Aufnahme einen Gesangsvortrag in ober- bayerischer Mundart.

* Automaten sind nicht als öffentliche Verkaufs­stellen anzusehen! Das Amtsgericht in Gera hatte einen Restaurateur mit einem Strafbefehle bedacht, weil er seine Waarenautomaten Abends 9 Uhr nicht geschlossen haste.-'Derselbe stellte dagegen den Antrag auf richter­liche Entscheidung und machte vor dem Schöffengericht geltend, daß die Automaten als zu seinem Geschäfts- ,betriebe anzusehen und deshalb nicht wie öffentliche Ver­kaufsstellen um 9 Ulr Abends zu schließen seien. Das Schöffengericht schloß sich diesen Darlegungen an, hob den Strafbefehl auf und sprach den Angeklagten frei.

* Zur Entlassung der Schüler aus der Volksschule hat die Regierung in Königsberg kürzlich folgende be- merkenswerthe Verfügung erlassen:Nachdem das Kam­mergericht in konstanter Praxis dahin entschieden bat, daß die Schulpflicht mit dem Tage der Vollendung des 14. Lebensjahres des Schulkindes von selbst, also ohne förmliche Entlassung endet, kann eine Bestrafung wegen Schulversäumniß von diesem Zeitpunkt ab nur noch dann eintr^p? wenn auf Gründ des § 2 der Schulordnung vom '11. Dezember 1845 die Schulpflicht im Einzelfall dütch eine besondere Anordnung des Ortsschulinspektors verlängert worden ist. Mangels einer solchen besonderen Anordnung sind Schulkinder fortan vom vollendeten 14. Lebensjahre ab nicht mehrin die Schulversäumniß- listen aufzunehmen. Die Ortsschulinspektoren haben aber in allen Fällen, in welchen Kinder bei Vollendung des 14. Lebensjahres das Ziel der Oberstufe noch nicht erreicht haben, den Termin der Entlassung gemäß K 2- l e Hinauszuschen, es sei denn, daß eine Fortsetzung des Unterrichts wegen mangelnder geistiger Fähigkeiten des Kindes keinen ©rfofg' verspricht. Der Termin, bis zu welchem die Entlassung hinausgesetzt wird, ist dem Vater (PAeAey, Vormünd u. s. W.) des Kindes rechtzeitig voM 'Ortsschukinspektor, und zwar 'schriftlich durch die Post gegen Postzustellungsurkunde mitzutheilen. Die Orts­schulinspektoren und Lehrer sind mit dieser Verfügung, welche von dem Regierungspräsidenten und dem Dirigenten der Abttzeilung^für Kirchen- und Schulwesen unterzeichnet ist, bekannt gemacht worden. Es sei noch bemerkt, daß die Kinder bisher am 1,. April, .und 1. Oktober zur Entlassung kamen, ohne Rücksicht daraus, ob das 14. Lebensjahr dadurch überschritten wurde.

/ * Das neue Gesetz über die Erziehung sittlich gefährdeter Kinder tritt mit dem 1. April 1901 in Kraft £inb läßt die Zwangserziehung nicht nur nach einer'straf­rechtlichen - Verurtheilung, sondern schon auf eine vormund- schaftliche Anordnung hin zu. Als oberste, Altersgrenze für die Anordnung der Zwangserziehung stellt das Gesetz ^das. 18. Lebensjahr-fest, während es nach unten von jeder' Altersgrenze absieht, und nicht nur verwahrloste Kindrt, sondern auch schon solche, die voraussichtlich der

Verwahrlosung anheimfallen, können nach diesem Gesetz in Fürsorge-Erziehung gebracht werden. Zur Anzeige dieser Kinder sind die Landrathsämter und Polizeibehörden verpflichtet. Den Gemeindekirchenräthen und insonderheit den Geistlichen wird es, nach Rücksprache mit den Lehrern, Stadtmissionaren und Gemeindeschwestern, obliegen, fest­zustellen, wo Familien bezw. Kinder sind, bei denen eine Fürsorge-Erziehung nothwendig erscheint, um sie dann den genannten Behörden namhaft zu machen. Die Kosten für die erste Einkleidung eines solchen Kindes hat die Gemeinde zu tragen; die weiteren Kosten trägt zu einem Drittel die Provinz, zu zwei Dritteln der Staat.

* Unter den Dienstboden herrscht die Ansicht, daß ein mit einer Herrschaft eingegangenes Dienstverhältnis; durch Rückgabe des etwa erhaltenen Miethethalers wieder rückgängig gemacht werden könne. Dies ist eine irrige Auffassung. Bindend ist einzig und allein das zwisä en Herrschaft und Dienstboten getroffene Uebercinkommen, selbst wenn solches nur ein mündliches ist. DasHand­geld" ist ein aus früheren Jahren stammender und noch jetzt vielfach üblicher Gebraucki ohne rechtskräftige Wirkung, seine Rückgabe entbindet also keineswegs von dem ein- gegangenen Dienstverhältniß.

Elm, 2. Febr. Zu dem jüngst stattgefundenen Eisen­bahn Unfall soll die Ursache auf unverständliche Signali- sirung der Stationen zurückzuführen sein. Der Material­schaden ist viel größer als man Anfangs vermuthete. Bei dem schwerverletzten Heizer mußte eine Amputation vor­genommen werden.

Züntersbach, 28. Jan. Gestern feierte der hiesige Kriegerverein das Geburtstagsfest Sr. Majestät des Kaisers. Wie könnte dies besser geschehen, als durch einen gemüthlichen Ball, der insofern die Bezeichnung Ball verliert, als man vorher von Haus zu Haus die ganze Gemeinde dazu einläd. Wer da meint, der Krieger­verein wolle Patriotismus in unserer kleinen Gemeinde pflegen, wird sehr irren. Da giebt es andere Beweg­gründe, die einen Ball erheischen. Da ist es vor allem die Schuljugend, die doch die edle Kunst des Tanzens lernen muß, damit dieselbe den kommenden Geschlecktern erhalten bleibt. Deshalb heißt es auch vor solchen Ball­tagen gewöhnlich in der einen Schule:In Begleitung eurer Eltern dürft ihr auch auf den Ball gehen." Natür­lich, Patriotismus wird dort gepflegt! So kommt es, das Kinder von 10 Jahren, wie das am Sonntag der Fall war, bis 721 Ahr nachts auf dem Tanzboden sind. Da hat ferner der Vereinswirth einen neuen Saal gebaut. Eine kleine Beisteuer für ihn könnte nichts schaden. Auch in der. Vereinskasse klingt es nach einem Ball etwas besser. Aus letzterem Grunde darf dann auch, den bestehenden Polizeischriften zuwider, jeder Junge und jedes Mädchen, ob 14 oder 13 Jahre alt, wer fragt danach, seinenEintritt" zum Tanzboden beisteuern. Gewöhnlich sorgen dann auch solche, noch nicht trocken gewordene Jungen für den nöthigen Radau oder für noch' Schlimmeres. Traurig genug war denn auch das Ende desgemüthlichen" Balles. Ein Rowdy, 17 Jahre alt, folgte einem sehr braven und ruhigen 16jährigen Burschen auf dem Heimweg und brächte ihm ohne jede Veranlassung mit einem Messer gefährliche Stichwunden, einem am Auge, zwei am Arme und einen in der Herzgegend bei. Der Stich nach dem Herzen wurde durch die Schnalle der Hosenträger abgehalten, das Schlimmste zu bewirken. Hoffentlich folgt eine em­pfindliche Strafe. Ein anderer Bursche, der einen ganz harmlos heimgehenden Manne den Hut vom Kopfe warf, war an den Unrechten gerathen. Von ihm würde der Bote Davids sagen:Wie ihm, so geschehe allen Feinden von Ruhe und Frieden." Auffallend ist es, daß es gerade Jungen unter 18 Jahren find, die sich solcher Ausschreitungen schuldig gemacht haben. Erwünscht wäre es deshalb, wenn es dem Vorstand des Kriegervereins von zuständiger Seite klar gemacht würde, daß auch er die bestehenden Polizeworschriften zu respektiren hat.

Hartmannsham (Kreis Schotten). 27. Jan. Gestern Nachmittag 1 Uhr fand in der Wirthschaft von Schmal doch eine Versammlung in Betreff der Nebenbahn Greben- hain Crainfeld-Gedern statt. Anwesend waren Vertreter der Kreisämter Schotten und Lauterbach, sowie die Bürgermeister resp. Stellvertreter der in Betracht kommen­den Gemeinden Grebenhain, Bermuthshain, Hartmanns- Hain, Herchenhain, Volkartshain, Ober-Seemen und Gebern. Die Bahn soll nahe an Hartmannshain vor­beigehen, da bei dieser Strecke, die viel kürzer ist, etwa 1 Million Mk. gespart wird. Die Angelegenheit wird noch einmal im Landtage zur Besprechung kommen.

Fulda, 1. Februar. Der gestrige Viehmarkt war in Ansehung der zeitigen Jahreszeit und des vorgestrigen sehr ungünstigen Wetters gut befahren. Es wurden ge­zählt 19 Pferde, 2 Bullen, 104 Ochsen, 133 Stiere, 202 Kühe ,75 Rinder, 40 Kälber, zusammen 575 Thiere. Der Handel war lebhaft, die Preise waren mittelhoch. Ochsen kosten 980 Mk. das Paar, 3jährige Stiere 550-700 Mk., 2jährige 350-500 Mk., Kühe galten 150-300 Mk. das Stück, Rinder 150200 Mark, für Kälber wuden 35 36 Pg. pro Pfund gezahlt.

Neukirchen, 28. Januar. Der Verlauf des heftigen Gewitters, das heute Nacht unsere Gegend heimsuchte, schlug der Blitz in die Scheune und Stallungen des «Johann Schott, setzte dieselben in Flammen und tödtete 4 Stück Vieh.

Melsungen, 1. Februar. Die Erbauung einer Lunge Heilanstalt für die Eisenbahnbeamten im Westen Preußer hier in der Nähe unserer Stadt ist nach einer Mittheilui des Herrn Landtagsabgcordneien Gleim vom Herrn Eise bahnminister nach den vorgelegten Plänen im Prinz genehmigt worden. Die Anstalt soll für 100 bis 1? Pfleglinge hergerichtet werden; der Kostenbetrag toi sich auf etwa 3/4 Million Mark belaufen.

Hanau, 1. Februar. In der Nähe des Forsthaus Neuhof wurde gestern ein in den 60er Jahren stehend Mann, halberstarrt in einem Haufen Wellenholz liegen aufgefunden. Der Oberförster ordnete sofort den Tran port des Mannes nach dem Landkrankenhause an, bo war derselbe bei der Ankunft daselbst bereits verschiede

Auf verwegener Kahn.

Kriminalnovelle von Gustav Höcker. (Fortsetzung).

Erika, acht Jahre älter als Siglinde, war von bobei losem Leichtsinn gewesen. Alle auf ihre Erziehung ve wendete Sorgfalt hatte nichts genützt. Als größer« Schulmädchen bereits eine vollendete Schönheit ur Koquette, gab sie sich Rendez-vous mit verliebten mist bärtigen Gymnasiasten und machte dem makellosen Ru ihrer Eltern Unehre. Nachdem sie der Schule entwachse brächte der Vater sie in einem strengen Erziehungsinstitu in Brüssel unter. Von dort entfloh sie und bald erfus man, daß sie sich einer wandernden Sängergesellschaj angeschlossen hatte.

Ihre schöne Stimme bahnte ihr später den Weg zu Bühne; dann war sie na4) Amerika gegangen und feil dem hatte man bis zum heutigen Tage nichts mehr übe sie gehört. Den Leichtsinn hätte der Vater ihr' öieüeii noch verziehen, daß sie damit aber zugleich eine herzle Gleichgiltigkeit gegen ihre Familie verband, nach welch sie nie wieder gefragt hatte, und daß darüber das zäN lich liebende Herz der Mutter brach, das vermoÄ der Vater niemals zu verzeihen. Er hatte sich ganz!« von der entarteten Tochter losgesagt, hatte ihren Name aus seinem Gedächtniß gestrichen, als ob er sie mental besessen, und mit der Zeit war über dem Grabe in seines Herzen Gras gewachsen.

Hub nun? Hatte dieses Grab sich vielleicht wich geöffnet? Hatten sich im Vater bei seinem zunehmend: Alter Regungen der Sehnsucht nach dem verlorenen Ki»!- eingestellt? Waren harte Schicksalsprüfungen über Eril hereingebrochen, vor deren erschütternder Tragik die Ei- rinde um das väterliche Herz zu schmelzen begam War wohl gar eine jähe Katastrophe eingetreten, toeli den schleichenden Gram des alten Mannes bis zu j« fieberhaften Aufregung, die Siglinde seit einigen £a^ an ihm wahrgenommen, gesteigert hatke?A-

Während Siglinde, den Kopf in die Hand gest^ Noch mit diesen Gedanken beschäftigt war, trat Schönck ihr Vater, selbst ein. Kummer und Sorge hatte til Falten in sein Antlitz gegraben, sein Haar war ergrau,! und sein Kinnbart schneeweiß, aber in seiner aufrecht Haltung und in seinen Bewegungen verrieth sich noch gebrochene Kraft.

Ich sehe Dir's an, Siglinde," begann er, nachdkf er eine Weile schweigend auf- und abgegangen war,7 Du auf eine ernste Nachricht vorbereitet bist."

Mir ahnt, daß sich etwas mit Erika" *

Sie hatte den Muth gefunden, diesen Namen W- ihre Lippen zu bringen. Aus dem Kopfschütteln G Vaters, und noch mehr aus dem eisigen Lächeln, wo« dieses begleitet war, merkte sie sogleich, daß ihre W muthungen sich auf einer falschen Fährte bewegt HM-

Er rückte sich einen Stuhl zurecht, ließ sich därM nieder und begann von Neuem:Du hast einen starU Geist, Siglinde. Ich kann mir daher alle weitläufig Auseinandersetzungen ersparen. Heute noch, und zW sobald wie möglich. mußt Du Deine Sachen paE Ich begleite Dich nach dem Gute Rottenbach, zu Der * Freundin Helene Steinau. und kehre dann wieder zurb - Du bleibst bis auf weiteres dort. Von diesen trau:| Räumen hier, wo Du geboren uub aufgewachsen b-J nimm Abschied, Du wirst sie wahrscheinlich nie wied! ' sehen." -

Siglinde fühlte sich von dieser Eröffnung wie »> einem Donnerschlage berührt, denn Schreckliches MV sich im Hintergründe desselben bergen. Aber sie N sich, um das berechtigte Vertrauen des Vaters und iM starkgeisttge Natur nicht zu täuschen. J

Du kennst die Einschränkungen," fuhr Schönt 1 fort,die ich allmählich in unserem Hause eintreten 1« und hast mich darin in opferwilliger Weise unterftiii Du hast auf die meisten gewohnten Vergnügungen N . zichtet hast Dich schon seit langem mit nur einem.DiM Mädchen behalfen und die Hauptlast des Haushaltes M Dich genommen, ohne nur zu fragen, weshalb. hast vielleicht geglaubt- es sei eine plötzlich grillen!!»'» Laune Deines reichen Vaters, sich einer engherzM Sparsamkeit zu befleißigen. Das war es aber W sondern es war ein eiserner Zwang. Ich habe,. E mein Verschulden, schwere geschäftliche Verluste erliWl ein Schlag traf mich nach dem anderen. Ich habe DilA bis zur letzten Stunde verheimlicht, jetzt aber mußt W es erfahren, daß ich unmittelbar vor dem Bankerott sE Meine Hauptgläubiger haben mir eine Gnadenfrist wenigen Tagen gegeben, weil ich mich noch an