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SchluchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 10.

Samstag, den 2. Februar 1901.

52. Jahrgang.

aufgefunden worden sei. Die diese Mordthaten beschuldigte Person ist bereits verhaftet worden, hat aber bis jetzt jede Mitwissenschaft geleugnet.

Neustrelitz, 28. Januar. Ein Liebesdrama wird gegenwärtig in unserer kleinen Residenzstadt viel besprochen, wenn auch in den hiesigen Zeitungen nichts darüber be­richtet wird. In den Morgenstunden des 16. Januar wurde Helene B., eines der schönsten Mädchen der Stadt, die Tochter eines großherzoglichen Kutschers, in der Wohnung ihres Geliebten, des Leutnants v. Lühlsdorf, mit einer Schußwunde im Kopfe todt aufgefunden. Helene B. unterhielt seit länger als einem Jahre nähere Be­ziehungen zu dem Leutnant von Lühlsdorf vom hiesigen 80. Meckl. Grenadier-Regiment. Das Verhältniß blieb nicht ohne Folgen, und vor etwa einem Vierteljahre schenkte Helene B. in Strelitz, wohin sie sich zurückge­zogen hatte, einem Kinde das Leben. Sie kehrte dann in das Haus ihres Vaters, der seiner Tochter wegen ihres Fehltrittes zürnte, nicht mehr zurück. Damit be­gann für sie eine Zeit der Noth und Entbehrungen. Das Mädchen tröstete sich jedoch mit dem Gedanken, daß der Leutnant von Lühlsdorf, von dessen Liebe sie überzeugt war, sie heirathen, und damit ihre traurige Lage ein Ende haben werde. In diesen Erwartungen sah sich Helene B. aber getäuscht. In der letzten Zeit war es dann zwischen dem Liebespaare wiederholt zu erregten Auseinandersetzungen gekommen. Auch in der Nacht zum 16. d. Mts. soll Helene B. ihren Geliebten in dessen Wohnung eine Scene gemacht haben. Plötzlich krachte es mochte um 1 Uhr Nachts gewesen sein ein Schuß. Zur Hilfe herbeigeeilte Personen fanden das Mädchen im Schlafzimmer des Leutnants todt auf dem Boden liegen. Sie hatte eine Schußwunde hinter dem linken Ohr. Dieser Umstand ist es, der zu den seltsamsten Kombinationen Anlaß giebt. Die Angaben des Leutnants v. Lühlsdorf sowie seines Burschen, Frl. B. habe sich mittelst eines Revolvers, in dessen Besitz sie irgendwie gelangt war, selbst erschossen, werden keines­wegs bezweifelt. Unerklärlich aber bleibt es, wie die Unglückliche, die doch den Revolver wahrscheinlich mit mit der rechten Hand abdrücken mußte, es zu Wege bringen konnte, sich hinter das linke Ohr zu schließen. Leutnant v. Lühlsdorf hat an demselben Morgen, an dem Helene B. in seiner Wohnung todt aufgefunden wurde, den Garnisonsort verlassen und ist nach Schwerin gereist, um sich dem Regiments-Kommandeur zu melden. Er ist nicht nach Neustrelitz zurückgekehrt.

Mainz, 29. Jan. Der nach Unterschlagungen flüchtig gegangene Bahnhofsrestaurateur Frank von Bingen, welcher in Frankfurt verhaftet wurde, befindet sich seit etwa 14 Tagen in dem hiesigen Untersuchungs-Gefängniß. Schon in dem jetzigen Stadium der Voruntersuchung läßt sich erkennen, daß Frank, der unzweifelhaft ver­fehlte Börsenspekulationen gemacht hat, einen großen Kreis Singer Geschäftsleute nicht nur schwer geschädigt, sondern auch theilweise zum finanziellen Ruin gebracht hat.

Ausland

London, 30. Januar. Wie verlautet soll die Königin Viktoria kurz vor ihrem Tode den deutschen Kaiser mit der Vermittelung zwischen England und den Burenstaaten betraut haben, damit dem Transvaalkricge ein schnelles Ende gemacht werde. Bei der Ansprache gelegentlich der Investitur des Kronprinzen betonte König Eduard noch, die Beziehungen zwischen den beiden königlichen Familien seien so klar bewiesen worden durch den gegen­wärtigen Besuch des Kaisers, der noch rechtzeitig ein* getroffen sei, um von seiner königlichen Großmutter er­kannt zu werden, und dessen rücksichtsvolles Gefühl die Nation tief gerührt habe. Er und die königliche Familie schätzten Kaiser Wilhelm nicht nur wegen ihrer Bluts­verwandtschaft, sondern wegen aller seiner glänzenden Eigenschaften, insbesondere aber wegen seines langen Tröstungsbesuches.England und fein König" schloß er,hoffen, daß diese freundlichen Beziehungen stets fort­dauern; daß die beiden Nationen im gemeinsamen Ein- verständniß in der Sache des Friedens und der Zivili- ation der Welt fortgesetzt zusammenwirken dürfen."

Newyork, 30. Januar. Die philippinischen Föde­ralisten in Manila haben eine Petition wegen Einsetzung einer Civilregierung nach Washington gesandt. Buenca- mino und andere Führer der Philipinos organisiren den lebertritt zur evangelischen Kirche, um einer Rückkehr der Mönche vorzubeugen.

R^-llltHHOH auf dieSchlüchterner Zeitung" MkftkUUt»Vktt werden noch fortwährend von allen ^u............. Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist das Be­finden der Kaiserin Friedrich keineswegs zufriedenstellend. Der Tod der Mutter, und besonders der Umstand, daß die Kaiserin Friedrich derselben in den letzten schweren Stunden nicht zur Seite weilen konnte, haben auf den sonst so energievollen Geist der hohen Frau so deprimirend ein­gewirkt, daß dadurch auch das körperliche Befinden in der allerungünstigsten Weise beeinflußt werden mußte, wenn auch in dem lokalen Leiden eine Verschlimmerung nicht festgestellt werden konnte.

Geldanlagen der Fürsten. Wir lesen imB. L.-A.":Der große Bankkrach, dessen unangenehme Wirkungen sich bis in die hohen Kreise der Gesellschaft fühlbar machen, lenkt das Interesse auf die Geldanlagen europäischer Herrscher. Da ergiebt sich die Thatsache, daß im Allgemeinen seitens der Potentaten die Amerikaner für die besten Zahler angenommen werden müssen. Die - amerikanischen Anlagen unseres Kaisers beziffern sich auf drei Millionen Dollars, welche iu Atchison, Topeka, I Illinois, Central, Louisville und Nashville, Santa-Fe. Missouri, Union und Southern-Pacific angelegt, jährlich ungefähr 150000 Dollars Zinsen abwerfen. Mitglieder der kaiserlichen Familie haben insgesammt eine Million Dollar- in den amerikanischen Staaten angelegt, bei . denen die der deutschen Kaiserin gehörigen 500 000 Dollars nicht mit inbegriffen sind. Der Kaiser von Rußland ist im Besitze von Aktien der Pensylvanien Rail-Road, < Northern und Canadian-Pacific, New-Jersey, Central und Newyorker Central Rail-Road, in Höhe von 6 Mill.

1 Dollars, die ihm eine jährliche Rente von 500 000 Doll. abwerfen, also um 100000 Dollars mehr, als der Königin von England, die aus Grundeigenthum und amerikanischen Bahnwerthen jährlich an 400 000 Dollars Zinsen bezog. Der König von England hat ungefähr 5 Mill. Doll. in den Vereinigten Staaten angelegt, von denen der größte Theil an Jndustriepapiere, wie Teneffee ' Coak and Jron, American Steel and Wire, und Ame­rican Sugar Refinery verwendet ist, die ihm sichere Interessen bringen. Gleich ihm haben viele Mitglieder des englischen Königshauses, unter ihnen auch der Herzog von Uork, und die Regenten Italiens, Griechenlands, BelgienS und Dänemarks, sowie der Sultan und der Schah von Persien bedeutende Summen in Amerika an- ' gelegt. Mit dem kleinsten Betrage, 10000 Dollar, figurirt wohl die Exkaiserin Eugenik, während die könig­lich spanische Familie 2 Mill. Doll. in amerikanischen Werthen investirt hat.

| AuS Tsingtau ist die Nachricht eingetrosien, daß der Gouverneur des KiautschougebieteS, Jaeschke, am 27. v. MtS. an den Folgeerscheinungen des Darmtyphus ver­storben ist.

Zur Ermordung des Rittmeisters v. Krostgk in Gum- tinnen erfährt dieKönigSb. Hatt. Ztg.", daß ein Unteroffizier der 4. Eskadron schwer belastet sein soll. ' Er soll nicht nachweisen können, wo er während der - Mordthat sich aufgehalten hat. Bevor er 1896 in d°S Dragonerregiment Nr. 11 kam, war v. Krostgk Ritt- f Meister beim 10. Husarenregiment in Stendal, und auch dort schon war, ebenso wie vor einigen Jahren in Stallu- ' pönen, auf ihn geschossen worden.

Aus Pommern. Eine sechsfache Mordthat ist durch in dem Dorfe Schwanteshagen bei Wollin auf-

* worden. Die dort beschäftigte WirthschcftsmamseU »var gerade in der Flachskammer mit Ausgabe von an zwei Mägde beschäftigt, als sie durch die M Ouft der Herrschaft plötzlich abgerufen wurde; sie loose ln Folge dessen die beiden Mägde allein in der ^zegeben.iutr zurück. In letzterer befand sich u. a. auch zrößerer, sogenannter Mädchenkasten, welcher sofort , -keugierde der Zurückgebliebenen erregte. Diese be- en denn auch die kurze Abwesenheit der Mamsell U den Kasten zu öffnen. Nachdem dies nach großer 5 | T-rengung gelungen, bot sich ihnen ein entsetzlicher An- A dar. Sie fanden in dem Kasten fünf neben ein- ' r gereihte Kinderleichen vor, die wahrscheinlich durch ch vollständig zusammrisgetrocknet waren. Eine sechste ^erleiche soll bei einer bald darauf erfolgten Haus» ^».t.s"b noch im Rauchfange, an den Beinen hängend,

Klondyke. Man schreibt aus San Franzisca unter dem 10. Januar: Aus dem Goldlande im hohen Norden kommen von Zeit zu Zeit wieder vereinzelte Nachrichten über größere Funde und Entdeckungen neuer Minen. Aus Dawson Citv wird mitgetheilt, daß eine arme Fa­milie polnischer Juden, die vor 1Vt Jahren nach Klon­dyke auswanderte, das Glück gehabt hat, in einem alten Flußbett einen enormen Gold-Kessel" zu finden, aus dem sie in der aller primitivsten Weise jeden Tag für 810000 Mk. Gold herausholte. Die glücklichen Finder, deren Name Guensberg ist, haben jedes Kaufangebot, selbst eins von 2 Millionen Mark abgelehnt. Aber solches Glück blüht nur wenigen. Die allgemeine Lage in Klondyke ist sehr schlimm. Die Indianer entlang des Aukon gehen massenhaft zu Grunde, nnd Goldsucher haben ganze Dörfer ausgestorben gefunden. In Dawson City find die Preise von Lebensmittel noch ebenso hoch wie früher, obwohl jetzt fünf Mal so viele Dampfer an­laufen wie im Vorjahre. Kartoffeln kosten eine Mark per Pfund, Zucker ebensoviel, Butter vier Mark, Milch zwei Mark für die kleine Zinndose, Bier sechs Mark per Flasche. Der Barbier berechnet noch immer zwei Mark für Rasiren, vier Mark für Haarschneiden und ebensoviel für ein Bad. Die canadische Regierung hat endlich befohlen, die Spielhöllen zu schließen, die meist nichts anderes sind als Diebeshöhlen.

China. Es verlautet, der chinesische Kaiser habe dem Prinzen Tuan befohlen, zu Mukden Aufenthalt zu nehmen, und der Prinz sei so unter russischen Schutz gestellt. Hier sei man auch der Ansicht, daß der ganze chinesische Hof, der Kaiser, auch die Kaiserin-Wittwe, sich in der Mandschurei niederlassen und sich unter russischen Schutz stellen werden, wenn Graf Waldersee seine Straf- expedition nicht einstellt. Die chinesischen Blätter führen neue^ings eine auffallend anmaßende Sprache. Sie zählen alle die Ortschaften auf, die von den Straf- expeditionen der Verbündeten zerstört werden mußten, und fordern für jede einzelne Schadenersatz. So weit hätte es unter keinen Umständen kommen dürfen, und es wäre auch nicht dahin gekommen, wenn Rußland und Nord­amerika nicht mit förmlichen Behagen jede gemeinsame und einheitliche Aktion gehindert hätten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchleru, 1. Februar.

An eine Ermäßigung der Kohlenpreise ist vor­läufig nicht zu denken. In Berichten aus Essen a. d. Ruhr wird die Lage des Kohlenmarktes noch immer als befriedigend bezeichnet. Die Preise seien unverändert fest, eine Herabsetzung derselben erscheine ausgeschlossen jedenfalls sehr zum Leidwesen der Familienväter und Hausfrauen.

* Die Postagentur in Hochstadt (Main) führt fortan die Bezeichnung Hochstadt (Oberfranken). Es ist häufig beobachtet worden, daß Sendungen mit der Aufschrift Hochstadt (Main) für Personen in Hochstadl (Kreis Hanau) bestimmt waren. Zur Vermeidung von Verzögerungen in der Ankunft der Sendungen empfiehlt es sich in der Aufschrift zwischen den beiden Orten Hochstadt (Kreis Hanau) und Hochstadl (Oberfranken) genau zu unterscheiden.

* Bezahlt die Rechnungen. Die Rechnungen sind geschrieben, und die Handwerker und Kaufleute warten auf Geld. Allen, aber namentlich dem kleinen Handwerker gegenüber, ist es eine Ehrenpflicht, das Wort zu beherzigen: Der Arbeiter ist seines Lohnes werth I

* (Aus der Strafkammer-Sitzung am 30. Jan.) Dem Landwirth und Schreiner F. zu Schwarzenfels wurde ein Acker mit Kartoffeln gepfändet. Trotzdem entnahm F. dem gepfändeten Acker 30 Säcke Kartoffeln und verkaufte diese. Das Schöffengericht verurtheilte ihn dieserhalb zu einer Woche Gefängniß. Seine Be- Berufung hiergegen war von Erfolg begleitet, und es erfolgte Freisprechung, mit der Begründung, daß es sich nicht um eigenes, sondern nur um gepachtetes Land handele, welches nicht gepfändet werden könne. Bezüglich der Kartoffeln bemerkt das Urtheil, daß diese, weil zum eigenen Gebrauche gehörig, ebenfalls nicht der Pfändung unterworfen seien. Der Bettler und Gelegenheits­arbeiter M. aus Hannover hat sich bei seinem Bettel­gange in Schwarzenfels des Verbrechens einer Majestäts- beleidigung schuldig gemacht; er erhält dafür unter Aus­schluß der Öffentlichkeit eine Gesängnißstrase von vier Monaten.