Elm, 31. Januar. Gestern Nachmittag kurz nach 4 Uhr bei starkem Schneegestöber stieß der von Gemünder herkommende Personenzug 1005 aus dem Eberberg-Tunnel kommend, auf einen bis über das Einfahrtsignal in Bahnhof Elm hinausstehenden Güterzug. Beide Züge waren mit 2 Maschinen bespannt. Die 4 Maschinen und 5 Wagen wurden stark beschädigt. Ein Heizer erlitt einen Unterschenkelbruch, 8 Reisende erlitten leichte Verletzungen, welche ärztliche Eingriffe nicht erforderten. Der Unfall ist hauptsächlich durch den Schneesturm verursacht, der das Verstehen der abgegebenen Befehle und Rangirsignale fast unmöglich machte.
Gtluhause«. Am Sonntag Abend gegen 9 Uhr entlud sich über unsere Gegend ein für diese Jahreszeit ganz unerwartetes, äußerst heftiges Gewitter. Grelle Blitze zuckten, starke Donnerschläge durchhallten die Nacht und bei starkem Sturm prasselte ein dichter Hagelschauer nieder. Die Entladungen, besonders die Niederschläge, die das Gewitter tm Gefolge hatte, müssen im oberen Kinzigthale und im Vogelsberg noch viel größer und heftiger gewesen sein, denn in den ersten Morgenstunden stieg das Wasser der Kinzig so schnell, daß die Bewohner der Burg eiligst ihre Keller räumen mußten und im Ziegelhaus das Wasser auf der Straße stand. In dem Pumpwerk der S/adt Frankfurt bei Wirthheim wurden die Wächter von'dem plötzlich eingetretenen Hochwasser überrascht und kletterten auf das Dach der Halle, von wo sie mit Nachen in Sicherheit gebracht wurden. Im Laufe des Togcs ging das Wasser wieder etwas zurück.
Gelnhausen, 29. Jan. Der Landwirth Schumm in Kassel bei Gelnhausen, dessen Haus durch einen Röhren- bruch der Frankfurter Quellwasserleitung zerstört wurde, verlangt von der Stadt Frankfurt vollständige Wiederherstellung seiner Liegenschaft und Wirthschaft Eine Einigung wurde noch nicht erzielt.
Alteumittlau, 28. Jan. Ein großer Schaden ist unserem Kirchcnbau dadurch geschehen, daß während der Nacht ein Pfeiler einstürzte und einen Theil des Gewölbes mit sich riß. Inwieweit der übrige Bau durch den Zusammensturz in Mitleidenschaft gezogen ist, wird erst die nähere Untersuchung ergeben.
Hauau, 29. Januar. Verhaftet wurde gestern ein höherer Postbeamter (Kämpf), weil er sich der Unterschlagung von Postzeitungsgeldern in Höhe von etwa 1200 Mark schuldig gemacht haben soll.
Frankfurt a. M., 29. Jan. Wilhelm Karl von Rothschild wurde heute Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr nach altem jüdischen Ritus in einer schmucklosen weißen Bretterhülle begraben. Eine riesige Menge Leidtragenden hatte sich auf dem Centralfriedhofe eingefunden, um dem dahingeschiedenen Geldfürsten die letzte Ehre zu erweisen. Die hiesigen militärischen Behörden waren durch den kommandirenden General v. Lindequist und den Stadtkommandanten v. Stülpnagel vertreten, der Magistrat durch Bürgermeister Varrentrapp. Von auswärtigen Verwandten und Mitgliedern der ^Rothschild- gruppe" waren erschienen: die Barone Edmund, James, Robert, Moritz und Henry v. Rothschild aus Paris, Lord Nathaniel Rothschild aus London, Baron Albert v. Rothschild aus Wien, die Generalkonsuln Schwabach- Berlin und Behrens-Hamburg.
Gaffel. Eine postalische Merkwürdigkeit, wie sie wohl so leicht nicht wieder vorkommen wird, hat der internationale Feldzug in China gezeitigt. Eine gestern von einem unserer Chinakämpfer hier eingetroffene Feldpostkarte weift nicht weniger als sieben Marken verschiedener Länder der Welt — Deutschland, China, Japan, Ruß land, England (Indien), Amerika und Frankreich — auf, welche auch von den Postanstalten der betr. Länder abgestempelt wurden. Für Sammler dürfte eine solche Karte einen sehr großen Werth besitzen. — Große Heiter keit erregte am Dienstag Morgen die gefährliche Fahrt eines Fuchses. Der Fuchs war auf eine 5 Meter große Eisscholle gerathen und fuhr inmitten der Fulda stromabwärts übers Wehr. — Als seltenes Jagdglück kann es gewiß bezeichnet werden, daß bei einem zu Ausgang voriger Woche in der Eschenstruther Gemarkung veran- ftalteten Treibjagen von 12 Schützen und ebenso vielen Treibern ein einziger Hase zur Strecke gebracht wurde. Derselbe wurde indessen nicht geschossen, sondern gefangen.
Homberg, 29. Jan. In einet von etwa 70 Personen besuchten Versammlung vom 22. v. Mts. wurde die Bildung eines Bürgervereins beschlossen, dem die Anwesenden alsbald als Mitglieder beitraten. Die Veranlassung zur Einberufung der Versammlung war folgende: Vor zwei Jahren hatten die Stadtbehörden die Erhebung von Umsatzsteuern geplant und zwar mit dem zulässigen Satze von 1 Prozent. Magistrat und Stadtverordnete waren erst dafür, infolge eines Protestes einer Anzahl Bürger aber lehnte die Stadtverordnetenversammlung den Erlaß der Ordnung ab. Jetzt hat nun der Magistrat eine gleiche Vorlage gemacht, und hat der neugegründete Bürgerverein auch hier gegen wieder Einspruch erhoben mit derselben Motivirung wie damals. Es ist fraglich, ob die Stadtverordnetenversammlung auch diesmal den Wünschen der Protestversammlung nachkommen und die Ordnung wieder ablehnen wird, möglich ist es immerhin. In der Versammlung kam auch zur Sprache, daß die Stadtv.-Versammlung an zwei Lehrer
Auf verwegener Kahn.
Kriminalnovelle von Gustav Horter.
(Fortsetzung.)
„Ich fürchte mich vor ihrem Strafgericht nicht im mindesten," lachte Anna verächtlich, heftig an ihren Handschuhen zerrend.
„Du nicht, nein," rief Frau Ritter, „aber wir, Dein Bruder und ich, wir werden dafür zu büßen haben. Sie wird den demnächst ablaufenden Pachtkontrakt nicht wieder erneuern und dafür dürfen wir uns bei Dir bedanken."
„Das wird sie bleiben lassen," versetzte Anna, „denn so gutmüthige Pächter, die für ihr schweres Geld sich von ihr auch noch zu allerlei unterthänigen Diensten gebrauchen lassen, findet sie gewiß nicht wieder. Höchstens wird sie Euch im Pachte steigern; das hat sie aber bisher bet jedem neuen Pachtabschluffe gethan, denn ihre Habsucht und ihr Geiz —"
„Bst!" zischte Sophie mit erhobenem Finger, als könnte die Abwesende es hören.
„Jawohl, ihre Habsucht und ihr Geiz schreien zum Himmel," fuhr Anna, durch die Reden ihrer Schwägerin schon längst gereizt, nur noch lauter und heftiger fort. „Es ist eine Sünde und Schande. Auf eine Million schätzt man das Vermögen dieser Frau, sie könnte in einem Vierspänner fahren, statt an ihrem Stocke cinher- zuhinken, hält sich aber nicht einmal ein Dienstmädchen, ißt sich nicht ordentlich satt, gönnt Anderen kaum —"
„Bst!" wiederholte Sophie mit aus den Höhlen her- vorquellenden Augen und beugte sich wüthend gegen die Schwägerin vor.
„Bst! ' sekundirte jetzt auch Ritter, von der Furcht seiner Frau angesteckt.
Aber schwerlich würde Anna sich dadurch im Fluß ihrer Rede haben aufhalten lassen, wenn nicht ein von draußen wahrnehmbares Geräusch, welchem Bruder und Schwägerin lauschten, auch ihre Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hätte —
An der vorderen Hausthüre, die zu Frau Rollensteins Wohnung führte, ließ sich nämlich das bekannte Knarren des Schlüssels hören. Es wurde auf- und wieder zugeschloffen, dann vernahm man im Hausflur schlürfende Schritte und unterschied bei jedem zweiten Schritt deutlich das Aufsetzen des Krückstocks. „Tapp! tapp! ' schleppte es sich bald darauf langsam die hölzerne Treppe linauf und endlich hinkte es. gerade über den Köpfen der Lauschenden, im oberen Zimmer herum.
„Gott sei Dank, sie ist da!" unterbrach Frau Ritter wie von einem schweren Alp befreit, das herrschende Schweigen, worauf Anna, ebenfalls erleichternd auf- athmend, mit einem sehr kurzen „Gute Nacht" sich in ihr anstoßendes Gemach zurückzog und auch der Gärtner, nachdem er die Lampe ausgelöscht, die nächtliche Ruhe aufsuchte.
„Gebe nur Gott," flüsterte Sophie, „daß sie im Vorbeigehen die Schimpfreden Deiner Schwester nicht gehört hat, die Fensterläden sind gar dünn!"
„Und ihr Gehör gar fein! " dachte Ritter, sagte aber nichts. —
Hierüber hätte sich das Ehepaar beruhigen können, wohl klang es um diese Zeit in den Ohren der alten Dame, aber es waren die Wellen, die darin flüsterten, die Ohren waren für immer taub und das ungeschmei-
Umzugskosten bezahlt habe, wozu sie nicht verpflichtet gewesen sei, und wenn die Stadt auf diese Weise Geld zum Fortwerfen habe, so brauche sie keine Umsatzsteuer, und es sei viel richtiger, Steuern nicht von einzelnen Personen zu erheben, sondern sie gleichmäßig auf die breite Masse umzulegen.
Sontra, 26. Januar. Ein ausfallendes Bild boten seit Dezember in diesem Jahre die Landstraßen. Trotz der herrschenden Kälte des Januars waren nicht selten wandernde Handwerker in Trupps von 10 — 12 Mann zu beobachten. Nach eingezogenen Erkundigungen waren dieselben zum größten Theil in der Eisenindustrie beschäftigt gewesen und in Folge Arbeitsmangels entlassen worden. Der herrschende ArbeilSmangel in den Fabriken dürfte in dem geschädigten Export der Eisenprodukte nach China zu suchen sein. — Als eine wahre Plage der Landwirthschaft treten in den letzten Wochen die Marder in verschiedenen Dörfern auf. Einem in Heyerode wohnenden Landwirthe wurden in einer Nacht 21 Tauben von einem Marder umgebracht.
Hersfeld, 28. Januar. Gewitter und Schneesturm im Januar. In der hiesigen Gegend tobten gestern Abend zwei schwere Gewitter, das eine um 7 Uhr, das andere um 9 Uhr; beide waren von starken elektrischen Entladungen, Blitz und Donner, sowie heftigem Hagelschlag begleitet, im Monat Januar nach vorausgegangenem starken Schneesturm jedenfalls eine sehr seltene Erscheinung. Der Hagel fiel so stark und dicht, daß mehrere Reisende und Landwirthe, die sich mitten in dem Unwetter auf der schutzlosen Landstraße befanden, blutige Verletzungen im Gesicht und Hände davontrugen. Der Schneesturm ging dann in einem heftigen Schneefall über. Ein weiteres Gewitter mit den gleichen merkwürdigen Begleiterscheinungen wird aus dem Rhöngebirge, aus Fulda, aus Oberhessen, Marburg, Kirchhain, Ohmthal, Werra und Fuldathal gemeldet.
chelte Charakterbild, welches Anna mit harten Strichen von ihr entwarf, war ihr Nekrolog gewesen.
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Elegant möblirt, aber durchaus nicht mit LuxG überladen, war das Zimmer, in welchem eine junge, zwanzigjährige Dame vor dem Trümeauspiegel stand, Zum Ausgehen angckleidet, warf sie eben einen letzten prüfenden Blick hinein. Ihr Wuchs war hoch und schlank, aber von einem solch wunderbaren Ebenmaße, daß sich die Größe ihrer Figur nur bestimmen ließ, wenn andere, neben ihr stehende Personen Gelegenheit zu einem Vergleiche boten. Ihr reiches Haar schimmert! wie Gold, ohne dazu erst die Mithilfe der Sonnenstrahlen zu bedürfen; es fiel in kleinen natürlich.n Löckchen auf die Stirne und war im Nacken einfach zu einem griechischen Knoten verschlungeu. In dem schönen, milden Antlitz strahlten ein Paar große tiefblaue Augen, wik zwei Sterne. Ihr beabsichtigter Ausgang sollte einem Einkauf für den heutigen Nachtisch gelten und eben stand sie im Begriff, sich für diesen Zweck mit einem zierlich geflochtenen Körbchen zu versehen, als Martha, ba$| Dienstmädchen, eintrat.
„Ihr Herr Vater läßt Sie bitten," meldete diese ihreij Herrin, „heute Vormittag zu Hause zu bleiben; er habif mit Ihnen zu sprechen." :
„Gut," sagte Siglinde, kaum hörbar, während sich! Mädchen wieder entfernte. i
Sie war betroffen. Daß der Vater, dieser mit pes dantischer Strenge sich an die Geschäftsstunden bindend! Kaufmann, während der Comptoirzeit seine Familien Wohnung betrat, war etwas ganz Ungewöhnliches, ji Unerhörtes. Siglinde erinnerte sich nur eines einzige« derartigen Ausnahmefalles: als er beim Tode der Muttei heraufgeholt worden war.
Sie machte sich daher auf etwas sehr Ernstes gefaßt Schon seit Jahr und Tag hatte sie ihm einen schwere» Kummer angemerkt, sein Haar war in dieser Zeit gti bleicht, sein Gesicht sehr gealtert. Aber sie hatte nich gewagt, eine Frage an ihn zu richten, denn sie glaubt ihre Schwester Erika sei die Ursache seines Klimmest und dieser Name durfte in Gegenwart ihres Vaters ni( ausgesprochen werden. (Fortsetzung folgt.) [
Vermischtes. I
— Statistisches aus dem Zeitalter der Königin M- toria. Die Königin Viktoria von England hat fast 64 Jahre auf dem englischen Thron gesessen und in dich Zeit eine große Reihe fremder Staatsoberhäupter an fit vorüberziehen sehen, nämlich 17 Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika; in Frankreichs eie Monarchie, ein Kaiserreich und sieben Prasioenkender RM> blik, in Preußen und Deutschland fünf Könige, davon drei Kaiser, ganz abgesehen von den unzähligen kleineren Herrschern der deutschen Bundesstaaten, die zum Theil in engster, verwandtlicher Beziehung zu ihr standen; zwei Kaiser von Oesterreich, vier Kaiser von Rußland, fünf Könige von Spanien, und dann die Große Schaar der kleinere« europäischen Herrscher und Herrscherinnen sowie die exotisch» Fürsten, die theilweise in engerer oder weiterer Beziehe zu England und seiner Souveränin standen. Königil Viktoria hat die größten Staatsmänner, Gelehrten, Sei baten, Seeleute, Forscher, Reisenden und sonstigen Koft phäen des verflossenen Jahrhunderts in großer Zah persönlich gekannt und mit ihnen in Verkehr gestand« und — niemals hat ein Machthaber neuerer Zeiten s viele Kriege von der eigenen Armee führen lassen, wi Königin Viktoria in den 64 Jahren ihrer Regierung Es waren dies 110, kleinere und größere, siegreiche un erfolglose. Die Kriegskosten Englands während ihn Regierung betragen 55 Milliarden Mark.
— Wie amerikanische Millionäre besteuert werd« Die Veröffentlichungen über den Nachlaß des vor zm Jahren verstorbenen „Eisenbahnkönigs" Cornelius Vandei bilt ergaben zum allgemeinen Erstaunen, daß Band« bilts steuerbares (bewegliches) Vermögen bis zu sein« Tode mit — 400 000 Dollar, also noch nicht zwei Mil Mark angegeben und versteuert war. Da man weif daß VanderbiltS Nachlaß sich auf 72 Millionen Dollai beziffert, so erregte der Fall natürlich ungeheures Au sehen und der Steuercommissar mußte unter dem Dru der öffentlichen Meinung eine andere Einschätzung vo nehmen. Er schätzte das nun von Vanderbilt Hinte laffene bewegliche Vermögen auf 16 Millionen Dolla und setzte hierfür die jährliche Steuerquote von 359 000 Do statt der bisher gezahlten 9000 Dollars fest. M« würdiger Weise wollen die Erben auch gegen diese gen) nur zu niedrige Schätzung das Rechtsmittel ergreife Vor dem Tode Vandelbilts gaben die Landgesetze de amerikanischen Behörden kein Mittel in die Hand, u den faktischen Bestand seines Vermögens festzustellen.
Eingesandt.
Wie bekannt, besteht die Absicht, in unserer Stu die Gründung einer höheren Mädchenschule — jun^ probeweise — dadurch zu ermöglichen, daß sie in eng Verbindung mit dem Progymnasium gebracht wird, d. daß in den 3 untersten Klaffen dieser Lehranstalt Knab und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden. 8 Freunde und Gegner des Projektes wird eine Notiz Nr. 26 der „Franks. Ztg" von Interesse sein. Danach!«