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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 11. Mittwoch, den 6. Februar 1901. 52. Jahrgang.

\ HUMIhwami au^ ^^Schlüchterner Zeitung" ^rilEUUllytll werden noch fortwährend von allen * m i.......u = Postanstalten und Landbriefträgern, > sowie von der Expedition entgegen genommen.

, Amtliches.

, . J.,Nr. 335 K>A. Diejenigen Herren Standes-

- beamten, welche noch mit Einsendung der Standesamts- Neben-Register im Rückstand sind, werden hieran inner­halb 8 Tagen erinnert.

Schlüchtern, den 2. Februar 1901.

Der Königliche Landrath: Roth.

' Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird voraussichtlich Mittwoch ) W von England nach Vlissingen reisen, wo ein Sonder- i »ug bereit steht, mit dem der Kaiser die Weiterreise nach Homburg v. d. H. antritt. Die Ankunft daselbst dürfte im Laufe des nächsten Donnerstag zu erwarten sein. Bon Homburg begiebt sich der Kaiser sofort nach Cronberg . dezw. Schloß Friedrichshof, um seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich, einen Besuch abzustatten. Die Rück­kehr des Kaisers und der ebenfalls in Homburg weilenden Kaiserin nach Berlin erfolgt voraussichtlich am Sonntag den 10. Februar Nachmittags.

DerDeutsche Reichs- und Staats-Anzeiger" veröffentlicht die folgende Danksagung des Kaisers: Nach der herzerhebenden, Mich hochbeglückenden Festesfreude, mit welcher der so bedeutsame zweihundertjährige Gedenk­tag der Erhebung Preußens zum Königreiche im ganzen Lande gefeiert werden konnte, ist durch den Heimgang weiland Ihrer Majestät der Königin von Großbritannien und Irland, Meiner vielgeliebten und hochverehrten Großmutter, tiefe Trauer über Mich und Mein Haus gekommen. Unter dem frischen Eindruck dieser Heim, suchung habe ich Meinen diesjährigen Geburtstag van der Bahre der edlen Fürstiu in stiller Einkehr begangen. Um so wärmer und lauter sind aber an Mein lanbeS» väterliches Herz die zahlreichen Kundgebungen aus der H-imath gedrultgen, welche Mir die innige Theilnahme : Meines Volkes an Meinem Schmerze sowie seine treue Fürbitte für Mein ferneres Wohlergehen zum Ausdruck gebracht haben. Es hat Mir wohlgethan, erneut zu er- 7 fahren, in welch freundlicher Weise Meiner an Meinem : Geburtstage in den deutschen Landen und seitens der im Auslande weilenden Deutschen gedacht wird, und drängt es Mich, allen Betheiligten Meinen wärmsten Dank zu erkennen zu geben. Gott der Herr aber wolle b das deutsche Volk in allen seinen Schichten und Gliedern auch ferner in seinen gnädigen Schutz nehmen und deutsche M Treue, deutschen Fleiß und deutsche Arbeit allezeit mit Segen krönen! Ich ersuche Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Osborne, den 30. Januar 1901.

K Wilhelm, I. R.

An den Reichskanzler.

I Die Bedingungen, unter denen Buren sich in Deutsch-Südwestafrika niederlassen werden, beziehen sich insbesondere auf die Sprachfrage und die Ableistung des Heeresdienstes. Die bisher nach Deutsch-Südwestafrika unterwegs befindlichen Buren haben sich bereit erklärt, Deutsch zu lernen, aber festzuhalten an der Sprache ihrer Väter. Sie haben den Wunsch ausgedrückt, daß keiner der Einwanderer oder ihrer Kinder in der Schutz- truppe zu dienen braucht, sich aber erboten, die Kolonie sowohl gegen einen inländischen wie ausländischen, farbigen oder weißen Feind zu vertheidigen. Die deutsche Re­gierung hat aber daran festgehalten, daß auf die im deutschen Schutzgebiet geborenen Kinder der Einwanderer die Bestimmungen über die Erwerbung der Reichsange Hörigkeit und Ableistung der Wehrpflicht ohne Weiteres Anwendung finden.

Leer, 30. Januar. Die Sturmfluth in der Nacht Kauf den verflossenen Montag hat in Emden, Leer und MWeener großen Schaden angerichtet. Jetzt, nachdem das DWasser zurückgegangen ist, läßt sich die Größe des Schadens einigermaßen überschauen. Viele Familien Ks'then völlig mittellos da, überall herrscht ein Mangel selbst an den nothwendigsten Bedürfnissen. Mehrere 100 Familien, die buchstäblich nur ihr nacktes Leben auf vtm Dachboden retten konnten, sind unterstützungsbe- ourstig, viele sind gänzlich ruinirt. Der Unternehmer des Schleusenbaues in Leer verliert circa 200 000 Mk. vN Emden hat die Sturmflut für über 50000 Mark

Holz sortgeschwemmt; zwei Flußschiffe sind gesunken und mehrere Fahrzeuge während der Fluth dermaßen weit aufs Land gesetzt worden, daß viele Wochen vergehen werden, ehe dieselben wieder zu Wasser gelassen werden können. Die Ufer der Ems sind besät mit Holz und sonstigen Gegenstände». Die Unternehmer der Hafen­arbeiten bei Emden sind besonders schwer getroffen. Ma­schinen sind vernichtet, Rammen umgestürzt, Schuppen, Wellbechbuden, Lowries und Gerüste fortgeschwemmt. Der Schaden beziffert sich in diesem Falle auf 30000 Mk. Das Gymnasium in Leer hat durchs Wasser schwer ge­litten, so daß der Unterricht für mehrere Tage wird ausgesetzt werden müssen. Auch in Weener hat die Hoch- fluth schreckliche Verwüstungen angerichtet. Häusermauern sind eingestürzt, ganze Straßenstrecken aufgewühlt, überall liegen Theile zerbrochener Gegenstände auf den Straßen und den Wiesen.

Hannover, 29. Januar. Der bekannte Inhaber des hiesigen Lotterie- und Bankhauses Molling hat in Gotha Selbstmord durch Vergiftung begangen. Verfehlte Ge­treidespekulationen sollen ihn zu diesem verzweifelten Schritt getrieben haben.

Braunschweig, 28. Januar. Im Harz richtete ein furchtbarer Schneeorkan großen Schaden an; der Schnee liegt drei Meter hoch, jeder Verkehr ist unmöglich , ge­macht.

Merseburg. Ueber die Fälle von Aussatz, die in Merseburg, wie schon kurz gemeldet, entdeckt worden sind, wird weiter Folgendes berichtet: Die Frau hat zweifellos den Keim der gefährlichen Seuche aus ihrer südlichen Heimath mit nach Deutschland gebracht; hier ist der Aus­satz zum Ausbruch gekommen. Die Mutter hat bereits ihren 13jährigen Sohn damit angesteckt, der noch bis zum letzten Sonnabend in Merseburg die gehobene Knaben­schule besucht hat. Es liegt begründeter Verdacht vor, daß auch schon weitere Familienmitglieder vom Aussatz befallen sind. Nach dem Gutachten der Aerzte ist schleu- nige Abschließung der Familie nothwendig, um die Ver- breitung des Aussatzes unmöglich zu machen.

Konitz, 1. Febr. Zur Mordaffaire. Die letzten bisher unbekannten Begleiter Winters sind jetzt ermittelt, der Eine dient als Soldat in Thorn, der andere in Schneidemühl. Einer von ihnen soll Schlächter sein und in nahen Beziehungen zu einem Mädchen gestanden haben mit dem Winter auch verkehrte. Diesem Verkehr soll ein Kind entsprossen sein. Das junge Mädchen befindet sich gegenwärtig auf einem Gute in der Nähe von Kremmen. Bei ihrem Vater wurde seinerzeit auch gründ lich Haussuchung gehalten. Alle diese Personen sollen Konitz am Tage nach dem Morde verlassen haben.

Mainz 30. Januar. Eine Obsthändlerin hatte einen Konkurrenten, der neben ihr auf dem Markte seinen Obststand hat, angezeigt, er habe Sonntags zu ver­botener Zeit Obst verkauft. Der Mann wurde, da er seine Schuldlosigkeit nachweisen konnte, vom Schöffen­gericht freigesprochen. Die Denunziantin aber wurde von der Strafkammer wegen falscher Anschuldigung zu sechs Wochen Gefängniß und in sämmtliche Kosten ver- urtheilt.

Darmstadt, 30. Januar. Eine beneidenswerthe Ge­meinde ist der hessische Ort Mainflingen. Er erhebt keine Kommunalsteuern, weist vielmehr seinen Gemeinde- angehörigen jährlich namhafte Naturalleistungen und Baarbeträge zu und hat neuerdings mit Rücksicht auf die günstige Finanzlage das Schulgeld aufgehoben.

Hrppeuham a. d. B., 27. Januar. Beim gemüth lichen Frühschoppen kaufte ein Bierbrauer und Wirth von einem Metzger ein Kilometer Wurst, und zwar bestehend in 7 s Leber-, % Blut-, 7s Brat-, 7, Fleischwurst und 7« Schwartemagen zum Preise von 750 Mark. Ob der Letztere sie liefert und was Ersterer mit diesem Quantum anfangen wird, sind Fragen der Zukunft. Ist einer oder sind beide die Geprellten?

Gernsheim, 27. Januar. Konkurs. Das hiesige Amtsgericht hat über das Vermögen der im Jahre 1898 erbautenRheinischen Zuckerfabrik Gernsheim", die sich schon längs in Zahlungsschwierigkeiten befand, das Kon­kursverfahren eröffnet. Durch das Fallissement ist die hiesige Landbevölkerung, besonders geringe Leute, schwer geschädigt. Gestern noch stand ein Prozeß am Landgericht Darmstadt an, den ungefähr 100 Zuckerrüben-Lieferanten gegen die Zuckerfabrik Gernsheim wegen Forderungen aus dem Jahre 1900 haben angestrengt. Ein Theil der Kläger beantragte die Konkurs-Eröffnung, der andere

sofortige Pfändung und Zwangsvollstreckung, da bei einem Konkurse der Verlust noch höher sich belaufe. Die Verhandlung, die bis zum Abend währte, endigte mit einem Versäumnißurtheil, da weder der Vertreter der beklagten Fabrik noch ihr Vorstand erschienen waren.

Ausland

Krakan, 1. Februar. Acht preußische Unterthanen, welche herkamen, um Feldarbeiter nach Preußen anzu- werben, wurden heute hier verhaftet und dem Gericht be­hufs Bestrafung wegen ungesetzlicher Ueberredung zur Auswanderung übergeben.

England. Die Ueberführung der Leiche der Königin Viktoria hat programmmäßig stattgefunden. Ganz London war in violetter Trauerfarbe und Millionen Menschen sahen dem Trauerzuge zu. Ein Brite hat sogar 100000Mk. für einen Fensterplnß gegeben. Der Kaiser, König Eduard und der Herzog von Connaught folgten in einer Reihe dem Sarge. Als in Windsor die Pferde, die vor der Lafette angespannt und in Folge langen Stehens vor dem Bahn­hof durchkältet waren, durchaus nicht anziehen wollten, traten Matrosen vor, spannten die Pferde ab und zogen selbst die Lafette mit dem Sarg bis zur Kathedrale.

London, 1. Febuar. Das Gerücht, Kaiser Wilhelm werde die Vermittelung zwischen England und den Buren übernehmen, wird vom Auswärtigen Amt als gänzlich unbegründet erklärt.

Transvaal. Ueber die Lage in Südafrika liegen neue Privatberichte vor, die wesentlich anders lauten, als die offiziellen und halbamtlichen Nachrichten von eng­lischer Seite. In einem solchen, von denMünch. N. Nachr. veröffentlichten Briefe liest mau u. A-:Bereits nach Weihnachten besetzten die Buren die von dem Hoch­land der Karoo nach Kapstadt führenden Pässe, die sie zum Theil armirten und in kleine Festungen verwandelten. Nach und nach werden sie die Eisenbahnen sämmtlich zerstören und so Kitcheners Proviant und Rückzugslinien abschneiden. Kenner der Verhältnisse behaupten, daß kein Mann der englischen Truppen unter Kitchener durch­kommen und nach Kapstadt gelangen werde. Die Mahnung Kitcheners, keine Gefangenen mehr zu machen, hat die Buren sehr erbittert. Die noch unschlüssigen Kapburen sind dadurch mitgetroffen worden und stehen in Hellen Haufen auf, um sich den Truppen des Freistaats an- zuschließen. Man ist in nichtenglischen Kreisen in Kap. stadt fest überzeugt, daß Südafrika für England verloren ist. In englischen Kreisen herrscht gedrückte Stimmung und Schweigen man ahnt wohl was kommen wird." Das Rekrutirungssystem der Engländer in Kapstadt ist besonders ergötzlich; es geschieht & laKleiner An­zeiger". In allen Tagesblättern erscheinen diese Rekru- tirungsannoncen, worin unter Lobpreisungen der besonderen Vorzüge der betreffenden Regimenter Rekruten gegen 5 Schilling (5 Mark) pro Tag und freie Station ge­sucht werden. Und was meldet sich alles! DieserEr­satz" kann den Buren Nicht gefährlich werden. Das englische Heer ist schwer von Krankheiten heimgesucht. Niemals war die Liste der erkrankten Soldaten so groß wie jetzt. Der Typhus, dem man den Namen Darm­katarrh giebt, rafft jede Woche 600 bis 800 Opfer hin­weg. Die Zahl der in Krankenhäusern oder sonst in Behandlung stehenden Soldaten beträgt mehr als 20000!

Ueber den englischen Generalissimus auf dem süd­afrikanischen Kriegsschauplatz, Lord Kitchener, sind allerlei Gerüchte im Umlauf. Nach bem einen heißt es, der Lord habe die Dinge in Südafrika dermaßen verfahren, daß seine Abberufung beschlossen worden sei, nach dem anderen soll er von den Buren gefangen genommen worden sein. Nach derPost" bestätigt sich das Gerücht von der Abberufung nicht, dagegen ist das von der Ge­fangennahme bisher nicht bementirt worden, was doch sicherlich sofort geschehen wäre, wenn sich dasselbe als völlig grundlos darstellte. In Folge der Stürme ist zwar der telegraphische Nachrichtendienst zwischen Süd­afrika und England verhindert; die Drähte sind aber nicht zerrissen, sodaß eine hochwichtige Nachricht, wie die von der Nichtbestätigung der Gefangennahme des Lord Kitchener längst in London eingetroffen wäre. Vielleicht rügt Lord Kitchener gleich seinem Kollegen Buller den ominösen Stempel 8. A. R. (Süd-Afrikanische Republik) auf seinem Rücken. Ganz grundlos ist das Gerücht auf 'einen Fall.

Chir-a. Es ist noch immer Alles beim Alten. Es bestätigt sich, daß der in Peking in Hast genommene