Einzelbild herunterladen
 
  

von Preußen nicht das hätten leisten können, was sie erreicht haben, wenn sie nicht ein solches Volk hinter sich gehabt hätten, das ihnen Offiziere, Soldaten und Beamte aller Art in solcher Vortrefflichkeit geliefert habe, wie sie ein anderes Volk kaum aufzuweisen hat. Der Kaiser- habe die feste Zuversicht, daß der Geist, welcher Preußen so groß gemacht, für alle Zeiten dem Volke erhalten bleibe.

Ueber die beabsichtigte Neuuniformirung der Armee wird derSpand. Korr." als verbürgt noch Folgendes mitgetheilt:Das graubraune Tuch, welches das bis­herige blaue des Rockes ersetzen soll, wird auch für die Beinkleider verwendet; die gleiche Farbe hat auch der Stoff der Mütze. Das Koppel wird aus braunem Leder gefertigt; das Koppelschloß aus blankem Metall kommt in Fortfall und wird durch eine dunkelfarbige Schnalle ersetzt. Der Helm hat nicht mehr blankes schwarzes Leder, sondern erhält eine ähnliche Farbe wie das Tuch. Das besonders Charakteristische an der neuen Uniformirung ist die Ausschaltung jedweden leuchtenden Gegenstandes an der Bekleidung. Von Kopf bis zu Fuß erscheint der Soldat fortan in nahezu gleicher, möglichst unauffälliger Färbung. Von der bevorstehenden Aenderung in der Uniformirung der Truppen sind die Bekleidungsämter bereits in Kenntniß gesetzt, um sich darüber auch mit den Lieferanten ins Einvernehmen zu setzen. Indeß werden sämmtliche alten Vorräthe aufgebraucht. Ich kann übrigens bestimmt versichern, daß es sich bei den Versuchen mit der neuen Uniformirung, die insbesondere bei den Stammmannschaften der Jnfanterieschicßschule angestellt werden, nicht um Bekleidungsstücke für die ost- asiatischen Truppen, sondern um die Ausrüstung unserer einheimischen Landarmee handelt."

Mainz, 16. Januar. Ein junger Mainzer, der vor einigen Jahren als Chemiker in Wiesbaden angestellt war, ließ sich aus Abenteuerlust auf die Dauer von 5 Jahren für die Fremdenlegion in Algier anwerben. Er zeichnete sich durch seine Tapferkeit aus und brächte es zu einer höheren Charge. Als die Wirren in China ausbrachen, wurde er mit seinem Truppentheil dorthin verschifft und nahm an der Erstürmung von Taku theil. Kürzlich wurde er, da seine fünfjährige Dienstzeit beendet war, aus der Fremdenlegion entlassen und kehrte nach Deutschland zurück. Am Mittwoch traf er hier bei seinen erfreuten Eltern ein. Als er am nächsten Morgen sich auf dem Militärbureau anmeldete, wurde er sofort als Heeresunsicherer eingezogen und einem Infanterieregiment zugetheilt. Er muß nun zwei Jahre als gemeiner Soldat dienen, obwohl er die Einjährigen-Berechtigung besaß. .

Butzbach, 16. Januar. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde ein Soldat, der in China seinen Kameraden erschossen hatte, in die hiesige Zellenstraf- anstalt eingeliefert. Zwei Matrosen brachten ihn von Bremerhaven hierher und die hiesige Gendarmerie lieferte ihn in die Strafanstalt ab. Er ist zu 10 Jahren ver- urtheilt, aus Kalbach bei Büdingen gebürtig, diente beim Train und ging als Freiwilliger nach China.

Straßburg, 18. Januar. Der überflüssige Magen. Wiederum ist mit vollem Gelingen eine Operation aus, geführt worden, bei der einer 38jährigen Frau der ganze Magen entfernt wurde, auf dem sich eine krebsige Ge­schwulst gebildet hatte. Der Operateur war diesmal der hiesige Prof. Breckel. Der Magen ist also kein unbedingt nothwendiger Bestandtheil des menschlichen Körpers, und seine vollständige Entfernung wird jetzt bei bösartigen Geschwülsten sogar als die einzig richtige chirurgische Be­handlung angesehen. Die Verdauungsthätigkeit wird durch sein Fehlen nicht verhindert, nur muß der Patient kleinere und dafür häufigere Mahlzeiten zu sich nehmen. Nach der heutigen Ausfassung spielt der Magen nur die Rolle eines elastischen Behälters zur Aufnahme der Speisen.

In Groß-Heunersdorf (Kreis Sorau) hatte ein Bauer beim Verkauf seiner Ochsen 700 Mk. eingenommen. Die aus Papiergeld bestehende Summe legte er in der Küche in einen Kochtopf und entfernte sich. Als er nach einiger Zeit zurückkehrte, waren Topf und Geld fort. In dem Gefäße war inzwischen für das Vieh Futter gekocht, dieses auch zerstampft, und die ganze theuere Mahlzeit verfüttert worden.

Airsland

London, 21. Jan. Das letzte amtliche Bulletin über den Gesundheitszustand der Königin, welches heute Morgen 3 Uhr ausgegeben wurde, besagt, daß die Königin in den letzten Zügen liege. Fast sämmtliche Herrscher lassen sich über den Zustand der Königin fortlaufenden Bericht erstatten.

Aus London wird den Morgenblättern gemeldet: Eine halbamtliche Meldung besagt: Die Königin Viktoria hatte im Laufe des letzten Jahres manche Anstrengung zu bestehen, die das Nervensystem der greisen Frau vielleicht geschädigt haben. Ihre Aerzte haben es daher für rathsam gehalten, die hohe Patientin solle ruhig in

ihren Zimmenn bleiben und sich für die von den Regierungsgeschäften fern halten. Besserung eintreten, so dürfte die Reise von Aork nach Australien unterbleiben.

Bekenntnisse Lord Roberts werden

nächste Zeit Sollte keine des Herzogs

in englischen

Hofkreisen kolportirt. Sie stammen von dem Besuche, welchen Lord Roberts jüngst der Königin in Osborne gemalt hat und klingen glaubwürdiger als die prahle-

rische Kundgebung des Oberkommandirenden, welche be-jda sie ihre Gefangenen immer wieder freilassen. Bishe

reits vor acht Monaten den Krieg in Südafrika für bc«

endet erklärte. Die Königin ersuchte den Lord um seine heutige Meinung, und die Antwort soll sehr pessimistisch gelautet haben. Roberts soll offen erklärt haben, daß an ein baldiges Ende ixS Krieges nicht nur nicht zu denken sei, sondern daß dies überhaupt nur durch Zu­billigung der Unabhängigkeit der beiden Republiken möglich sei. Lord Roberts gestand, daß England nur dann Aus­sicht auf Erfolg habe, wenn es eine Armee von 300 000 Mann dauernd in Südafrika belassen könnte. (!) Die Aeußerungen des englischen Oberbefehlshabers anläßlich der geplanten Ehrenbezeugungen lassen, wie man in jenen Hofkreisen glaubt, darauf schließen, daß England in ab­sehbarer Zeit eine direkte oder indirekte Friedensvermitte­lung mit dem Präsidenten Krüger anbahnen wird.

Paris, 18. Januar. Nach soeben hier eingetroffenen Meldungen hat der Kaiser von China den Vertretern der Mächte in Peking ein Dekret zustellen lassen, worin er die Friedensbedingungen annimmt. Das Dekret trägt das kaiserliche Siegel.

Petersburg, 15. Jan. Ein Korruptionsprozeß echt russischen Gepräges hat soeben in Charkow seinen Anfang genommen. Er richtet sich gegen eine Räuberbande, die von Personen in hervorragender amtlicher Stellung ge­leitet wurde. Die Bande, welche 150 Köp'e stark war, pflegte im Gouvernement Charkow zu rauben und zu plündern. Sogar am Hellen Tage führte sie ihre Ueber» fälle aus. Von den Gefangenen suchte sie hohes Lösc- geld zu erpressen. Die Polizei war theils machtlos, theils bestochen. Das aufgebotene Militär konnte erst nach heftigem Scharmützel die Bande gefangen nehmen. Die Anklageakte umfassen 9 Bände. Mehrere hundert Zeugen sind vorgeladen. Der Prozeß wird nach dem Kriegsrecht geführt und dürfte mehrere Wochen dauern. Furcht­bare Schneestürme wehen, wie bereits kurz mitgetheilt, in Südrußland, überall große Verheerungen anrichtend. Be­sonders schlecht ist es dabei den Passagiren der Süd- Westbahnen ergangen, speziell auf der Linie Odessa- Schmerinka und Rasdjelna und Kischinew. Die Züge waren vollkommen verschneit, wobei der Schnee bis zum Schornstein hinanreichte. An ein Vorwärtskommen war gar nicht zu denken, dabei kein Proviant, keine Kleidungs­stücke vorhanden. Die armen Reisenden hatte«« furcht­bar unter der Unbill der Witterung zu leiden. Nicht weniger als fünf Züge waren vollkommen im Schnee stecken geblieben. Um sich aus ihrer verzweifelten Lage zu befreien, entschlossen sich die Passagiere persönlich für ein Weiterkommen Sorge zu tragen, da das Zugpersonal sich als machtlos erwies. Einige Muthige arbeiteten sich durch die Schneeberge bis zur nächsten Station hindurch, um an den Stadthauptmam« von Odessa zu telegraphiren behufs schleuniger Hilfe. Sofort ging von dort aus ein Zug mit Arbeitern, Feuerwehrleuten, Proviant und Kleidungsstücken, sowie Schnaps zum Erwärmen ab und jefreite die Eingeschneiten aus ihrer furchtbarer« Lage. Mehr als 200 Perionen wurden dank dem energischen Handeln einiger Mitreisenden vor weiterer Noth geschützt und nach Odessa befördert.

New-Iork, 18. Januar. Cleveland der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, hat sich bei einem Festessen der holländischen Gesellschaft gegen das Vor- jetjen der Vereinigte«« Staaten auf den Philippinen aus­gesprochen. Cleveland erklärte, die Unterwerfung der Philippinen würde die Vereinigte«« Staaten in eine außer­ordentlich gefahrvolle Lage bringen. Cleveland zog eine Parallele zwischen dem Vorgehen der Vereinigten Staaten auf den Philippinen und dem Vorgehen der Engländer gegen die Buren, welches er gleicherweise scharf ver- urtheilte.

Newjork.Newjork Herald" wird aus Washington gemeldet: Amerika werde, wem« nöthig, die unrechtmäßige Vertreibung der Newjork anb Bermudas Company von ihren Asphaltkonzessionei« in Venezuela mit Gewalt ver­ändern. Das nord-atlantische Geschwader werde in Bereitschaft gehalten, um nach Venezuela zu gehen.

London, 17. Januar. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen ein Telegramm aus Kapstadt, welches be­richtet, daß Dewet den Vaalfluß überschritten und sich mit ben Kommandos in Transvaal vereinigt hat. Diese Bewegung Dewets wird von sämmtlichen Blättern ein­gehend kommentirt. Man erblickt darin ein Anzeichen für einen bevorstehenden großen Schlag seitens der Buren.

Aus dem Vorleben des Burengenerals Dewet, dessen geschickte Schachzüge gegen die englische Uebermacht im Oranjesreistaat viel Don sich reden machen, weiß die Allg. Fleischer Ztg." die interessante Mittheilung, daß Dewet früher als Fleischermeister eine der bedeutendster« Fleischereien in Pretoria inne hatte und später nach Auf­gabe dieses Geschäfts bis zum Ausbruch des Krieges auf seiner Farm, die inzwischen von den Engländern ausgeplündert und eingeäschert ist, einen umfangreichen Viehhandel getrieben hat. Aus London wird depeschirt: Der DampferHighland Prince" ist, von La Plata kommend, im Hafen von Shielands angekommen. Während der Fahrt sind vier Personen, brruntcr der Kapitän und ein Maat, an der Pest gestorben. Andere von der Be­satzung wurden gleichfalls voi« der Krankheit ergriffen, . sind aber wieder hergestellt.

: Kapstadt, 16. Jan. Wie viele Gefangene die Suren

ist, den Thäter zu ermitteln. Es wird eine Belohnn"! von 100 Mark demjenigen zugesichert, welcher zur $ Mittelung des Thäters genügende Anhaltpunkte geb» bisher im Kriege gemacht haben, läßt sich nicht ermitteln,' kann.

glaubte man, daß es überhaupt zwecklos für die Bure!

sei, Gefangene zu machen, daß das nur so eine Ehre« sache oder moralischen Sieg bedeute. Auf dem Worceste Kongreß (der Kapholländer) sind aber ganz merkwürdiz Dinge an den Tag gekommen, welche geeignet sind, die Sach in ganz anderem Lichte erscheinen zu lassen. So z. $ trafen sich dort englische Soldaten eines und desselbe Regiments, und mit Erstaunen erkannten die Einen, da einzelne ihrer früheren Kameraden, welche von ihrer Gl fechtslinie zurückgekehrt waren, die Uniform ausgezoge hatten. Auf Befragen derselben streiften sie ihren linke Aermel in die Höhe und auf der nackten Haut zeigte sich in feuerrothen Brandnarben die Buchstaben D W. C (De Wets Own), das heißt also Dewets Leibeigen, Als Erklärung erzählten sie, daß Dewet sie bei Gelege« Heit eines Gefechtes gefangen genommen, später abe wieder freigelassen habe, jedoch mit der bestimmten Zu sicherung, daß sie standrechtlich erschossen werden würde« falls sie nochmals die Waffen gegen die Buren ergreift und von diesen abermals gefangen genommen werde würden. Damit wäre erwiesen, daß das Gefangenmache! doch keine zwecklose Sache für die Buren ist. Die Gi brandmarkten werden sich jedenfalls hüten, denselben j wieder zu nahe zu kommen.

Ein englisches Blatt läßt sich aus Peking melde« man spreche dort viel über die Entschädigungs-Summi welche die Mächte verlangen wollen und die China bt zahlen könnte; obgleich keine bestimmte Summe angegebn werden könne, werde doch stets von 120 Millionen Lst (2400 Mill. Mk.) gesprochen. Davon verlangen a« geblich Deutschland 15 Mill. Lst. (300 Mill. Marks England 12, Frankreich 5, Rußland 3, Italien, 1,! und die Vereinigten Staaten 1 Mill. Lst.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 22. Januar.

* Dem der. Gendarmen Schulz zu Schlüchtm wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

* Auch am hiesigen Seminar wurde am 18. Ja> nuar das Geburtstagsfest des Kaisers und das Fest d« zweihundertjähngen Krönung der preußischen Könige gt- feiert. Nach dem Festgottesdienstc in der Kirche ver sammelten sich Lehrer und Schüler der Anstalt, die Lehr« des Progymnasiums und der Stadtschulen sowie Dtr. schiedene Beamte in der Aula des Seminars. Eingeleit« wurde die Feier durch Choralgesang und Gebet. M Festrede hielt Herr Seminarlehrer Wulfs, in der er an der Hand der Geschichte nachwies, wie die preußisch! Königskrone erworben worden sei unb welchen Segen st Deutschland gebracht habe. Die Feier wurde durch Geb« und Choralgesang geschlossen. Um 1 Uhr vereinigte M solennes Mahl Lehrer und Schüler. Abends fanden« der festlich geschmückter« Turnhalle musikalische und thn> tralische Vorträge statt, welche die Zuhörer in die Heiterst Stimmung versetzten und allgemeine Anerkennung uni reichen Beifall fanden.

* Wie die Leser unseres Blattes aus dem Kreis blatt vom 19. d. Mts. ersehen haben, sind die restlich« Kreissteuern bis spätestens den 1. Februar d. I. ® die Kreiskommunalkasse einzuzahlen; es muß daher bt Einzahlung an die Gemeindckaffen, soweit dies noch nich geschehen, alsbald erfolgen, worauf wir hierdurch auf merksam machen.

Bezirkssteuer. Laut Beschluß des LandesauS schlusses vom 9. d. Mts. gelangt für das Rechnung^ jahr 1901 die Bezirkssteuer in Höhe von 6 Prozeß (bisher 5 Prozent) zur Erhebung.

* Das erste Concert der neuen Stadtkapelle in d« Turnhalle war sehr gut besucht, und wurden die Leistung« des Herrn Liese und der Kapelle als sehr gut anerkannt was Herrn Liese^ veranlaßte, noch mehrere Zugaben z> geben. !

* Die Abhaltung des Viehmarktes in Fulda a« 31. Januar d. I. ist unter den bekannten Bedingung« genehmigt worden. Die fünftägige Quarantäne der n« der Bahn aus verseuchten Gegenden hier ankommend« Thiere rst aufgehoben worden.

* Beim Miethen minderjähriger Dienstboten I Vorsicht von Nöthen. Früher bedurfte der DienM bei seiner ersten Vermuthung der Genehmigung d! Vaters oder gesetzlichen Vertreters und konnte alle ferner Stellenwechsel dann ohne diese Einwilligung nach D lieben selbst unternehmen. Das Bürgerliche Gesetzbvi hat hierin eine einschneidende Aenderung getroffen, inbt^ es bestimmt, daß der Dienstbote, so lange er minderjähr^ ist, zur Verdingung stets der obigen Erlaubniß bebari Die Herrschaft wird beim Miethen solcher Dienstbot« demnach gut thun, sich der Einwilligung zu versichern da sonst das Dienstverhältniß ungültig ist und d^ späteres Verlangen des Vaters gelöst werden kann.

Der Königliche Eisenbahn-Inspektor zu Franks hat folgende Bekanntmachung erlassen und auf den Bah« Höfen ansgehängt:100 Mark Belohnung! Schon längerer Zeit werden aus den Personenwagen, sowie E den Abort-Abtheilen die Messingtheile, Kleiderhaken, Thü' griffe und Bleibelege entwendet, ohne daß es gelung11